Zurück zu Taverne Mykonos
GastroGuide-User: Minitar
hat Taverne Mykonos in 72202 Nagold bewertet.
vor 2 Monaten
"Zwischen Orangen- und Weihnachtsbäumen"
Verifiziert

Geschrieben am 15.12.2018
Besucht am 13.12.2018 Besuchszeit: Mittagessen 2 Personen Rechnungsbetrag: 39 EUR
Griechische Osterfeierlichkeiten sind schon recht bemerkenswert, doch auch die Vorweihnachtszeit kann beeindruckend sein. Zum Beispiel auf „Mykonos“ - vor allem, wenn es im Schwarzwaldstädtchen Nagold liegt. Dort stranden wir an einem Wochentag kurz vor 13 Uhr, um zwischen all den Besorgungen und Einkäufen des Tages eine Mittagspause einzulegen. Und lernen ganz nebenbei, dass Nagold auch nach Schließung der etwas zu hochgejubelten „Alten Post“ immer noch eine Vielzahl an guten Gastronomen zu bieten hat.

Die Taverne „Mykonos“ liegt sehr zentral (und trotzdem ruhig) in der Innenstadt, unweit der Fussgängerzone und der Einkaufsmeile. Die Haltestelle „Stadtmitte“ der Kulturbahn liegt nur 300 Meter entfernt, Autofahrer sollten eines der Parkhäuser wählen. Zur Strasse hin wirkt das helle Gebäude recht unspektakulär, doch die Innenräume des Lokals entpuppen sich als kleines, überraschendes Labyrinth auf verschiedenen Ebenen, nebst leider etwas halsbrecherischer Treppe, die in den unterirdischen (Toiletten-)Hades führt. Dort ist Trittsicherheit gefragt, denn kleine Bau- und Reparaturarbeiten fordern grad ihren Tribut. Dafür sorgen zusätzliche Heizlüfter für Wärme und Trockenheit. Und es herrscht 1a-Sauberkeit.

Aber wir wollen unseren Besuch nicht ganz von unten aufrollen. Anderthalb Etagen höher werden wir nämlich sofort nach Betreten des Lokals sehr warmherzig und wohlwollend von der Patronin empfangen, die uns ohne Umstände sofort zu einem freien Zweiertisch geleitet.  Dieser Gastraum (einer von insgesamt dreien, die ich entdeckt habe) entpuppt sich als großzügiger Wintergarten, mit raumhoher Verglasung und Ausblicken auf einen wunderbar dekorierten Balkon mit einem gewagten Arrangement aus Orangenbäumchen, einem Weihnachtsbaum und dorischen Säulen. In der Sommerzeit kann man hier sicherlich sehr nett draussen sitzen. Der geflieste Gastraum ist mit dunkeltürkis lasiertem Holzmobiliar bestückt, die Tische sind mit Stofftischdecken und verhaltenem Blumenschmuck eingedeckt. Sonst glücklicherweise keine überzogene Folklore oder kunstgewerblicher, staubfängerischer Tand.

Das Lokal wird seit 20 Jahren von der Familie Tsakiridis geführt, die sich bei unserem Besuch als überaus freundlich, umgänglich und zuvorkommend erweist. Patronin und Sohn sind flott im Service, wirken aber kein bisschen gestresst oder hektisch. Kaum haben wir Platz genommen, landet die Speisekarte auf unserem Tisch, keine drei Minuten später dürfen wir auch schon die Bestellung aufgeben. Das erfordert rasche Entscheidungen, so dass ich mich leider nicht auf die Erzählungen der Chefin konzentrieren kann, die grad am Nebentisch die Familien- und Firmenhistorie darlegt. Wir wählen gebratene Kalamaria (15,50 Euro) und Paidakia (16,50 Euro).

Die frisch zubereiteten und ansprechend arrangierten Speisen werden schon nach gut einer Viertelstunde serviert. Die fünf Tintenfischtuben sind ohne viel Fett butterzart gebraten, meilenweit von der zähen, gummiartigen, kaputtfrittierten TK-Ware entfernt und ergeben zusammen mit reichlich Kartoffeln und einem Beilagensalat eine wirklich riesige Portion, die kaum zu bewältigen ist. Das dazu servierte Tsatsiki tendiert allerdings eher zu Mayonnaise und lässt Knoblauch vermissen. Schade, aber vermutlich dem allgemeinen Kundenwunsch geschuldet. Da sich auch die Röstkartoffeln eher im geschmacklichen Mittelfeld bewegen, kann man diese Sättigungsbeilage getrost vergessen und sich auf Tintenfisch uns Salat konzentrieren. Die Lammkoteletts sind kurz und scharf angebraten und überzeugen durch würziges Aroma. Dazu ein Klacks Tomatenreis und dünne, krosse Fritten. Leider dürfen wir uns als Autofahrer von der Weinkarte nicht beeindrucken lassen und wählen ein alkoholfreies Alpirsbacher (2,60 Euro), sowie eine Cola (2,50 Euro). Auch die überdimensionierte Metaxa-Magnumflasche auf der Anrichte fungiert eher als Hingucker (dank ihres kleinen Zapfhahns am Flaschenbauch).  

Nach einem starken griechischen Mokka (2,00 Euro) und unproblematischer Visakartenbezahlung entschwinden wir mit vielen guten Abschiedswünschen nach etwas mehr als einer Stunde aus der muckeligen Mykonos-Wärme. Den Mittagspausen-Check hat dieses Lokal somit absolut bestanden!
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


AndiHa und 6 andere finden diese Bewertung hilfreich.

simba47533 und 6 andere finden diese Bewertung gut geschrieben.