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GastroGuide-User: carpe.diem
hat Plochinger Besenwirtschaft in 73207 Plochingen bewertet.
vor 2 Jahren
"Ein ganz besonderer Besen"
Verifiziert

Geschrieben am 25.02.2019 | Aktualisiert am 25.02.2019
Besucht am 24.02.2019 Besuchszeit: Abendessen 1 Personen Rechnungsbetrag: 19 EUR
Lage, Ambiente (5*)
Nach einer kleinen Sonntagswanderung wollte ich mir eigentlich einen Kaffee und Kuchen, im „Plochinger“ zu Gemüte führen. Als ich dann vor verschlossener Türe stand fiel mir wieder ein, dass der ja am Sonntag Ruhetag hat. So landete ich dann 200 Meter weiter im Besen des Weinbaubetriebs Christine & Charlotte Gessert.
Dieser urige, traditionelle Besen ist ein Geheimtipp vom Feinsten und es ist mir bisher nie gelungen dort einen Platz zu ergattern. Er liegt genau gegenüber dem Rathaus, so gut versteckt, dass man wissen muss wo man ihn findet. Geht man die Staffeln weiter landet man bei „les toilettes“ dem weltweit einzigen Kunst-Klohäuschen, das von Tomi Ungerer konzipiert wurde.
Doch nun zum Besen, ein Schmuckstück schwäbischer Besenkultur. Edel eingerichtet in einem denkmalgeschützten ehemaligen Wengerterhaus, Baujahr 1799 sind die Damen sehr darauf bedacht die schwäbische Originalität zu bewahren. Kaum hat man das Haus betreten spürt man die besondere Atmosphäre, die einem bereits jetzt ein Schmunzeln entlockt. Zur linken Hand liegt das stille Örtchen, das hier nicht als WC oder Toilette angekündigt wird, sondern schlicht und einfach mit der schwäbischen Bezeichnung „Abort“.
Weiter geht’s eine enge, steile Treppe hinauf vorbei an der Küche - die einen herrlichen Duft von Sauerkraut und Gebratenem verteilt - zu den beiden Gasträumen. 

Dort sind große, polierte Tische mit ordentlichen Stühlen und Bänken aufgestellt. Entgegen aller schwäbischen Sitten muss man sich hier zusammensetzen. Die gekonnt platzierten antiquarischen Wohnzimmerbuffets, Nähmaschinen und anderen Haushaltsgeräte (darunter ein vierstöckiger Henkelmann, mit dem früher die Weinbergsarbeiter versorgt wurden) betonen die Häuslichkeit des Besens, die sehr deutlich die feminine Handschrift der beiden Betreiberinnen trägt. Kurz, ein Ort zum Wohlfühlen und Verhocken.
 
Service (4*)
Charlotte Gessert ist für den Service zuständig, Christine regiert in der Küche. Alles läuft wie am Schnürchen. Mit wohlwollender Herzlichkeit wird man versorgt. Auch Sonderwünsche werden freundlich entgegengenommen und realisiert. Die Rechnung erfolgt auf einer Postkarte mit den Daten des Besens.
 
Das Angebot (5*)
Auf einer laminierten Karte findet man 27 typische Besengerichte vom Gsälzbrot (2,50 €) bis zum Besenteller (9,00 €). An Sonntagen gibt’s in 14-tägigen Wechsel Schweinebäckle in Trollinger-Sößle oder Krustenbraten vom Backofen mit Kartoffelsalat oder Sauerkraut (je 9,00 €). Je nach Laune der Köchin gibt’s auch schwäbische Spezialitäten wie saure Kartoffelrädle oder Gaisburger Marsch.
Ausgeschenkt werden Fassweine (Rot, Rosé, Weiß) aus eigenem Anbau vom Stuttgarter Weinbaugebiet Rohracker, ausgebaut vom Weingut Bayer in Esslingen. Das Viertel im Henkelglas für 3,00 € oder ein Liter aus dem Glaskrug für 11,00 €. Für Nichtakoholiker Traubensaft und Mineralwasser.
Habe mich für die Schweinebäckle im Trollinger-Sößle mit Sauerkraut entschieden (findet man ja leider nicht oft auf Speisekarten). 

Die lachten einen förmlich an und schon der Duft war betörend vom Geschmack ganz zu schweigen. Die selbstgemachte Soße, ein Gedicht. Serviert wurden dazu 3 Scheiben köstliches Roggenbrot. Zum Schluss bestens geeignet zum Auftupfen der Soße. Mein dunkelroter Lemberger passte dazu ausgezeichnet.
Die angenehme Gesellschaft führte dazu, dass ich mir ein weiteres Viertele gönnte und dazu zwei Flädle (dünne Pfannkuchen) mit hausgemachtem, dezent süßem Apfelmus (4,00 €), ein köstliches Dessert, das meine ursprüngliche Lust auf Kuchen gut kompensierte.

Nach vier Stunden habe ich den Besen wohl gespeist, glücklich und zufrieden kurz vor Betriebsschluss wieder verlassen. Losgeworden bin ich 19,00 €, ein tolles PLV.
Wiederholung ist bereits geplant
 
Sauberkeit (5*)
Auch hier feminine Gründlichkeit. Es gab nicht das berüchtigte Hausgeschmäckle, das älteren Häuser häufig anhaftet.
 
Fazit
Dieser Besen ist wirklich was ganz Besonderes und kann nur wärmstens empfohlen werden. Einziger Nachteil, er hat nur zweimal im Jahr für rund 6 Wochen geöffnet. Diese Saison geht noch bis zu 10.03., die nächste vom 18.10.-01.12.2019
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


Jens und 20 andere finden diese Bewertung hilfreich.

Carsten1972 und 20 andere finden diese Bewertung gut geschrieben.