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GastroGuide-User: marcO74
hat Osmans Töchter in 10437 Berlin bewertet.
vor 2 Jahren
"Modernes türkisches Restaurant, das uns mit seiner feinen Auswahl an kalten und warmen Meze den Bosporus kulinarisch näher brachte"

Geschrieben am 11.10.2018
Besucht am 15.07.2018 Besuchszeit: Abendessen 2 Personen Rechnungsbetrag: 50 EUR
Unser Besuch bei Osmans „Töchtern“ stellte sich als das kulinarische Highlight unserer diesjährigen Berlin-Reise heraus. Auch war es das einzige Lokal, das uns im Vorfeld zu einer Reservierung animierte. Darüber „gestolpert“ bin ich schon vor zwei Jahren. Im FEINSCHMECKER (Ausgabe 09/2016) wurden damals Deutschlands beste Länderküchen vorgestellt. Darunter auch das von Arzu Bulut und Lale Yanik im Jahre 2012 gegründete „Mezaurant“, das seinen Gästen eine aufgepeppte, aber dennoch authentische Orient-Küche verspricht, die in erster auf dem Sharing-Prinzip basiert.
 
„Teilen am Tisch erlaubt!“ – ein Konzept, das mir immer besonders Spaß macht (siehe Dumpling-Bericht). Kann man sich doch so schön durch die Speisepalette futtern.
 
Allein die Internet-Präsenz des Ladens macht mit appetitanregenden, bunten Meze-Bildern auf bzw. in stilvoller Keramik so richtig Laune und schnell wird einem klar, dass die hier angebotenen Gerichte nicht das Geringste mit der vertrauten Drehspieß- und Frittierkultur konventioneller Dönerbuden und Falafel-Imbisse zu tun haben. Was nicht heißen soll, dass diese Form des schnellen Fladenbrots keine Berechtigung hat. Manchmal ist auch sie ein willkommener Sattmacher – besonders bei zeitlicher Enge am Mittag.
 
Zeitlich knapp ging es bei uns nicht zu. Wir hatten nach kurzer Anmeldung an der Theke ganz entspannt draußen vor dem Restaurant Platz genommen. Auf dem mit einer Markise überdachten Trottoir der Pappelallee saßen wir auf massiven Klappstühlen wie sie oft auf Terrassen und Balkonen zu finden sind. Mit dünnen Polsterkissen versuchte man dem sperrigen Gartenmobiliar ein Mindestmaß an Bequemlichkeit abzutrotzen, was leidlich gelang.
 
Doch das war uns einerlei. Wir freuten uns auf die hier gebotene Auswahl an orientalischen Kleinigkeiten, über die wir uns natürlich schon im Vorfeld auf der Webseite hinreichend informiert hatten. Zusätzlich stand uns das tadellos agierende Service-Team bei kleineren Fragen mit Rat zur Seite. Man machte seinen Job routiniert, professionell und unaufgeregt. Hier regierte keine Berliner Nonchalance (mit entsprechender Schnauze), eher war es eine Art levantinische Gelassenheit, die sich im Auftreten der vornehmlich weiblichen Bedienungen wiederfand.
 
Die doppelseitige Speisen- und Getränkekarte hielten wir auch bald in Händen. Unserem Durst begegnete man ebenfalls zeitnah. Eine Flasche gefiltertes und vitalisiertes Mineralwasser (0,75l für 5,50 Euro) wurde zügig gebracht. „Türkische Orangina“ (0,5l für 4,90 Euro) nannte sich eine aus Soda, Orangensaft, Zitrone, Minze und Melisse bestehende, hausgemachte Limonade, die in einem kleinen Glaskrug mit Eiswürfeln serviert wurde. Ein erfrischender und nicht allzu süßer Durstlöscher an diesem warmen Juli-Abend.
 
Ein Blick ins Innere des Restaurants verriet, dass die beiden Inhaberinnen nicht nur bei der Auswahl ihres Geschirrs Geschmack bewiesen, sondern auch bei der Einrichtung ihres Lokals. Schlichte, aber schicke Holz-Beton-Ausstattung statt folkloristischem Orient-Kitsch. An der Decke sorgten Entlüftungsrohre aus Metall für trendigen Industrie-Charme. Ganz am Ende des Raumes hing ein alter Teppich an der Wand. Er erinnerte von weitem an eine antike Wandmalerei und bildete einen visuellen Kontrapunkt zum ansonsten recht nüchtern gestalteten Gastraum.
 
Als Deckenleuchten fungierten Einmachgläser in verschiedener Größe. An den Bistrotischen mit quadratischer Holzplatte fanden jeweils zwei Personen Platz. Sie wurden je nach Bedarf zusammengeschoben und bildeten in der Mitte des Raumes eine lange Tafel, die für eine größere Gesellschaft bestimmt zu sein schien. Um sie herum gruppierten sich bunt zusammengewürfelte Holzstühle unterschiedlichster Form und Bauart. Es wirkte alles sehr funktional und reduziert. Das Hauptaugenmerk sollte wohl ganz auf den hier servierten Speisen liegen.
 
Diese mussten aber zuerst einmal ausgesucht werden. Bei 15 kalten und um die 20 warmen Meze hat man erst einmal das „Kleingedruckte“, nämlich deren deutsche Übersetzung sowie die enthaltenen Ingredienzien zu studieren. Zwei Suppen und drei Desserts komplettieren die anregende Speisenauswahl. Linsen-Couscous-Salat (9,90 Euro), Rote Beete mit Nuss Gremolata und Schafskäse (6,90 Euro) lassen Vegetarier aufhorchen. Bulgurbällchen mit Hackfleisch (8,50 Euro), gegrillte Lammkoteletts (10,50 Euro) und türkischer Tafelspitz mit Zitronen-Kartoffelpüree (13 Euro) wecken das Interesse des Fleischessers. Ach wär der Magen doch doppelt so groß und die Entscheidung nicht so schwierig!
 
Am Humus (5 Euro), dieser aromatischen Kichererbsen-Sesampaste, kamen wir nicht vorbei, das war von vornherein klar. Daneben wagten wir uns an die türkische Ceviche vom Wolfsbarsch (8,90 Euro). Gefüllte Weinblätter (6,50 Euro) für die Dame am Tisch (man muss ja nicht alles „sharen“…) und dann ging’s ans Warme. Die sagenhaften „Manti“ (mit Hackfleisch gefüllte, türkische Tortellini, Anm.) kannte ich bisher nur vom Hörensagen. Sie wurden von Knoblauchjoghurt und Paprikabutter begleitet. „Einmal Rengarenk Mantisi, bitte! Und Osmanin Kebabi gleich obendrauf!“. Bei letzterem handelte es sich um gegrillte Hackfleischbällchen, die mit Joghurt- und Tomatensauce verfeinert auf angerösteten Fladenbrot-Stückchen lagen. „Manti“ und „Kebabi“ nahmen sich preislich nichts. Beide Gerichte waren für knapp unter 10 Euro erhältlich.
 
Schon beim fluffigen und noch leicht warmen hausgebackenen Fladenbrot kamen wir ins Schwärmen. Der leicht nach Kreuzkümmel duftende Humus ließ sich darauf besonders gut an. Kleine Details, wie die kurz angerösteten weißen Sesamkörner, ließen die „Nutella des Orients“ noch ein wenig aromatischer ausfallen. Eine traumhaft schmierige Geschichte, die von der Zitronensäure des Wolfsbarsch-Ceviche ordentlich eins auf die Kichererbse bekam. Der mit etwas Trüffelöl parfümierte und mit groben Senfkörnern veredelte, kaltgegarte Wolfsbarsch (Seebarsch) hätte mir am Marmarameer sitzend auch nicht besser gemundet. Mit gefüllten Weinblättern werde ich wohl keine kulinarische Freundschaft mehr schließen, was meiner Begleitung ganz Recht war, wie es schien.
 
Die beiden warmen Meze ließen nicht lange auf sich warten. Die kleinen türkischen Teigtaschen, welche in Größe und Form an Mini-Tortellini erinnerten, konnten die hohen Erwartungen locker erfüllen. Vielleicht war in ihrer delikaten Hackfleischfüllung auch ein kleiner Lammanteil. Süffig unterfüttert mit einem ordentlichen Klecks Knoblauchjoghurt, der zusätzlich mit flüssiger Paprikabutter und orientalisch duftenden Gewürzkräutern (türkische Würzmischung) verfeinert war, schmeckten die kleinen „Manti“ ganz ausgezeichnet. Da war nichts verkocht oder überwürzt. Ein einfacher, sehr köstlicher Teller, bei dem sich die einzelnen Komponenten harmonisch zu einem angenehmen Geschmacksbild zusammenfügten.
 
Genau wie bei den fein abgeschmeckten, saftigen Hackfleischbällchen vom Grill. Sie lagen versteckt unter einer gegrillten Peperoni (mild but wild!) auf knusprigen Fladenbrot-Croutons, die vorher mit etwas fruchtiger Tomatensauce übergossen wurden. Kleingehäckselte Glattpetersilie und eine cremige Joghurt-Sauce sorgten für ausreichend Frische auf dem Teller. Nach dem ersten Bissen war uns schon klar, dass wir es hier mit Highend-Köfte-Teller zu tun hatten. Wenn ich an ihn zurückdenke, läuft mir heute noch das Wasser im Mund zusammen.    
 
Arzu Bulut und Lale Yanik machen mit ihrem Restaurant „Osmans Töchter“ ganz viel richtig. Und das ohne selbst in der Küche oder im Service zu stehen. Statt ihrer hantieren hinter dem Herd zwei Köche, die von ein paar türkischen Hausfrauen unterstützt werden. Und die wissen sicherlich, auf was es beim Zubereiten der leckeren Meze ankommt. Besonders gefallen hat uns, dass hier traditionelle Gerichte weltoffen modernisiert angeboten werden. Das zeigt einmal mehr, dass man türkische Kost nicht auf Döner Kebap und Pide reduzieren darf. Bei „Osmans Töchtern“ ist nämlich nicht nur das Teilen erlaubt, sondern auch das Entdecken!
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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