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GastroGuide-User: AndiHa
hat Taverna Der Grieche in 73635 Rudersberg bewertet.
vor 2 Wochen
"Wenn die Flasche mit dem Ouzo kreist"
Verifiziert

Geschrieben am 18.03.2020
Besucht am 14.03.2020 Besuchszeit: Abendessen 2 Personen Rechnungsbetrag: 54 EUR
 
Bei einer Fahrt durch Rudersberg entdeckte ich vor Wochen am ehem. Bahnhof ein neues Schild mit der Ankündigung, daß hier alsbald ein Grieche aufmachen würde.
Aber halt was ist da passiert? Da war doch immer Buschles Bahnhof drin. Generationen von sehr guten Rostbraten und sonstigem medium oder medium-rare Gegrilltem zeugten von sehr guter Küche. Zuhause dann umgehend das Web angeworfen und erleichtert festgestellt, daß Buschle nach Winterbach in Wohnortnähe umgezogen war.
 
So hieß es für uns dann natürlich zu gegebener Zeit den neuen Griechen auch mal auszuprobieren.
Als sich dann beim Großmeister der Zweizeiler langsam die Kommentarspalten füllten hieß es, daß es jetzt offen war und wohl so schlecht nicht. So weit man diese Zeilen überhaupt dementsprechend interpretieren kann.
 
Natürlich hatte es dort (Bahnhof) noch immer mehr als ausreichend Parkplätze und noch immer war das Haus alles andere als barrierefrei. Es fing schon mit den Stufen in den Schankraum an und ging mit deren drei oder vier in den Gastraum weiter.
Aber auch noch immer war es hier rustikal heimelig und gemütlich. Auch überbordende Hinweise auf griechische Folklore fehlten nahezu vollständig. Es standen ein paar Flaschen in Fachwerksgebälknischen und das eine oder andere kleine Bild wurde aufgehängt.
In Summe sehr angenehm unaufgeregt.
 
Da hatte wir ja auch noch nicht mit dem Kellner (und Mitinhaber?) gerechnet.
 
Ein extremst umgänglicher, ja leutseliger und jovialer Vertreter seiner Zunft.
Man muß das aber auch mögen. Er ging jedenfalls zum Lachen nicht in den Keller und traf damit durchaus auf Gleichgesinnte.
Der obligatorisch Ouzo fand umgehend an den Tisch, oder gehörte er schon zur Deko? Genauso auch die Karten welche im ersten Blick keine Überraschungen beinhalteten. Eben was man beim Standardgriechen erwarten kann. Wobei ich den Mezzebereich nicht so genau gescannt habe. Dort tummeln sich gerne auch mal richtige Highlights.
 
Es sollte eben ein Spezischorle (0,4L zu 3,90) für meine liebe Frau und ein Weizenbier (0,5L zu 3,40) für mich sein.
Dabei hatte ich schon meinen Ouzo und den meiner Frau inhaliert (sie mag das nicht aber mir zuliebe sagt sie bei solch einem Angebot nie nein).
 
Als der Kellner wieder auf der Matte stand hatten wir unsere Essenswünsche noch nicht abschließend gefunden was aber auch kein Problem war und man solle einfach rufen wenn wir so weit wären.
Rufen war jedoch nicht vonnöten. War er ja sowieso regelmäßig im noch spärlich besetzten Gastraum zugegen und platzierte seine Sprüche oder spaßte mit den anderen Gästen herum.
Auch sollte der Ouzo an den Tischen keinesfalls ausgehen und die Flasche kreiste.
 
Wir kreisten derweil unsere Essenswünsche ein und platzierten
 
Zaziki (4,40)
 
„Spezial Knoblauchbrot mit Schafskäse, Tomaten und Kräutern“ (2,90)
 
 Feta Fornou, Feta mit Zwiebeln Tomaten und Peperoni aus dem Backofen (7,50)
 
Santorini Teller, Souvlaki, Bifteki, Gyros, Zaziki, Knoblauchkartoffeln und Salat (13,90)
 
Gyros Metaxa, Gyros in Metaxasoße mit Edamer überbacken dazu Reis (umbestellt in Pommes) und Salat (15,50)
 
Es ergaben sich, nicht zuletzt durch die fröhliche Unterstützung des Kellners, auch nette Gespräche mit dem Nachbartisch, welcher zwar nicht allzu weit weg stand aber durchaus die Privatsphärendistanz einhielt. Es war wahrlich nicht zu eng bestuhlt.
Kurzfristig fiel mir ein, daß ich den Reis nicht abbestellt hatte und ich wurde mit meinem Anliegen schnell an der Theke vorstellig wo mir umgehend versichert wurde, „mache ich leckere Knoblauchkartoffeln daraus“.
 
Der Knoblauch fehlte später irgendwie an den Kartoffeln aber auch am Zaziki.
Womit wir bei den alsbald gelieferten Vorspeisen wären.
 
Das „Spezial Knoblauchbrot“ entpuppte sich als eine ausgespochen aromatisch gepimpte, grundsätzlich schon anständige, Pitta.

Diese war zusammen geklappt und im Inneren die Tomaten-Knoblauch-Essenz beigegeben. Das hatte geschmacklich schon etwas Muskeln und fand großen Gefallen bei uns.
Leider konnte das Zaziki irgendwie nur locker, cremig aber belanglos zuschauen.


 
Der „Feta Fornou“ kam „al forno“ an den Tisch und schmeckte sehr gut. Klar, Schafskäse neigt bei Erhitzung etwas zum Bröckeln und Grisseln aber das war dennoch ansprechend und würzig abgeschmeckt.

Tomatenscheiben (erhitzt können sie im zeitigen Frühjahr ja schon ansatzweise schmecken), Zwiebeln und Kräuter begleiteten diese gelungene Vorspeise.

Zu den Vorspeisen wurde auch ein ausgesprochen aromatisches, frisch gebackenes Weißbrot mitgeliefert. War interessant und sehr luftig.Mitgeliefertes. geschmackvolles Weißbrot


 
In die, der Hauptspeise zugehörigen, Beilagensalatteller hatte ich nicht wirklich Erwartungen gesetzt.

Umso überraschter waren ich und meine liebe Frau, daß sie zwar vom Erscheinungsbild Stellvertretercharakter hatten aber vom Geschmack durchaus Wohlwollen bewirkten. Durchgehend nicht nur mit einer leichten sondern einer merkbaren und den Geschmack stärkenden Essenz angemacht würde ich mir das in vielen solchen Häusern wünschen. Plötzlich kann auch Eisbergsalat schmecken.
 
Die Hauptspeisen ließen sich noch eine kleine angenehme Zeit.
Zeit mal wieder den Kreisel raus zu holen. Mittlerweile stellte der Kellner die Flasche auf einen Nebentisch mit der Aufforderung an (Stamm-?) Gäste niemanden verdursten zu lassen.
 
Der Santoriniteller meiner Frau war ein etwas ambivalenter Genuss.


War das Souvlaki, Überraschung, nicht gänzlich totgebraten und hatte auch eine angenehme Würze erfahren, schien aber das Gyros irgendwie warm gehalten oder überbrutzelt. Es war schlicht weitgehend furtztrocken und zeigte punktuell auch eine seiner Hauptbestandteile nur allzu deutlich: Kohlenstoff.
Das verdarb meiner Frau schon ein klein wenig den Appetit.
Dafür war das Bifteki ein sehr guter Vertreter seiner Art. Schön saftig und gut gewürzt wusste es sehr zu gefallen.
Zur Beilage Zaziki auf dem Teller wurde schon alles geschrieben.
Die Knoblauchkartoffeln waren die allseits anzutreffenden frittierten Chips. Den Knoblauch trugen sie aber leider auch nur im Namen und nicht auf der Zunge.
 
Lange gebrutzeltes Gyros ist in einer Metaxasoße ja eigentlich ganz gut aufgehoben.

Und so konnte ich mit meinem Gericht eigentlich ganz zufrieden sein. Ja, vereinzelt war es mir auch da (vom Fleisch her) etwas eindimensional (nur noch kross) aber im Grunde war das überbackene Gyros in Metaxasoße eine richtig gute Wahl.
Ordentlich abgeschmeckte, sehr sahnige aber auch würzige Metakasoße begleitete das Gyros wirklich ansprechend. Wären die knackig-harten Kohlenstoffeinheiten nicht gewesen, dann wäre ich hellauf begeistert gewesen.
So war ich aber dennoch durchaus zufrieden mit einem meiner Lieblingsgerichte beim Hellenen.
Die Knoblauchkartoffeln wurden bei mir dann doch wunschgemäß als Pommes geliefert und waren soweit passend. Wenngleich ich die breiten dicken Dinger nicht wirklich bevorzuge.
 
So ganz zufrieden war ich letztlich aber dann doch nicht.
Meine Frau war etwas enttäuscht und Frau nicht glücklich ist immer so ein Thema.
Beim Resumee bei der Heimfahrt erwähnte sie aber, daß sie sich einen Wiederbesuch durchaus vorstellen könne, denn die Vorspeisen waren lecker und beim Griechen allgemein kann man sich auch da durch fressen. Habe ich erfolgreich auch schon mal gemacht. Da gibt es immer was zu entdecken.
 
Vielleicht war letztlich der Zeitpunkt für die Küche nicht ideal. Oder das ganze noch nicht ganz eingespielt. Das Haus gibt es mit dieser Küche erst ganz wenige Wochen. Es spricht schon für sich, daß beim Anruf zur Reservierung etwas gezögert wurde und der Schuppen eigentlich läuft.
 
Wir werden jedenfalls wiederkommen.
2 Weizenbiere (bezahlt) und 6 Ouzo (aufs Haus) sind ja auch ein gutes Argument ;-)
Aber das ist natürlich nicht wirklich unsere Intension! Aber netter „Beifang“.

 
Sollte Taverna Der Grieche die kommende Zeit überstehen. Zu wünschen wäre es ihnen!
 
 
 
 
 
 
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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