Fischwerk
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Bäckerstraße 4, 26548 Norderney
Restaurant Cafe Veganes Restaurant
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GastroGuide-User: Ehemalige User
hat Fischwerk in 26548 Norderney bewertet.
vor 2 Jahren
"Hype und Kult treffen Routine -oder: Draußen nur Kännchen!"
Verifiziert

Geschrieben am 19.10.2016 | Aktualisiert am 20.10.2016
Besucht am 05.09.2016 Besuchszeit: Abendessen 2 Personen Rechnungsbetrag: 86 EUR
Das Fischwerk, seit Juni 2016 an neuem Standort (die Rezension des hochgeschätzten Kritikerkollegen Hanseat1957 bezieht sich noch auf den alten Standort auf der Jann-Berghaus-Straße 11, dort ist nur noch der Fischverkauf/Stehimbiss) und angeblich Kult. Nun ja, bei derart (selbst-) gehypten Läden bin ich eher skeptisch. Trotzdem, die Speisenkarte mit vermeintlich guten Ansätzen, las sich etwas kreativer als die beim Gros der Mitbewerber und der Laden hatte noch etwas länger geöffnet. Einige der Gastronoven Norderneys scheinen die Öffnungszeiten ihrer Etablissements an den Tagesablauf der Kurgäste angepasst zu haben, oft ist die Küche nur bis 21:30 Uhr verfügbar.
 
Beim Eintreffen wurde uns durch den tiefen-entspannten Kellner osteuropäischer Provenienz bedeutet, dass wir uns einen freien Tisch aussuchen können. Der Gastraum ist zweigeteilt der Raum mit der Theke und Ausgang zur Terrasse liegt etwa zwei Meter niedriger als der obere Gastraum. 

Da nach oben eine Treppe zu überwinden ist, entschieden wir uns für den großzügigeren, unteren Raum. Dieser ist recht hell und spartanisch aber freundlich gehalten, allerdings scheint der Lärmpegel durch die offene Gestaltung mit einem höheren Gästeaufkommen überproportional zu steigen. 

Auf den hellen Holz- (Bankett-) Tischen findet sich jeweils eine Salz und Pfeffermühle, ein Zuckerstreuer und ein Windlicht. Übriges, notwendiges Werkzeug wird vom Service nach der Bestellung oder mit dem Servieren der Speisen, je nachdem wie’s gerade passt, eingedeckt.
 
Die verschiedenen Karten (Standard, Saison und Tagesempfehlung) decken ein recht breites Spektrum, natürlich mit Fisch im Focus, ab. Einige Angebote werden dem allgemeinen Hype entsprechend als vegan ausgewiesen, was bei den Suppen und Vorspeisen sehr simpel durch das Weglassen der interessanteren Zutat geschieht. Das mehrfach ausgelobte Angebot eines Stücks Gotteslachs (Opah) vom Grill schlugen wir aus, da wir das Tier bereit am Vortag in der Auslage des Fischimbisses bewundern durften. Auch der Preis von >40 Euronen für einen Fisch, der das Meer schon länger nicht mehr gesehen hat, bestärkte unsere Entscheidung. Im Vergleich zum Speisenangebot ist die Weinkarte eher dürftig, ob unserer Entscheidungsschwäche bot der eher ahnungslose Service (trockener Wein = viel Säure…“rolleyes“) von sich aus eine kleine Verkostung an. Sehr gut gelöst und es wurde am Ende ein italienisches Cuvée.
 
Vorab wurden Weiß- und Vollkornbrotscheiben mit halbflüssigem, recht kräftig-aromatischem (Paprika-Kresse) Schmanddip gereicht.

Am obligatorischen Charity-Wasser (http://www.vivaconagua.org/mineralwasser) (jetzt wieder gehobene 5,60 Euronen) kommt man auf der Insel offensichtlich nicht vorbei, muss man aber auch nicht, kleine Gesten helfen ja auch.

Die Wartezeiten waren gefühlt etwas länger, aber wir hatten ja Zeit. Rückfragen beim Ausheben der Teller gab es zwar jeweils, nur derart beiläufig, dass klar war, heute ist der Service auf dem Sonnendeck.

 
Dieses Mal hatte Madame (wie könnte es anders sein) eine:
Kartoffelsuppe mit geräuchertem Lachs für 6,50 Euronen
 
Das war schon hohe Kunst oder gibt es bereits Analog-Kartoffeln aus Nebenprodukten der petrochemischen Industrie? Anders ist die völlige Geschmacksfreiheit der durch das Glattmixen leicht schleimigen, Fäden ziehenden Kartoffelsuppe kaum zu erklären. Außerdem lässt die Treffsicherheit des Kochs einiges zu wünschen übrig, der Pfeffer ist leider nur auf dem Tellerrand gelandet, in der Suppe hätte dieser vielleicht etwas bewirken können. Geschmacksgebende Zutat war einzig der verloren wirkende Rauchlachsfetzen. So deutlich konnte ich einen mutmaßlichen Wareneinsatz von unter einem Euro bisher nirgends herausschmecken, traurig.
 
In völligem Gegensatz dazu sehr gut, war die von mir bestellte:
Gazpacho mit Frutti di Mare für 7.- Euronen
 
Hier in einer stückigen, erfrischend-fruchtigen Variante mit einer ordentlichen Portion sautierter, hochwertiger C-Meeresfrüchte. Durch das kalt-warme Wechselspiel und etwas Pfeffer aus der Mühle ein perfekter Auftakt. 
 
Für Madame gab es beim Hauptgang eine leichte Steigerung. Bei ihrem:
Rotbarschfilet im Sesammantel auf gebackenem Gemüse und Polenta à 19,- Euronen
 
…war zumindest der Fisch sehr gut gelungen. Saftig und leicht glasig, durch den Sesam schön nussig. Dagegen die Polenta-Ecken wieder sehr naturbelassen aber durch die stabile Konsistenz vermutlich hervorragend als Dämmstoff geeignet. Das in Streifen geschnittene Wokgemüse war noch schön knackig aber hart an der Grenze zu überwürzt. Außerdem waren dem Koch noch drei Cocktailtomatenhälften und einige Sprossen auf den Teller gefallen, zusammen mit dem Fisch die beste Komponente. Angesichts des sportlichen Preises eine unterirdische Vorstellung. 
 
Für mich sollte es das:
Surf & Turf an Kroketten (Umbestellung auf Bratkartoffeln problemlos möglich) für stolze 27,50 Euronen sein. 
Eigentlich in “medium rare“ bestellt kam ein Rumpsteak, englischst angebraten und im Kern noch kalt. Allerdings war die Konsistenz selbst in diesem Zustand noch zart daher kaubar und tatsächlich etwas gewürzt. Auch hier wieder das Spiel mit den Gegensätzen (Not gegen Elend): Die teilgeschälte Garnele völlig ungewürzt, deren wohlgefüllter Darm noch enthalten also im doppelten aber wahrsten Sinne des Wortes Sch****. Zusammen mit der übergarten, trockenen Konsistenz ein Totalausfall. Die anscheinend selbst hergestellte Kräuterbutter stand einem bekannten C-Produkt insofern nach, als dass sie noch weniger Geschmack entfaltete. Von den Bratkartoffeln war immerhin der ausgetretene Stärkeanteil (Krümel) cross, die Kartoffeln selbst eher labberig, zumindest waren die Zwiebelschnipsel nicht verbrannt. Müßig zu erwähnen, dass das Grilltomatenäquivalent ebenfalls nur lauwarm aber immerhin leicht gewürzt war.
 
Okay, wir hatten genug, wegen der anfangs zähen Weinauswahl und dem Habitus des Service, rechneten wir nicht damit, dass Reklamationen irgendwelchen Sinn ergeben könnten, tranken den Wein aus und orderten die Rechnung. Es war zwar Montagabend und einige Mitbewerber hatten geschlossen, trotzdem war der Laden nur spärlich gefüllt. Eventuell irre ich mich, und es war irgendwie nur die ‘Montagscrew‘ am Start, bei der Vielzahl an Defiziten würde ich von einem Besuch eher abraten.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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