Zurück zu Schneider Stube im Romantikhotel Tuchmacher
GastroGuide-User: Carsten1972
hat Schneider Stube im Romantikhotel Tuchmacher in 02826 Görlitz bewertet.
vor 4 Jahren
"Positiv überrascht im gediegenen Ambiente....."
Verifiziert

Geschrieben am 12.12.2016 | Aktualisiert am 12.12.2016
Besucht am 07.12.2016 Besuchszeit: Abendessen 1 Personen Rechnungsbetrag: 60 EUR
Die berufliche Jahresendrallye 2016 steht an, "et muss noch vieles fertisch"......KW49 Armaturenabnahmen in Dolni Benesov / Hultschiner Ländchen / CZ. Und auf dem Weg dorthin bot sich Görlitz als Ort für eine Zwischenübernachtung an. Ich war schon lange nicht mehr dort, und buchte mich im mir bekannten Parkhotel direkt am Neißeufer ein. 4 Jahre sind eine lange Zeit. Das Hotel steht nicht mehr unter Mercure Ägide und die HP macht den Eindruck, dass man das Haus als Hotel Garni betrieb, kein Hinweis auf eine Gastronomie. Nicht so schlimm, es ist ein 10 Minuten Fußweg in die Innenstadt von Görlitz.

Ich checkte also am frühen Abend ein und stellte fest, dass es doch noch ein Restaurant gab, warum gibt man auf der HP keinen Hinweis darauf? Nun denn, ich hatte mich bereits festgelegt, ich wollte im Hotel Tuchmacher speisen. Ein Zimmer hatte ich dort nicht mehr bekommen, aber die Karte in den Schneider Stuben gefiel mir und so reservierte ich mir dort bei der jungen Dame, die mir telefonisch mitteilte, dass ich kein Zimmer mehr bekommen könnte, einen Tisch für mich.

Vom Parkhotel ging es durch Altstadt von Görlitz und ich legte für mich fest, dass ich hier sicher einmal mit meiner Frau ein Wochenende verbringen werde. Die vom Krieg gänzlich verschonte Stadt ist eine Augenweide! Mein Weg führte über den im historischen Ambiente wohl platzierten Weihnachtsmarkt in die Peterstraße. So stand ich dann nach einigem Staunen über diese Stadt vor der Tür des Tuchmacher.

Ich wurde von einer Dame freundlich in Empfang genommen und die Garderobe wurde mir abgenommen. Die Dame platzierte mich in der Nähe der Bar an einem kleinen Zweiertisch, der für mich alleine eingedeckt war. Das Hotel Tuchmacher ist sicher eines der renommiertesten Häuser in Görlitz und auch das Restaurant steht dem in nichts nach. Das Ambiente ist historisch klassisch, wie das ganze Haus.

Alles war sehr gediegen, aber piccobello in der Darbietung. Der Service wird durch ausgebildetes Personal gewährleistet, die Damen und Herren, besonders eine junge Dame, erledigten Ihren Job über den Abend zu meiner absoluten Zufriedenheit. Mein Tisch war mit hochwertigen Besteck eingedeckt.

Mit der Entgegennahme der Karte war ich sicher, dass der Abend keine große Katastrophe werden würde. Die Küche bot in der Karte eine regional-jahreszeitliche Speisenauswahl mit gehobenem Anspruch an. Eigentlich mit dem ersten Blick auf die Karte stand meine Wahl fest, und es blieb mit der weiteren Lektüre so, es sollte das angebotene regionale Spezialitäten-Menü sein.

Unter schlesischer Küche kann ich mir als halber Niederländer so gar nichts vorstellen, deswegen ließ ich mich gerne überraschen. In der Zwischenzeit hatte ich ein Pils als Durstlöscher geleert und fragte nach der Weinkarte. Diese wurde mir prompt übergeben und der Service servierte dazu als Gruß der Küche ein Gänseschmalz mit zwei Brotsorten.

Optisch hatte man dort nicht allzu viel investiert, da hatte ich mir vom Küchenanspruch her schon etwas mehr versprochen, als einen Löffel Schmalz auf einen Teller zu setzen und ein bisschen Brot dazu zu geben! Geschmacklich aber war das Gänseschmalz schon ein klarer Pluspunkt! Perfekt abgeschmeckt schmeckte es hervorragend in Kombination mit dem tadellos frischen Brot und dem Pils. Guter Start ins Abendessen.

Mittlerweile hatte ich die offenen Weine sondiert und entscheid mich auch hier für einen "regionalen" Erzeuger. Zwei Weine des VDP Weingutes "Schloss Proschwitz - Prinz zur Lippe" sollten mich durch das Menü begleiten. Zuerst ein trockener Gutsriesling, und, besonders auf diesen war ich sehr gespannt, ein trockener Spätburgunder (Gutswein) aus dem Barrique, Jahrgang 2013, das WG ruft auf seiner HP den stolzen Preis von 23,50 für die 0,75 Literflasche auf!

Im Gastraum herrschte eine sehr ruhige Atmosphäre, Paare im Rentenalter bestimmten das Bild, ich war einer der wenigen jüngeren Gäste an diesem Abend. Der Service servierte mir den Riesling. Ein Probeschluck offenbarte eine sehr zurückhaltende Säure, eine sanfte Mineralität und Fruchtigkeit. Insgesamt fehlte mir an diesem Riesling ein bisschen der "Bumms", der war zu brav........

Die Suppe kam kurz darauf auch an meinen Tisch:

Oberlausitzer Linsensamtsuppe mit Rauchkasseler und Holunder-Balsamico
Und diese machte dann sehr viel mehr Freude als der dazu georderte Riesling. Die Linsen waren fein püriert, die Suppe nicht sonderlich sämig, und dadurch nicht zu schwer. Für mich gehört zu einem guten Linsengericht, egal ob Suppe oder der in meiner Familie heißgeliebte Linseneintopf immer eine deutlich saure Note durch einen guten Essig. Der Koch (oder die Köchin) hatte es hier perfekt getroffen! Die Säure passte perfekt, ebenso wie das Salz! Einfach Lecker, auch das kräftig rauchige Kasselerfleisch ergänzte den Geschmack gut.

Kurz nach dem servieren die Nachfrage ob der Qualität, ich konnte nur nicken bei diesem Gericht.

Nach dem abräumen des ersten Gang wurde mir der erwählte Rotwein am Tisch gezeigt und entkorkt. Ich war extremst gespannt auf diesen Spätburgunder aus Meissener Lagen, mir war nicht bekannt, dass dort akzeptable Rotweine produziert werden. Ein großes Burgunderglas wurde mit einem Probeschluck gefüllt und ich ließ den Duft an meine Geruchsnerven gelangen. Erstaunlich! Das war auf einem Niveau mit guten Pfälzer, Nahe oder Badener Spätburgundern aus dem Barrique (auch wenn diese keine 23,50 für einen Gutswein nehmen könnten). Die Wartezeit bis zum Hauptgang blieb meine Nase über dem Glas und ließ mich vom Bukett zum trinken verführen.

Der Hauptgang dazu:

Frikassee vom Landkaninchen in Weinrahm-Estragon-Sauce mit hausgemachten Bandnudeln
Jetzt weiß ich nicht, ob Nudeln so schlesisch sind, aber der Wein kam hoffentlich aus dem Elbtal. Vom Kaninchen fanden sich auf dem Teller eine Roulade (ich musste fragen) und geschmorte, nicht so edle Stücke. Interessant die Roulade, ein Stück Rückenfilet, mit dem eine Trockenpflaume umwickelt wurde, dass ganze war dann mit dem Bauchlappen des Kaninchen umwickelt, angebraten und geschmort worden. Lecker! Ebenso so gut, saftig geschmort, die restlichen Teile, ich vermute Fleisch aus den Keulen. Perfekt passte dazu die Sauce und die Nudeln. Auch hier konnte ich bei der Nachfrage des Service keine Kritik am Gericht anbringen.

Nach dem Hauptgang widmete ich mich wieder dem guten Burgunder und wartete auf mein Dessert:

Quarkkäulchen mit marinierten Früchten und Vanille-Honig-Parfait
Jetzt hatte ich die Küche bis hierher einen so guten Job gemacht, und was fand sich auf dem eigentlich gut appetitlich aussehenden Dessertteller? Eine dieser Schokoladenstangen...Deko wie in der Eisdiele! Liebe Küche, einfach weglassen, dass vermisst man nicht, wenn man sich an den Verzehr der angebotenen Mehlspeise macht! Die erinnerte leicht an die in meiner Heimat und den angrenzenden Niederlanden heiß geliebten "Oliebollen" mit ihren Rosinen. Parfait und Früchte passten sehr gut zur Mehlspeise. Auch hier ging der Daumen bei der Nachfrage nach oben!

Was die Küche mir an dem Abend für 28,90 Menüpreis geboten hatte, konnte restlos überzeugen. Ein Espresso schloss das Essen ab.

Womit ich zum Fazit kommen kann. Ambiente, Service und Küche spielen auf gehobenem Niveau und können den Erwartungen gerecht werden. Ein erfreulich Einkehr zu einem leckeren Abendessen in Görlitz. Ich komme gerne wieder.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


Jens und 32 andere finden diese Bewertung hilfreich.

Ede. und 32 andere finden diese Bewertung gut geschrieben.