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Aufgrund seiner Beliebtheit schlugen gleich mehrere Versuche fehl, dort spontan einen Tisch zu bekommen. Anfang Februar hatte ich dann endlich Glück. Angeheizt vom brühwarmen Bremer Nudelsuppen-Erlebnis im „Tampopo“ ein paar Wochen zuvor, gelüstete es mich an einem Freitagmittag zur besten Lunch-Time nach japanischem Seelenfutter aus der Schlürfschüssel.
Ein kurzer Anruf sicherte mir doch tatsächlich einen Platz in dem von außen eher unscheinbar wirkenden Ramen-Restaurant.
Ehrlich gesagt bin ich zunächst daran vorbeigelaufen und Google schickte mich wieder retour. Wer nicht gezielt nach dem Laden sucht oder bereits weiß, wo es sich befindet, dem wird es wahrscheinlich ähnlich gehen.
Drinnen erwartete mich eine lebendige, angenehm pulsierende Atmosphäre, die ein völlig anderes Bild (im Vergleich zur äußeren Erscheinung) bot. Hier herrschte Leben, was jedoch nicht (allzu sehr) auf Kosten der Gemütlichkeit ging.
Die teilweise im unverputzten Stil verkleideten Wände, die eher sparsame Beleuchtung, der abgenutzt wirkende, helle Holzboden und die rustikalen Holzbalken an der Decke (aber auch als raumtrennende Elemente) schufen eine entspannte Atmosphäre, die lediglich von den dicht nebeneinander platzierten Bistro-Tischen etwas „eingeengt“ wurde.
Von meinem Platz an der Wand hatte ich einen guten Blick in den Gastraum bzw. auf sein munteres Innenleben. Was die Leute links und rechts neben mir sprachen und aßen, bekam ich quasi „on top“ dazu geliefert. Kann ja auch manchmal ganz interessant sein…
Auch an jenem Freitagmittag war die Min Ramen Bar wirklich gut frequentiert und die beiden jungen Servicekräfte hatten alle Hände voll zu tun. Manchmal dauerte es ein wenig bis sie den Weg an meinen Tisch fanden, aber in Anbetracht der Auslastung ging das voll in Ordnung. Im Gespräch gab man sich zugewandt und hilfsbereit. Auf den persönlichen Schärfegeschmack wurde bei der Auswahl der Speisen gerne eingegangen.
Ich orderte ein Fläschchen Mineralwasser der Marke Peterstaler (0,5l für 4,90 Euro) für den Durst und durchstöberte in aller Ruhe das nicht überfordernde Speisenprogramm. Die Seite mit den in den Größen M („medium“) und L („large“) angebotenen Nudelsuppen auf Miso-, Shoyu- und Tonkotsu-Basis ließ ich links liegen und entschied mich für die Tantanmen Ramen in der Größe „M“ mit Tempura-Garnele (14,50 Euro).
Dabei handelt es sich sozusagen um die Antwort Japans auf die chinesischen Dan-Dan-Nudeln. Auf eine cremig-würzige Sesam-Brühe mit angebratenem Hühnerhack, Chili-Öl, Pakchoi und dem charakteristischen Szechuan-Schärfekick hatte ich so richtig Lust. Und gegen ein knuspriges „Add-on“ (Tempura-Garnele) hatte ich auch nichts einzuwenden.
Vorweg durfte es ruhig ein wenig „kara-agierter“ zur Sache gehen. Sechs doppelt frittierte, knusprige Hähnchenstücke mit japanischer Mayo und Wakame („Chicken Kara-age“, 6 Euro) bestimmten zusammen mit zwei Süßkartoffelkroketten (5 Euro) das gar nicht mal so fettig ausfallende Vorspeisenprogramm.
Die beiden Kleingerichte wurden zusammen serviert. Kross frittiertes Fingerfutter, mit dem ich den grauen Februar-Freitag in fernköstliches Licht rückte. Die milden, leicht süßlichen Kroketten bildeten dabei einen schönen Gegenpol zu den herzhaft knusprigen Hähnchen-Nuggets, deren Panierung eine angenehme Textur hatte und durch mit saftigem Fleisch punkteten.
Am Nebentisch ließ man sich die Takoyaki (Oktopusbällchen) schmecken. Die sahen auch klasse aus und sind für den nächsten Besuch bereits vorgemerkt.
Gut, dass ich die Nudelsuppe in der kleineren Größe geordert hatte, denn meine beiden Appetizer aus der Fritteuse entließen mich gut vorgesättigt in Richtung Hauptspeise.
Wie schrieb einst mein leider auf diesem Portal verstummter Vor-Rezensent aus dem nördlichen Schwarzwald über seine Kara Miso Ramen: „Die Schärfe war auf den Punkt, der Magen wurde angenehm gewärmt, ohne dass die Nase über Gebühr tropfte…“.
Ähnlich erging es auch mir. Die Brühe wärmte von Innen, während knackiger Pakchoi, frische Frühlingszwiebel, scharf gewürztes Hühnerhack und noch leicht bissfeste Nudeln um die Gunst ihres „Schlürf-Verweigerers“ buhlten.
Gerösteter Sesam und Chili-Öl steuerten nussig-milde und leicht feurige Akzente bei. Ich löffelte hemmungslos aus dem Trüben. Die à Part gelieferte Garnele in Knusperhülle stippte ich in eine gut abgeschmeckte Wasabi-Mayo und war dankbar über die geschmackliche und texturelle Abwechslung.
An die aromatische Würze der Tantanmen-Brühe könnte ich mich glatt gewöhnen. Sie bildete die Basis für eine vollmundige Nudelsuppe, deren herzhaft-cremige Grundstruktur die frischen und scharfen Einlagen in einem intensiven Geschmacksbild vereinigte. Gut, dass da die eher neutralen Nudeln die kräftigen Umami-Spitzen etwas „stutzen“ konnten.
Ich war zwar noch nie in Japan, aber anscheinend soll es in der Min Ramen Bar ziemlich authentisch zugehen (wenn man den Worten eines kulinarischen Japan-Kenners auf Tripadvisor Glauben schenkt). Die Kombination aus lebendiger Atmosphäre und winterlichem Suppenglück hat mir jedenfalls sehr gut gefallen.
Auch der stets freundliche, sympathisch agierende Service gehört zu den großen Pluspunkten dieses beliebten Asia-Lokals. Und nicht zuletzt die hier in die Schüssel gebrachte Ramen-Qualität, die das Restaurant aus der Masse der Läden mit fernöstlicher Küche abheben. Die formidablen Nudelsuppen stellen hier zweifellos das kulinarische Aushängeschild dar und erklären die vielen positiven Rückmeldungen im Netz.
Wer also mal in Karlsruhe auf der Suche nach einer glücklich machenden Ramen-Suppe ist, der sollte (nicht wie ich) an der unscheinbaren Min Ramen Bar vorbeigehen, sondern unbedingt hineingehen! Ohne Reservierung wird es allerdings schwer, einen der begehrten Plätze zu ergattern.