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GastroGuide-User: Nolux
hat Gaststätte Café Böhler in 55413 Oberheimbach bewertet.
vor 4 Jahren
"Perfekte Rumpsteaks im Bergdorf"
Verifiziert

Geschrieben am 24.01.2016 | Aktualisiert am 26.01.2016
Besucht am 23.01.2016
Gasthaus Böhler
 
Oberheimbach muss man erst mal finden. Das kleine Dorf mit ca. 650 Einwohnern liegt in einem linksrheinischen Seitental (dem Heimbachtal) zwischen Bingen und Bacharach im „Weltkulturerbe Oberes Mittelrheintal“. Einige Weingüter, die hauptsächlich in Steillagen Weine produzieren, bieten in eigenen Weinstuben auch Essen und Trinken an. Dazu gehört auch Willi Böhler. Und da Wein und Gastronomie nicht ausreichend sind, betreibt er nebenbei auch noch eine Bäckerei mit anhängendem Café. So wundert es auch nicht wirklich, dass das Lokal nur Samstag und Sonntag geöffnet hat. Auch sollte dann reserviert werden.
So tat es auch meine Mutter, die mal wieder eingeladen hatte. Dem Ruf folgten Nolux mit Fräulein, sein Schwesterchen mit Mann und Sohn.
Ich holte unsere Mutter zu Hause ab und wir fuhren schon mal vor. Die drei anderen sollten kurz darauf zu uns stoßen. In Oberheimbach sind erwartungsgemäß die Parkplätze knapp. Nach kurzem Suchen unseres Ziels, (nicht leicht zu finden, nur ein Schild in sechs Metern Höhe weist darauf hin) finden wir dann auch einen Parkplatz nahe der Dorfkirche.  Mein Schwager erzählt mir später, dass es Parkplätze zum Lokal gibt, ein paar Meter unterhalb in einer unbeleuchteten Seitengasse. Wen Mann’s weiß…
 
Nun denn. Wir drei gehen schon mal voraus. Vor der Tür stehen zwei Mädels, qualmend und Rotwein trinkend. Über zwei Stufen geht’s rein. Links zur Bäckerei, rechts in die Gaststube. Die wirkt erst mal hell, gemütlich, sehr urig-rustikal. Die Möbel, alles handgeschnitzte Unikate aus ungarischem Ahorn. (die Frau des Chefs ist eine Ungarin) Sieht toll aus. Auf der rechten Seite drei Tische, dazu Sitzbänke die Rücken an Rücken längsseitig der Tische stehen, auf der Stirnseite im Gang je ein Stuhl. Links dann drei Tische längs gestellt, hinten eine durchgängige Eckbank, vorne fünf Stühle. Insgesamt knapp 30 Plätze. Rechts der Theke wurde gerade ein Durchbruch zu einem neuen Gastraum geschaffen, notdürftig mit Stoffen und Plastikfolie zugedeckt. Zumindest zieht es nicht. Und die Heizung unter der großen Fensterscheibe brummt auch ordentlich.
Ein Tisch mit fünf Personen ist besetzt, drei weitere Gäste folgten uns kurz später. Hinter der teilweise gemauerten Theke steht eine Dame, die den Service schmeißt, bzw. Essen und Trinken serviert. Die Begrüßung ist herzlich, freundlich, wir dürfen uns frei entscheiden wo wir speisen möchten. Die lange Tafel soll es sein, dann kann der kleine Springinsfeld sich frei entfalten und mit „Lightning McQueen“ Kilometer machen…
Wir setzen uns also an den schönen Tisch und auf die erstaunlich bequemen Stühle. Auf dem Tisch liegt eine ausgebreitete Papierserviette als Tischdecke, eine Stumpenkerze sorgt für Behaglichkeit, ein Blumengesteck sorgt für Leben.
Wir bekommen die Karten und bestellen schon mal Getränke. Kurz darauf kommt auch das Schwesterchen mit Anhang. Die Karte ist klein und übersichtlich. Den Anfang machen ein paar Weine aus eigenem Anbau gefolgt von den anderen Getränken. Erfreulich. Weizenbiere (Flaschenbiere) für freundliche 2,50€. Dass ich das noch erleben darf. Da wird man bestimmt auch im tiefsten Bayern neidisch… Und in Mannheim könnte man sich ohne Reue das ein oder andere Hefebierchen extra gönnen… :-)
Doch zurück zur Karte…
Für den kleinen Hunger gibt es etwa Bratwurst, Wildsülze oder diverse Salate. Den Hauptteil machen Schnitzel- und Rumpsteakgerichte aus. Extra zu Ordern bei diesen Hauptgerichten gibt es eine Garnitur aus Beilagensalat und Bratkartoffeln für 5€.
Der eigentliche Grund des Besuches sind dann auch die Rumpsteaks. Mama sagt, sie hätte noch kein besseres gegessen als dort, mein Schwager schwärmt auch dafür. Also war die Entscheidung auch nicht schwer zu treffen. Viermal Rumpsteak nach Art des Hauses komplett mit Beilage, Fräulein entschied sich für das Jägerschnitzel ebenfalls komplett. Unser kleiner Rennfahrer bekam eine Riesenbratwurst und extra Bartkartoffeln, die dezenter gewürzt wurden.
Doch zuerst kamen die Getränke. Ich entschied mich dann für das Weizenbier (Franziskaner 0,5 / 2,50€), Fräulein wählte wie meine Mutter den trockenen Spätburgunder (0,2 / 3€). Der war angenehm zu trinken, klassisch geprägt mit Kirsch- und Erdbeeraromen, etwas Mandel und cremig, samtig und rund am Gaumen.
Da an diesem Abend auch eine Geburtstagsgesellschaft in einem Nebenraum verköstigt wurde, waren die Wartezeiten etwas länger. So dauerte es schon gut zwanzig Minuten, bis die Beilagensalate serviert wurden. Die Dame im Service (Maria) machte ihre Sache aber gut und war immer darauf bedacht freundlich und auch schnell zu agieren.
 
 
Der Salat…
 
Eine große Portion, und laut Karte auch nur 2,50€ günstig. Verschiedene Blattsalate bildeten die Grundlage (Lolo Rosso, roter Eichblatt und Kopfsalat), dazu frisch geraspelte Möhren, drei Scheiben Gurke und drei halbe Kirschtomaten waren abwechselnd um den Blattsalat verteilt. Alles soweit frisch und in Ordnung, die Blätter vielleicht etwas zu grob zerpflückt. Dazwischen noch ein paar Scheiben Radieschen verteilt. Nur das Dressing war nicht ganz nach meinem Gusto. Da wurde sicherlich auf ein Fertigprodukt zurückgegriffen und mit Pfeffer und Knoblauch verschlimmbessert. Mir war das im Endeffekt für eine Salatsoße zu scharf. Der Knoblauch wirkte dann auch nach… Erfreulich wiederum die frischen Kräuter, die über die Kreation gestreut wurden, wenn auch nur dezent. 3* für den Salat.
 
Beim Abräumen fragte Maria nach der Zufriedenheit, wir Männer bestellten je ein Weizenbier nach, wobei ich jetzt eines ohne Alkohol wählte. Kurz darauf brachte Maria zwei Flaschen zum selbst einschenken an den Tisch. Ich hab da jetzt kein Problem mit, beim ersten war auch nicht wirklich die Hefe aufgeschüttelt worden. Das hier ist nun mal eine „Dorfkneipe“, mehr oder weniger ne One-Man-Show, aber beim Service muss ich dann trotzdem Abstriche machen.
 
Dann kamen die Steaks…
 
 
Rumpsteak „nach Art des Hauses“ (14,50€) plus Beilagen (5€)
 
Auf einem vorgewärmten Teller kam mittig ein schönes Stück Fleisch unter einem Berg von frisch geschmorten Zwiebeln und frisch gebratenen Champignons. Das Fleisch drei Zentimeter dick und knappe 300 Gramm schwer und perfekt in der Zubereitung. Vorher wurde zwar nicht der gewünschte Gargrad erfragt, aber bei dem Ergebnis auch eher rhetorisch. Perfekt angebraten, lang genug ruhen gelassen, schöne Röstaromen und durch und durch saftig und rosa. Kein bisschen eines grauen Randes. Hätte ich nicht so eine schwache Smartphone Kamera hätte ich das gerne festgehalten. Aber seid euch sicher. Es war saulecker. Mit den Zwiebeln und Pilzen ein eine gute Kombi. Keine Ahnung wo das Stück Fleisch herkam, aber es hatte eine Top Qualität! Für das Steak volle 5*!!!
Die Bratkartoffeln kamen auf einer großen ovalen Platte von der sich ein jeder selbst bedienen durfte. Genug davon, dass am Ende noch einige zurückgingen. Zwar ohne Zwiebeln und Speck, waren die Erdäpfel aber auch sehr gut in der Zubereitung und mutig gewürzt worden. Was mich etwas stutzig machte, war das helle Pulver, welches sporadisch auf den Kartoffeln lag und ein wenig an Fondor erinnerte aber nicht wirklich danach schmeckte… Mmmmm…. Salz hatte ich an diesem Abend jedenfalls genug. 4*
 
 
Jägerschnitzel (7,50€) plus Beilagen (5€)
 
Fräulein mag kein Fleisch welches sich noch wehrt. Und da für die Vegetarier außer Salat nix geboten wird gab es halt ein Jägerschnitzel. Oder besser gesagt zwei. So groß wie ne Hand und einen Zentimeter dick. Eigentlich viel zu dick. Zu Hause mache ich da drei draus. Dennoch war das Fleisch zart und durchgebraten aber immer noch weit genug entfernt von trocken. Und auch die Panierung war nicht zu dunkel, schlug auch ein paar Wellen. Die Pilze in Ordnung, nur die Soße war leider ein Industrieprodukt. Die zieht den Gesamteindruck etwas nach unten. 3*
 
Der Kleine hatte keine Mühe mit der Riesenbratwurst (nächste Woche wird er drei) und verlangte noch während er die halbe Wurst samt extra Bartkartoffeln auf dem Teller liegen hatte, einen Nachtisch. Laut Karte gibt es so etwas hier nicht, aber zum Glück wegen des Geburtstages bekam er noch sein Vanilleeis mit Erdbeersoße und Waffelröhrchen serviert in dieser uralten Edelstahl-Eisschale. Der Kleine war zufrieden. Und ist der Neffe zufrieden, freut sich auch der Onkel…
 
Zum Abschluss gönnten wir uns noch einen „Verdauer“, vier Williams wurden serviert. Leider kein heimisches Produkt, sondern die billige Ausführung von Schladerer. Kratzte ein bisschen im Hals… Egal. Zu Hause musste noch ein 12-jähriger Macallan herhalten (der aus dem Sherryfass…) Ich war aber auch satt, musste ich das zweite Schnitzel meiner Fr…, meines Fräuleins verputzen.
 
Wir waren dann auch schon die Letzten, als wir das Lokal verließen. Hinter uns wurde abgeschlossen und das Licht teilweise gelöscht. Es war 21:30 Uhr…
 
 
Fazit:
 
Also Steaks backen kann der Winzer / Bäcker/ Hobbykoch! Auch das Schnitzel war in Ordnung ebenso die Bratkartoffeln. Dafür würde ich gerne wieder kommen. Im Nachhinein auch nicht anders zu erwarten, dass so „schnödes Beiwerk“ wie Soßen und Dressing zugekauft wird. Trotzdem fällt es mir schwer 4* für das Essen zu geben. Aber das Steak war zu perfekt und von bester Qualität, da kann ich nicht anders.
Der Service besteht hier aus einer netten, älteren Dame die Spaß am Job hat, sich es aber auch etwas einfach macht. Das Besteck wird auf einen Haufen vor den Gast gelegt, das Bier muss selbst nachgeschenkt werden. Hier hat es mich jetzt nicht wirklich gestört, da es auch irgendwie zum Ambiente passte… Wie auch immer… Gerade noch 3*
Da wir gerade das Ambiente ansprechen; Urig, rustikal trifft es sicher. Fehlt nur noch die Kuckucksuhr. Und auch schön, dass hier nicht geraucht werden darf. 4,5* Bleibt zu hoffen, dass der neue Anbau mit ähnlich viel Leidenschaft und Geschick gestaltet wird.
Zur Sauberkeit bleibt zu sagen, hier gibt es nix zu bemängeln. Der Gastraum wirkt gepflegt, allein die Servietten als Tischdecke gehörten überdacht. Tische, Wände, Decke und Böden frei von Staub oder gar Spinnweben. Die Toiletten (upstairs im Keller) sind ebenfalls anstandslos, nur Lüften wäre mal ratsam. 4*
Zum PLV kann ich nur sagen, sehr, sehr Ordentlich. Zwar ist ein Rumpsteak mit Beilagen zu 19,50 kein Schnäppchen aber die Qualität und Zubereitung waren es allemal wert. Und auch der Rest lässt den Geldbeutel nicht bluten! 4,5*
 
 
3,5 – wenn es sich ergibt, gerne wieder
(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder - nach "Küchenreise")
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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