Vino e Cucina
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Lahnstraße 12, 56130 Bad Ems
Restaurant Weinstube
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GastroGuide-User: Huck
hat Vino e Cucina in 56130 Bad Ems bewertet.
vor 4 Jahren
"Am ersten Abend überzeugend, am zweiten lassen Küche und Service nach!"
Verifiziert

Geschrieben am 23.07.2017
Besucht am 18.07.2017 Besuchszeit: Abendessen 6 Personen Rechnungsbetrag: 186 EUR
Wir sechs Tippelbrüder und -schwestern – meine Frau, zwei befreundete Pärchen und meine Wenigkeit – treffen uns diesmal zu einem dreitägigen Wanderurlaub in Bad Ems. Gut einlogiert im Park Hotel Bad Ems, einem Hotel garni, kreisen unsere Gedanken nach der ersten Wanderung am 17. Juli um das, was Leib und Leben zusammenhält: Wo gehen wir essen und (mindestens so wichtig!) trinken?

Viele Restaurants haben montags und sogar auch noch dienstags geschlossen, also auch an diesem 17. und dem folgenden 18. Juli. Wir entscheiden uns schließlich für den „gusto italiano“ im Vino e Cucina.

Das Vino e Cucina liegt in der Lahnstraße 12,  einer Lahnuferstraße, in einem zweistöckigen, ockerfarbigen Wohn- und Gechäftshaus in der ersten Etage. Durch einen Aufgang in einem angrenzenden eingeschossigen Anbau, auf dessen Dach sich die Terrasse des  Vino e Cucina erstreckt, gelangt man zu derselben und zum Eingang in das Ristorante in der ersten Etage. 
Vino e Cucina – Aufgang
Wir haben das Vino e Cucina zweimal besucht, weil uns der Besuch nach unserer ersten Wanderung küchen- und servicemäßig überzeugt hat. Also reservieren wir auch für den 18. Juli.

Beide Tage sind sehr warme Tage mit Tropennächten. Deshalb lassen wir uns an beiden Abenden auf der Terrasse nieder.
Vino e Cucina – Terrasse
Hier auf der braun gefliesten Terrasse reihen sich unter roten und gelben Sonnenschirmen Zweier-, Vierer- und Sechsertische mit umstehendem Korbgestühl, für das das Servicepersonal Sitz- und Rückenkissen verteilt. Einige Tische sind mit braun-weiß gestreiften Tischdecken eingedeckt, bei anderen steht eine Topfpflanze und die Salz- und Pfeffermenagerie auf der blanken Tischplatte. Etliche stattliche Pflanzen in großen Blumentöpfen auf dem Terrassenboden oder auf gemauerten Simsen verleihen der Terrasse ein mediterranes Flair.

Wir sitzen an beiden Abenden hier sehr gemütlich an einem Sechsertisch und fühlen uns wohl. Vier Sterne deshalb für das Ambiente auf der Terrasse.

Den Gastraum haben wir nur flüchtig bei unseren Gängen zur Toilette gesehen. Er paßt in das typische Bild eines „ristorante italiano".

Bedient werden wir an beiden Abenden hauptsächlich von der „padrona“, unterstützt von einem jungen Mann. Ein deutliches Gefälle in der Serviceleistung registrieren wir vom ersten auf den zweiten Abend. Werden wir am ersten Abend noch einigermaßen aufmerksam bedient und vor allem mit Getränken versorgt, so müssen wir am zweiten Abend teilweise wie ein Einwinker auf dem Flughafenvorfeld den Service wegen weiterer Getränke zu uns lotsen. 

Die „padrona“ hat Übung im Service, das merkt man. Sie spart nicht mit Worten, läßt Humor aufblitzen, tritt sehr burschikos auf. Der junge Mann hingegen übt offensichtlich noch, ist eher wortkarg. Eine Kritik an zu weich gekochtem Gemüse nimmt er mit einem „Ja“ zur Kenntnis. C’est ça!

Am ersten Abend darf sich jeder von uns Sechsen einen „Absacker“ auf Kosten des Hauses aussuchen, am zweiten Abend: „Niente“! Und dabei fällt die Rechnung für uns Sechs am zweiten Abend mit 186.- € um 24.- € höher aus als am ersten Abend.

Wären wir am zweiten Abend so  bedient worden wie am ersten, hätte das Vino e Cucina mehr an Getränken verdient, und ich würde mehr als zweieinhalb Sterne für die  Serviceleistung an den beiden Abenden geben. 

Ich erzähle im folgenden ausführlich über die Gerichte am zweiten Abend, danach über die am ersten Abend in Kurzform. 

Am Abend des 18. Juli peilen wir nach unserer zweiten Wanderung, der Vier-Türme-Tour, äußerlich erfrischt nach einer Dusche im Hotel, innerlich aber durstig bis dorthinaus, den tags zuvor schon reservierten Sechsertisch auf der Terrasse des Vino e Cucina an. Die „padrona“ bergrüßt uns wieder, dieselbe Prozedur wie tags zuvor. Sie überreicht uns die Speisekarten, doch wir wollen zuerst etwas trinken.

So bestellen wir zuerst einmal  
Radler (0,4 l für 3,90 €, 0,25 l für 2,40 €), 
Mineralwasser (0,25 l für 2,20 €, 1 l (San Pellegrino) für 6.- €),
Hefeweizen, alkoholfrei und dunkel (jeweils 0,5 l für 3,60 €),
Aperitiv Granatapfel (5,50 €) und 
Aperol Spritz (5,50 €).

Die Getränke kommen nach einer Weile gut gekühlt auf den Tisch. Allerdings bringt die „padrona“ einen Aperitiv Granatapfel zu viel, dessen sich dann eine Wanderfreundin erbarmt. Es bleibt nicht die einzige Fehllieferung an diesem Abend. 

Die Speisekarte mit dem Ristorante-typischen Angebot (Antipasti, Insalate, Pasta, Pizze, Carne und Pesce) und eine Sonderkarte sind uns bereits vom Vorabend bekannt, deshalb geht die Auswahl diesmal schneller als tags zuvor. Ein Wandersfreund, meine Frau und ich haben sich bereits am Vorabend eine 
• Dorade, entgrätet nach Art des Hauses, mit Gemüse und Salatbeilage (23,50 €)
aus der Sonderkarte reservieren lassen. Meine Liebste und ich wünschen die Dorade mit viel Knoblauch, was sich später mit jeweils 1.- € zusätzlich in der Rechnung niederschlägt. Ein Wanderfreund wählt
•  Insalata Capricciosa (gemischter Salat mit Kirschtomaten, Gurken, Zwiebeln, Thunfisch, gekochtem Ei und Oliven, 8,90 €) und zwei Wanderfreundinnen entscheiden sich für den
• Insalata di Tacchino (gebratenes Putenfleisch auf gemischtem Salat mit frischer Paprika, Gurken, Kirschtomaten, Käsestreifen und Radieschen, 11,50 €).

Zum Essen bestellen wir noch weitere Getränke,
• Veltins (0,4 l zu 3,90 €) und 
• Pinot grigio (4,50 € der Fünftelliter).

Während der Wartezeit auf das Essen löschen wir unseren  Durst. Der wortkarge junge Mann vom Service bringt uns derweil den Gruß aus der Küche auf zwei Tellern.
Gruß aus der Küche
Das geröstete Baguette ist warm, schmeckt gut und ist mit einem an Kräuteröl erinnernden Öl beträufelt. Die spätere Nachfrage meiner Angetrauten, ob es Olivenöl sei, geht bei der „padrona“ ins Leere: Nein, Geheimnis, das sei selbstgemacht! 

Der schweigsame „cameriere“ serviert den Dorade-Fans unter uns die Beilagensalate.
Beilagensalat
Die Salatblätter, Tomatenviertel, Gurken- und Radieschenschnitzel sind frisch und knackig. Meine Frau und ich haben sich bei der wählbaren Salatsauce für Essig und Öl entschieden, unser Wanderfreund bestellt ein nicht näher bezeichnetes Dressing. Doch ihm bringt der schweigsame Kellner zuerst die Essig-Öl-Salatsauce. Unser Wanderfreund lehnt ab, es nützt nichts. Die „padrona“  erscheint wenig später wieder mit dem Essig-Öl-Salat. Nein, er wolle Dressing, bleibt unser Wanderfreund standhaft. Dann endlich kommt ein Salat mit Dressing, das vom Aussehen an eine Sahne-Joghurt-Salatsauce erinnert. 

Der Salat ist in Ordnung, aber wahrlich nichts Außergewöhnliches.

Die Doraden folgen.
Dorade, entgrätet nach Art des Hauses, mit Gemüse und Salatbeilage
Die Dorade hat noch Kopf und Schwanz, das Mittelteil ist aufgeklappt und entgrätet. Das ist also die Entgrätung „nach Art des Hauses“. So haben wir es auch geahnt, denn weshalb wird kein Doradenfilet angepriesen?

Die Dorade ist ordentlich zubereitet, nur geringfügige Grätenreste. Es mangelt allerdings an Würzgeschmack, wie er aus einer Kräuter-Zitrone-Salz-Pfeffer-Füllung beim Garen entsteht. Meine Frau und ich würzen mit Salz und Pfeffer nach, es hilft ein bißchen. Das Mehr an Knoblauch, das meine Frau und ich gewünscht haben, findet sich auf dem Fisch neben Olivenscheiben, Kapern und gedünsteten Tomatenvierteln.

Enttäuschend ist die Gemüsebeilage aus Zucchini-, Möhren- und Tomatenstücken. Das Gemüse ist zu lange gekocht worden, es ist matschig. Meine diesbezügliche Kritik nimmt der wortkarge junge Mann beim Abräumen wie bereits geschildert zur Kenntnis – keine Entschuldigung, keine Andeutung, die Kritik an die Küche weiterzugeben.

Mit den Doraden kommen auch die bestellten Salate.
Insalata Capricciosa
Unser Wanderfreund ist mit seinem „Capricciosa“ zufrieden. Der Salat schmeckt ihm. 
Insalata di Tacchino
Auch unsere beiden Wanderfreundinnen loben ihren „Tacchino“. Sie sind zufrieden und die Vitaminspender mit den Käsestreifen und den Putenfleischstückchen schmecken ihnen gut.

Der Abend wird noch ein langer, der Durst ist noch immer groß. Aber es hapert mit dem Nachschub. Die „padrona“  läßt sich nicht mehr sehen, der junge Mann verteilt sein Schweigen in anderen Regionen der Terrasse. Wir winken wie ein „Flight Line Marshaller“, um an weitere Getränke zu kommen. Manchmal gelingt’s, und es fließt noch Veltins, San Pellegrino, aber auch Pinot Grigio in unsere Kehlen.

Um die Abrechnung kümmert sich dann die „padrona“ , nachdem meine Frau ihren Zigarettenkonsum am Bediensteten-Abendtisch unterbrochen und sie zu uns gelost hat. Wir bezahlen paarweise, sowohl bar als auch mit Kreditkarte.

Der Abend davor am 17. Juli lief schon ein bißchen glatter. Auch da kehrten wir nach einer nicht so anstrengenden Wanderung am frühen Abend beim Vino e Cucina ein. 

Die „padrona“  war freundlicher, uns mehr zugewandt als am zweiten Tag. Sie kam öfter an unseren Tisch, fragte wegen weiterer Bestellungen und ob das Essen schmecke und alles recht sei. Der junge Mann unterstützte sie auch, blieb aber mehr im Hintergrund.

Wir verzehrten neben Radler, Veltins, Pinot grigio und Mineralwasser:
• Insalata di Tacchino,
• zweimal Pasta al gusto (Pasta mit Zwiebeln, Schweinefiletspitzen, grünem Pfeffer (scharf), Gorgonzola und Kirschtomaten, 12,50 €),
Fettine a portafoglio (Schweineschnitzel gefüllt mit Pancetta (Bacon) und würzigem Provolonekäse in Zitronensoße mit Gemüse, Rosmarinkartoffeln und Salat, 17,50 €) für meine Frau und mich und eine
Lasagne (vegetarisch) aus der Sonderkarte (9,90 €).

Als Vorspeisen wählten ein Wanderfreund und ich 
• Frische Sardellen (7,50 €) aus der Sonderkarte und eine Wanderfreundin
• Tris di Bruschette (drei geröstete Brotscheiben belegt mit Tomaten-Mozzarella, Zucchini-Knoblauch und Auberginen-Gorgonzola, 4,50 €) aus der Standardkarte.

Ich habe am ersten Tag leider keine Bilder von den Speisen gemacht, außer vom Beilagensalat und den Fettine a portafoglio für meine Angetraute und mich.
Beilagensalat
Der Beilagensalat war im Gegensatz zum Folgeabend ohne Gurken, ansonsten wie gehabt.
Fettine a portafoglio
Die Schweineschnitzel waren gut zubereitet, würzig vom Käse und Schinken, und sie hatten Röstaroma. Die Zitronensauce schmeckte ausgezeichnet und gab in Verbindung mit den übrigen Aromen einen besonderen Gechmackskick. Sowohl die  Rosmarinkartoffeln als auch das Gemüse waren ohne Fehl und Tadel, das Gemüse mit Biß, keineswegs matschig wie am Folgeabend.

Meine Sardellen und die meines Wanderbruders waren frittiert, kamen warm und mit Salat garniert auf den Teller. Sie schmeckten ausgezeichnet. Auch die Tris di Bruschette schmeckten unser Wanderfreundin gut.

Die Pasta al gusto war wirklich scharf, so sagte unser befreundetes Wanderpärchen. Keine Kritik von ihnen, sie waren zufrieden, es schmeckte ihnen gut. Und auch bei der Lasagne und dem Insalata di Tacchino gab es vom zweiten Wanderpärchen nichts zu meckern. Auch sie waren zufrieden, es schmeckte ihnen gut.

Die Versorgung mit weiteren Getränken lief an diesem ersten Abend wesentlich reibungsloser als am zweiten Abend. Wir waren angetan von der Küche und dem Service des Vino e Cucina und kündigten den Folgebesuch am nächsten Abend an. Bei der paarweisen Abrechnung des Gesamtverzehrs über 162.- € gab sich die „padrona“ dann generös. Jeder durfte sich einen „Absacker“ aussuchen. 

Nicht nur beim Service, sondern auch beim Essen hat der zweite Abend den Eindruck vom ersten Abend abgewertet. Aus der guten Bewertung für den ersten Abend resultiert letztlich für die Gesamtbewertung bei Speisen und Getränke ein „okay“, also drei Sterne.

Mit der Sauberkeit auf der Terrasse gibt es keine Probleme. Die Tischdecken, Geschirr und Bestecke sind proper. Der Fliesenboden ist sauber. Auch die Toiletten, Herren als auch Damen,  sind  sauber. Vier Sterne!

Fisch hat gewöhnlich einen ordentlichen Preis, wenn er frisch eingekauft wird, wie der Padrone und Küchenchef meiner Frau beiläufig am ersten Abend erzählt. Am ersten Abend bestelle ich schon die Dorade, die dann von der „padrona“ als „nicht mehr da“ deklariert wird.  Der Chef sagt später, es habe beim Einkauf an der Frische des Fisches gemangelt. Eine lobenswerte Einstellung, aber satte 23 Euro für den Allerweltsfisch? Und 1.- € mehr für ein paar Stückchen Knoblauch? Letzteres fällt bei mir in die Kategorie „kleinlich“.

Das läßt meine Bewertung des Preis-/Leistungsverhältnisses sinken, besonders angesichts der mangelhaften Serviceleistung am zweiten Abend. Ein knappes „okay“ scheint mir gerechtfertigt, also zweieinhalb Sterne für das Preis-/Leistungsverhältnis bezüglich Essen, Getränke und Service.

Als Kurkartenbesitzer haben wir auf alle Speisen und Getränke einen zehnprozentigen Rabatt bekommen. Diesen Bonus gewährt das Vino e Cucina. Aber selbst dieser Rabatt ändert nichts an der Bewertung, denn ohne den Rabatt wären wir vermutlich nicht anders bedient worden als geschehen. Und es wäre vermutlich auch nicht anders gekocht worden.

Insgesamt haben wir einen gespaltenen Eindruck von Küche und Service des Vino e Cucina bekommen. Wären wir wieder in Bad Ems, würde es mich erst nach genügendem zeitlichen Abstand wieder ins Vino e Cucina drängen. „Wir leben von den Touristen“, sagte die „padrona“ beiläufig. Wir haben es am zweiten Abend gemerkt.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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