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GastroGuide-User: x2x
hat Palazzo im Wiedenhof in 42781 Haan bewertet.
vor 4 Monaten
"Gastronomische Kreativität in Zeiten von Corona"

Geschrieben am 29.03.2020 | Aktualisiert am 29.03.2020
* Knall auf Fall, so wurde plötzlich die Gastronomie extrem hart von Corona getroffen. Abschließen, dicht machen, Einnahmen von heute auf morgen auf 0,00 Euro und das alles auf unbestimmte Zeit. Mitarbeiter als Kurzarbeiter anmelden, oder entlassen. Miete und andere Betriebskosten laufen größenteils weiter. Wie lange ? Zwei Wochen, zwei Monate - das Scheiß Virus verändert unser Leben, schickt uns vielfach in die Pleite. Die Bundesregierung entwickelt in höchster Eile für den kleinen Mittelstand Hilfspakete. Aber wie lange helfen diese einem kleinen Gastronomen ? Zwei, vier oder sechs Wochen ? Und dann, dann steht das Virus immer noch vor der Türe mit der teuflischen Botschaft: "Du Gast kommst hier nicht rein".

* Die meisten Gastronomen stehen verzweifelt mit dem Rücken zur Wand. Doch es gibt auch einige wenige, die spontan reagieren, nach Übergangslösungen suchen und alternativ denken und handeln. Ein sehr positives Beispiel dafür ist Dominik Winter. In Haan in NRW (30.000 Einwohner) betreibt er im sehr ländlichen Ortsteil Gruiten (Dorf 6.000 Einwohner) das Restaurant Palazzo im Wiedenhof, mit Weinhandel. Er eröffnete das Restaurant vor knapp einem Jahr im April 2019 und das an einem Standort, der zwar im Einzugsgebiet Wuppertal, Solingen und Düsseldorf liegt, aber für alle von dort irgendwo 30 Minuten Fahrzeit bedeutet. Das Dorf Gruiten mit 6.000 Einwohnern hat nun mal nicht alleine die notwendige Gästezahl.

* Der Start verläuft vor einem Jahr recht gut. Doch dann am 15. März 2020 schreibt im die NRW Landesregierung vor - ab morgen ist auch bei Dir geschlossen. Hunderttausend Gastronomen in Deutschland trifft es genau so, haben dafür sogar fast alle Verständnis. Verständnis ist zwar eine positive Eigenschaft, hilft aber bei Corona nicht.

* Doch bei Dominik Winter ist das anders. Bereits am 17. März 2020 - also einen Tag nachdem ihm Umfeld alle anderen Gastronomen abschließen mussten, verkündet er auf seiner Homepage einen Lieferdienst. Er teilt präzise alles mit, was er dem Gast anbietet. Lieferkosten gibt es nicht, nur eine Mindestbestellmenge. Damit nicht genug. Er informiert die lokalen Medien, die Presse greift das Thema auf und berichtet. Zum Beispiel in der Westdeutschen Zeitung ein Artikel über fast eine halbe Seite. Dominik Winter wörtlich: "Ich kann nicht solange warten bis es staatliche Hilfe gibt, ich muss selber aktiv werden". Ihm ist klar das es ein Versuch ist und das sein Einzugsgebiet mit Haan und Gruiten nicht sehr groß ist. Ob er seinen Lieferdienst bis ins nahe Wuppertal erweitern wird, kann er noch nicht sagen. Das ist von der Entwicklung und anderen Faktoren abhängig. Konkret bietet er ein Beispiel für ein Menü an, das er liefert: * Rindercarpaccio, * Lamm Ragout * Mandel Panna Cotta. Winter versteht sich wohl nicht als Edel-Menü-Bringdienst, aber deutlich oberhalb von Pizza-China & Co angesiedelten Imbiss Fast Food Lieferdiensten. Natürlich kann der Gast auch selber das Essen abholen. In Vorbereitung sind bereits speziell auf den Lieferbetrieb ausgerichtet Menüs. Mit anderen Worten ist Dominik Winter schnell selber aktiv geworden.

* Keine Frage, viele Gastronomen können das aus sehr unterschiedlichen Gründen nicht so. Natürlich gibt es auch schon in anderen Orten erste Versuche ein "Corona-Überbrückungs-Angebot" zu offerieren. Aber bei den meisten Gastronomen ist Sendepause. Die meisten haben ihre Homepage noch nicht einmal verändert. Kein Banner auf der Homepage, keine Hinweise, kein Danke an die bisherigen Gäste - nichts. Gestern ist in einem großen NRW Anzeigenblatt in Wuppertal (Wuppertaler Rundschau mit redaktionellen Teil) mit einer Auflage von 200.000 Exemplaren eine 1/1 Seite erschienen, welche Dienstleister welche Dienstleistungen während der Corona-Krise anbieten. Darunter auch Konditoren und vieles mehr, aber nicht ein einziger gastronomischer Betrieb. Nur ein einziges Restaurant - das spanisches Restaurant, El Jamon/Wuppertal auch hier bewertet - teilt in einer Anzeige auf der ersten Seite der Zeitung mit, dass man dort das komplette kalte und warme Tapas Angebot bestellen kann und das die Tapas eine Stunde nach der Bestellung am Restaurant abgeholt werden können. Schön wäre allerdings noch, wenn es auf der Homepage des Restaurants einen Hinweis dazu geben würde.

Aber so ist das fast immer. Die Kreativen, die Aktiven und Gastronomen mit Ideen, sind häufig die Erfolgreichen. Auch wenn man in Corona Zeiten schon verdammt kreativ sein muss.


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