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GastroGuide-User: Gourmäggler
Gourmäggler hat Gasthaus Zum Karpfen in 76777 Neupotz bewertet.
vor 8 Stunden
"Neupotzer Gastro-Kuriosum: Wo Karpfen draufsteht, ist manchmal Zander drin!"

Geschrieben am 11.01.2026 | Aktualisiert am 11.01.2026
Besucht am 05.06.2025 Besuchszeit: Abendessen 2 Personen Rechnungsbetrag: 85 EUR
Anfang Juni kehrte ich nach längerer Abstinenz mal wieder im Neupotzer „Karpfen“ ein. Ich hatte einen Kollegen unseres Wörther Schlemmerclubs im Schlepptau und wir beide schätzen sowohl die familiäre Atmosphäre als auch die geradlinige Hausmannskost, die hier seit vielen Jahren in dem beliebten Ortsgasthof aufgetischt wird.
 
Dieser ist bereits seit über einem Jahrhundert im Besitz der Familie Gehrlein. In den rustikal-gemütlichen Räumlichkeiten wird heute mehr denn je auf Regionalität, Qualität und frische Zubereitung gesetzt, was dem sympathischen Familienbetrieb Jahr für Jahr einen festen Platz im Slowfood-Genussführer einbringt.  
 
Also machten wir uns auf in das an einer Altrheinschlinge gelegene 1900-Seelendorf Neupotz, in dessen schmuckem Ortskern der „Karpfen“ beheimatet ist. Ein Parkplatz findet sich eigentlich immer. Zur Not muss man halt ein paar Schritte bis zum Lokal in Kauf nehmen. Das taten auch wir an diesem angenehm warmen Donnerstagabend Anfang Juni.
 
Ein bereits im Vorfeld reservierter Tisch für zwei Personen wartete direkt neben der Theke auf uns. Ein ruhiger Platz in Fensternähe, der vertrauliche Tischgespräche erlaubte und von dem aus wir trotzdem einen guten Überblick auf die Szenerie des putzig möblierten Gastraums hatten. 
Der Gastraum - eine liebenswerte Erinnerung an alte Zeiten
Der Andrang hielt sich an jenem Abend in Grenzen. Die meisten Gäste waren „ältere Semester“, die dem guten Ruf des Hauses wahrscheinlich schon viele Jahre treu folgen.
 
Eine junge Dame war an diesem Abend für den Service verantwortlich. Sie versorgte uns zeitnah mit dem Speisenprogramm, dessen Standardangebot um eine spargellastige Tageskarte erweitert wurde. Den Spargel aus dem nicht weit entfernten Rheinzabern konnte man mit Schnitzel (vom Schwein oder vom Kalb), paniertem Zanderfilet oder Kalbssteak (natur) kombinieren. Selbstverständlich zusammen mit Salzkartoffeln und Sauce Hollandaise (oder Butter).
 
Obwohl ich selbst kein großer Freund des Stangengemüses bin, esse ich während der Saison doch gerne mal ein Spargelcrèmesüppchen. Die 7,50 Euro würden für die Terrine „von der Stange“ sicherlich gut angelegt sein. Da war ich mir sicher. Auch mein Kollege entschied sich für diesen saisonalen Leckerbissen als Vorspeise.
 
Mich holte an diesem Abend der Rehbraten an Wacholdersauce mit Butterspätzle und kleinem Beilagensalat (26,50 Euro) am meisten ab. Der Kollege unterlag dagegen der gebackenen Fischversuchung und orderte das panierte Zanderfilet mit Pommes Frites und Salat (21,50 Euro). Denn auch im „Karpfen“ lässt es sich gut zandern. Wir befanden uns ja schließlich in Neupotz.     
 
Mit einem frisch gezapften Schoppen Silber-Pils von der Bellheimer Brauerei (5,20 Euro) und einem Radler (0,4l für 4,20 Euro) kümmerte man sich flott um unseren Durst.
 
Bald sollten die beiden Spargelsuppen folgen. 
Prima Spargelsüppchen...
Allein schon optisch erinnerten sie an frühere Zeiten, da sie – wie wahrscheinlich schon vor vielen Jahren – in altmodisch bemalten Suppentassen serviert wurden. Sie waren das Produkt grundsoliden Küchenhandwerks und hatten neben ihrem feinen Spargelgeschmack auch ordentlich viel feste Einlage zu bieten.
...mit ordentlich was drin!
Die darin enthaltenen, mundgerecht geschnittenen Spargelstücke hatten noch leichten Biss. Die sämige, helle Tunke war sicherlich das Ergebnis einer klassischen Mehlschwitze, fiel jedoch nicht besonders mächtig aus. Das war auch gut so, denn für unsere Hauptgänge sollten ja auch noch Magenkapazitäten vorhanden sein.     
 
Zu unseren Hauptgerichten wurde ein ganz „oldschool“ angemachter grüner Blattsalat mit dem üblichen Rohkostfundament gereicht. 
Beilagensalat zum Rehbraten
Der kam uns als zwischenzeitliche Erfrischung nach der heißen Suppe gerade recht. Die nächste „Radler-Welle“ mit Bier aus Bellheimer Landen hatte da gerade das Fass via Zapfhahn verlassen und wurde von der freundlichen Bedienung fürsorglich in Griffweite platziert.
 
Dass man hier auch einen vorbildlich panierten und danach fachgerecht frittierten Zander vorgesetzt bekommt, ist kein Geheimnis. Da darf sich der Laie nicht vom Namen des Lokals in die Irre führen lassen. Auf dem Teller meines Kollegen glänzte das panierte Gold des Altrheins in dreifacher Ausführung.
Paniertes und gebackenes Zanderfilet
Selbstverständlich lagen die wohlfrittierten Prachtstücke auf einer etwas altbacken wirkenden Verzehrplatte von anno dazumal. Gehört sich im „Karpfen“ halt so. Fritten und Remouladensoße wurden separat mitgeliefert. Mein Tischgenosse lobte Panierung und Würzung seines saftigen Backfischs. Selbst Captain Iglo hätte sich nach dem ersten Bissen vor Begeisterung die „Stäbchenfrage“ gestellt.
 
Auch ich war von meinem großzügig portionierten Wildgericht begeistert. Die nicht gerade schüchtern angegossene, dunkle Wacholdersauce hatte ordentlichen Wumms und die drei amtlichen Tranchen vom zart geschmorten Rehbraten machten ebenfalls eine gute Figur. 
Beim Rehbraten herrschte wahrlich kein Soßenmangel
Da hätte es die leider immer viel zu süß ausfallenden Preiselbeeren und insbesondere die eingemachten Birnen aus Oma Gehrleins Garten gar nicht gebraucht, um diesen zünftigen Hubertusteller mit einer gehörigen Ladung Spätzle zu zelebrieren.  
Aufgespätzelter Rehbraten
Bereits nach dem ersten Bissen war klar, dass im „Karpfen“ nach wie vor nach allen Regeln der hausmannsköstlichen Kochkunst geklotzt statt gekleckert wird. Und das alles ohne die in Lokalen mit gutbürgerlicher, deutscher Küche häufig anzutreffende Verwendung von Pülverchen und Fertigprodukten. Einen guten Hunger sollte man bei den hier gebotenen Portionsgrößen allerdings mitbringen oder halt auf eine Vorspeise verzichten.
 
Wenn es um ehrlich gekochte Hausmannskost mit Fischschwerpunkt geht, darf man den Neupotzer „Karpfen“ nach wie vor auf der Rechnung haben. Gastronomischer Anspruch und kulinarische Wirklichkeit klaffen hier nicht auseinander. Zwar ist das Gebotene nicht ganz so raffiniert zubereitet wie bei den nicht weit entfernten Toplokalen „Lamm“ und „Hardtwald“, aber auch hier stimmt die Qualität der Produkte, die nahezu komplett aus der Umgebung stammen.   
 
Für gutbürgerlich gesinnte Gastro-Nostalgiker und kulinarische Kinder der 80er ist diese im besten regionalen und saisonalen Sinne betriebene Dorfwirtschaft sicherlich eine Empfehlung. Ein fundiert zubereitetes Essen wie zu Omas Zeiten schmeckt schließlich nicht nur den Ewiggestrigen.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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manowar02 und 3 andere finden diese Bewertung gut geschrieben.