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GastroGuide-User: Siebecko
hat Renaissance in 44139 Dortmund bewertet.
vor 1 Monat
"Restaurant Renaissance - Auf dem Teller mehr Chichi als Kochkönnen!"

Geschrieben am 17.01.2020
Besucht am 14.01.2020 Besuchszeit: Mittagessen 2 Personen
Das Restaurant Renaissance wurde Anfang Juli 2019 eröffnet. Inhaber ist Edmond Myftari, der seit einigen Jahren auch das Albero Verde in der Dortmunder Gartenstadt betreibt.
 
Parken kann man auf der östlichen Seite des Gebäudes oder im Innenhof.
 
Ambiente
 
Die Location kann man vom Rheinlanddamm/B1 durch einen Lichthof oder vom Innenhof aus betreten und ist inkl. WC komplett ebenerdig, also behindertengerecht.
 
Der Fußboden dunkles Holz, viele Zweiertische mit hellen Holzplatten, eingedeckt mit langstieligen Weingläsern und bauchigen Wassergläsern, cremefarbenen Stoffservietten, mittig platzierten cremefarbenen Stoffläufern und elegantem Edelstahlbesteck.
Die Stühle mit hohen Rückenlehnen sind cremefarben gepolstert. Raumhohe Fenster mit weißen langen gerafften Gardinen, große runde Deckenleuchter und Wandspots tauchen den Raum in sehr angenehmes Licht.
Rechts befindet sich eine große Theke, gegenüber davon Hochtische mit einer langen cremfarbenen Bank mit hohen Lehnen mit Blick zur Theke.
Wir fühlten uns in dem dezent eleganten Ambiente gleich wohl.
 
Im Innenhof lockt im Sommer eine lauschige Terrasse, von der Sonne durch Sonnenschirme geschützt.
 
Service
 
Den Service managten der Restaurantleiter Andi Labi und ein weiterer männlicher Mitarbeiter. Später kam noch eine Dame dazu, deren Position sich mir nicht erschloss. Alle waren höflich und bemüht, aber in der Ausführung holprig und teilweise inkompetent.
 
Speisenkarte
 
Die Standardkarte war erfreulich überschaubar mit gehobenen Preisen. Vorspeisen ab 16 €. Salate ab 12 €. Pasta ab 19 €. Fisch ab 22 €. Fleisch ab 19 €. Dessert ab 8 €. Da ich die mir vorgelegte Karte nicht mehr im Kopf habe, beziehen sich diese genannten Preise auf die auf der Homepage veröffentlichte Speisekarte.
Auf einer großen Tafel wurden weitere sieben Tagesempfehlungen offeriert.
Eine Business Lunchkarte mit umfangreichen 8 Positionen zu moderaten Preisen komplettierte das Speisenangebot.
 
Unsere Speisen
 
Amuse vom Haus
 
Vom Haus gab es vorab für uns zwei Personen 4 ofenwarme, außen und innen weiche Brötchen. Butter dazu gab es für uns im Gegensatz zu einigen Nachbartischen, die auch noch Oliven bekamen, nicht Auf spätere Nachfrage meinte die Servicedame, das würde mal so mal so gehandhabt. Schade, für uns keine klare Linie erkennbar.
 
Das Amuse wurde von Herrn Labi als Apfel-Parmesan-Soufflé annonciert. Soufflé? Ich probierte und staunte. Das war kein fluffiges, schaumig leicht und locker aufgegangenes kleines Kunstwerk direkt aus dem Ofen, sondern ein sehr festes rund ausgestochenes Gebilde, das nur nach viel Mehl und geriebenem Parmesan schmeckte! Das war zwar vom Haus, aber man sollte dem Gast fairerweise nichts annoncieren, was die Küche kochtechnisch nicht hält.
Herr Labi murmelte auf meine Nachfrage, er habe sich versprochen, sagte aber nicht, was das sein sollte. Die Servicedame konnte wohl mit dem Begriff Soufflé nichts anfangen.
 
Vier Austern von der Tageskarte - 14 €
 
Nach über 30 Minuten kamen die Austern an unseren Tisch. Zu lange Wartezeit für die simple Öffnung von 4 Austern. Sie waren frisch. Leider hatte der Koch nur 2 Stück vom unteren Muskel gelöst, so dass meine Begleitung mit der Gabel nacharbeiten musste.
Die Austern lagen auf mehreren Häufchen von wohl künstlichem, türkis-blau eingefärbtem Schredder-Eis. Für uns absolut entbehrliche, reine Effekthascherei. Dazu gehörten auch diverse crunchige Chips, die geschmacklich sinnlos waren.4 Viertelstückchen Zitronenscheiben ergänzten das Ensemble.
Eine sinnvolle geschmackliche Ergänzung wären z. B. eine Schalotten-Vinaigrette oder eine feine Limonen-Öl-Mischung gewesen.
 
 
Salat Thai-Style: Hähnchenbrustfilet | Avocado | Limette | Erdnüsse von der Lunchkarte – 10 €
 
25 Minuten nach den Austern wurde der Salat serviert. Auf Feldsalat, Frisée, Cherrytomaten, Avocadostücken, roten Zwiebelwürfeln und Ringen von Frühlingszwiebeln waren sechs platte Stücke Hähnchenbrustfleisch gehäuft, die trocken waren und an den Rändern deutliche schwarze Verfärbungen von zu viel Hitze aufwiesen. Das Dressing war o. k., aber Erdnüsse fehlten. Wo war der Thai-Style?
Meine Begleitung reklamierte fehlende Erdnüsse. Daraufhin reichte Herr Labi eine kleine Schale mit ganzen Erdnüssen nach.
 
Risotto: Scampi | Rucola | Curcuma | Spicy von der Lunchkarte – 9 €
 
Dieser wurde zeitgleich – also ca. 1 Stunde nach der ersten Bestellung – gebracht. Man hätte mich fragen können, ob ich das Risotto zeitgleich mit den Austern meiner Begleitung haben möchte.  Präsentiert in einem tiefen Teller lagen auf dem Reis 6 zum sogenannten Butterfly-Schnitt geformte, korrekt noch leicht glasig gegarte Garnelen! Keine Scampi! Scampo ist der italienische Begriff für Kaisergranat, der zur Familie der Scherentiere wie Hummer gehört und viel teurer als Garnelen ist. Scampi sind im Schwanzbereich flacher, von der Konsistenz weicher und schmecken nussig im Gegensatz zu Garnelen. Dem Gast wird auf der Karte eine edle Zutat avisiert, die nicht geliefert wird.
Der Reis war noch leicht bissfest, aber nicht locker schlotzig, sondern wurde in meinem Mund voluminös pampig. Curcuma brachte die gewünschte gelbe Färbung, aber gleichzeitig auch eine typische sehr bittere Note. Die leichte Schärfe war angenehm. Einige Würfel gelber und roter Paprika trugen zum leicht süßen Geschmack bei. Free-Style-Risotto. Doch den ausgewiesenen Rucola vermisste ich.
Auf meine Nachfrage meinte Herr Labi, dieser wäre im Risotto verarbeitet. Ich sah nur homöopathisch winzige kleine grüne Partikelchen, die keinerlei nussigen Geschmack von Rucola erlaubten.
Eifrig ließ Herr Labi es sich nicht nehmen, mir noch nachträglich ein Bündel Rucola auf meinen Teller zu packen.
 
Getränke
San Pellegrino medium 0,75 l zu 6,90 €
„Rose“ Illario doc Bio | fatta di Magliano, 0,2 l zu 7,90 €, gut gekühlt
 
Fazit
 
Es war für uns ein Essen mit mehr Tiefen als Höhen. Ich habe den Eindruck, es wird mehr Wert auf Optik als handwerkliches Kochkönnen gelegt. Der Service war bei unserem Besuch bemüht aber holprig. Schade um das schöne Ambiente.
 
 
3 – wenn es sich ergibt, eventuell ein zweiter Versuch an einem mutigen Tag
 
(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)
 
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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