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GastroGuide-User: DaueresserGK0712
hat Restaurant Multihalle in 68169 Mannheim bewertet.
vor 12 Monaten
"Klasse „hand made“ Schweine-Schnitzel vs „getürktes“ Wasser 1.2 – serviert unter der größten frei geformten Holzgitterschalenkonstruktion der Welt"

Geschrieben am 13.07.2018 | Aktualisiert am 13.07.2018
Besucht am 28.06.2018 Besuchszeit: Abendessen 2 Personen Rechnungsbetrag: 14 EUR
Der Teufel (grandios gespielt von Al Pacino in dem Blockbuster "Im Auftrag des Teufels" ist bekanntlich "ein Fan der Menscheit" - dagegen bin ich ein Fan von Rekorden (ich bekam mit 5 Jahren mein erstes Guinness Buch der Rekorde geschenkt) und von der Multihalle im Herzogenriedpark. 
Die Multihalle ist eine Mehrzweckhalle im Mannheimer Herzogenriedpark, die zur Bundesgartenschau 1975 errichtet wurde. Das Bauwerk wurde von Prof. Carlfried Mutschler und seinem Büropartner Joachim Langner entworfen. Das Tragwerk wurde von Frei Otto entwickelt; es ist bis heute die größte frei geformte Holzgitterschalenkonstruktion der Welt.

Heute sind wir mit dem Schlemmerblock unterwegs, ich hatte von den tollen Schnitzel im Restaurant der Multihalle gehört. Wir zahlen brav den Eintritt für den Park und laufen zur Multihalle. Heute ist keine Absperrung, heute laufen wir den breiten Weg hoch und schnuppern die Luft ein. Es riecht nach tropischem Holz. Wir blicken hoch und hinter eine große Glasscheibe hinunter, wo schon etliche Großveranstaltungen waren. Mittlerweile ist die Halle unter Denkmalschutz, dennoch wollte die Stadt die Halle schon mehrmals abreißen; im Abreißen sind die Mannheimer gefühlt bundesweit die Nummer 1. Gott sei dank haben sich mehrere Bürger vereint und versuchen mit Spenden den beschlossenen Abriss mit einer gesponserten Sanierung Abhilfe zu schaffen. Wir sind aber wegen des Restaurants heute hier und laufen daher die Treppe hinunter zum Restaurant.

Empfangen werden wir aksutisch von Musik, ein netter und gut aufgelegter sympathischer Inhaber begrüßt uns und erklärt, dass der Tanzabend bereits in einer halben Stunde vorbei sei und die Bewohner vom Altenheim abgeholt werden. Uns hatte das nicht gestört, meine Frau fand es witzig und unterhaltsam, dennoch zogen wir es vor nicht dem Spektakel zu folgen und uns im Außenbereich auf zwei Holzstämme zu sitzen. 

Ich fand die Nähe zum Rekorddach genial. 


Wir bekommen die Speisekarten serviert. Das Angebotene ist recht überschaubar, bei einigen kleineren Gerichten wird auf Konservierungsstoffe und Zusatzstoffe hingewiesen, aber bei dem Schnitzel fehlen gänzlich die Angaben. Das ist eine Erwähnung wert. Im Internet steht neben Kalbsschnitzel auch ein Rumpsteak in zwei Varianten. Der Inhaber erklärt, das biete er nur an wenn eine Delegation oder eine größere Gesellschaft kommt. Heute gäbe es Wurstsalat mit Pommes oder Brot, Putensteak, Russische Eier oder das Schnitzel mit Soße nach Wahl. Seine Frau könne auch noch einen größeren Blattsalat zubereiten mit Putenstreifen vom Grill und lässt uns alleine.


Im Augenwinkel erkenne wir eine weitere Bedienung, allerdings macht sie ein Gesicht wie „drei Dahhch Rechewasser“, wir sind ihr wohl gar nicht recht. Sie stellt mürrisch bei den anderen Tischen die Stühle im rechten Winkel an, auf die Art „jetzt kommen die auch noch, so ein Mist“. Wir lassen uns die gute Laune aber nicht vermiesen, wir winken sie her. Wir machen gleich auf den Schlemmerblock aufmerksam, bestellen zwei Getränke, einmal den Wurstsalat – darauf ihr ersten Zwischenfazit „ mit Schlemmerblock.... ah ja“, ihre Stimme klang tief und unmotiviert. Wir erklären, dass wir auch noch das Schnitzel mit Pommes und Salat haben möchten, nach dem Motto „SchniPoSa geht immer“. Sie nimmt unsere Bestellung mit einem mürrischen „ist recht“ entgegen.


Wir staunen erneut nicht schlecht als wir unsere Getränke bekommen. Für die Frau eine Eichbaum Braumeister Limonade (perfekt gekühlt, es wurde nochmals nachgefragt ob Zitrone oder Holunder), für den Herren ein perfekt gezapftes Hefe-Weizen von der regionalen Brauerei Eichbaum. Das konnte es locker mit unserem Dimi Eichbaum Referenz Hefebier aufnehmen. Nach den Getränken kam bei mir der Beilagensalat, er hatte ein sommerliches orange-farbenes Dressing ab bekommen. 

Der sah nicht nur gut aus, der schmeckte fantastisch. Karotte in Streifen geschnitten (unter dem Salat quasi mit der roten Beete als Überraschung) und zusammen mit dem Blattsalat erfrischend angemacht. In dem Dressing waren noch klitzeklein geschnittener Rettich und leicht an geschwitzt Zwiebeln mit drin. Dazu der eigentlich grüne und gelbe Blattsalat sowie frische Kräuter, mit einem süß-sauren Dressing. Handmade Part 1.

Es folgte Handmade Part 2. Die Schnitzel wurden frisch geklopft, ich mag sie ja so extrem dünn, dennoch super saftig und ordentlich Luft in der Panade.

Ich machte etwas die Panade ab und sah, dass das Fleisch vor der Panierung leicht gesalzen wurde, ebenfalls kratzte ich weißen Pfeffer mit ab. Perfekt. Die (TK) Pommes komplettierten den perfekten kulinarischen Eindruck. Nicht zu weich, nicht zu hart. Schön fluffig, genau richtig gesalzen, das perfekte Naschwerk zu den beiden mittelgroßen Schweineschnitzel, frisch aus dem Rücken geschnitten (hab nachgefragt). 

Der Wurstsalat von meiner Frau schmeckte ihr ebenfalls vorzüglich, so dass wir beim Abräumen noch etwas mit dem Inhaber ins Plaudern gekommen sind. Er beziffert die Sanierung auf knappe 20 Millionen Euro, die Stadt werde wohl niemals so viel Budget aufbringen, seufzte er. Ich lenkte ihn ab und lobte die perfekten Schnitzel. „ macht meine Frau in der Küche. Das macht sie perfekt“, wir waren ihm so sympathisch (er hat mitbekommen dass seine Bedienung auf uns etwas unfreundlich wirkte und zeigte auf die Tafel am Fenster „ Eichbaum Spirituosen“). „ Bring unseren Gästen bitte zwei mal getürktes Wasser“ - Miss Wonderfull stotterte mürrisch „wie kommt er nur auf die Bezeichnung getürktes Wasser ?“ und verzog gruselig das Gesicht, das es mir eiskalt den Rücken runter lief (eigentlich ganz gut, es war eine kleine Abkühlung, den unter dem Dach sammelte sich die Hitze). Nach ein paar Minuten bekamen wir dann in edlen ausschauende Digestif-Gläsern jeweils einen 4cl Eichbaum Nuss-Geist Schnaps. Ich fand ihn super, da er fast in meinem Rachen überhaupt nicht brannte, am Gaumen kam schön die Nuss, im Abgang an Mal erinnernde Nuss-Geist zur Geltung, meine Frau dagegen verzog lächelnd ihren Mund „uihh ist der stark“ sodass ich am Ende in den Genuss von zwei Gläsern getürktes Wasser kam.


Fazit:
Der Besuch hat sich gelohnt. Empfehlung für „hand made Schnitzel“, mit und (mittlerweile waren wir nochmal dort) ohne Schlemmerblock.
Apropos Rekorde und Mannheimer Bauten:In einem Dokumentarfilm bekannte Frei Otto im Jahr 2005, dass er die Multihalle für seinen „kühnsten Bau“ hielt, „viel kühner als das Olympiadach in München“. Der Bauingenieur Ian Liddell, fügte hinzu, den Naturstoff Holz als mehrfach gekrümmtes Dachtragwerk einzusetzen, wäre ohne Vorläufer und Geschichte gewesen, „wie eine Idee von einem anderen Stern“ - hoffentlich überdenkt die Stadt Mannheim nochmal den Abriss und investiert in Sanierung und Wartung des Herzoegnriedparks.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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