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GastroGuide-User: Minitar
hat Wachthaus · EG in 73230 Kirchheim unter Teck bewertet.
vor 5 Monaten
"Schwäbisch-italienisches Joint-Venture?"
Verifiziert

Geschrieben am 07.02.2020
Besucht am 06.02.2020 Besuchszeit: Abendessen 3 Personen Rechnungsbetrag: 38 EUR
Kirchheim / Teck eignet sich durchaus für Besichtigungstouren mit historisch interessierten Gästen, ist hier doch der schriftstellernde Ingenieur Max Eyth geboren und die unglückliche Adlige Barbara Gonzaga begraben. Die stattliche Fachwerkstadt mit sehenswerter Fussgängerzone lässt sich ausserdem von meinem Heimatort (und von der ganzen Region Stuttgart) sehr bequem mit der S1 erreichen. Allzu häufig bin ich trotzdem nicht hier, so dass es gastronomisch eher noch als Terra Incognita gilt.

So irren wir mit unserem Besucher aus dem Ruhrgebiet (ein ausgewiesener Maultaschen-Fan) recht lange etwas uninspiriert durch die Gassen, auf der Suche nach warmer Küche vor 18 Uhr. Eigentlich das ewig gleiche Problem, wenn man seit dem Frühstück nichts mehr Habhaftes zwischen die Kiemen bekommen hat und auch kein nachmittäglicher Kaffee-und-Kuchen-Anhänger ist. Vermutlich haben wir sehr verloren ausgesehen. Bis uns eine engagierte Eingeborene anspricht, ob sie helfen könne. Unsere Lage ist schnell geschildert, ihre Empfehlung wird prompt ausgesprochen. Tipp Nr. 1 (den ich noch für mich behalte, weil ich ihn sicherlich ein anderes Mal anteste), hat derzeit bedauerlicherweise nur mittags geöffnet, Tipp Nr. 2 (offenbar das Lieblingslokal der hilfsbereiten Passantin) liegt nur ein paar Schritte entfernt, am Ende der Fussgängerzone, und lockt mit hell erleuchteten Fenstern. Nichts wie hin!

Im „Alten Wachthaus“ war offenbar bis in die 1970er Jahre hinein tatsächlich das hiesige Polizeirevier plus Arrestzelle untergebracht (was für eine interessante innenarchitektonische Unterteilung sorgt). Doch erst nach meiner Rückkehr erfahre ich zuhause (bei GG) von der offensichtlichen Aufteilung in das Erdgeschoss und das Obergeschoss, was gastronomische, wohl auch qualitative Unterschiede machen soll. So stellt sich die Situation für uns vor Ort allerdings nicht dar. Die Existenz eines Biergartens lässt sich im Februar (und bei früher Dunkelheit) nicht erahnen, die vor dem Eingang präsentierte Riesenkarte weist gleichermassen und gleichranging sowohl schwäbische wie auch italienische Küche aus.

Über drei oder vier Stufen gelangt man ins Erdgeschoss. Nirgendwo finden wir einen Hinweis auf ein italienisches Lokal im Obergeschoss. Als wir ums Eck in den Gastraum einbiegen, werden wir sofort freundlich begrüsst und auf freie Platzwahl hingewiesen. Der langgezogene Raum ist hell erleuchtet, bequem möbliert und macht einen einladenden Eindruck. Etwas abgetrennt davon befindet sich noch ein langer Tresen und eine gemütliche Sitzecke, sowie der Zugang zu den Toiletten. Die weibliche Bedienung zeigt echte Freundlichkeit, ist sofort zur Stelle,  hilft gerne mit Erläuterungen und Empfehlungen, fragt bei Bedarf auch schon mal in der Küche nach und bringt am Ende schnell und ohne Umstände ganz selbstverständlich eine ausgedruckte Rechnung. Hier fühlt man sich wirklich willkommen.

Hochgradig irritierend wirkt nur die Speisekarte, die tatsächlich zur Hälfte ein italienische Angebot (Pizza, Pasta, Antipasti, Salate, Saltimbocca und Scaloppine etc.) aufweist. Wenn man die Karte um 90 Grad dreht und entgegengesetzt aufblättert, findet man das deutsche, respektive schwäbische Angebot (Maultaschen, Linsen und Spätzle, Wurstsalat, Zwiebelrostbraten etc.). Im Nachhinein frage ich mich, ob vielleicht in den Wintermonaten die Küche zusammenarbeitet? Etwas undurchsichtig wirkt das Ganze auch vor Ort, aber der superfreundliche und entgegenkommende Service hilft uns mit individueller Beratung. So wählen wir aus den diversen Maultaschenangeboten die gerösteten Maultaschen mit Ei und die Maultaschen mit Zwiebelschmelze (für jeweils 9,20 Euro). In knapp einer Viertelstunde steht das Essen auf dem Tisch. Beide Versionen durchaus solide verarbeitet und angerichtet – keine Haute Cuisine, aber offenbar auch keine Fertigmaultaschen von Bürger (eher vom ortsansässigen Metzger). Der Beilagensalat zur ersten Variante frisch und knackig, der Kartoffelsalat zur zweiten Variante etwas zu fest (vermutlich wurde keine geeignete Kartoffelsorte gewählt und zu wenig warme Fleischbrühe aufgegossen). Auch mussten wir kräftig nachwürzen, vor allem mit Pfeffer. Die zur Deko und auch im Salat verwendeten Tomaten und Gurken waren leider vollkommen geschmacklos. Dafür wurde das aromatische Rhabarbersaftschorle (3,50 Euro für einen halben Liter) spritzig und gut gekühlt serviert, ebenso das alkoholfreie Bier von Dinkelacker (3,40 Euro).

Auf jeden Fall war unser Besuch zufrieden und wir können gesättigt die Heimfahrt antreten. Ein möglicherweise im OG existierender und von uns übersehener Italiener wird sicherlich von einem nachfolgenden GG-Esser aufgespürt. Seien wir gespannt darauf!
 
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


AndiHa und 7 andere finden diese Bewertung hilfreich.

simba47533 und 7 andere finden diese Bewertung gut geschrieben.