Fischwerk
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Bäckerstraße 4, 26548 Norderney
Restaurant Cafe Veganes Restaurant
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GastroGuide-User: Hanseat1957
hat Fischwerk in 26548 Norderney bewertet.
vor 7 Monaten
"In neuen, großzügigen und wertig gestalteten Räumlichkeiten erweist sich das Fischwerk 2018 kulinarisch als sehr bodenständig"

Geschrieben am 18.06.2018
Besucht am 15.06.2018 Besuchszeit: Abendessen 2 Personen Rechnungsbetrag: 74 EUR
Allgemein:

Wieder auf Norderney und meine gastronomischen Berichte beginne ich mit dem zuletzt an einem Freitag besuchten Fischwerk. Vor drei Jahren hatte ich bereits eine Kritik des Fischwerks geschrieben, das seinerzeit „als ambitionierte Kombination aus `Fischtheke mit Selbstbedienung` und Restaurant“ daherkam. Mittlerweile ist das Fischwerk umgezogen und seit Juni 2016 in einer großzügigen Lokalität in sehr zentraler Lage, wenn auch nicht an den Hauptlaufwegen des Innenstadtkerns, beheimatet.

Eine Fischtheke gibt es nicht mehr; man konzentriert sich jetzt auf das Restaurant und wohl auch den Barbetrieb.

Das „Mission Statement“ lautet nun:

„Wir bieten Ihnen täglich eine anregende Mischung aus traditioneller und moderner Küche, die sich auf Fisch und Meeresfrüchte spezialisiert hat. Wir lieben es saisonale und regionale Produkte zu verarbeiten. Unser selbstgebackener Kuchen (hauptsächlich vegan) und der Kaffee (himmlische Bohnen aus der kleinen Roestbar Kaffeerösterei im Münster) versüßen Ihnen den Urlaubstrip oder Insulaneralltag… Verweilen Sie  in einem entspannten und freundlichen Ambiente mit Liebe zum Detail und Gemütlichkeit für Sie eingerichtet. Vom Mittagstisch bis zum Abendcocktail bieten wir was Ihr Herz sonst noch begehrt – ausgewählte Weine kleiner Weingüter, probierenswerte Spirituosen und Liköre aus der ganzen Welt und eine bunte Mischung aus frischer Fischküche und veganen Köstlichkeiten bringt Sie lecker durch den Tag auf der Insel…“

 
Bei der Reservierung am Mittag des Vortags gab es ein Wiedersehen mit dem Mann mit dem Bartzopf, der auf der Startseite der Homepage http://www.fischwerk-norderney.de/ links zu sehen ist.  Wie ich herausfand, ist es Tino Behrendt und rechts ist seine Frau Radka Behrendt zu sehen, die beide aus der Norderneyer Gastroszene stammen.

Als Tino Behrendt kassierte, konnte ich mir einen Hinweis auf meiner 2015er-Kritik nicht verkneifen und zu unserer Verblüffung erinnerte er sich genau an meine Kritik und die darin ausgesprochene Empfehlung, für die Fischsuppe doch künftig einen Fond mit Lachsköpfen aufzusetzen, wie es der gute alte Siebeck in seiner Kochschule empfohlen hat. Man befolge das jetzt. Leider kommt die Fischsuppe erst zur Gourmetwoche auf die Karte des Fischwerks, so dass ich die Umsetzung nicht beurteilen konnte. Aber es erfüllt mich mit einer kleinen Genugtuung, dass ein erfahrener Koch mit einer Laienkritik konstruktiv umgeht.

Die Karte ist sehr reduziert, fast puristisch und bodenständig. Außergewöhnliches und sich vom sonstigen Fischangebot der Norderneyer Gastronomie Abhebendes liest man nicht. 2015 konnte ich noch von „dreierlei vom Thunfisch (Carpaccio, Tartar, Steak, 20,00 €)“ berichten, heuer von Matjes.

Der war allerdings mit seinen Beilagen sehr in Ordnung und auch meine ständige Begleiterin war mit ihrer Wahl zufrieden. Gegen einen Besuch des Fischwerks spricht also nichts, zumal man auch auf großzügige Räumlichkeiten Drinnen wie Draußen trifft.

Das Publikum gemischt. Natürlich die Urlauberpaare wie wir, eine größere Gruppe im gesetzten Alter und eine Familie mit zwei kleinen Kindern direkt vom Strand.

Das Preis-Leistungs-Verhältnis sehe ich bei knappen vier Sternen.

Service:

Der Restaurantbetrieb im Service wird von Radka Behrendt besorgt. Am Nasenpiercing meinten wir sie als die Bedienerin aus 2015 wieder zu erkennen und im Nachhinein bin ich mir da ja auch sicher. Wir waren um 18:00 Uhr der zweite Tisch und ich hatte den Eindruck, dass sie erst ein bisschen warmlaufen musste, von recht spröd bis zu einem freundlichen Lächeln.

Unsere Orders wurden in angemessener Zeit ausgeführt und ob es denn schmecke, wurde abgefragt. Insgesamt keine Ausschläge in die eine oder andere Richtung, was ja immer zu meinen drei Sternen für den Service führt.

Die Getränkepreise sind auf moderatem Inselniveau angesiedelt: Warsteiner Pils und Herb kommt für die Pfütze von 0,2 l auf 2,10 (0,4 l 3,80 €), Wasser 0,75 l steht mit 5,60 € auf dem Bon und die fünf offenen, ausführlich beschriebenen Weine beginnen bei 5,00 € für das Glas 0,2 l. Bemerkenswert ist, dass die Getränkepreise seit 2015 konstant sind, wie ich beim Blick in meine alte Kritik feststellen konnte.

Was mir beim Weißwein am Nachbartisch auffiel war, dass die Gläser nicht beschlagen waren, was heißt, dass der Wein deutlich zu warm serviert wurde; ein Gast orderte denn auch Eis für seinen Wein.

Essen:

Die Karte ist leider weder auf der Homepage noch auf der Facebookseite https://de-de.facebook.com/fischwerk.norderney/ zu sehen. Lediglich ein Auszug aus der Getränkekarte wird dort abgebildet mit befremdlich vielen Teespezialitäten.

Deswegen ein Überblick über das Speisenangebot: 2 x Suppe, 1 x Salat, Krabben auf Schwarzbrot mit Spiegeleiern, Ofenkartoffel mit Heringssalat, 2 x Spaghetti, 2 x Burger, Matjes, Scholle, Knurrhahn, Lachs (auch frisch geräuchert), Perlhuhnbrust und Wiener Schnitzel. Auf der Schiefertafel zusätzlich ganze Dorade.

Erst einmal gibt es einen Teller mit Popcorn! Leicht gesalzen. Originell vielleicht, aber wir hätten ein gutes Baguette oder Ciabatta mit Butter, Dip o. ä. vorgezogen.

Dann die Garnelenpfanne für 14,50 € und die Minestrone für 6,00 €. Die Minestrone sehr intensiv tomatig, gut eingekocht und geschmacklich absolut gelungen. Sie muss aber sehr wertvoll sein, denn sie wurde in einer homöopathischen Portion serviert und leider ohne eine Brotbeilage. Das hat mich auch bewogen, beim PLV gegenüber 2015 („solide vier Sterne“) zurückhaltender zu bewerten.

Handwerklich kann es nicht angehen, dass die verwendeten Dosentomaten nicht vom Stielansatz befreit wurden, was leider auch für alle Tomatenviertel bei den sonstigen Salatbeilagen galt.

Die Garnelenpfanne wurde mit einem Beilagensalat und zwei Scheiben gerösteten Toastbrots serviert. Etliche Garnelen mit gutem Biss schwammen in der kleinen Tonschale im Öl mit Kräutern und Knoblauch. Geschmacklich gut, aber für meinen Geschmack zu viel Öl, zumal das Toastbrot wenig geneigt war, sich saugend des Öls anzunehmen.

Dann bekam meine ständige Begleiterin ihr Kalbsschnitzel mit hausgemachtem Kartoffelsalat und Blattsalatbouquet für 18,50 €. Das Schnitzel war mit knuspriger Panade sehr gelungen. Der leicht warme Kartoffelsalat mit Zwiebel und Gewürzgurke wurde auch gelobt, was ich nun nicht nachvollziehen konnte. Ich vergleiche die lauwarme Variante immer mit dem schwäbischen Kartoffelsalat nach Hausfrauenart, der deutlich besser gewürzt ist als die Fischwerk-Zubereitung.

Ich war mit meinem Matjes „Hausfrauen Art“ mit Bratkartoffeln und Weißkohlsalat (15,50 €) sehr zufrieden. Endlich einmal drei halbe Matjesfilets die zart waren und eine klassische Hausfrauensoße (Gewürzgurke, Apfel, Zwiebel, Sahne, Mayonnaise). Die Bratkartoffeln waren frisch in der Pfanne gebraten worden (wie ich durch den offenen Küchenpass beobachtet hatte) und recht knusprig. Die Speckbeigabe bestand aus winzigen Stiften, denen ich erstmals begegnet bin. Der Weißkohlsalat Richtung Coleslaw mit Möhrenstiften und Alge. Das Dressing wenig gewürzt, aber mit den guten Salz- und Pfeffermühlen auf dem Tisch konnte ich leicht nachbessern.

Die Portionsgrößen der beiden Hauptgerichte sicherlich nicht für Fischer nach dem Netzeinholen geeignet, aber akzeptabel.

Die Kochleistung fiel also recht gemischt aus: Von kräftiger Würzung der Minestrone und der Garnelen bis hin zu fast neutralem Kartoffel- und Weißkohlsalat. Schnitzel und Matjes mit der Hausfrauensoße erfüllten die Erwartungen. Das sind dann knappe vier Sterne.

Ambiente:

Das Restaurant ist in einem Endhaus untergebracht, was von der Breite her den Kopf zwischen zwei Straßen bildet. Es ist ein Flachbau mit leicht ansteigendem Pultdach. Großzügig die Terrasse mit zwei Stufen Höhe und Holzboden.
Drinnen dann ein hoher Raum. Rechts die Küche, in die man durch den Küchenpass und die Verbindungstür zum Thekenbereich hineinsehen kann (dort sah man Herrn Behrendt und zwei Mitstreiter werkeln). Die Wand hinter der Theke ist üppig dimensioniert und kann Regale für Flaschen und Gläser, Tafeln mit Angeboten und eine dunkle Holztäfelung aufnehmen. Links von der Theke geht es eine Halbtreppe rauf in einen kleinen Sitzbereich mit ca. 15 Plätzen und zu den Toiletten. Links vom Aufgang dunkle Wandfliesen.

Endlich ein echter Dielenboden und passend dazu blanke Holztische mit einer rustikalen, leicht gekalkten Oberfläche. Licht spenden bei Dunkelheit große runde Deckenleuchten und dazu passende Wandleuchten. Die Fischwerkerdeko ist sparsam. Kutterfotos an der dunklen Wand und mal ein Bötchen oder eine Fischfigur auf dem Fensterbrett.

Man sitzt auf hell gepolsterten Stühlen oder Bänken längs der Fensterfront und der Kopfwand links.  
Die Tische sind für zwei Esser mittelprächtig von der Dimension her und stehen recht eng in der Reihe. Zwischen den Reihen dann Raum zum Tanzen.

Die Musikbeschallung jazzig und Swing.

Sauberkeit:

Alles sehr gepflegt. Die Damentoilette sehr sauber und modern. Der Herr „musste nicht“.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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