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GastroGuide-User: AndiHa
hat Trattoria da Anthoni in 71409 Schwaikheim bewertet.
vor 1 Jahr
"Das kann was werden"
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Geschrieben am 20.02.2020 | Aktualisiert am 21.02.2020
Besucht am 16.02.2020 Besuchszeit: Mittagessen 2 Personen Rechnungsbetrag: 39 EUR
Der TSV Schwaikheim hat’s auch nicht leicht mit seinem Vereinsheim.
Erst kündigte der langjährige Pächter des Restaurant Wiesental der sich über die Kreisgrenzen hinaus einen ausgezeichneten Ruf erkocht hatte (allerdings vermute ich eine Kündigung altershalber).
Dann wurde der geplante Folgepächter im Januar 2018 in einer konzertierten Aktion der Polizei und Carabinieri, welcher um die 150 Mafiosi in D und IT zum „Opfer“ fielen, dingfest gemacht und mittlerweile rechtskräftig hinter schwedische Gardinen verbracht.
Dann folgte ein weiterer Pächter mit italienischer Küche welcher in Bad Cannstatt wohl schon erfolgreich eine Pizzeria betrieben haben soll und konnte uns bei unserem Besuch im Sommer 2018 alles andere aber nur nicht überzeugen (Bericht ist noch online, wenn man den Link kennt ;-): http://www.gastroguide.de/restaurant/72219/restaurant-wiesental/schwaikheim/)
Und dann ging auch dieser, für uns absolut nachvollziehbar, den Bach runter.

Laut Bericht in der Zeitung um den Jahreswechsel wurde als Grund schwächelnder Umsatz genannt. Wir hätten dem entgegengesetzt: Der Umsatz passte sich eben der Küchen- und Serviceleistung an.
 
Im selben Bericht wurde vom neuen Pächter berichtet, welcher zuvor in Fellbach sehr erfolgreich die regional bekannte Weinstube Mack (Vinothek, Trattoria) bewirtete.
Das ließ uns aufhorchen und als uns dann Berichte erreichten, daß das Haus dauernd brechend voll wäre, war ein Besuch ins Auge gefasst.
 
Frauchen hatte sich endlich soweit erholt, daß ich es Freitag zuvor wagte mal einen Tisch für zwei Personen auf Sonntagmittag zu reservieren. Das war gar nicht so einfach. Weder auf der Festnetz- noch auf der Mobilnummer erreichte ich bei mehrfachen Versuchen jemanden.
Irgendwann hatte es dann doch geklappt und ein freundlicher Herr mit extremem italienischen Zungeneinschlag bestätigte mir diese.
 
Wir waren ja schon 2018 da und an der Parkplatzsituation hatte sich dank Sportgelände und Halle nichts geändert.
Erstmals hatten wir aber auch die Barrierefreiheit im Blick. Auch da dürfte es entspannt zugehen, wenngleich aber ein anderer Parkplatz gewählt werden sollte als den hinter der Halle (Treppen).
Die Barrierefreiheit der Toiletten (im allgemeinen im UG) haben wir aber dummerweise vergessen zu erfragen.
Man sieht: Wir sind zwar bemüht aber eben nicht betroffen.
 
Am Eingang wurden wir erstmal gebeten kurz zu warten und eine eventuelle Reservierung abgefragt. Hernach nahm sich ein Kellner (Anthoni) unserer an und geleitete uns zu unserem Tisch..
Nun ja nicht der tollste Tisch. Mitten im Raum, aber es war so gut wie alles belegt. Dafür hatten wir genug Platz an diesem Vierertisch. Und wegen der Knipserei habe ich meine Hemmungen mittlerweile derart abgelegt, daß sogar schon meine Frau mich zügeln muß.
Des Weiteren war noch der geöffnete Nebenraum belegt und eine Gesellschaft zugegen. Das führte zu einer nicht ganz so angenehmen Geräuschkulisse über die wir uns irgendwie etwas zu lange „erfreuen“ durften.
Zu lange aus zweierlei Gründen.
Erstens benötigte es noch geraume Zeit bis diese Gesellschaft endlich ihr Essen hatte, der restliche Raum leerte sich in der kommenden Stunde zusehends, und
Zweitens, unser Essen dauerte ebenfalls über Gebühr lange.
 
Aber zuerst kamen alsbald die Karten an den Tisch. Derzeit natürlich auch auf aktuellem Stand einsehbar auf der HP. Hoffen wir mal, daß dem in ein oder zwei Jahren noch immer so ist.
 
Nach dem uns wohl der Namensgeber Anthoni an den Platz führte war erst nach fast leicht unangenehmer Zeit ein anderer Kellner greifbar welcher unsere Getränkewünsche aufnahm.
 
1x Weizenbier (0,5l zu 3,60)
1x Spezi (0,33 aus der Flasche zu 2,70) und
1x San Pellegrino (0,75l zu 4,50)
 
Ganz klar, der Laden brummte, aber man sah auch viele unnütze Gänge mit leeren Händen. Ok, das Haus läuft hier erst seit 5 Wochen und vieles muß sich sicherlich noch einspielen. Wahrscheinlich gerade wenn so viel los ist.
 
Aber es dauerte schon etwas bis dann endlich unsere Getränke kamen und hast Du nicht gesehen war schon die nächste halbe Stunde rum und ich versuchte verzweifelt der Ebbe in meinem Glas Abhilfe herbei zu rufen.
Es tut mir einfach in der Seele weh
wenn ich im Glas den Boden seh’!
 
Der erste Versuch verlief im Sande und der zweite dauerte auch mal wieder (diesmal beim Zweitkellner). Der aber funktionierte.
 
Zwischenzeitlich wurde die Gesellschaft abgevespert und die Geräuschkulisse wurde durchaus angenehm.
 
Dann war auch unsere Gedenkstunde vorbei und unsere Speisen kamen.
Zeitgleich!
Meine Frau erbat noch ihre
 
Dorade vom Grill mit Gemüse und Kartoffeln (16,90)
 
zu entgräten was vom „Zweitkellner“ sehr gewissenhaft und professionell direkt am Tisch geschah.
Das sah schon mal sehr gut aus.


Und meine Frau zeigte sich ausgesprochen begeistert. Die Dorade genau in dem Gargrad wie sie (und ich ebenfalls) es liebt. Ganz knapp nicht mehr glasig aber noch wunderbar saftig (schreibt man das so?). Geschmacklich ebenfalls wunderbar und sie benötigte das beigelegte Zitronenviertel eigentlich nicht.


Das mitgelieferte Gemüse z.T. ebenfalls angegrillt fand auch großen Gefallen. Selbst die Auberginenscheiben, manchmal ja einfach ein toter Brei, sehr gut. Das gekochte Gemüse mit feinem Biss begeisterte sie genauso.
Gegen Ende wurde das Essen aber leider etwas unangenehm kalt. Da wären vorgewärmte Teller sicher keine ganz so blöde Idee.
Dennoch war meine Frau letztlich hochzufrieden.
 
Bis auf den, nicht angegebenen aber inkludierten, Salat.
Immer wieder das Thema: Warum Salat wenn er nicht angemacht ist? Auf dem Teller ist das mit Essig und Öl einfach schwierig und für gewöhnlich nicht zufriedenstellend erreichbar.
Landauf landab nennen die Italiener den Grund: Der Gast wolle das so.
Ich bin jetzt einfach mal pauschal (aber beileibe nicht fremdenfeindlich) und behaupte: Das ist Faulheit in der Küche und ein vorgeschobener Grund! Basta!
Das soll aber nicht diesem Haus angelastet werden sondern allen Küchen die dies so handhaben
.
 
Aber, wie gesagt, Frau glücklich, AndiHa glücklich!
 
Fehlt noch was?
Die Pizza!
 
Auf der HP erblickte ich eine vielversprechende Vertreterin ihrer Art.
Allerdings war in der Zutatenliste, also den verschiedenen Namensvettern, bzw.  –basen, keine mir passend belegte Variante dabei. Selbst die traditionelle Diavolo schmückte sich mit Spinat als Zutat.
Also ehrlich, wenn ich Grünzeugs essen will, dann gehe ich in den Garten rasenmähen und stelle mich mit offenem Mund vor den Auswurf.
So orderte ich eine Pizza mit Salami, Kapern, Knoblauch und scharfen Peperonchini welche später als Pizza Bella Italia zu 8,50 auf der Rechnung auftauchen sollte.
In Anbetracht der sonstigen Zusammenstellungen und der Preisgestaltung ein faires Angebot.
 
Sie sahr aber leider nicht halb so toll aus wie auf der HP.

Aber machen wir die Rechnung nicht ohne den Wirt.
Sie schmeckte absolut ausgezeichnet! Der Boden, der Teig und die Würze des italienischen Haus- und Hoffladens war einfach mitnehmend. Der Knoblauch war leider nicht gar so präsent wir erhofft. Ein paar Tupfer eingeweichtes Knoblauchgranulat ließen mich schon etwas konsterniert zurück. Die ganz zu Beginn schon bereitgestellte kleine Schale mit kleingeschnittenen Chilies in Öl hatte aber mächtig Bums und wäre das Tüpfelchen auf den „i“ gewesen.

Schon sehr sehr gut.
Da war es fast schon ausgesprochen schade, daß auch der Rand da nicht mithalten konnte. Er war nur leidlich luftig und so gar nicht recht nach meinem Gusto. Eher hart, aber das wird andereseits ja ebenfalls geliebt.
Das war aber das einzige Manko. Der liebe lange Rest war nachher dennoch einfach ratzeputz verputzt. Selten, daß nix mehr übrig bleibt aber das war schon eine Hausnummer.
Gut, wir hatten diesmal auch keine Vorspeise. Die Salate bzw. deren Varianten sprachen uns aber auch nicht wirklich an.
 
Irgendwann wurden dann unsere Teller von der Thekenfachkräftin abgeräumt. Die einzige Nachfrage war ob sie es denn abräumen dürfe.
Erst nach weiterer Wartezeit wurde dann Anthoni aus seinem Plausch im Nebenraum geholt und wir konnten dann bezahlen.
Das war schon etwas irritierend, daß es des Chefs benötigt und dieser sich eine Auszeit mit Anderen nimmt anstatt zugegen zu sein. Aber es war ja auch schon die zweite Stunde nach unserer Ankunft fast vorbei.
 
Dieser erfragte aber unsere Zufriedenheit und wir taten sie ihm kund. Mitsamt der unangenehmen Dauer des Aufenthaltes. Dies wurde dann freundlich weggelächelt. Das können sie unsere lieben Apenninbewohner.
Was sie nicht können war Bon. Darum baten wir ihn und flugs war er an der Kasse und fing an zu tippen.
Hach was sind sie doch vergesslich unsere lieben Mitbürger. Ohne unseren Hinweis hätte doch an dem Abend die Kasse nicht gestimmt. Wie gut, daß wir da waren. ;-)
 
Sicherlich hätte der Krone italienischer Teigwaren auch die eine oder andere Minute im Ofen noch gut zu Gesicht gestanden.
Ich vermute aber, daß der ganze Rummel hier einfach nicht eingelastet war und vielleicht sogar Teig nachgebaut werden musste. Vielleicht war auch das Knoblauchgranulatdingens dem geschuldet. Ich weiß es nicht. Ich weiß aber auch nicht was Knoblauchgranulat in der Küche allgemein zu suchen hat!
Wie auch die ganze Aufenthaltszeit irgendwie über Gebühr strapazier wurde.
Aber man sah, daß ordentlich was los war und das Verständnis unsererseits ist diesbezüglich schon da.
Wir werden definitiv wieder mal hier aufschlagen. In der Hoffnung, daß der ganze Ansturm irgendwann einmal ein klein wenig abebbt. Verstehen können wir diesen Ansturm aufgrund des Essens aber auf jeden Fall.
Wenn dann der Rand der Pizza die nötige Zeit genießen und aufgehen kann, kann das mitsamt dem heute Genossenen der Anfang einer tollen Sache werden.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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