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GastroGuide-User: Carsten1972
Carsten1972 hat Landgasthaus Niermann in 48455 Bad Bentheim bewertet.
vor 8 Jahren
"Positiv überrascht im Landgasthaus....."
Verifiziert

Geschrieben am 22.02.2016 | Aktualisiert am 22.02.2016
Besucht am 19.02.2016
...das wurden wir am vergangenen Freitag.


Das Landgasthaus Niermann kenne ich von etlichen Zimmerbuchungen, die ich für niederländische Kollegen vornahm, die über Nacht bei uns in Bad Bentheim/ Gildehaus logieren mussten, es liegt nur wenige hundert Meter entfernt von unserem Firmensitz. Bisher hatte mich jedoch nichts zu einem Besuch verleiten können. Die HP sehr altbacken, soweit einsehbar auf der HP eine typisch grafschafterisch-westfälische Landküche mit sehr vielen Fleischgerichten. Davon haben wir in Rheine und Umgebung auch genug. Die niederländischen Kollegen gingen und gehen jedoch gerne in den Landgasthof Niermann, weil die Zimmer sehr gut und modern sind und der Niederländer an sich auf die typisch deutsche Schnitzelküche steht. Der will da gar keine kulinarischen Höhenflüge!

Bei der letzten Buchung aber erlebte ich eine Überraschung, die HP komplett umgebaut, sehr stylisch und modern aufgebaut. Die Speisekarte komplett einsehbar, und eine zusätzliche Saisonkarte. Und diese Saisonkarte verleitete mich, meiner Frau für den Freitagabend einen Besuch dort vorzuschlagen.


Die Februarsaisonkarte stand unter dem Motto "Sylter Wochen". Und was sich dort offenbarte zeugte von einigem kulinarischen Mut, dass in Westenberg, einer zu Bentheim gehörenden Bauerschaft anzubieten. Hummer und Fischsuppe, Pannfisch, Seezunge, Skrei, Fischvariationen auf Pasta gehören nicht unbedingt zum Beuteschema des typischen Besuchers eines Landgasthof in der Grafschaft Bentheim. Ich jedoch fand das sehr verlockend und so kam es, dass wir Freitagabend vor dem Landgasthaus Niermann ankamen.

Ich betrat also zum ersten Mal den Gastraum und erlebte gleich eine sehr positive Überraschung. Der Gastraum ist sehr zurückhaltend ländlich eingerichtet und zieht sich über drei Räume, einmal der Thekenbereich mit Kamin und einigen Tischen, rechts davon ein reiner Gastraum und links vom Eingang ein weiterer Raum, der hauptsächlich der Frühstücksraum zu sein scheint, und an unserem Besuchsabend nicht eingedeckt war. Die Tische sind ordentlich eingedeckt, einzig eine Stoffserviette habe ich vermisst. Das Ambiente ist sehr ansprechend und man fühlt sich mit dem Platz nehmen wohl.

Wir hatten nicht reserviert, und ein bisschen Glück, einen Tisch für 2 Personen zu bekommen, viel war nicht mehr frei. Die freundliche Bedienung nahm uns in Empfang und führte uns nach der Begrüßung zu zwei freien Tischen. Beide waren kleine Zweiertische und wir nahmen an einem Platz.

Die Karten wurden gereicht und auch von der festen Karte war ich überrascht. Für einen Landgasthof war das eine wohltuend überschaubare Karte mit nicht zu vielen Gerichten. In der festen Karte natürlich die erwartete Vielfalt von Fleischgerichten, aber auch dort Fischgerichte und vegetarische Alternativen. Die Desserts sogar fast extravagant für einen Landgasthof, wurde doch sogar ein Schokoladensouffle´ angeboten. Fein, ein Koch, der sich was traut!

Wir waren aber für den Fisch gekommen und wollten schauen, was der Koch aus den angebotenen Fischen mit Schwerpunkt Nordsee herstellen wollte. Und weil meine Frau und ich fast gleich ticken in kulinarischer Hinsicht war schon klar, dass es eine unkomplizierte Bestellung für die Küche werden würde. Kurzer Blick in die Karte, ein Nicken und schon stand für uns beide fest:

Klare Fischsuppe

(leicht tomatisiert, mit diversen Fischfilets, Miesmuscheln und Fenchel

und danach

Winterkabeljau (Skrei)

mit Haut gebratenes Kabeljaufilet an Kräutersoße auf Kartoffel-Brandade mit Kapern und Olivenöl, dazu Salate der Saison

Die Saison für Skrei geht schon wieder ihrem Ende entgegen und ich nehme jede Gelegenheit war, diesen in geschmacklicher Hinsicht Besten aller Kabeljau/ Dorsch-Fänge zu essen.

Eine kleine Weinkarte wird gereicht, die einen etwas anspruchsvolleren Weintrinker nicht glücklich machen kann, nicht ein trockener Riesling steht in der Karte. 5 Weiß-, und 5 Rotweine, dass war's. Hier sieht man dem Landgasthaus noch seine Herkunft an. Es wird eher ein Pils bestellt, als ein Wein, und nur in solchen Restaurants wird zu jeglichem Essen von älteren Herrschaften ein süßer Bacchus bestellt (Puh!). Wir orderten letztendlich einen trockenen Erzeugerweissburgunder aus der Pfalz, der okay war für den aufgerufenen Preis von 4,50 EUR für ein Viertel, dazu eine große Flasche Wasser.

Die Küche begrüße uns völlig unerwartet mit einer Kartoffelsuppe. Das machte Spaß, hier war augenscheinlich ein Koch am Werk, der das Niveau der Küche heben will. Ich kann mich nicht erinnern in einem Landgasthaus in der Grafschaft Bentheim schon Mal einen Küchengruß serviert bekommen zu haben. Die Kartoffelsuppe wurde, ist gerade ja sehr in Mode, im kleinen Weckglas serviert. Gut abgeschmeckt war sie, mit kleinen Speckstücken. Das war ein ordentlicher Einstand.

Danach freuten wir uns um so mehr auf die Suppe. Und diese Suppe konnte wirklich überzeugen. Schon mit dem servieren breitete sich der Duft einer kräftigen Fischbouillion am Tisch aus. Da hatte jemand eine gute Essenz aus den Fischresten zubereitet. Die Bouillon war recht kräftig abgeschmeckt und leicht tomatisiert. Mit frischen Gemüse, insbesondere der Fenchel war geschmacklich sehr gut. Dazu kamen ein paar Miesmuscheln und Fischfiletstücke vom Lachs und Skrei. Das war eine Fischsuppe, die sehr viel besser war, als ich von einem Gasthof auf dem platten Land der Grafschaft Bentheim erwartet hätte. Lecker!

Jetzt freuten wir uns erst recht auf den Hauptgang. Dieser wurde serviert und erfreute schon auf den ersten Blick! Die Küche versucht sich nicht nur an anspruchsvoller Küche, sie versucht es auch, das als Augenschmaus zu servieren. Das war schon beim erblicken ein Genuss, schon dafür ging der Daumen hoch. Der Skrei war perfekt zubereitet, knusprig auf der Hautseite gebraten, ganz leicht mehliert, glasig im inneren! Besser geht es nicht. Die Brandade, eine portugiesische Art der Zubereitung von Kartoffelstampf passte. Mit Kapern, grobem Meersalz und einem sehr geschmackvollen Olivenöl passte das sehr gut zum Fisch. Ebenso wie die Kräutersauce. Das einzige, was nicht recht zum sehr positiven Eindruck passen wollte, war der zum Gericht gehörende Beilagensalat, den man sich an der Salattheke selbst zusammen stellen konnte. Wenn man das so macht, muss man häufiger mal schauen, wie das Salatbuffet ausschaut. Denn sonst sieht der enttäuschte Gast nichts als leere Schüsseln. Zum Glück gehöre ich zur Minderheit der Menschen, die rote Beete in allen Variationen mögen und konnte somit einen guten Rote Beete Salat probieren. Die anderen Schüsseln waren leer......das war ein Wehrmutstropfen.

Die beiden Damen im Service waren nicht vom Fach, aber mit sehr viel Erfahrung. Sie ließen sich nicht aus der Ruhe bringen, trotz einiger Arbeit über den Abend, als alle Tische besetzt waren. So viel Freundlichkeit und Aufmerksamkeit habe ich in letzter Zeit in einigen Restaurants mit höherem Anspruch schmerzlich vermisst.

Ein Espresso schloss das Abendessen und wir baten um die Rechnung. Das Landgasthaus Niermann rief knapp 70 EUR auf, und das war ein erfreuliches PLV!

Fazit: Sehr positive Überraschung! Wir kommen ganz sicher wieder, jeden Monat kommt eine neue Saisonkarte und wenn es mal wieder passt, dann werden wir wieder einkehren. Absolut empfehlenswerter Landgasthof!
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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