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Das von Kathrin Speth betriebene, auch im Netz sehr gut beleumundete Speiselokal sollte man nicht ohne vorherige Reservierung aufsuchen. Zwar gibt es ausreichend Plätze, aber scheinbar noch mehr Aspiranten. Wir hatten reserviert und waren dann aber doch erstaunt über die hohe Auslastung des Clubhauses an diesem Donnerstagabend.
Man platzierte uns an einem langen Hochtisch in der Ecke des Gastraumes unweit des Tresens. An unserem Tisch saßen noch andere Gäste, allerdings mit etwas Abstand, so dass die private Gesprächsatmosphäre nicht in Mitleidenschaft gezogen wurde.
Trotz der hohen Auslastung machten die Servicekräfte einen sehr freundlichen und zugewandten Eindruck. Kleinere Fehler wurden umgehend und mit einem Lächeln korrigiert. Man kam schnell ins Gespräch und fühlte sich bestens umsorgt. Das kennt man von Vereinslokalen auch ganz anders…
Das Innere des Gastraumes strahlte eine warme Atmosphäre aus. Das wertige Holzmobiliar wurde von zeitgemäßen Hängeleuchten ins rechte Licht gesetzt. Ein separater Nebenraum stand weiter hinten für größere Gesellschaften zur Verfügung. Auch er war an diesem Abend gut besetzt.
Ein Aufsteller auf dem Tisch verriet uns die Empfehlungen des Monats November. Feldsalat, Kürbissuppe, Rinderroulade, Dunkelbier-Gulasch, Spare-Ribs vom Duroc-Schwein und hausgemachte Maultaschen klangen bereits derart verlockend, da hätte ich mir den Blick in die aufklappbare Standard-Karte eigentlich sparen können.
Ich riskierte ihn dennoch. In der Pasta-Abteilung wurde doch tatsächlich selbstgenudelt, was mich aufhorchen ließ. Hausgemachte Mefaldine mit Wild-Bolo aus der Rheinstetter Jagd und Paccheri Rigati mit pikantem Röstpaprika-Sugo, Burrata und Rucola-Pesto waren für unter 20 Euro zu haben.
Aber auch die Auswahl an Leibgerichten mit klar erkennbarem Fleischschwerpunkt konnte sich durchaus lesen lassen. Und so wählte ich mit dem Coq au Vin vom Pollo Fino in kräftiger Rotweinsauce, hausgebackener Focaccia und Salat (19,50 Euro) eine der gelisteten Leibspeisen.
Anstatt des Standard-Beilagensalats zog ich die in der Karte angebotene Option auf einen Feldsalat mit Speck und Kracherle (Monatsempfehlung), was einen Aufpreis von 6,50 Euro zur Folge hatte.
Auch mein Kollege erlag den fleischlichen Versuchungen aus der Soulfood-Ecke und orderte den mit einem 250 Gramm Patty ausgestatteten Chili Cheese Burger in der hausgebackenen Brioche mit Fritten (18 Euro).
Bei der Vorspeisenwahl herrschte maritime Einigkeit am Tisch. Jeweils fünf in Kräuterbutter und Knoblauch gebratene Black Tiger Prawns (14,50 Euro) durften wir uns bald schmecken lassen.
Die in ordentlicher Größe, komplett entschalten Garnelen lagen schön saftig in einer rustikalen Eisenpfanne. Zum Aufsaugen des aromatischen Knobi-Kräuter-Öls halfen zwei dicke Scheiben von der fluffigen Focaccia aus dem Clubhaus-Backofen.
Eine einfache, auf den Punkt zubereitete mediterrane Vorspeise, bei der Genuss und Sättigung gleichermaßen im Vordergrund standen. Bereits gut vorgesättigt schalteten wir – von zwei Schoppen Eichbaum Ureich-Pils (0,5l für 5,80 Euro) aus dem Steinkrug begleitet – wohlgehopft einen Gang höher.
Während sich mein Kollege über seinem mit geschmolzenem Cheddar, Jalapenos, Salat und Gurken garnierten, dreigeschossigen Frikadellenturm hermachte – er wurde samt Frittenbox auf einem robusten Holzbrett serviert –
duftete mir das in würziger Rotweinsauce badende, besoffene Huhn entgegen.
Drei zart geschmorte Brocken vom zuvor entbeinten Hühnerfleisch bildeten den deftigen Kern dieses großzügig portionierten Hauptgerichts für Saucenfreunde.
Die dunkle Tunke zeugte von Charakter und geschmacklicher Tiefe. Sorgfältig abgeschmeckt und ausreichend lange einreduziert punktete sie mit feinen Röstaromen und einer angenehmen Background-Säure. Da hatte sich die wohlwollende Dreingabe von rotem Rebsaft aber mal so richtig gelohnt.
Der mit gebratenem Speck und knusprigen Croutons veredelte Feldsalat lieferte mit seinem frischen Essig-Öl-Dressing einen angenehmen Kontrast zum kräftigen Schmorgericht.
Nur mit der Menge hatte ich ein wenig zu kämpfen. Aber alles andere fiel unter die Rubrik „herbstlicher Rapunzel-Genuss pur“.
Mein dem geschmolzenen Käse zugetaner Burger-Buddy vernichtete derweil gut „ge-ureicht“ seinen Chili Cheese, der vor Saftigkeit nur so strotzte.
Die Jalapenos heizten ihm ordentlich ein und die hausgebackene Brioche überzeugte mit buttriger Fluffigkeit.
Fazit:
Uns gefiel diese Mischung aus gutbürgerlicher Bodenständigkeit und ambitionierter Herangehensweise der Sportheimküche richtig gut. Einen echten Geheimtipp scheint das von außen eher unprätentiös wirkende Lokal allerdings nicht mehr darzustellen. Dafür war der Andrang an unserem Besuchsabend viel zu groß. Die ungezwungene Atmosphäre und der freundliche Service runden das durchweg positive Gesamtbild stimmig ab. So funktioniert ambitionierte Clubhausgastronomie!