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GastroGuide-User: Nolux
hat Parkhotel Idar-Oberstein in 55743 Idar-Oberstein bewertet.
vor 2 Jahren
"Trinken und Essen will gelernt sein!"
Verifiziert

Geschrieben am 15.01.2017 | Aktualisiert am 16.01.2017
Besucht am 30.11.2016 Besuchszeit: Abendessen
Wein und Speisen – Park Hotel Idar Oberstein

Abwarten und Wein trinken... Geduld ist nicht die Stärke mancher Individuen hier... ;-) Was ein Kommentar ausmachen kann... Nun denn. Beuge ich mich der Meute.
Ursprünglich war nicht angedacht diesen Abend im November 2016 auf „Papier“ zu bringen. Auch wenn ich an den Abend schon zwei Kritikerkollegen zwischendurch mit Fotos versorgte...
Hatte ich erstens schon eine Bewertung über das Parkhotel geschrieben und auch gibt es einen Bericht über diese Art Veranstaltung, sprich „Wein und Speisen“.

Der Öffentliche Anzeiger (Ableger der Rheinzeitung) hatte eingeladen. In Zusammenarbeit mit dem Parkhotel Idar Oberstein (in Person von Küchenchef Renato Manzi) und einem regional hochgeachteten Önologen. Gerade diesem ist es seit langer Zeit ein Dorn im Auge, wie stiefmütterlich die Kombination Wein und Speisen behandelt wird. Sicher hat sich die Qualität der angebotenen Weine verbessert und auch die Auswahl, doch viel zu oft sind es die jungen Weine, und die trockenen Weine die offen auf der Karte stehen. Das Flaschenangebot ist meist schon besser doch wie viele trinken den schon eine ganze Flasche, bzw. zu jedem Gang eine andere? Da ist der Gast oft alleine auf sich gestellt. Und nur die wenigsten, die besten Restaurants haben Sommeliers die es verstehen die passenden Weine zu empfehlen...
Daher tut so eine Veranstaltung auch mal dem Gastronom ganz gut.

Einleitung

Diesmal war also das Parkhotel Idar Oberstein der Austragungsort. Lokalmatadorin PetraIO zeigte Angesicht des vorab unbekannten Menüs weniger Interesse uns zu begleiten. Dennoch fanden 70 Interessierte in die beiden Räumlichkeiten von „Manzis Restaurant“
Chefkoch Renato Manzi hatte in der Vergangenheit mehrfach einen Michelin-Stern erkocht und das schraubt die Erwartungen an das Essen natürlich schon etwas höher..
Die hauseigenen Parkplätze waren noch nicht alle belegt. Vorbei am Hotel-Bistro rein durch den Haupteingang, dann links, dann rechts und schon steht man im Restaurant. Ein typisches Hotel-Restaurant mit Teppichboden, großen Gardinen, goldenen Fenstergriffen und Kristallleuchtern und Stuck an der Decke. Es hat sich nichts verändert seit unserem letzten Besuch 2015. Wir wurden freundlich empfangen, und es wurden uns die Jacken abgenommen. Im Saal dann Begrüßung durch den Önologen und Moderator, man kennt sich und sitzt am gleich Tisch. Direkt an der Heizung. Und die ballerte...
Der Tisch schön mit weißer Stofftischdecke eingedeckt, darauf schon drei Weingläser und ein Wasserglas. Je Gast versteht sich.


Arbeitsgeräte

Reichlich Besteck war ebenso schon eingedeckt wie eine ordentliche Stoffserviette. Es war sogar noch Platz für zwei Teelichte und ein Tellerchen mit Brotmesser stand auch schon bereit.
Kaum saßen wir, wurden wir nach Wasser gefragt. Leider kam dann erst mal ein eiskaltes Aqua Panna obwohl wir „frizzante“ bestellten. Die weiteren Wässer waren dann von der Sorte San Pellegrino. Ja der Service. War an dem Abend etwas überlastet. Was aber nicht sein kann. Es war klar wie viele Leute da sein werden, es gab überall das gleiche zu essen. Da muss man etwas anders organisieren und nicht jeden Kellner/in an jeden Tisch lassen. (ich glaube es waren sieben oder acht Servicekräfte) Zwischendurch wurden auch Bestellungen vergessen. Naja....

Es dauerte ein wenig bis es offiziell wurde. Einigen wohl zu lange, da wurden Pils und Sekt bestellt als gäbe es sonst nichts mehr an diesem Abend. Man hatte wohl schon lange nix mehr getrunken.
Nach verbalen Einleitungen und den „Spielregeln“ konnte es doch bald losgehen. Sinn und Zweck des Abends war es, zu bemerken, wie sich unterschiedliche Weine auf den Genuss mit dem Essen auswirken. Hört sich allerdings einfacher an als es ist. Von den je drei Weinen harmonierte eigentlich immer nur einer mit dem Essen. Die beiden anderen konnten das Gericht hier und da in eine falsche Richtung drücken...
Doch zunächst gab es zum ersten Einstieg zwei Sorten leckeres Brot, dazu Butter und Olivenöl und Salz. Und dann gab es noch vor dem eigentlich Einstieg in den Abend einen feinen Gruß aus der Küche...

Gruß aus der Küche - Suhi mit Rind auf Möhrenpüree

Sah fein aus, und war es auch. Eine Art Sushi auf Möhrenpüree, welches geschmacklich sehr intensiv war und nicht besser zu machen ist. Das Äußere der Rolle (war es ein Algenblatt? Hatte bisher noch kein Sushi) war würzig und knusprig zugleich. Der Reis hatte eine kompakte Konsistenz, noch leicht Biss und war fein im Geschmack. Das Innere war kein Thunfisch, sondern ein Stück Rind, ich vermute Rücken. Leider kam dessen Geschmack nicht so wirklich zur Geltung. Dennoch ein feiner, gelungener Auftakt. 4*

Dann sollte es aber endlich losgehen. Die ersten drei Weine wurden eingeschenkt. Jeweils knapp 0,1 Liter in jedes Glas, jeweils auf einem andersfarbigen Untersetzer um Verwechslungen zu vermeiden. Das zog sich aber ziemlich in die Länge, Koordination unter den Servicekräften suchte man vergebens.
Der Sous Chef kam kurz aus der Küche um kurz das Essen zu erläutern. Das wiederholte sich dann vor jedem Gang, auch die Tatsache, dass er schon erklärte, obwohl der Önologe noch in seinem Rücken (Im Nebenraum) den Gästen die Weine vorstellte. Wie gesagt. Die Abläufe waren nicht stimmig und vorher wohl auch nicht groß diskutiert worden...

2015er Riesling Kabinett – trocken 
Kreuznacher Kahlenberg
Staatsweingut Bad Kreuznach

-rassiger, säurebetonter Riesling mit toller Frucht-


2015er Riesling Spätlese – trocken         
Kreuznacher Kahlenberg
Staatsweingut Bad Kreuznach

-runder, voller Riesling, exotisch und lang-

2015er Riesling Spätlese – halbtrocken 
Staatsweingut Bad Kreuznach

-vollmundig, Schmelz mit gepufferter Säure-

Solo konnte mich am meisten die trockene Spätlese begeistern. Das Essen dazu:



Kabeljau mit Gemüse und Gnocchi, Hummerschaum




Alleine optisch schon ein Genuss. Auch die Portion ausreichend um nicht gleich nach dem ersten Probeschluck schon nix mehr zu Beißen zu haben. Der Fisch vorbildlich gegart, sehr saftig, dezent aber ausreichend gewürzt. Die Gnocchi waren sehr klein gehalten worden, passten aber so wunderbar zum Gericht. Die waren fluffig und kompakt zugleich und nahmen perfekt die cremige und intensive Hummersoße auf. Das Gemüse bestand aus in Streifen geschnittenen Kaiserschoten, getrockneten Tomaten und kleinen weißen Bohnen. Alles kurz angeschwitzt und gut abgeschmeckt. Ein rundes Gericht das wunderbar mit dem halbtrockenen Riesling schmeckte, die ein oder anderen Aromen sogar hervorhob. Die trockenen Weine wurden dagegen leicht bitter im Geschmack, bzw. Säurelastiger. Für das Essen 5*


Da es auf den Tischen keine Ausgießer gab und die Damen nicht immer alle Weine komplett austranken wurden die Reste oft unter den anwesenden Männern am Tisch aufgeteilt. Schon nach dem ersten Gang war somit klar, das wird ein anstrengender Abend ;-)


Bedingt durch das verzögerte Servieren zog sich der Abend in die Länge. Es wurden schon Wetten abgeschlossen, ob der Hauptgang vor Mitternacht serviert würde. Im Laufe des Abends sollte aber Routine in die Sache kommen und es klappte zeitlich immer besser.

Während wir also mit dem ersten Gang durch waren, waren die letzten gerade am Anfang. Mit deutlich erwärmten Weinen... So sollte es uns dann auch beim zweiten Gang gehen...


2015er Weißburgunder – trocken 
Nahe
Weingut Bamberger, Meddersheim

-leicht, frische Apfelaromen, rund-


2015er Grauburgunder „S“ - trocken  
Meddersheimer Rheingrafenberg
Weingut Bamberger, Meddersheim

-deutliche Holzaromen, süß wirkend, breit, fett-


2014er Riesling – feinherb
Monzinger Frühlingsplätzchen
Weingut Bamberger, Meddersheim

-reif wirkend, sehr vollmundig und lang, leicht süß-


Hier konnte mich der Weißburgunder begeistern, auch der Grauburgunder, doch der zeigte sich noch viel zu jung und unharmonisch. Was sich beim Essen aber ändern sollte.



Champignon – Cremesuppe mit Semmelknödel




In der Suppentasse serviert sah man erst mal nicht viel außer Sahne und ein paar Schnittlauchröllchen. Die Suppe an sich aber sehr schmackhaft, starker Champignongeschmack und perfekt gewürzt. Der Semmelknödel war in Scheiben geschnitten worden, zwei Stücke fanden in meine Tasse. Gutes Gericht, die Weine hatten ein bisschen ihre Mühe. Wäre die Suppe noch etwas kraftvoller abgeschmeckt worden, hätte der wuchtige Grauburgunder klar das Match gewonnen. So konnte auch der gereifte feinherbe Riesling punkten, wenn auch etwas weniger. Der Weißburgunder dagegen, den ich solo gerne an einem Sommerabend auf der Terasse trinken würde, ging komplett unter gegen die Suppe. Da war nichts zu machen.

Die Suppe ist 4,5* wert.


Langsam bekamen es die Serviceleute in den Griff. Nach jedem Essen machte sich der Önologe auf, um die Gäste nach ihren Erfahrungen und Favoriten zu befragen. Er selbst erläuterte die Wirkungen der einzelnen Weine. Und doch gab es unterschiedliche Meinungen. Aber ein Großteil deckte sich mit dem Urteil des Profis. Bei manchen scheint ein Umdenken stattgefunden zu haben, bei den anderen ging es hauptsächlich ums gute Essen oder bestellten zwischendurch weitere Flaschen Sekt oder Biere. Wohl auch um die lange Zeiten dazwischen zu überbrücken... Aber es sollte weitergehen mit Runde 3:


2015er Riesling – trocken    
Nahe – „vom Grünschiefer“
Weingut Weber, Monzingen

-mineralisch, spritzig und süffig. -


2013er Riesling, Spätlese – trocken
Monzinger Halenberg
Weingut Weber, Monzingen

-gereifter Wein, wirkt süß aber noch sehr frisch-


2015er Riesling, Spätlese – halbtrocken 
Monzinger Frühlingsplätzchen
Weingut Weber, Monzingen

-gehaltvoll, breit, gut eingebundene Säure-

Hier war es wieder der junge, knackige Riesling der mich sofort begeisterte. Doch zum Essen...?



Poularde in Kokos mit Ravioli und Reiscreme




Das war wieder fein. Eine Tranche saftige, wohlschmeckende Hühnerbrust in einer feinen Soße die aber nur wenig an Kokos erinnerte. Die Reiscreme, eine weitere Soße konnte da schon besser gefallen. Der Raviolo war mit einer Farce aus Poulardenfleisch gefüllt, delikat abgeschmeckt und leider viel zu wenig... Die zwei Kressesorten brachten zusätzlich leben und Abwechslung ins Gericht. Auch hier 4,5*. Von den Weinen konntet die halbtrockene Spätlese den Sieg davontragen, wenn auch knapp gefolgt von der gereiften trockenen Spätlese. Völlig unharmonisch und bitter wirkend kam der junge, knackige Riesling daher.


Spätestens hier sollte den meisten hier im Raum (abgesehen von den biertrinkenden Feierbiestern) zu Bedenken geben, was der falsche Wein zum Essen für Wirkungen haben kann. Nicht nur, das der Wein oder gar das Essen seinen Charakter total verändern kann, nein, im Schritt weiter kann es sogar auf den Winzer abfärben, dem schlechte Weine attestiert werden, obwohl diese alleinstehend absolut in Ordnung sind. Andersrum kann man der Küche einen Strick draus drehen. Wer also gerne zu einem guten Essen auch guten Wein mag, sollte doch mal das Spiel wagen und neues riskieren, selbst wenn er sich das partout nicht vorstellen mag...


Doch weiter im Programm, der Hauptgang nahte. Wurden zu den Gängen zuvor immer Weine eines Weinguts serviert (fand ich gut, somit konnte man die „schlechteren“ Weine nicht auf das Weingut abwälzen), wurde nun unter den dreien gemischt. Dazu muss ich erwähnen, dass dies alle keine Weine waren, die auf der Karte des Restaurants stehen, sondern vom Önologen gewählt und mitgebracht wurden...



2015er Weißburgunder – classic
Nahe
Staatsweingut Bad Kreuznach

-frisch, nussig, belebend und vollmundig-


2013er Riesling – trocken
Meddersheimer Altenberg
Weingut Bamberger, Meddersheim

-gereift, sehr lang und gehaltvoll-


2013er Riesling, Spätlese – halbtrocken
Monzinger Frühlingsplätzchen
Weingut Weber, Monzingen

-feine Restsüße, leicht gereift und sehr lang-


Hier gefiel mir der trockene Riesling am besten, obwohl man dem Wein schon das Alter anmerkte...



Kalbsrücken auf Wurzelgemüse, Jus, Kartoffelstampf




Das war mal ein Stück Fleisch. Optisch perfekt gebraten mit schönen Röstaromen versehen. Doch leider waren die meisten nicht weit genug gegart worden. Eher rare als medium. Mir machte das wenig aus, aber das war so bestimmt nicht gewollt. Mir hat es jedenfalls geschmeckt. Ein feines Kalb. Das Wurzelgemüse bestand aus diversen Rüben, Möhren und Kohlrabi. Alles knackig, gut abgeschmeckt und mit einer leichten Sahnesoße glasiert. Das Püree war sehr sehr cremig, hatte wohl auch viel Butter und Sahne gesehen und die Jus war das krönende I-Pünktchen. Eine feine Essenz die sicherlich lange eingekocht wurde. Als Deko gab es einen Kartoffelchip und eine gebratene Kirschtomate. Schade, dass das Kalb nicht perfekt gegart war. So nur 4,5*
Die meisten hätten hier wohl einen Roten erwartet, auch bevorzugt (ich insgeheim auch). Man muss aber sagen, das der gereifte, trockene Riesling am besten mit dem Gericht klar kam und gerade das Gemüse geschmacklich noch heben konnte. Den Roten dann doch nicht vermisst.


Der offizielle Teil war damit beendet. In der hinteren Ecke gab es noch mal eine Runde Pils zum Spülen. Ich musste dann auch mal langsam den Weg zur Toilette aufsuchen und begab mich dazu in den Keller. Hier hat sich zum letzten Besuch auch nichts geändert, alles tipp topp!


Leider war beim Menü (inkl. Wein zu 69€) kein Dessert enthalten. Doch mir war nach Süßem nach dem anstrengenden Abend. Also ließ ich den Maitre antanzen um mir die Auswahlmöglichkeiten darzubieten. Ich entschied mich dann für etwas schokoladiges, den genauen Wortlaut weiß ich leider nicht mehr, und es hatte um die 9€ gekostet...





Den Kern bildetet das geschichtete Schoko-Nugat-Schnittchen mit Heidelbeeren als Topping. Dazu ein Eis (keine Ahnung mehr was es war) ein paar Beeren und Schokokrümel als Unterlage auf einem gelben Fruchtspiegel. Nur soviel, ich war angetan davon und habe es verputzt ohne dem Fräulein auch nur einen Löffel anzubieten, leider.... Sie vergnügte sich unterdessen mit einem Espresseo.


Immerhin sind wir noch vor Mitternacht aus dem Restaurant raus. Die Schwiegermutter fuhr uns heil nach Hause. Der Abend war gelungen.



Fazit:

Das Fazit

Trinken und Essen will gelernt sein!
Was die Sache an sich angeht war es ein durchaus gelungener Abend.
Das Essen sehr gut, wenn auch hier ein paar Kleinigkeiten durchgerutscht sind. Dennoch 5* für das gebotene.
Der Service hatte an dem Abend leider etwas zu kämpfen, die Organisation stimmte einfach nicht und es gab dadurch immer wieder Verzögerungen. 3*
Das Ambiente ist mir immer noch zu altbacken und schwerfällig. Hier muss bald Hand angelegt werden. 3,5*
An der Sauberkeit gab es auch diesmal nichts auszusetzen. Alles perfekt. 5*
Das PLV an diesem Abend unübertrefflich. Weine und Essen (außer Dessert) für 69 €, in der Qualität nicht zu toppen.
Diese Art der Gastronomie würde ich jederzeit wieder mitmachen und ist absolut empfehlenswert!

P.S.: Hoffe der Ein oder Andere hier ist nun zufrieden ;-)))

5 – unbedingt wieder!

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder - nach "Küchenreise")
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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