Gasthof zur Rose
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Großsachsener Str. 20, 69469 Weinheim
Restaurant Biorestaurant Metzgerei Hotel
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GastroGuide-User: ClausVonDerKueste
hat Gasthof zur Rose in 69469 Weinheim bewertet.
vor 5 Jahren
"Spitze bei ‚derber Vesper‘, erstklassige offene Weine; ernsthafte Alternative zu pfälzer Landgasthöfen"
Verifiziert

Geschrieben am 19.11.2014
Besucht am 24.08.2014
Allgemein

Fazit: Spitze bei ‚derber Vesper‘, erstklassige offene Weine; ernsthafte Alternative zu pfälzer Landgasthöfen.

Die "Rose" ist mit ihrem schönen Biergarten (Fotos) ein idealer Zwischenstop für eine ganztägige Radtour von Weinheim durchs Gorxheimer Tal am Eichelberger Hof (zur Rechten) und La Fattoria (zur Linken) vorbei über Oberflockenbach (mit der „Rose“) über Ritschweier zurück nach Weinheim. Dabei setze ich kräftige Waden voraus. Bei schlechtem Wetter sollte man natürlich mit dem Auto fahren. Das hat den Vorteil, dass man weitersuchen kann (zB. in der Suppenschüssel in Steinklingen, Jöste Andres in Rittenweier), wenn die Rose voll besetzt ist. Die beiden genannten Alternativen sind im Gegensatz zur Rose 100%-ige Landgasthöfe (empfehlenswert aber ohne Gourmetanspruch).
Bedienung

männlich, flott, kompetent, auskunftswillig, aufmerksam ("Vorsicht, heißer Teller")
Das Essen

Die Speisekarte enthält u.a. wenige Fischgerichte dafür aber unter der Rubrik „Deftige Vespergerichte“ eine Menge lokaler Spezialitäten. Die Getränkekarte listet Weine aus der Pfalz, Rheinhessen, Baden und Franken auf. Wir haben uns für einen Schriesheimer Grauburgunder 2013 (Weingut Bietig, Schriesheim zu € 3,60) und einen Weißburgunder 2012 des Rheinhessischen Winzerstars Peter Keller (€ 5,60) bestellt.

Der Grauburgunder wird von Bietig so beschrieben „Diese Trauben stammen von kleinbeerigen Grauburgunder Varietäten aus dem Gewann Holderbusch im Schriesheimer Kuhberg. Ein lehmiger Löss bestimmt hier den Boden. Ein sehr cremiger Wein, mit feinen Aromen reifer Äpfel und Quitten.“ Die Cremigkeit konnte ich nicht nachvollziehen. Aber er war charaktervoller mit mehr Säure als der Weißburgunder. Bei einem Literpreis von € 7,00, war der Schoppenpreis von € 3,60 noch i.O.

Der Weißburgunder von Peter Keller („Winzer des Jahrzehnts“) liest sich auf einer Weinhändlerwebseite als „klassisch mineralisch und trocken, rassiger, herzhaft-frischer Weißburgunder, große Finesse, feine Struktur, lebhaft und munter“. Wie so oft fand ich diese Charakterisierung euphorisch übertrieben; wahrscheinlich von irgendeinem Lohnschreiber ausformuliert. Vielleicht hätte man in einer Blindverkostung mit Weißburgunderalternativen, dieser Charakterisierung folgen können. Jedenfalls war der Schoppenpreis mit € 5,60 von der Rose knapp kalkuliert, da der Literpreis des 2013er Kellerweins mit € 19,99 angegeben wird. Damit wird die Strategie der Rose klar: „Wir wollen mehr, wir werden ein Edel-Landrestaurant“. Gut so, schlechte gibt’s genug. Meine Vermutung wurde bestätigt, als ich noch einen Amarone auf der Karte entdeckte! Dafür sind wir früher nach Verona und Umgebung direkt zu den Winzern gefahren. Ich habe die (männliche) Bedienung (Juniorwirt?) darauf hin lobend angesprochen. Wir versicherten uns gegenseitig, dass der Amaronerausch schon besonders ist. Ich vermute, weil durch die Vergärung als Trockenbeerauslese auf Strohmattenlager besondere Stoffe entstehen, die zu diesen besonderen Rauschzuständen führen. Aus diesen Gründen haben wir den Amarone in der Flasche gelassen und unsere Vesper bestellt: Odenwälder Handkäs mit Musi (€ 4,60) sowie hausgemachte Leberknödel (€ 5,60) mit Sauerkraut und Brot.

Wir hatten gar nichts besonderes erwartet. Aber dann kam die Bedienung mit dem Ruf „Vorsicht, der Teller ist heiß!“ Für diese Aufmerksamkeit auch höchstes Lob! Das waren meine 3 Leberknödel. Optisch eine Augenweide (Foto). Geschmacklich eine Offenbarung: man schmeckte die fein gemahlenen Leberstückchen; Zwiebel, Petersilie, Pfeffer, Majoran(?), sonstnochwas(?), alles drin; nach außen wurden die Knödel leicht rosa. Wurde da mit Pökelsalz gearbeitet, um eine längere Haltbarkeit zu erreichen und eine zu starke Graufärbung zu vermeiden? Im direkten Vergleich würden die Leberknödel der Rose die des Friedelsheimer Haardtblicks aus der bekannten pfälzer Metzgerei Hambel in Wachenheim glatt ausstechen. Auch der Handkäs war erste Klasse. Innen weich, nicht zu salzig, viel Musik, eingelegte Zwiebeln mit mildem Geschmack. Beidesmal 5 Sterne fürs Essen, für die Getränke sowieso.

Wir kommen wieder, aber nicht erst wieder in zwei Jahren. Die Rose macht sich. Das sollte ich eigentlich für mich behalten. Aber sie sticht so Einiges aus der Pfalz aus.
Das Ambiente

Wir waren letztes Mal vor genau 2 Jahren hier. Es war an der Zeit, mal nach dem Rechten zu sehen. Bei noch sonnigem Wetter sind wir gleich im Biergarten mit seinem Blick auf die gegenüber liegenden Berghänge mit idyllisch grasenden Pferden hängengeblieben (Foto). Wir konnten auch einen ca 1 km entfernten Bauern beim Holzaufladen zuschauen. So aus der Ferne macht Landarbeit Spaß ;-)
Sauberkeit

Von außen wirkte alles gepflegt. Allerdings, eines muss man kritisieren. Der Gang zur Toilette führt in den Keller. Optisch war die Herrentoilette ebenfalls gepflegt. Odorisch allerdings: ein bestialischer Uringeruch :-((

So etwas geht garnicht. Also, bitte ...
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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