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GastroGuide-User: Gastmann is(s)t
hat Poseidon Restaurant in 57319 Bad Berleburg bewertet.
vor 6 Jahren
"Schmackhaftes Essen, wenig präsenter Service"
Verifiziert

Geschrieben am 31.03.2015
Besucht am 28.03.2015
Gastmann freute sich, einen der noch freien Plätze an der Fensterfront mit Blick über die Stadt ergattern zu können. Diese Tische sind insbesondere an einem lauen Sommerabend, weil begehrt, meistens zuerst belegt. Auch die zwei auf der gegenüberliegenden Gebäudeseite direkt am Fenster neben dem Lokaleingang und mit Blick auf den Platz direkt an der Einfahrt zum fürstlichen Schloss derer von  Sayn-Wittgenstein liegenden zwei Tische sind früh okkupiert. Von den Fenstern weg zur Mitte des Speiseraums nimmt das Tageslicht ab und damit ein dezenter Anklang an die Finsternis des Hades zu. Wahrscheinlich hat deshalb der Lokalinhaber sein Restaurant dem Hades-Bruder Poseidon gewidmet, denn das Meer ist hier mit 420 m ü. NN momentan noch weit weg.

Hinsichtlich der das Essen begleiten sollenden Flüssigkeiten waren heute ein Makedonikos weiß, halbtrocken (0,25 l für 4,50 €) und ein stilles Wasser die erste Wahl. Gastmann liebte zwar das Murmeln der Bäche in freier Wildbahn, am Tisch zog er jedoch vor, dass das Wasser die Klappe hielt. Insbesondere nachträgliche Unmutsäußerungen überreich mit Kohlensäure angereicherter Gewässer aus den Tiefen seines Verdauungstrakts waren ihm zuwider.

Abgesehen von Retsina, dem er als griechische Spezialität zu griechischem Essen gern mal eine Chance gab, hatte sein Geschmack im Vergleich zu guten deutschen oder italienischen Weinen bisher noch nicht so recht welchen an griechischen Weinen gefunden; meistens blieb es dann ohne besondere Erwartungen seinerseits bei griechischen Rotweinen: z.B. Naussa oder Makedonikos. Hier wurde heute seine Entscheidung für die weiße Makedonikos-Variante belohnt; dieser Wein war erstaunlich gut und perfekt temperiert!

Das ebenfalls gut gekühlte stille griechische Wasser namens "Korpi" (0,5l für 2,50 €) wurde der Beschriftung der stilsicher servierten Polyethylenterephthalat-Karaffe (PET) zufolge vermutlich von einem Mönchs-Eleven dem Meteora abgerungen. Es schmeckte wirklich gut! Vielleicht lag's am Acetaldehyd, das zur Ausbildung einer Leberzirrhose führen kann, und Gastmann präventiv die Ausrede lieferte, es könne nicht an den Ethanolen in den diversen zum Essen gewählten Darreichungsformen gelegen haben.

Die von Gastmann anvisierte "Vorspeisenplatte (verschiedene kalte Vorspeisen)" für eine Person für 8,90 € gab sich hinsichtlich der Spezifikation ihrer Bestandteile ebenfalls dunkel wie der Hades. Der aufgerufene Preis war im Rahmen dessen, was Gastmanns Erfahrungen nach nicht landesunüblich ist, jedoch differieren bei solchem Preis von Lokal zu Lokal Menge, Art und Qualität der Zutaten erheblich. Hier machte sich Gastmanns Risikobereitschaft heute bezahlt.

Auf der ovalen Servierplatte fanden sich auf einem Bett von einigen Eisbergsalatstreifen und gutem Olivenöl neben 4 Oliven, Peperoni, Tomaten- und Gurkenhalbscheiben hauptsächlich "Frutti di Mare", wie der Grieche gern sagt. Daneben fanden sich noch ein Klecks Zaziki, eine Dolmadakia, eine Fetaplatten-Triangel, eine Kugel einer bunten Schafskäsezubereitung und eine (nach der russischen Erfinderin Tamara) mit "Taramosalata oder Tarama/s" benannte und wie eine Kugel Erdbeereis aussehende Fischrogenpaste. Insgesamt viel von Vielem, auch insgesamt viel - und alles sehr schmackhaft! Die Meeresfrüchte gehörten überwiegend der Gattung der Tintenspritzer an, diesen Octocoptern oder Optokopplern oder wie sie auch immer heißen. Die Oktapoden kamen in weiß oder rosa (wahrscheinlich noch Reste der roten Korrekturtinte des Lehrkörpers) und in allen Größen auf den Teller: vom kleinsten Baby-Achtbeiner am Stück bis in Tubenstreifen der Großen Exemplare, die auf den griechischen Inseln, um sich an das neue Element "Erde" zu gewöhnen, vor der Zubereitung und dem Verzehr liebevoll an Kaimauern und Hauswände geklatscht werden.

Das "Putenfilet" (auf Metaxasauce, dazu Pommes Frites und Salat) für 12,50 € wurde in zwei Stücken serviert. Gastmann hatte sich statt der Pommes Frites die auch als Beilagen gelieferten gebratenen Scheibenkartoffeln mit Knoblauch gewünscht. Das Fleisch war (wie von Doc Beermann jüngst festgestellt) auf die griechische Weise gegrillt worden - deutlich sah Gastmann noch die Kampfspuren des Laserschwerts von Darth Vader. Die Metaxasauce, in der das Fleisch serviert wurde, hatten sie gut hingekriegt und es wurde auch nicht damit gegeizt. Vielleicht hätte sich Gastmann eine fünfte Kartoffelscheibe gewünscht, aber in Anbetracht der Speisenfolgengesamtmenge war er dankbar dafür, dass es nur vier waren. Der Klecks Knoblauchpüree auf jeder Kartoffelscheibe brachte jedoch nicht soviel Knoblauch ins Spiel, wie er sich erhofft hatte. Der zugehörige kleine Beilagensalat hätte eigentlich nicht noch extra erwähnt werden müssen, hätte er nicht ein interessantes ölbasiertes Dressing gehabt. Diese auf dem Foto erkennbaren ganz feinen orangen "Krümel" im Dressing konnte Gastmann sensorisch nicht zuordnen. Es schmeckte irgendwie nicht nach ganz fein geraspelter Karotte und geriebene Orangenschale war es wohl auch nicht. Jedenfalls war ihm diese Salatbeilage aufgrund ihrer Saftigkeit willkommen! Auch dieser Gang stellte Gastmann geschmacklich und seitens des Preis-Leistungs-Verhältnisses "mehr als nur zufrieden".

Zum abschließenden Griechischen Mokka (2,00 €, heute auf's Haus. Herzlichen Dank!) gönnte sich Gastmann noch einen Metaxa Grand fine (40 Jahre) und fühlte sich inzwischen so, wie er auf seinem Avatar aussieht.

Das Ambiente im Lokal ist ansprechend "griechisch" gestaltet, aber nicht überladen. Im Mittelteil dürfte es etwas heller sein. Der Blick aus den Fenstern über die Stadt ist schön, vor allem abends. Die im unteren Blickfeld liegende, scheinbar zum Haus gehörende Terasse dagegen ist alles andere als eine Augenweide und relativiert den Ausblick ästhetisch. Den gesamten Service übernahm heute ein gereifter Grieche, möglicherweise der Inhaber; ein netter freundlicher zurückhaltender Mensch. Er fragte mehrfach nach "ob es gemundet habe", was Gastmann  in dieser Formulierung in griechischen Lokalen auch noch nicht gehört hat, war aber durchgängig nur zwecks Auf- und Abtragen der Speisen und Getränke präsent. Aufgrund wiederholter früherer diesbezüglicher Erlebnisse und in Sorge um den Inhalt seines Lebensabends beschloss Gastmann auf dem Weg zum Ausgang an der Kasse innezuhalten, um die Rechnung dort zu begleichen. Mit dem kaum noch zu erwartenden Glücks- und Zufall einer Wiederbegegnung mit der Bedienung im Sichtbereich seines Tisches noch am selben Tag zu rechnen, lag außerhalb Gastmanns Vorstellungskraft.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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