Schnitzelwerk
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Kirchstraße 58, 76771 Hördt
Restaurant Vereinsheim Biergarten Ausflugsziel XXL-Restaurant
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GastroGuide-User: marcO74
hat Schnitzelwerk in 76771 Hördt bewertet.
vor 4 Jahren
"Bestes Cordon Bleu (vom Schwein) seit langem"
Verifiziert

Geschrieben am 02.11.2017 | Aktualisiert am 03.11.2017
Besucht am 25.10.2017 Besuchszeit: Abendessen 3 Personen
Die Idee, für ein gutes Schnitzel nach Hördt zu fahren, hatten wir schon länger. In der ca. 2500 Einwohner zählenden, direkt am Hochufer des Rheins liegenden Gemeinde hatte zu Anfang des Jahres ein neues Lokal eröffnet. Grund genug für einen kleinen Abstecher in Richtung Rheinaue.
 
Das Team um Inhaberin Nadja Baumann hat hier mächtig renoviert und dem Inneren des Hördter Schützenhauses einen komplett neuen Anstrich verpasst. Von außen völlig unscheinbar, befindet sich das in östlicher Ortsrandlage erbaute Clubhaus des Schützenclub 1960 Hörtdt e.V. quasi in direkter Nachbarschaft zum „Rhenus Pater“, wie ihn schon die alten Römer nannten. Restaurantfachfrau Baumann, deren Eltern über 20 Jahre lang das Restaurant „Dulda“ am Speyerer Yachthafen führten, sammelte schon zuvor in Lingenfeld drei Jahre lang Gastroerfahrung.
 
Betritt man den Gastraum erwartet einen statt piefiger Clubgastro-Atmosphäre ein modern eingerichtetes, ansprechend beleuchtetes Restaurant, dessen wertiges Mobiliar sofort ins Auge sticht. Auf hellem Holzparkett lässt man den Thekenbereich links liegen. Frau Baumann erwartete uns bereits und überließ uns die Platzwahl. Auf bequem gepolsterten Gastrostühlen mit braunem Kunstlederüberzug ließen wir uns nieder. Die rustikalen Holztische kamen auch sehr gut ohne Tischdecke aus. Neben sparsamer Deko (Teelicht und Blumentöpfchen) lag lediglich das Einfachbesteck auf einer Papierserviette.
 
Wir saßen nicht ungemütlich zwischen den weinrotgestrichenen Wänden, obgleich die in die Decke eingelassenen Strahler für meinen Geschmack etwas zu viel Licht spendeten. Etwas schummriger hätte es meiner Ansicht nach schon zugehen dürfen, denn die passende Beleuchtung erzeugt Atmosphäre. Egal, so warfen wir einen ungetrübten Blick in die von der jungen Servicedame gereichten Speisekarten. Hmmm, da schnalzte der Freund fleischlicher Hausmannskostgenüsse schon mit der Zunge.
 
Neben ein paar deftigen Vorspeisen (gegrillte Peperoni, Rinderkraftbrühe mit Markklößchen), einigen wenigen Salaten, dem Zanderfilet an Kartoffelsalat (14,80 Euro) und zwei vegetarischen Gerichten (gebackener Hirtenkäse und Käsespätzle) dominierten hier klar die Fleischgerichte. Da durften auch die drei obligatorischen Rumpsteakvarianten (Kräuterbutter, Zwiebel und Pfeffersauce) nicht fehlen. Jedoch war der Name des Restaurants auch tatsächlich Programm und in der Karte traf man neben gängigen „Wiener-Art-Schnitzeleien“, die sich nur in der begleitenden Soße unterschieden, auch etwas skurril anmutende Kombinationen des panierten Schweinefleischfetzens an.
 
Als „Surf & Turf“ wurde da ein Schnitzel in Begleitung von Riesengarnelen, Chili und Knoblauch (16,80 Euro) bezeichnet. Dem nicht genug, es wurde anscheinend noch mit Käse überbacken. Gratinierter Schafskäse, Peperoni und Oliven waren auf der „Sheep Style“-Version (12,80 Euro) zu finden, während bei der mit „Bauer sucht Esser“ (12,80 Euro) betitelten Garnitur deftiges Beiwerk wie Spiegelei, Speck und Bratensauce einem späten Frühstück zur Ehre gereicht hätten.
 
Als Durstlöscher wurden eine große Flasche Mineralwasser und ein frisch gezapftes Bellheimer Silberpils bestellt. Alles zu zivilen Preisen, wenn ich das richtig in Erinnerung habe. Meine beiden Begleiter entschieden sich für Paniertes vom Schnitzel. Einmal mit Pfeffer- und einmal mit Champignonrahmsauce. Bei den Beilagen durfte man zwischen Pommes, Kroketten und Spätzle wählen. Etwas seltsam, dass hier beim „SchniPoSa“ die letzte Silbe fehlte, sprich der Salat nicht wie üblich inklusive war. Den mussten wir für 3,80 Euro noch separat dazu bestellen. Meine Wahl fiel auf das Cordon Bleu (13,80 Euro), das ich mit Kroketten und einer Extraportion Pfeffersauce zu veredeln gedachte.
 
Schon kurz nach unserer Bestellung drangen rhythmische Klopfgeräusche von der Küche her an unsere Ohren. Aha, da betrieb jemand noch richtiges „Schnitzelhandwerk“! Das klang doch schon sehr vielversprechend.
 
Die kleinen Salatteller linderten das erste Hungergefühl. Schmackig angemacht mit Essig und Öl waren sie allemal. Auch die Zutaten (verschiedene Blattsalate, Möhrenrohkost) waren frisch und appetitanregend. Für knapp 4 Euro ging das Gebotene in Ordnung. Klar hätte man den auch zum Schnitzelgericht dazu packen können. Etwas weniger Fleisch auf dem Teller und dafür den Salat im Preis inbegriffen, würde auch dem PLV nicht schaden.
 
Denn die Schnitzelgerichte waren durchweg sehr üppig portioniert. Jeweils zwei in Butterschmalz gebratene Exemplare zierten die Teller meiner Mitstreiter. Ich schätze mal, dass die beiden zusammen an die 300 Gramm Paniermehl umhüllten, platt geklopften Schweinerücken auf die Waage brachten. Etwas krosser hätte man sie ruhig braten können, ansonsten waren sie tadellos in Geschmack und Konsistenz. Besonders zufrieden war mein Gegenüber mit seiner Pilzrahmsauce. Mit frischen Champignons ausgestattet, war das eine auf Jus-Basis hergestellte Edeltunke, die lobenswerter Weise nicht nach Maggi-Pampe schmeckte. Er genoss sie in vollen Zügen.
 
Auch mein Cordon Bleu, dessen saftiges Innenleben von geschmolzenem Emmentaler und würzigem Kochschinken bestimmt wurde, war keine Portion von Traurigkeit. Fast ohne Kraftaufwand glitt mein Messer durch das mürbe geklopfte, zarte Schweinefleisch. Ein Gedicht auch die pikant-würzige Pfeffersauce, mit der die kross frittierten Kroketten besser rutschten. Ein hervorragender Teller im gutbürgerlichsten Sinne und ich musste lange überlegen, wann ich das letzte Mal ein solch leckeres Cordon Bleu verputzt hatte.
 
In der Summe verließen wir hochzufrieden und um eine empfehlenswerte Adresse bereichert das Lokal am Ortsrand von Hördt. Den motivierten Betreibern wünsche ich viel Erfolg mit ihrem Konzept einer besseren Hausmannskost. Denn – und da stimme ich ihnen zu 100 Prozent zu – ein leckeres, in Butterschmalz ausgebackenes Schnitzel aus der Pfanne bekommst du auch in unserer Region nicht mehr so oft. Und schon gar nicht in so einladendem Ambiente.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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