Zurück zu Birkenthaler Hof
GastroGuide-User: marcO74
hat Birkenthaler Hof in 76857 Eußerthal bewertet.
vor 3 Wochen
"Sympathischer Familienbetrieb, der uns mit regional-saisonal geprägter Gutbürgerlichkeit den kulinarischen Herbst erhellte"
Verifiziert

Geschrieben am 29.12.2020 | Aktualisiert am 30.12.2020
Besucht am 16.10.2020 Besuchszeit: Abendessen 2 Personen Rechnungsbetrag: 61 EUR
Nach Eußerthal verschlägt es einen nicht zufällig. Zumal die Straße, die durch das beschauliche, zur Verbandsgemeinde Annweiler zählende Örtchen im "Trifelsland" führt, nach etwa acht kurvenreichen Kilometern auf dem 520 Meter hoch gelegenen Taubensuhl, einer mit empfehlenswertem Gasthaus ("Forsthaus Taubensuhl") ausgestatteten Streusiedlung, endet.
 
Für Mountainbiker und Wanderer bietet diese Ecke des Pfälzerwaldes jede Menge Abwechslung. Und so treibt es auch uns regelmäßig dorthin, um dem Alltagsmuff mit einer gehörigen Brise Waldluft zu begegnen und auf mehr oder minder bekannten Waldwegen dem Werktagsblues zu entfliehen.
 
Besonders im Herbst zeigt sich der Pfälzerwald von seiner spendabelsten Seite, denn dann purzeln die Esskastanien von den Bäumen und die Pilzsaison steht sprießend vor der Tür.
 
Auf den Speisekarten der heimischen Gastronomien halten verstärkt Wildgerichte Einzug und auch der von Innen wärmende Rotwein mundet nun wieder deutlich besser als an lauen Sommerabenden. Außerdem ist diese Übergangsjahreszeit eine äußerst farbenfrohe und bietet so manch heiteren Sonnentag, der den Oktober vergoldet.
 
Da war es dann auch nicht ganz so tragisch, dass uns dieses Jahr die Pandemie einen fetten Strich durch die herbstliche Urlaubsplanung machte. Quarantäne und hohe Infektionszahlen ließen unseren Österreich-Trip nach Saalfelden ans bzw. ins Steinerne Meer fallen. Stattdessen wurde der Nahraum zum Erholungsgebiet erklärt und mit reichlich Wanderkilometer bedacht.
 
So auch an diesem Freitagnachmittag Mitte Oktober, an dem wir uns nach Eußerthal aufmachten, um von dort aus die Böchinger Hütte - zu Normalzeiten an Sonntagen ehrenamtlich bewirtschaftet - und den sogenannten Schwörstein im Rahmen einer einfachen Rundwanderung (13 km, 330 Höhenmeter) anzusteuern. Den dafür notwendigen Jute-Beutel für das frisch Gesammelte von der Esskastanie hatten wir natürlich auch dabei.
 
Für den Abend hatten wir uns schon bei Gabi und Franz Sanda im Birkenthaler Hof angemeldet. Auf dessen Parkplatz stellten wir auch unser Auto ab und freuten uns auf die mit Liebe zubereitete Herbstküche, die uns dort nach absolvierter Wandertour erwarten würde.
 
Als pittoresker Vorbote des adretten Anwesens begrüßte uns ein malerisches Sandsteintürmchen, das laut Homepage als Übernachtungsmöglichkeit dient. Das zweite, ebenfalls recht ungewöhnliche Nachtquartier war bei der bereits eingetretenen Dunkelheit mehr zu erahnen als zu erkennen: das hyggelige Schlummerfass, das sich zwischen Sträuchern und Büschen im hübsch angelegten Garten befand.   
 
Über das gepflegt-gemütliche Interieur und den herzlichen Service von Frau Sanda habe ich mich bereits bei meinem letzten Bericht vor rund zwei Jahren hinlänglich ausgelassen. Ergänzend sei an dieser Stelle bemerkt, dass die Sandas nun auch den größeren der beiden Gasträume liebevoll renoviert haben.
 
Den Wänden wurde ein neuer Anstrich verpasst (von der handwerklich versierten Patronin höchstpersönlich) und auch die von unterschiedlich dicken Holzklötzen kündende Echtholzverkleidung, die schon die Wand der kleineren Gaststube rustikal aufwertete, fand sich hier wieder. Darüber sorgten in die Decke eingelassene Strahler und eine zeitgemäße Lichtleiste für angenehme Verhältnisse in Sachen Raumausleuchtung.
 
Viel war nicht los an diesem recht nasskalten Freitagabend. Lediglich ein weiteres Pärchen ließ es sich am anderen Ende des Gastraumes bereits gut gehen. Seine etwas abseits der üblichen Pfalztouristenschiene befindliche Lage ist für den Birkenthaler Hof Segen und Fluch zugleich. Wäre dieses Lokal im Bereich der Weinstraße oder in Rheinnähe beheimatet, wäre hier sicherlich ein ganz anderer "Durchgangsverkehr" zu verzeichnen.
 
Das würde eventuell die nach Ruhe und Abgeschiedenheit strebenden Einkehrer etwas abschrecken, aber der Familie Sanda wäre eine stärkere Auslastung allemal zu wünschen. Denn die hier aufgetischte Küche gutbürgerlicher Prägung besitzt einen Qualitätsanspruch, den man bei dieser Art von Gastronomie heute nicht mehr so häufig antrifft.
 
Das Speisenangebot kam mir etwas verschlankt vor, was sicherlich den "besonderen Zeiten" geschuldet war. Man reichte uns eine doppelseitige, vorbildlich laminierte Karte, die das Standardrepertoire enthielt. Darauf lockte ein erstes kulinarisches Ausrufezeichen, das schon allein wegen seines fairen Preises für Aufsehen sorgte.
 
Das dreigängige Herbstmenü, das aus einer Kürbiscremesuppe, einer gebratenen Eußerthaler Forelle auf Gemüse-Couscous und einem Topfenknödel auf Zwetschgenröster (Herr Sanda ist gebürtiger Österreicher, Anm.) bestand, war nämlich für schüchtern kalkulierte 28,90 Euro zu haben.
 
Zusätzlich bestimmten zwei Suppen, vier Vorspeisen und acht Hauptgerichte - davon allein die Hälfte mit frischen Eußerthaler Forellen aus den nahegelegenen Teichen - die kompakt gehaltene Auswahl rechtschaffener Hausmannskost. So weit, so regional und gut.
 
Auf der an den Nachbartisch angelehnten Empfehlungstafel ging es etwas saisonaler zur Sache. Mit Kastaniensuppe, Wildbratwurst auf Rahmsauerkraut und Wildschweinbraten in Cranberrysauce lockten kulinarische Genüsse aus Wald und Flur. Polentaknödel in Tomaten-Kräuter-Sauce beruhigten das vegetarische Gewissen, während sich Tafelspitz in Meerrettich-Sahne und Schweinelende in Champignonrahm und Butterspätzle wohl um die Leib- und Seelenspeisung kümmern sollten.
 
Auch die Getränkekollektion passte auf eine einlaminierte DIN-A4-Doppelseite. Im offenen Ausschank waren Rebsäfte von einer Handvoll ausgewählter Weingüter aus der Südpfalz verfügbar. Lidy (Frankweiler), Scholler (Birkweiler) und Nicklis (Gleisweiler) - alles Namen, die eine solide Weinqualität garantierten.
 
Wir entschieden uns aus fahrtechnischen bzw.-tauglichen Gründen ein Viertel vom 2018er Merlot (6 Euro) vom Weingut Scholler zu teilen (eine Karaffe, zwei Gläser). Eine große Flasche Gerolsteiner Mineralwasser (4,90 Euro) stand uns zusätzlich durstlöschend zur Seite.
 
Vorweg sollte es für mich die Keschdesupp (Kastaniensuppe, 6,90 Euro) sein, meine Frau begnügte sich indes mit einem kleinen gemischten Salat (4 Euro). Schon auf unserer Wanderung waren mir sehr ansehnliche Exemplare dieser edlen Waldfrucht "in die Hände gefallen". Und so freute ich mich auf einen sämigen Teller voll Herbstglück von der Esskastanie.
 
Meine Gattin hatte sich bereits im Vorfeld auf einen Forellenteller eingeschossen. Da der Name "Müller" in der Familie der Lachsfische nach wie vor sehr geläufig ist und auch im Birkenthaler Hof eine beliebte Zubereitungsart darstellt, entschied sie sich für die in der Pfanne gebrutzelte "Müllerin" (17 Euro), die ganz klassisch mit Salzkartoffeln serviert wurde.
 
Ich mochte es dagegen etwas wilder, aber nicht minder regional. Die Wildbratwurst auf Rahmsauerkraut an Kartoffelpüree (14,90 Euro) kam mir da gerade recht. Solch ein hausmannsköstlicher Sattmacher würde die "abgewanderten" Kalorien sicher wieder hereinholen. Daran zweifelte ich nicht im Geringsten.
 
Besonders die cremige Kastaniensuppe streifte auf charmant-vollmundige Weise meinen Gaumen. Die Süße der edlen Herbstfrucht war hier gut eingebettet in ein harmonisch abgeschmecktes, fein püriertes Ganzes, das durch knusprige Croutons etwas texturelle Abwechslung erfuhr. Da heiligte selbst die obenauf schwimmende Milchschaumpfütze die Mittel und rundete das wohlschmeckende, leicht aufgeschäumte Süppchen adäquat ab.  
 
Meine Frau lobte derweil ihren mit vorzüglichem Essig-Öl-Dressing angemachten Salatteller, unter dessen grünem Blattwerk knackige Rohkost lauerte. Ich durfte mich vom einwandfreien Zustand der leicht süßlich schmeckenden Salattunke selbst überzeugen. "Home is, where a good house-dressing is!" gilt schließlich nicht nur im englischen Sprachraum.
 
Für meine Frau kam nun die Zeit des Filetierens. An ihre mit krosser Haut und angenehmer Würze auf dem Teller liegende Nachbarschaftsforelle (regionaler geht es kaum!) musste zuerst ein wenig Hand angelegt werden, um in den Genuss des zarten Fleisches zu kommen. Jenes schmolz förmlich auf der Zunge und war jegliche Anstrengung beim Entgräten wert.
 
Ihrer Rede vom perfekt gebratenen Flossentier musste ich nach einem Probierhappen ohne Wenn und Aber beipflichten. Der Anblick ihrer à part in einer kleinen Schüssel gereichten, lediglich mit ein wenig Petersilie überstreuten Salzkartoffeln versprach bodenständigen Beilagengenuss.
 
Auch meine Wenigkeit hatte sich nicht im Hauptgericht vergriffen. Schon der erste Bissen vom elegisch gebutterten Kartoffelpüree weckte Erinnerungen an deftige Pfalzküche bei Muttern. Auch das Rahmsauerkraut machte als cremig-säuerlicher Gegenpart eine überzeugende Figur.
 
Die etwas kräftiger im Geschmack ausfallende Wildbratwurst konnte trotz ihrer eingeschränkten Saftigkeit - gehört halt so bei Wildfleisch - mit fein-herber Würze punkten. Um der Süffigkeit Genüge zu leisten, hatte Küchenchef Sanda noch ein exquisites, dunkles Sößchen auf den Teller geschmuggelt.
 
Das war beileibe keine braune Allerweltstunke wie aus dem Leberknödelsäckchen des örtlichen Haus- und Hofmetzgers, sondern ein ehrlich kredenzter, mit ein paar Speckwürfeln verfeinerter Beiguss, der auf handwerkliches Können beim Ansetzen schließen ließ. Keine Schummel-Jus, die am Gaumen die geschmacksverstärkten "Würzfeuer von Fondor" entzündete. Der Herr der Klinge hatte ehrenwert geliefert und das bei allen Komponenten meines wilden, aber milden Wohlfühltellers.
 
Trotz der vorangeschrittenen Sättigung, kamen wir um ein süßes Finale nicht herum. Vor dem Topfenknödel mit Zwetschgenröster (7,90 Euro) vom Herbstmenü gab es kein Entrinnen. Warum auch davonlaufen, wenn es am schönsten ist? Bereut haben wir das Austria-Dessert zu keiner Sekunde. Der fluffige, in Nussbrösel gehüllte Quark-Grieß-Krapfen war samt seiner warmen Fruchtunterlage schnell verzehrt. Dank zweier Teelöffel geradezu in Rekordzeit.
 
Längst waren wir die letzten Gäste des Abends und Frau Sanda gesellte sich noch ein wenig zu uns. Sie ist eine erfahrene Gastronomin, die das Herz am rechten Fleck hat und die Kommunikation mit ihren Gästen schätzt. Nach einem netten Plausch verabschiedeten wir uns von dem liebenswerten Gastronomenpaar - Herr Sanda kam auch kurz aus seiner Küche - und versprachen ein baldiges Wiedersehen. Im Rahmen der nächsten Frühjahrswanderung sollte das hoffentlich klappen. Aber natürlich nur wenn es die Infektionslage zulässt…
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


kgsbus und 21 andere finden diese Bewertung hilfreich.

PetraIO und 20 andere finden diese Bewertung gut geschrieben.