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Angeblich soll es hier die besten Maultaschen der Fächerstadt geben. Und auch das hier auf der Karte befindliche „Wantzenauer Hähnchen“ scheint bei den Gästen nach wie vor gut anzukommen. Davon konnten wir uns übrigens während unseres Besuches aus nächster Nähe überzeugen. Aber dazu später mehr.
1983 eröffneten Jürgen und Susanne Huber an Ort und Stelle ein Wirtshaus mit dem Namen „Eierhuber“. Der eigenwillige Name ging auf den Vater von Jürgen Huber zurück. Er unterhielt früher zusammen mit seiner Frau einen bekannten Marktstand für Eier, Butter und Käse. Nach dem Tod von Jürgen im Jahr 2012 übernahm seine Ehefrau Susanne die Leitung und änderte den Namen entsprechend ab. Fortan ging es dann halt zur „Eierhuberin“.
Seit 2024 wird das traditionsreiche Ecklokal von deren Tochter Melanie weitergeführt. Dabei ist es die Mischung aus familiärer Herzlichkeit, ehrlicher Hausmannskost und einer gemütlichen Wirtshausatmosphäre, die diese gutbürgerliche Karlsruher Institution so beliebt macht. Den größten Anteil daran trägt zweifellos die „symbadische“ Wirtin, die ihren Laden voll im Griff zu haben scheint.
Mit „Meli“ ist man schnell auf Du und Du. Viele Stammgäste schätzen diesen ungezwungenen Umgang. Ein Restaurant mit Kneipenflair und guter deutscher Küche funktioniert in der heutigen Zeit sogar besonders gut, ist diese gastronomische Gattung schließlich vom Aussterben bedroht.
Ich hatte zuvor angerufen und um einen Tisch für zwei Personen gebeten. Meli Huber gab am Telefon grünes Licht und wir machten uns mit den Öffentlichen auf den Weg in die Karlsruher Weststadt, die eine ordentliche Auswahl an empfehlenswerten Einkehradressen beheimatet.
Den Anruf hätte ich mir auch sparen können, da an jenem warmen Donnerstagabend im trubeligen Gastraum kein einziger Tisch mehr frei war. Ganz „pfalz-like“ fragten wir ein Pärchen, ob wir uns zu ihnen dazu setzen dürfen. Auf einen freien Tisch zu warten, zogen wir gar nicht erst in Betracht. Die gesellige Umgebung mit der Theke als kommunikativem Zentrum animierte uns, die Sache „offensiv“ anzugehen.
Außerdem hatten wir richtig Kohldampf und der wurde vom feinen Geruch nach deftigem Essen, der aus der hinter der Theke befindlichen Küche drang, noch verstärkt.
Mit den beiden jungen Leuten kamen wir schnell ins Gespräch. Sie kannten den Laden noch von früher und wussten die gutbürgerliche Küche in der „Huberin“ zu schätzen. Das „Wantzenauer Hähnchen“, das dem jungen Mann später serviert wurde, ließ mir das Wasser im Mund zusammenlaufen.
Da hatte ich jedoch schon meine Bestellung an die Frau gebracht. Vorweg hatte ich mir mit voller Absicht die „Goldenbergsuppe“ (7,50 Euro) eingebrockt. Die kam mit einer kleinen Maultasche, Markklößchen und einer Grießnocke als Einlagen an den Tisch.
Ihre von ehrlichem Suppenhandwerk kündenden Fettaugen strahlten mich beim Weglöffeln verheißungsvoll an. Lange hatte ich keine so gute, frei von Helferlein gekochte Rindersuppe mehr zu mir nehmen dürfen.
Ein vollmundiges Ausrufezeichen in Sachen Suppkultur. Bravo!
Fun-Fact für Biertrinker: bei der Eierhuberin wird frisch gezapftes Kölsch ausgeschenkt. Wir saßen noch nicht richtig, da bekamen wir schon die ersten beiden „Stangen“ aufs Haus gereicht und der kleine Faux-Pas mit der misslungenen Reservierung ließ sich „auf rheinische Art“ hinunterspülen. Aber auch das ein oder andere Pils (0,3l für 3,90 Euro) aus dem Hause Hatz-Moninger erfreute unsere durstigen Kehlen.
Mein Kollege hatte sich für das Entrecôte vom Grill mit Pommes und selbstgemachter Hollandaise (26,50 Euro) entschieden. Keine einfache Wahl, brachten doch Cordon Bleu vom Kalb, pikantes Rindergeschnetzeltes und das ganze Wantzenauer „Mischdkratzerle“ (= kleines Hähnchen) den eingefleischten Karnivoren in Entscheidungsnot.
Auch ich war hin- und hergerissen. Als „Meli“ beim Servieren der nächsten Kölschrunde den Zwiebelrostbraten mit Spätzle (28,50 Euro) als Tagesempfehlung erwähnte, loggte ich jenen in freudiger Erwartung ein.
Nach der gehaltvollen Suppengrundlage ging es nach etwas längerer Wartezeit – bei der hohen Auslastung des Lokals sollte man etwas Zeit einplanen – mit zwei stattlichen Fleischtellern weiter. Der Kollege bekam sein Entrecôte im gewünschten Gargrad „medium“ und mit einer anständigen Portion Pommes geliefert. Von der Qualität der schaumig aufgeschlagenen Hollandaise durfte ich mich selbst überzeugen.
Aber auch das perfekt gebratene Zwischenrippenstück aus dem vorderen Rücken des Rindes – gilt bei vielen als das „Steak für Kenner“ – machte einen tollen Eindruck. Ein saftiges Kurzbratsteak mit Geschmack und Charakter! Mein Kollege war begeistert.
Mein Zwiebelrostbraten hätte auch in jeder Allgäuer Dorfwirtschaft eine gute Figur abgegeben. Ja, was für eine zarte, unter einem Berg von Schmorzwiebeln versteckte Tranche vom Rinderrücken war denn das bitteschön?
Ein Rostbraten wie aus dem Bilderbuch für deftige Wiener Fleischgerichte. Flankiert von subtil gebutterten Spätzle als Sättigungsgarantie und süffig unterfüttert von einer kräftigen, nach ehrlichem Ansatz schmeckenden Bratensauce, war das ein astreiner Wohlfühlteller für einen ausgehungerten Karnivoren.
Danach wurden wir mit Obstler (wegen den unglücklichen Umständen in Bezug auf unsere Reservierung) und selbst angesetztem Eierlikör – der Name des Hauses war tatsächlich Programm – aufs Haus weiter übervorteilt. Man könnte auch sagen: abgefüllt. Aber was tut man nicht alles, um die Verdauung der zuvor servierten, fleischernen Ewigkeitswerte voranzubringen…
Der Abend bei „Meli“ hat uns richtig gut gefallen. Tolle Atmo, wunderbare Wirtshausküche und dazu noch zwei nette Leute kennengelernt. Mehr kann eine gutbürgerliche Einkehr doch gar nicht leisten. Apropos leisten: auch das Preis-Genuss-Verhältnis kann sich hier definitiv sehen lassen.