Zurück zu Schloss Bensberg · Trattoria Enoteca
GastroGuide-User: x2x
hat Schloss Bensberg · Trattoria Enoteca in 51429 Bergisch Gladbach bewertet.
vor 5 Jahren
"Sterne Küche in lockerer Atmosphäre"

Geschrieben am 04.03.2015 | Aktualisiert am 20.05.2016
Besucht am 05.09.2013
* Hoch über dem Ort thront das barocke Schloss Bensberg. Um 1711 erbaut befindet sich im Schloss eines der besten Hotels Deutschlands, das Grandhotel Schloss Bensberg. Zum Hotel gehören 3 Restaurants. Das "Vendome", eines der am höchsten ausgezeichneten Restaurants in Deutschlands, mit 19,5 von 20 möglichen Gault Millau Punkten. Die Trattoria Enoteca mit "nur" 15 von 20 möglichen Gault Millau Punkten und das Hotel-Restaurant Jan Wellem, dass für das Frühstück der Hotelgäste reserviert ist. Wir hatten uns für die Trattoria entschieden, am Vorabend des "warming up" der Oldtimer Classics 2013 im Schlosshotel.

* Es war bereits September, doch der 05.09.2013 ist hinsichtlich des Wetters kaum zu überbieten. Ganze 35 Grad am Tag und selbst am Abend um 20:00 Uhr immer noch 25 Grad - Weltklassewetter ! Wir betreten die Trattoria und waren zunächst enttäuscht, gähnende Leere. Das Missverständnis klärte sich schnell auf. Bei diesen Temperaturen hatten bereits alle etwa 40 Gäste ausnahmslos auf der Terrasse Platz genommen. Es herrschte eine angenehme Atmosphäre. Große sandfarbene Sonnschirme - alle ohne Werbeaufdruck - gedämpftes Licht. Ordentliche Terrassenmöbel mit einer guten roten Polsterung, umgeben von der Bruchsteinfassde des Schlosses. Toskana-Ambiente, 15 Kilometer vor den Toren der "heiligen" Stadt Köln. Der sehr freundliche Service geleitete uns zum reservierten Tisch, die Karten wurde kurz danach gereicht. Zurücklehnen und einen stressigen Tag einfach abwerfen. Einen kühlen Aperitivo genießen und die Karte studieren. Die Wahl viel schwer, doch plötzlich war alles ganz einfach. Wir entschieden uns für den "GIRO D' ITALIA", einem 5 Gang Menue mit korrespondierden Weinen. Ich musste mir keine Gedanken zur Weinauswahl machen. Zu einem dieser Weinberatungsgespräche hatte ich keine Lust mehr und wenn meiner Dame der Wein nicht schmecken würde, touche, ich bin dann nicht der Schuldige. Manchmal ist das Leben so einfach. Also bitte, 2 x das Menue Casalinga.


* Kurz nach der Order wurde der Gruß aus der Küche serviert. Sehr frisches Brot aus der hauseigenen Bäckerei, dazu Pesto und eine Thunfischcreme. Leicht, lecker, erfrischend. Dieses doch bis dahin für ein solches Haus eher bescheidenes Amuse Bouche, wurde dann nach kurzer Zeit aufwendig ergänzt. Wunderbarer Schinken aus Modena und Salame Felino. Mein Lieber, dass war bereits ein angenehmer Auftakt und erweckte Erwartungen auf das Menue. Der Wein zur ersten Vorspeise wurde eingeschenkt. Die Vorspeise serviert:

* Piemontaiser Kalbstatar

Das Tatar hatte eine vorzügliche Konsistenz, war aber beim ersten Biss nicht mit vielen Aromen ausgestattet. Der Genuß im Gaumen trat aber sofort ein, wenn man den dazu gereichten Peperonata Salat mit dem Pesto und dem Tatar kombinierte. Ganz viel Spaß im Mund. Der dazu ausgeschenkte Wein, relativ mild, passend. Schön !

Bis der nächste Gang serviert wurde, vergingen etwa geschätzte 15 Minuten, für uns wunderbar passend. Wir schauten uns etwas um. Das Publikum war sehr gemischt. Etwas Business-Volk (Hurra wieder ein neuer Spesentag), einige Classics 2013 Oldtimerlenker und  Menschen von "nebenan". Ein flink agierender sehr aufmerksamer Service, dazu ein immer präsenter Restaurantleiter. Aber da war noch - vorsichtig formuliert - etwas Optimierungsbedarf. Die eigentlich gute Ausleuchtung der Terrasse wurde durch die sehr großen Sonnenschirme mehrheitlich verdeckt. Fallweise war nur mit Mühe und 2,5 Dipotrien erkennbar, was auf den schicken Designtellern serviert wurde, obwohl der Service immer exakt ansagte was serviert wurde. Etwas später trat dann eine leichte Verbesserung ein. Auf der Terrasse wurden 10 oder noch mehr große Fackeln angezündet. Trotzdem sollte man mal über die Ausleuchtung der Terrasse nachdenken, zumindest wenn die Sonnenschirme geöffnet sind und es bereits dunkel ist. Der nächste Wein (ein Südtiroler) wurde serviert, gleich darauf der 2. Gang:

* Pfifferlingrisotto

Um es gleich vorweg zu nehmen, auch dieser Gang eine kulinarische Meisterleistung der Küche. Die Pfifferlinge von ausgesuchter Qualität, angereichert mit Lauch und dazu sautierte Trauben. Eigentlich ist für mich ein Risotto eher ein langweiliger Magenfüller. Aber das was hier in der Küche von Marcus Graun zubereitet wurde - Hut ab ! Dazu noch eine exellente Optik, die bereits bei der ersten Vorspeise ins Auge fiel. Der dazu servierte "Südtiroler" passte ohne wenn und aber. - Die Zeit bis zum nächsten Gang wieder völlig ausgewogen. Neuer Wein wurde serviert, jetzt schon ein deutlich kräftigeres Gewächs.

* Fischsuppe mit Filets von Mittelmeerfischen und Krustentieren

Was jetzt serviert wurde war streng betrachtet keine Suppe. Der flüssige Anteil der 3. Vorspeise war überschaubar, ein eher aromatischer Sud. Allerdings weilten in diesem "Suppen-Sud" (sorry an die Küche für diese laienhafte Formulierung) diverse sehr ansehnliche Filets verschiedener Meeresbewohner. Also Fisch plus Gambas, einfach ein wunderbares Fischgericht. Die Bezeichnung "Suppe" war einfach eine (gewollte ?) Untertreibung. Was man sonst in einer Fischsuppe findet, übersteigt häufig kaum 10 Gramm und hat bequem auf einem (Tee) Löffelchen Platz. Das war hier deutlich anders. Der 2009er Chardonnay aus Sizilien passte genau dazu. Wir genossen den Wein, die immer noch 25 Grad um 21:30 Uhr, die Fackeln und einen Service, der fast lautlos auftrat. Nicht "Grandhotel" steif wie man es hier erwarten könnte, sondern leicht, locker und charmant. Einfach angenehm.  -  Nun zum Hauptgericht, begleitet von einem 2007er aus der Toskana, der eine ordentliche Schwere hatte. Das Hauptgericht:

* Sechzig Stunden sanft gegarter Rinderschaufelbug

Was jetzt serviert wurde, war wirklich jenseits jeder klassischen italienischen Kulinarik von "La Mamma", sondern eher die Anlehnung an eine neue moderne Küche, auf der Basis italienischer Produkte. Wenn man für diese Fleischkreation das Wort "zart" verwenden würde, wäre das nicht gerecht. Dieses Fleischgericht stellte jedes Rinderfilet in den Schatten. Damit könnte sich selbst Joachim Wissler im Vendome profilieren. Das Fleisch wurde von Haselnussbällchen und Spitzkohl begleitet. Nochmals ein Kompliment an die Küche. - So das waren 4 Gänge, fehlt noch das Dessert:

* Creme brulee

Auch dieser Gang hatte die Hand eines kochenden Foodstylisten erfahren. Die Creme brulee wurde in einem tiefen Teller serviert, dazu weißer Nougat und etwas Milcheis. Schön, kreativ, geschaffen für Schleckermäuler. Der Wein dazu, Moscato d Asti - lieblich.

Tja das war's. Kritik ? Eigentlich keine, eigentlich nur großes Lob. Jedoch zwei Anregungen. Die erste wurde schon angeführt - am Abend bei Dunkelheit auf der Terrasse etwas mehr Licht. Die zweite Anregung bezieht sich simpel auf das servierte Aqua Pellegrino. Bei noch am Abend herrschenden 25 Grad, schreit das Wasser nach einem Kühler. Ansonsten eine nahezu perfekte Leistung von Küche und Service. Das Menue wurde mit je 99,- Euro berechnet, die dazu servierten Weine waren darin inkludiert. Die Weine waren sehr gut, sofern ich das mit meinem bescheidenen Wissen über Traubengetränke beurteilen kann. Diese Trattoria als "Italiener" zu bezeichnen, ist nicht ganz treffend. Hier werden wohl mehrheitlich Produkte aus Italien verwendet, aber die Küche kombiniert eher eine moderne kreative Küche, mit italienischen Grundelementen.  -  Den Digestif nahmen wir an der Hotelbar ein. Strietzel Stuck war auch schon da. Ebenso einige mehr oder weniger prominente Oldtimerlenker.

Zu den Sternen: Die Küche überzeugte vollständig und daher ohne wenn und aber 5 Sterne für diese Küchenleistung. Genauso für den Service, auch 5 Sterne. Nein, für das ungekühlte Pellegrino ausdrücklich keinen Abzug, denn der Serviece agierte ansonsten ohne Schwächen, er überzeugte voll. Für das Ambiente 4 Sterne und das PLV volle 5 Sterne. Anzumerken ist noch, dass die inkludierten 5 unterschiedlichen Weine sehr großzügig ausgeschenkt wurden. Der Weinkonsum wurde noch in der Hotelbar ausgeweitet. Am nächsten Morgen war der Hunger auf ein gutes Frühstück etwas eingeschränkt.

ps Das Menue wurde als Menue Casalinga angeboten. Casalinga bedeutet übersetzt "Hausfrau". Wenn in Italien alle Hausfrauen so kochen - ich wünsche mir eine italienische Hausfrau, aber nur zum kochen !
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


First und 7 andere finden diese Bewertung hilfreich.

Lobacher und 10 andere finden diese Bewertung gut geschrieben.