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GastroGuide-User: Nolux
hat Ristorante eXtra Classico in 55411 Bingen am Rhein bewertet.
vor 5 Jahren
"Kann man, muss man aber nicht hin... Außer man ist Stammgast..."
Verifiziert

Geschrieben am 07.06.2015
Besucht am 04.06.2015
eXtra Classico
 
Das Ristorante eXtra Classico befindet sich im Binger Stadtteil Bingerbrück, keine 10 Gehminuten vom Hauptbahnhof entfernt. Es liegt direkt an einer recht stark befahrenden Straße, eigene Parkplätze gibt es nicht, Stammgäste parken aber wohl gerne direkt vor dem Lokal halb auf dem Bürgersteig.
Meine Mutter hatte tags zuvor Geburtstag, deshalb schnappten Fräulein und ich sie uns um ihr einen schönen Tag zu bereiten. Vormittags in Bad Kreuznach, anschließend in Bingen an der Rheinpromenade spazieren und die neu gestalteten Gärten bewundern. Dann Essen und anschließend auf den Rochusberg, zum Weinfest „Nacht der Verführung“ inmitten Binger Reben. Es war dann auch Mamas Vorschlag in dieses italienische Restaurant zu gehen. Unser Auto parkten wir auf dem großen Parkplatz am Nahe-Eck. Von dort ist man, schnellen Fußes, in fünf Minuten da. Wir standen um 17:20 vor verschlossener Tür. Noch zehn Minuten, dann wird geöffnet. Also noch eine Runde um den Block…
Da wir an diesem Tag aber schon gefühlte zehn Kilometer in der gleißenden Sonne hinter uns hatten, wollten die Damen kurz im Schatten sitzen und keinen Meter mehr laufen. Okay. So kamen wir zumindest in den Genuss, eine polizeigeführte Kolonne von ca. 300 Bikern zu erleben, die auf dem Weg zum Bikertreff nach Rüdesheim am Rhein waren. Erlebt man auch nicht jeden Tag…
Ich selbst war noch nie in diesem Risto, aber schon tausendmal daran vorbei gefahren. Hatte bisher nie geklappt dort einzukehren. Nun standen wir also auf der Veranda. Diese ist leicht erhöht, über drei Stufen zu erklimmen und führt geradewegs in das eigentliche Restaurant. Wir setzen uns ungefragt in die hintere rechte Ecke mit herrlichem Blick in den Rheingau. Die Bestuhlung in Rattan, die Tische von der einfachen Sorte, ohne Tischdecke oder sonstigem Schmuck. Einzig ein Aschenbecher stand bereit. Wenn man den Innenraum des Lokals sieht, eine völlig andere Welt. Ringsherum am Geländer hängen auch einige Spinnweben, Blätter liegen umher, die Tische auch nicht gewischt.
Es dauerte nicht lange bis wir bemerkt wurden. Eine junge Dame mit rot-gefärbten Haaren und schwarzer Kleidung brachte uns lächelnd die Karten. Kein Hallo oder Guten Tag, nur ein kurzes „Bitte“ als sie uns die Karten in die Hand drückt. Freundlich geht anders. Dann schauen wir mal. Dann kommt die nächste Dame. Wohl die Mutter und Chefin des Ladens. Sie quält sich an mir vorbei um hinter mir auf der Fensterbank eine Kerze zu entzünden.

Die Karte besteht aus sieben Seiten Speisen. Suppen, kalte und warme Vorspeisen, eine Seite Pasta, eine Seite Pizza. Dann eine Seite Rumpsteaks und Filets vom argentinischen Rind, dann Schweine- und Putenvariationen. Fisch und Dessert runden das typische deutsch-italienische Angebot ab! Zusätzlich werden auf den schwarzen Tafeln Tagesempfehlungen angepriesen. An diesem Tage Steinbutt und Dorade, sowie etwas mit Lamm. Bier kommt von Bitburger, Köstritzer und Erdinger. Die offene Weinauswahl ist überaschenderweise vielseitig. Unter den typischen italenischen Gewächsen gibt es im Weißweinbereich Riesling von Kruger-Rumpf (Münster-Sarmsheim / Nahe), Weißburgunder vom Weingut Schäfer (Burg-Layen / Nahe) und Grauburgunder vom Weingut Fendel (Niederheimbach / Mittelrhein). Für mich durfte es heute aber ein Erdinger alkoholfrei sein (3,50€ / 0,5), der Bub hatte Durst! Mutter tat es mir gleich, Fräulein wählte eine große Cola light (3,50€ / 0,4).
Die Getränke kamen recht zügig und waren eiskalt. Bei der Hitze kein Problem. Hier wurden leider auch keine Untersetzer benutzt, sodass sich das schnell bildende Kondensat auf dem Tisch sammelte. Einen Gruß, bzw. Brot mit irgendwelchen Cremes und Quarks gab es nicht.
Die bestellten Essen kamen nach einer angenehmen Wartezeit an unseren Tisch. Die junge Bedienung reichte die zwei Teller quer über den Tisch, wortlos, aber so, dass wir die Teller selbst entgegennehmen und abstellen mussten. Mamas Pasta kam etwa eine Minute später.
 
 
Fettucine all Pugnio chiuso (8,00€)
 
Laut Karte Rigatoni, Mama wollte lieber Bandnudeln, was kein Problem darstellte. Der Teller war noch warm. Optisch sehr gut. Was ein Zweig Petersilie ausmacht. Duftete auch fein. In der würzig-fruchtigen Tomatensoße waren Champignons (Dose, oder Glas, zumindest hauchdünn), gute entsteinte violette Oliven, frische Tomaten und laut Karte Mozzarella. Den haben wir nun nicht wirklich geschmeckt oder gesehen. Die Soße aber wunderbar, machte mir Spaß. Meiner Mutter war die Soße etwas zu fettig. Am Schluss stand schon einiges an Öl im Teller. Die Nudel hätten gerne noch eine Minute länger kochen können. Die waren noch sehr al dente. Aber essbar. Gerade noch 3,5* Wären frische Pilze zu Einsatz gekommen und die Nudeln richtig gegart, gäbe es mehr Sterne!
Übrigens: „Pugnio“ selbst gibt es im italienischen nicht. Hier wird wohl „Pugno“ gemeint, was auch mit einem stummen i hinter dem n ausgesprochen wird. Wohl ein Rechtschreibfehler. Was aber immer noch nicht erklärt wieso das Gericht geschlossene (chiuoso) Faust (Pugno) heißt…Vielleicht weil etwas so ausschaut wie das Gericht wenn man mit einer geschlossenen Faust irgendwo hineinhaut? Man weiß es nicht.
 
 
Insalata di Taccino (9,00€)
 
Fräulein wollte bei dem Wetter einen leichten Salat mit gebratenen Putenstreifen. Für 9€ vielleicht etwas überschaubar, aber alles auf dem Teller war frisch und ordentlich zubereitet. Sogar das Dressing schmeckte selbstgemacht und wirklich sehr gut. Dazu gab es Lollo Rosso und Bionda, Möhren in Streifen geschält, rote Zwiebeln, gehobelter Rotkohl, Paprikaringe, Tomatenspalten und geschälte Gurkenscheiben. Alles wunderbar frisch. Die gebratenen Scheiben der Putenbrust, vier Stück, waren gut gewürzt aber doch etwas zu trocken geraten. Gut gemeinte 4*, da alles frisch und das Dressing auch sehr gut.
 
 
Pizza eXtra Classico (8,50€)
 
Mir war nach Pizza. 16 Stück stehen zur Auswahl. Mir sage diese mit Vorderschinken, Peperoniewurst, Champignons, Oliven, Tomatensoße und Mozzarella am meisten zu.
Offensichtlich im Blech auf Stein gebacken, war sie von durchschnittlicher Größe (Tippe 28cm) Mir war sie zu viel belegt. Die Tomatensoße war noch okay, der Käse wirklich Mozarella und auch gut verteilt. Darauf dann sicher vier Scheiben Schinken, Peperoniwurst, frische Pilze und Oliven mit Stein. Dazu auch noch mal etwas Mozzarella dazwischen. Durch den üppigen Belag war die Pizza nicht wirklich durchgebacken, wenig knusprig und sehr mächtig. Das Beste noch die guten Oliven und die Peperoniwurst mit seiner guten Schärfe. Pizza muss ich hier nicht nochmal haben. 2,5* Eine typisch deutsche Pizza… ;-)
 
Während wir so aßen, kamen einige Gäste und die Veranda füllte sich. Zwei der drei Gruppen kamen mit dem Auto und parkten direkt vor dem Eingang. Diese wurden alle freundlich und zum Teil mit Umarmung begrüßt. Selbst die Getränke wusste man schon auswendig. Auch blieb man länger mal bei seinen Stammgästen sitzen und rauchte, während wir vor leeren Tellern warteten. Irgendwann wurden wir dann bemerkt, es wurde abgeräumt und nach der Zufriedenheit gefragt und Mama verlangte die Rechnung. Schnell noch mal rein zur Toilette, und oh Wunder, schick isses hier. Zwar etwas dunkel, aber da alles draußen saß muss ja auch nicht beleuchten. Farblich ein Mix aus violett, rot und weiß. Die Tische sind schön, klassisch eingedeckt die Stühle sehen bequem aus. Hier könnte man auch mal mit der / dem Liebsten hin. Wenn man wollte…
Beim Verlassen der Veranda wurden wir nicht wirklich bemerkt, Mama sagte noch freundlich Tschüss, worauf hin die Chefin mit Kippe in der Hand über ihre Schulter sah und ebenfalls Tschüss und sogar Danke sagte. Wenigstens Aufstehen hätte sie können…
 
 
Fazit:
 
Ich könnte mir schon vorstellen wieder dort hinzugehen, nur keine Pizza essen. Pasta und Salate sind da schon eher zu empfehlen.
Für das Essen gebe ich 3,5*, wobei die mäßige Pizza den Ausschlag nach unten gibt.
Service haben WIR nicht wirklich erfahren. Dienst nach Vorschrift, nur nicht zu viel reden und lieber mit den Stammgästen quatschen und rauchen. Eigentlich ein Grund nicht mehr zu kommen, man fühlt sich nicht willkommen. 2*
Ambiente ist dann auch eine Mischkalkulation. Außen trotz der schönen Aussicht nicht mehr als 3*. Hier gehört mal wieder sauber gemacht und die vielen Autos nerven dann irgendwann auch. Innen ganz anders. Da könnte es mir gefallen. Im Schnitt dann 3,5*
Das Ungepflegte Außen mindert auch bei der Sauberkeit die Chance auf eine bessere Bewertung. Die Toiletten, die sich im hinteren Teil des Restaurants vor der offenen Küche befinden, geben wiederum keinen Anlass zu Kritik. Gerade noch 3,5*
PLV finde ich für das gebotene ordentlich. Abzüge bei der Pizza und die Dosenpilze in der Pasta, die Preise für sich akzeptabel. 3,5*
 
3 – wenn es sich ergibt wieder
 
(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder - nach "Küchenreise")
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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