Wir verwenden Cookies
Wenn Sie unsere Webseiten besuchen, kann Ihre Systemsoftware Informationen in Form von Cookies oder anderen Technologien von uns und unseren Partnern abrufen oder speichern, um z.B. die gewünschte Funktion der Website zu gewährleisten.

Hier findet man noch eine auf guten Produkten basierende Heimatküche vor, die zur Pfälzer Gastlichkeit passt, ohne ihren bodenständigen Charakter zu verbiegen, aber auch mediterrane und asiatische Akzente behutsam miteinbezieht.
Vor 32 Jahren (!) haben Ulrike (Service) und Manfred Kreger (Küche) den elterlichen Betrieb übernommen und ihn seitdem als beliebte Adresse für ambitioniert vorgetragene Hausmannskost in der Südpfalz etabliert. Die raffiniert zubereiteten und ansprechend angerichteten Speisen locken jedoch nicht nur Fischliebhaber in das seit Jahren mit einem Bib Gourmand ausgezeichnete Lokal.
Auch wegen einem guten Stück Fleisch oder der ein oder anderen mediterran anmutenden Vorspeise lohnt der Weg in das ehemalige Fischerdorf Neupotz, das beschaulich an einer Altrheinschleife liegt und von Feldern und urwüchsigem Auenwald umgeben ist. Außerdem ist der Ort schnell über die Bundesstraße B9 zu erreichen.
Die mittlerweile etwas modernisiert auftretende Gaststube – Teppichboden raus, bequeme Polsterstühle rein – hat ihren gutbürgerlichen Charme bewahrt. Und das, obwohl selbst die früher komplett unter weißem Leinen versteckten Tische inzwischen der Vergangenheit angehören.
Die nostalgische Kassettendecke und das leicht angestaubte Design der Rückenpolster der einmal ringsherum führenden Wandbänke, lassen jedoch keine Zweifel zu: wir befinden uns immer noch in einer gepflegten Dorfwirtschaft, in der nach guter alter Gasthaus-Sitte aufgetischt und gespeist wird.
Der Tatsache, dass man dazu die Preise an das heutige Niveau anpassen musste, wird wohl jeder, der in der einfachen Prozentrechnung zumindest rudimentär bewandert ist, mit Verständnis begegnen.
Aber es wundert einen schon, wenn sich Gelegenheitsrezensenten über einen Rumpsteak-Preis von knapp über 30 Euro echauffieren und einen mit Speck, Croutons und frischen Champignons veredelten Feldsalat an Kartoffeldressing für 13,50 Euro als maßlos überteuert bezeichnen.
Dass sich so ein Betrieb bei den dramatisch gestiegenen Energie-, Produkt- und Personalkosten auch im Jahr 2026 irgendwie tragen muss und die fleißigen Gastronomen für ihre harte Arbeit auch einen Gegenwert erhalten sollen, wird bei solchen „Rechnungen“ häufig außen vor gelassen. Wer aber bereit ist, für gutes Essen den ein oder anderen Euro mehr zu investieren, der ist bei Familie Kreger definitiv gut aufgehoben.
Nach einem freundlichen Empfang durch die Chefin, ließ man uns in aller Ruhe das Speisenprogramm studieren. Trotz seiner Kompaktheit stellte es mich auch dieses Mal vor die Qual der Wahl. Sechs Vorspeisen, vier Fischteller, fünf Fleischgerichte und zweimal vegetarisch listete das durchweg ansprechende Standardrepertoire. Ergänzt von ein paar saisonalen Empfehlungen.
Eine Flasche Wasser (0,75l Bellaris Classic für 6,20 Euro) und zwei frisch gezapfte Bellheimer Lord-Pils (0,4l für 4,90 Euro) ließen keine trockenen Verhältnisse am Tisch aufkommen.
Nach einem leckeren Garnelen-Gruß aus der Küche wurden uns drei Vorspeisensalate serviert. Ein Kollege ließ sich den bunten Blattsalat mit gebackenem Ziegenkäse im Speckmantel (16 Euro) schmecken.
Der andere hatte nicht ganz so viel Hunger und beschränkte sich auf einen kleinen Salatteller (6,50 Euro) vorweg. Mich lachte der Feldsalat mit Speck und Croutons (13,50 Euro) von der Empfehlungskarte am meisten an, den ich mit großem Appetit verputzte.
Sein fein abgeschmecktes Kartoffeldressing, die knusprigen Buttercroutons und der nicht übertrieben salzige, leicht angebratene Speck verliehen meiner liebsten Salatsorte reichlich Geschmack. In der Ausführung eine absolut stimmige Vorspeise, deren Portionsgröße auch nicht übersättigte. Das war auch gut so, denn ein Klassiker der Kreger’schen Kochkunst wartete als Hauptgang.
Ich hatte mich im Gegensatz zu den beiden Rumpsteak-Rabauken für das gebratene Zanderfilet mit Gemüsejulienne und Tagliolini an Rieslingsauce (31 Euro) entschieden. Eine verdammt gute Wahl wie sich bald herausstellte.
Die beiden zuvor mehlierten Filetstücke von meinem Neupotzer Lieblingsspeisefisch kamen perfekt gebraten aus der Butterpfanne. Im Zusammenspiel mit dem Gemüse und der formidablen Rieslingsauce („Zum R(h)einknien!“) ein rundum glücklich machender Heimatteller für Leib und Seele.
Die beiden kollegialen Karnivoren am Tisch taten sich derweil an zwei stattlichen Rumpsteaks (Grain-Fed) mit Kräuterbutter, mediterranem Gemüse und Pommes frites (jeweils 33 Euro) gütlich.
Die Zartheit des Fleisches, sein leicht buttriger Geschmack und sein perfekter Gargrad („Medium“) wurden in hohem Maße gelobt. Auch die tiefgründige Jus fand großen gustatorischen Anklang.
Auf einen Nachtisch mussten wir aufgrund unserer fortgeschrittenen Sättigung leider verzichten. Dafür sind die Portionen im „Lamm“ dann doch zu „pfälzisch“ bemessen. Kulinarische Klasse darf schließlich auch mit einem vernünftigen Maß an Masse (auf dem Teller) einhergehen, ohne gleich ins Übersättigende abzudriften.
Für knapp über 160 Euro bot Manfred Kreger uns dreien eine Hausmannskost auf Top-Niveau. Die hohe Qualität und die handwerklich tadellose Verarbeitung der verwendeten Produkte unterstreichen das hier vorherrschende, äußerst intakte Preis-Genuss-Verhältnis. Der entspannt-herzliche Service und das gediegene Ambiente tragen ebenfalls zum Gästewohl bei.
Für mich persönlich ist das „Neupotzer Lamm“ auch ein Ort kulinarischer Erinnerungen an gutes Essen im Kreise der Familie. Wahrscheinlich hat es mein jugendliches „Fisch-Verständnis“ in gewisser Hinsicht mitgeprägt. Auch ein Grund, warum ich hier immer wieder gerne einkehre. Meine Mutter konnte nämlich nicht nur fantastisch kochen, sie wusste auch, wo es in der näheren Umgebung besonders gut schmeckt…