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Es gibt großartige Köche, die das Kochen bei Großmutter, Vater, Tante oder Onkel gelernt, also keine richtige Kochaubildung absolviert und ihren Werdegang trotzdem sogar mit einem Küchenmeister Titel gekrönt haben. Das "Indochine" mit seinem Betreiber Quang Hoa Nguyen und dessen Frau Thi Nhung Nguyen ist solch ein Fall. Hoa hat hier in Saarbrücken 2005 seine Prüfung als Küchenmeister abgelegt. Seine ursprüngliche Lebensplanung war ganz anders. Geboren in Nordevietnam zog er in jungen Jahren nach Tschechien, um dort Maschinenbau zu studieren. Aber stattdessen landete er 1990 hier im Saarland. Sein erster Job in der Gastronomie war Tellerwäscher, von deutscher Küche hatte er damals noch keine Ahnung. Doch sein Ehrgeiz zahlte sich schnell aus:Er fand eine Stelle als angelernter Koch in der bekannten Saarbrücker "Schlachthof Brasserie by Klaus Erfort" und konnte nach gezielter Weiterbildung 2005 schliesslich seinen Meisterbrief entgegennehmen. 2014 erfüllten sich die Nguyens ihren Traum vom eigenen Restaurant: dem "Indochine" in der Klausener Strasse, sie bezogen dort die Räumlichkeiten des italienischen Restaurants "Roma", das n der Innenstadt direkt neben die Congresshalle umgezogen war. Die Küche der Nguyens verbindet vietnamesische und französische Einflüsse - "Indochina" hieß die ehemalige französische Kolonie in Südostasien, dem heutigen Nord- und Südvietnam. Die recht umfangreiche Karte reicht von klassischen vietnamesischen Vorspeisen wie Frühlings- und Sommerrollen über Salate, Reissuppen und Reisnudeln bis hin zu Fleisch- und Fischgerichten. Alle Speisen werden mit frischen Beilagen serviert und mit großer handwerklicher Sorgfalt zubereitet. Sie sind leicht, gut verträglich und äusserst schmackhaft.
Eine ganz zentrale Rolle spielt der Umgang mit Gewürzen. Nach vietnamesischer Tradition werden sie zunächst angeröstet, anschliessend in Kräutersäckchen in Fonds gegeben oder für Marinaden verwendet. Neben bekannten Zutaten wie Ingwer, Sternanis, Nelken, Sesamsaat oder Kardamon kommen auch Gewürze zum Einsatz, die Nguyen direkt aus Vietnam importiert. Das sorgt für eine ganz besondere Aromatik.
Das "Indochine"-Menü beginnt mit einer Frühlingsrolle als Amuse-Bouche - schön knusprig. Es folgt eine Vorspeisen-Variation: Lotte, mit Thunfisch gefüllt, dazu eingelegter Ingwer sowie confierte Zwiebeln und Feigen. Als zweite Komponente ein in Roter Bete marinierter Lachshappen auf einem Algenbett, gefolgt von einer Crème brûlée von der Gänseleber. Die Komposition überzeugt farblich wie geschmacklich voll und ganz.
Im Zwischengang wird Kalbsbries serviert: in Gewürzen und Portwein mariniert und anschliessend schonend im Dampf gegart. Dazu Süsskartoffelstampf mit Tomaten, Möhren und Sellerie, begleitet von einer Portweinsauce.
Im Fleischhauptgang folgt ein Duo von mariniertem Flanksteak und Rinderfilet mit Kräuterkruste. Die auf den Punkt gegarten Gemüse (Kohlrabi, Brokkoli, Champignons und Tomate) sind fein gefächert bzw. tourniert; die Reiskrokette (mariniert und paniert) passt perfekt dazu. Die Fischvariante kombiniert Skrei auf Spinat mit karamellisierten Scampi und Kurkumaschaum, begleitet von Tomaten und Champignons. Den krönenden Abschluss bildet ein feiner vietnamischer Eiskaffee mit einem Parfait aus Feigen und Matcha.
Das 5-Gänge-Menü kostet 89 Euro, möglich sind auch 8 Gänge (130 Euro) oder 6 Gänge (105 Euro). Preislich beginnen die Vorspeisen auf der Karte bei 12,90 Euro, die Zwischengänge bei 16,90 Euro. Die exclusivsten Hauptgänge kosten 38,90 Euro (etwa die Komposition von Entenbrust und Flanksteak). Hoa Nguyen liebt es, sein Wissen weiterzugeben. ein knappes Dutzend Auszubildende hat das "Indochine bislang durchlaufen und dabei viel gelernt.
Auf die Frage, welche Vision Herr Nguyen für die Zukunft hat, antwortet er: "Menschen mit gutem Essen auch weiterhin glücklich machen - und einen Ort schaffen, an dem mein Team gerne arbeitet und sich weiterentwickelt."
Letzte Frage: "Was war der ungewöhnlichste Wunsch eines Gastes ?" "Ein Silvestermenü laktose- und glutenfrei mit veganer Vorspeise. Aber genau solche Wünsche machen es spannend."
(auszugsweise SZ vom 26.03.2026)