Zurück zu Zuckerfee Café und Confiserie
GastroGuide-User: marcO74
hat Zuckerfee Café und Confiserie in 10437 Berlin bewertet.
vor 1 Jahr
"Schickes, inhaberinnengeführtes Frühstückscafé, wo vieles noch selbstgemacht auf der Etagere landet"

Geschrieben am 12.09.2018
Besucht am 14.07.2018 2 Personen Rechnungsbetrag: 22 EUR
Im Sommer zog es uns mal wieder nach Berlin. Unsere Wohnung befand sich im sogenannten „Schwaben-Kiez“, wie man den Prenzlauer Berg auch gerne bezeichnet. Hier ist die Auswahl an gastronomischen Einrichtungen nicht gerade gering. Selbst Rezensions-Eminenzen aus Bremen erwandern hier gerne den Gastrohügel und sorgen bei ihrer geneigten Leserschaft für Speichelfluss und Nachahmungsdrang. Egal ob spanisch-koreanische Fusionsküche oder moderne „Schulküche“ mit internationalen Akzenten – der Wortakrobat von der Weser hat hier schon einiges auf „Herz & Niere“ geprüft und sich auch nicht von durchgestylten Gazellen mit Detox-Smoothies die Avocado vom Chia-Brot nehmen lassen.
 
Letztere Spezies hätte er auch an jenem sonnigen Samstag im Juli in der baumbestandenen, angenehm schattigen Greifenhagener Straße beobachten können. In Inneren der bis auf den letzten Platz gefüllten „Zuckerfee“ strichen sich die auf vegan dressierten Hungerhaken den Soja-Joghurt aufs Bananenbrot. Der Servicemann mit Rauschebart und Zotteldutt vom Craftbierladen nebenan würde sagen: „Mädels, solange ihr eure Sneakers unter unsere Palettentische stellt, wird gegessen, was der Bioladen an veganen Schikanen für euch parat hält!“  
 
Nun gut, wir saßen ja nicht drinnen, sondern versuchten es uns auf den sperrig-unbequemen Gartenstühlen, welche die wenigen Zweiertische vor dem Haus boten, einigermaßen gemütlich zu machen. Wir hatten nicht reserviert und dementsprechend Glück, dass wir noch einen der letzten freien Plätze ergattern konnten. Laut „Reiseratgeber“, den so viele gerne Englisch aussprechen, lag die „Fee“ ganz oben auf der Gunstliste der Ambitionsfrühstücker und Schoko-Enthusiasten. Denn, wie mich deren Homepage lapidar lehrte: „Schokolade macht glücklich!“.
 
In der Zuckerfee geizt man deshalb nicht mit Kakaoanteilen. Die „echte heiße Schokolade“ kommt auf stolze 77 Prozent. Leert man noch einen Espresso dazu, darf man das Ganze als „Schok-Mock“ genießen. Freunde des heißen Aufgussgetränks werden mit einer breitgefächerten Samova-Auswahl glas- oder kännchenweise zufrieden gestellt. Die bereits erwähnten Smoothies dürfen da nicht fehlen. Die Limonaden hören auf Namen wie Fritz oder Thomas Henry. Beim Bier gibt man sich gerne badisch, denn das Rothaus Tannenzäpfle aus dem Schwarzwald kann es scheinbar locker mit jeder Berliner Hopfenkaltschale aufnehmen.
 
Doch wer geht schon ins Café, um Bier zu trinken. Hier wird gefrühstückt, Basta! Hinter mir hing eine Schiefertafel, auf der eine ganz besondere Frühstücksempfehlung in Kreide gekritzelt stand. Das „Walking on Sunshine“ hatte als Exklusivvariante des Morgenbrots so einiges auf der Etagere liegen: ein kleines, mit Thymian-Zitronen-Frischkäse gefülltes Omelette, Linsensalat mit Nektarinen, Tonkabohnen-Panna-Cotta mit Kirsch-Limettensauce und andere „Schmankerl“ standen darauf gelistet. Für 15,50 Euro eine Herausforderung, die mir an diesem Morgen zu elaboriert erschien.
 
Stattdessen begnügte ich mich als kulinarischer Mannschaftsspieler ganz „Jogi-like“ und mit „högschder“ Konzentration mit einem Kännchen „Team-Spirit“ von Samova (4,90 Euro), einer mit Lemongras, Jatoba (Hülsenfrucht der Hymenaea) und Ginkgo verfeinerten Kräuter-Grüntee-Mischung. Den ließ ich am Platz erst einmal schön in seiner Glaskanne gar ziehen, ehe er mit Kandiszucker gesüßt aus dem kleinen dickwandigen Gläschen genossen wurde. Meine Begleitung hatte es mit einem intensiv zimtwürzig schmeckenden Chai Latte (3,30 Euro) zu tun, was die allgemeine Zufriedenheit über die Warmgetränke am Tisch komplettierte.
 
Das Frühstücksrennen machte das „Sugarplum fairy“ (9,60 Euro), das neben Pancakes mit warmen Heidelbeeren, Balsamico-Tomaten und frischem Obst auch eine Portion Rührei mit knusprigem Bacon beinhaltete. Etwas Toast und Butter befanden sich ebenfalls auf der hübsch bestückten Etagere, die wir uns als bekennende „Wenig-Frühstücker“ teilten. Gut, die Dame am Tisch kam um den Genuss eines Joghurts mit Obst und Nüssen nicht herum und bestellte sich den Vitalimbiss quasi als eine Art „Zereal-Additivum“.
 
Geschmacklich ließ das Gebotene nichts zu wünschen übrig. Besonders gefallen hat uns die Art und Weise, wie liebevoll die Etagere arrangiert war. Bei dem was da drauf lag, war es uns dann auch egal, dass diese aus Plastik gefertigt war. Das Obst lag kunstvoll zerlegt im ersten OG, während die noch warmen Pfannkuchen auf der Heidelbeerkontaktbörse fündig wurden. Über das Rührei wurde kleingehackter Schnittlauch gestreut. Zusammen mit dem salzig-krossen Speck und den geschmolzenen, mit Balsamico veredelten Cocktailtomaten war das eine runde Sache auf eckigem Porzellan.
 
Die „Zuckerfee“ ist eine empfehlenswerte Location für Leute, die gerne qualitativ hochwertig frühstücken. Der Geräuschpegel kann im Inneren des Cafés zuweilen recht hoch sein und gerade morgens den ein oder anderen noch vor sich hin dösenden „Spätstücker“ überfordern. Tags drauf saßen wir in der (bei TA) so gehypten „Krone – Kitchen & Coffee“ und hatten die Wahl zwischen Hakuna Matata Sandwich, Brotsalat und Porridge. Ach, wie glücklich macht doch Schokolade!
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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