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Denn von Anmutung und Quadratmeterzahl wirkt das QMuh wie ein riesiges bayrisches Brauhaus: eine grosse Halle mit viel Holz, gepolsterten Sitzbänken und rustikalem Interieur. So weitläufig, dass man sich sorgt, nach dem Toilettengang wieder an den eigenen Tisch zurückzufinden. Bei Gelegenheit wüsste ich schon mal gern, wie Innenarchitekten dieses Restaurant-Genres eigentlich ticken.
Wir haben auf jeden Fall noch das grosse Los gezogen und eines der wenigen „Séparées“ ergattert. Ein etwas abgeschirmtes Abteil, mit Pseudolederbänken, funzeliger Beleuchtung und relativer Ruhe angesichts der lauten Musikbeschallung und des Lärmpegels im restlichen Raum. Sehr häufig verirrt sich eine Bedienung auch nicht in diese Ecke – aber für unsere Bedürfnisse reicht es voll und ganz.
Das Speisenangebot am Abend besteht aus: Burger, Steaks, Salate, Bowls und das, was sich neudeutsch „Sides“ nennt. Da sind wir uns schnell einig und bestellen 3 verschiedene Burger (zwischen 12,50 und 12,90 Euro), eine Bowl (17,90 Euro), frittierte Zwiebelringe und Fritten. Das alles wird vermutlich förmlich im Akkord in der Küche fabriziert und überraschend schnell an die Tische ausgeliefert. Wir staunen! Viel Individualität darf natürlich nicht erwartet werden. Die Bowls (Ob „Chili“, „Crispy Chicken“ oder „Pulled Pork BBQ“) gleichen sich alle irgendwie. Wer nicht aufpasst, erhält das Standard-Brötchen: ein sogenanntes „Vintage Brioche“ mit „Sesame on top“. Wirkt optisch wie ein aufgedunsener Pilz und gibt natürlich nicht viel zum Kauen her. Die Patties dagegen sind alle vollmundig, schön kross gebraten und von guter Qualität. Die Chili-Variante glänzt durch herrlich scharfe Jalapenos – ein gutes Gegenspiel zu den eher faden Brioches. Bei der Bowl (die man mit verschiedenen tierischen und pflanzlichen Proteinquellen bestellen kann: Huhn, Lachs, Falafel, Tofu) harmonieren dagegen nicht alle Bestandteile: die sehr üppig bemessene Menge an Räuchertofu (leider nicht angebraten und von einem leicht unangenehmen Odeur heimgesucht) kollidiert mit den vielen zu süssen Goji-Beeren und der scharfen Harissa-Sauce. Begeistert sind wir von den mächtigen Zwiebelringen (6,90 Euro), die uns sehr an unsere Jugend erinnern. Weniger gelungen scheinen die etwas lätschigen Süsskartoffelfritten (5,90 Euro) zu sein. Die kriegen unsere Freunde viel krosser in ihrem Airfryer hin – behaupten sie zumindest. Da hab ich persönlich keine Erfahrungswerte. Und brauche sie auch nicht.
Bei den Getränken überzeugt neben sehr viel Tafelwasser (0,3 Liter für 3,30 Euro) und einer spritzigen Lemon&Lime Limonade (für nicht ganz gerechtfertigte 5,70 Euro) vor allem ein sensationeller, tiefgründiger Primitivo (6,50 Euro für das Glas). Bei so viel Flüssigkeit müssen wir nacheinander die Toiletten aufsuchen, die sich leider alle im Obergeschoss befinden. Im Aufgang (und auch andernorts) irrlichtern überflüssige Neon-Sinnsprüche wie „Fuck Social Media, I´m dope in real life“. Wer braucht das denn?
Zur ersten Sättigung hatte dieser Ort durchaus seine Berechtigung. Die hohe Auslastung des Lokals dürfte der zentralen Lage am Bahnhof und den erschwinglichen Preisen von Burger & Co. geschuldet sein. Denn die Steaks liegen schon bei ca. 30 Euro. Wir danken allen Akteuren für ihren Einsatz. Der kulinarische Genuss hat sich allerdings in Grenzen gehalten. Aber Reutlingen hat ja auch noch mehr zu bieten.