Asia HG
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Klosterwall 1-3, 42651 Solingen
Restaurant Lieferdienst Take Away
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GastroGuide-User: Shaneymac
hat Asia HG in 42651 Solingen bewertet.
vor 2 Wochen
"Lockdown Chronicles – The Final Episode: Solider Wok-Express für akute Asia-Gelüste"
Verifiziert

Geschrieben am 06.06.2021 | Aktualisiert am 06.06.2021
Besucht am 04.06.2021 Besuchszeit: Abendessen 2 Personen Rechnungsbetrag: 39 EUR
Leider machte der Freitagabend alle vorsichtig geschmiedeten Pläne für ein Essen in einer Außengastronomie wirkungsvoll zunichte, schon den ganzen Tag schüttete es in gewittrigen Episoden wie aus Eimern und am Abend zogen dann weitere heftige Gewitter durchs Land und das Wochenende sollte nicht besser werden.
 
Das tat mir leid für die hiesige Gastronomie, Anfang letzter Woche kündeten viele noch freudig von der Wiedereröffnung der Terrassen, am Freitag las ich dann vermehrt, dass einige am Wochenende gar nicht öffnen würden, weil es nur Absagen hagelte.
 
Aber es gibt mehr als Grund zur Hoffnung, schon ab heute dürfen die Innenräume mit Test & Co. wieder öffnen und dann ab Mittwoch, dank der endlich hinreichend niedrigen Inzidenz, Außen wie Innen ohne Pflichten außer der sicher erträglichen Kontakt-Nachverfolgung via Angabe seiner Daten.
 
Somit ist heute der Tag, auf den ich mich seit dem Winter freue wie in kleines Kind, der Tag, an dem ich „Final Episode“ in die Überschrift hinter den Pandemie Part setzen kann und ich hoffe sehr, dass dies mehr als nur ein frommer Wunsch sein und bleiben wird.
 
Da wir auch außerhalb der Pandemie hin und wieder bestellen wird es auch ganz sicher Lieferbewertungen geben wenn es sich anbietet, die allwöchentliche Liefersause allerdings so nicht mehr in dieser Form. Das war mein Beitrag zur Unterstützung der örtlichen Gastronomie und kein Selbstzweck, auch wenn es viel Spaß gemacht hat und ich es vor allem nicht bereut habe, die Berichte durch die erwähnten, sehr aktiven großen Facebookgruppen einer größeren Öffentlichkeit zugänglich gemacht zu haben.
 
Denn die dortige Resonanz hat mich unglaublich positiv überrascht und es hat nach eigenem Bekunden auch so manchem Betrieb nachhaltig geholfen. Denn ob man hier oder auf TripAdvisor innerhalb eines Monats für eine Kritik nur eine Handvoll Leser aus Nah und Fern hat oder innerhalb von 24 Stunden bis zu 800 Solinger, wie im Falle des New Orleans in SG Ohligs, macht natürlich einen eklatanten Unterschied in Sachen lokale Wirkung und das hat motiviert. Daher werde ich das dortige Posten auf vielfachen Wunsch hin auch bei regulären Kritiken fortführen und denke, dass diese Gruppen in Teilen auch nach dem Lockdown noch sehr aktiv genutzt werden um den lokalen Handel und die Gastro zu unterstützen.
 
Unterstützen wollte ich am Freitag dann endlich auch das nahgelegene „Hartmanns im Windhövel“, das krankheitsbedingt längere Zeit schließen musste und von mir Ende 2019 schon vorgestellt wurde.
 
Aber die schwül-warme, drückende Gewitterluft erstickte jeden Gedanken an deftige Kost quasi im Keim und aus einer Laune heraus entwickelte sich Lust auf etwas halbwegs Bekömmliches aus dem Wok.
 
Nun habe ich es ja nicht nur hier allen schon oft vorgejammert: Solingen und Asien sind kulinarisch gesehen nicht unbedingt die fruchtbarste Paarung auf diesem Planeten um es vorsichtig zu sagen.
 
Natürlich gibt es das ein oder andere All you can eat-Buffet – wobei mir da gerade auch nur noch die Chinesische Mauer am Grünewald einfällt wenn ich ehrlich bin – und diverse preiswerte Lieferdienste, allerdings ist das alles immer nur der brutale „Crispy Chicken meets greasy noodle“-Mainstream, den es überall zu finden gibt.
 
Der ein oder andere bietet zwar noch sehr klassisches Sushi an, aber im Bereich der warmen Speisen ist das Angebot absolut austauschbar und wenig spannend um es höflich auszudrücken.
 
Auch meide ich diese Läden eigentlich nicht zuletzt wegen des meist nebulösen Fleisches, dass angesichts des Preiskampfes in diesem günstigen Genre – vor allem bei den Buffets – sicher nicht gerade vom Bauernhof aus Bullerbü stammen dürfte, egal ob beim Lieblings Vietnam Imbiss oder bei Changs 8,90€ AYCE Buffet.
 
Aber nach über einem dreiviertel Jahr Asia-Abstinenz und in Ermangelung von Alternativen wollte ich auch mal fünfe gerade sein lassen und endlich Solingens best-bewerteten Asia-Lieferservice ausprobieren, zumal dieser auch eine „Japanische Gerichte“-Rubrik in der Karte präsentiert.
 
Supel, Fleunde lasst die Gasblennel blüllen und die Woks lotielen am Klostelwall!!!
 
 
 
| Bestellung & Lieferung |
 
Da sich jede Google-Bewertung zum „Asia HG“ – die überfliege ich manchmal wenn ich sonst nichts finde an Meinungen – fast überschlug mit begeisterten Hinweisen auf Lieferungen im Überschalltempo ersparte ich mir das Vorbestellen am Nachmittag. Wir riefen erst kurz vor halb neun im Restaurant am Rande der Innenstadt an, das auch nicht wenige Tische zu bieten hat und von den in der Nähe arbeitenden Angestellten auch gerne in der Mittagspause aufgesucht wird.
 
„Wir“ will in diesem Falle heißen Madame Shaneymac, und die berichtete von einem freundlichen jungen Mann aus der Fraktion „Habsch gestern voll krasse BMW Ehssechsundreißisch gesehen!!“ der jede Position nochmals wiederholte und zwei kleine Fragen direkt in der Küche klärte, sehr nett.
 
Um kurz nach neun wurde brüllend heiß und nicht minder freundlich geliefert, an den gebratenen Nudeln habe ich mir fast die Finger verbrannt und sprintete fast mit dem so ungeschickt angefassten Behälter in die Küche wo kaltes Wasser Abhilfe versprach.
 
Nichts roch nach altem Fett oder triefte von selbigem, die Suppe duftete ebenso verheißungsvoll wie die beiden Hauptgerichte, das hätte schon optisch schlimmer kommen können:





 
 
| Vorspeisen |

Tom Kha Gai – 3,50€
Gebackene Garnelen – 4,50€
Gebackene Wan-Tan – 3,00€
Kroepoek – 1,50€
„Pikante“ Sauce – 2,00€
 
 
 
2019 „Tamashi“, Cuvée Riesling & Grauburgunder, Weinhof Dietrich, Großkarlbach, Pfalz
 
 
Thailands gefühlte Nationalsuppe, die Tom Kha Gai, sollte eine sehr positive Überraschung darstellen, nicht nur die zu erwartenden Aromen von Kokosmilch, Galgant und Zitronengras waren klar zu vernehmen, sondern die Suppe wurde auch auf einem soliden Fond aufgebaut, Helferlein in dieser Hinsicht  waren nirgends zu schmecken, dass man hier mit Glutamat kocht glaube ich dennoch felsenfest.

Tom Kha Gai
 
Üppige Einlage aus Champignons, etwas Karotte und Bambus sowie zartes mageres Hühnerfleisch, die Brühe mit idealer Schärfe, in Summe eine sehr wohlschmeckende Angelegenheit, zumal zu diesem kleinen Preis, würde ich jederzeit gerne wiederbestellen!


 
Die gebackenen Garnelen, Ebi Tempura, könnten durch die ungleichmäßige Ausführung durchaus hausgemacht sein, was sich mit der Selbstdarstellung auf der Homepaghe decken würde aber ich gebe zu, dass ich in dieser Gastronomie da stets sehr vorsichtig bin und das nicht glaube. Das ist aber vielleicht auch ein eher gemeines Vorurteil, ich sage nur Stichwort „Hollandaise“ in der ach so ehrlichen germanischen Gastronomie.

"Gebackene Garnelen"
 
Der Teig ist mir bei dieser Zubereitung eigentlich fast immer zu dick, wobei sich hier die Relation Teig / Garnele noch in stimmigen Dimensionen bewegte. Die Garnelen waren noch saftig und man konnte sie, wie die Wan-Tans problemlos als Fingerfood behandeln, ohne dass man sich nach jedem Exemplar die Hände waschen musste.
 
Dazu gab es Süß-Sauer-Soße, die nicht nur die übliche Charakteristik besaß, sondern noch eine gewisse Tiefe, die mich etwas an Five-Spice-Powder erinnerte, lecker.

Süß-Sauer-Sauce
 
Ich dachte eigentlich, die „pikante Soße“ auf der Karte wäre in der Menge ähnlich bemessen, wurde aber für die zwei Euro in einer Menge geliefert, mit der man ein Wokgericht für zwei Personen hätte zubereiten können.

„Pikante“ Sauce
 
Sie sollte an eine klassische Kun-Bao Soße erinnern, hätte aber mehr Schärfe vertragen können und etwas mehr Raffinesse, da war mir etwas zu viel Asia-Generik im Spiel, aber das ist auch etwas spitzfindig angesichts dieses Preises.
 
Die frittierten Wan-Tans überzeugten weniger mit ihrer zwar schmackhaften, aber relativ knapp bemessen vegetarischen Farce im Inneren, als mit einem Teig in idealer Dicke und ebensolchem „Garpunkt“.

Gebackene Wan-Tan
 
Herrlich knusprig, überhaupt nicht fettig und durch den dünnen Teig auch nicht unangenehm sättigend, prima Vorweg-Snack-Dip-Spaß, jedes Exemplar machte Lust auf das nächste.
 
Ich persönliche hasse Kroepoek aber Madame liebt es abgöttisch und war sehr zufrieden, warum Dinge toll sind, die aussehen wie Verpackungsfüllmaterial und für meinen Gaumen auch so schmecken, ist mir schlicht unbegreiflich. ;-)

Kroepoek
 
Den begleitenden „Konzept-Wein“ von Dietrich aus der Pfalz, der in Kooperation mit einem bekannten Weinhändler entstand, hatte ich schon länger gebunkert, da ich eigentlich im Lockdown auch mal Sushi bestellen wollte, wozu es jedoch nie kam.

2019 „Tamashi“ (hübsches Etikett, bitte anklicken sofern auf PC oder Mac betrachtet wegen Hochformat)
 
„Der richtige Wein öffnet den Weg zum Genuss des Sushi!“ heißt es auf dem Rücken der Flasche und es hat einen Grund, warum renommierte japanische Häuser wie das Bochumer Takeshi diesen Wein anbieten.
 
Die fein balancierte Restsüße macht schon fast einen feinherben Eindruck und passte ideal zu den heutigen Saucen, vor allem auch bei meinem folgenden Hauptgericht. „Der Riesling bringt die Frucht, die Klarheit, die Finesse und das Spiel hinein. Der Grauburgunder komplettiert dabei diesen Wein mit viel Schmelz, einer zarten Rundheit sowie einer tollen Länge. Perfekt selektioniert zu Sushi.“ schreibt der kompetente Handel auf weine-feinkost.de über diese gelungene Cuvée, ganz prima zu diesem Preis.
 
 
 
| Hauptgerichte |

Gebratene Udon mit Rindfleisch – 8,50€
Japan Sesam Duck – 9,50€
 
In der japanischen Sektion der Karte setzt man teilweise auf englische Titel der Gerichte, was ich aber in diesem Asia Kontext erträglich finde, zumindest ist die „healthy Hipster Bowl“ in weiter Ferne.
 
Meine Knuspel-Ente mit Sesam, Teriyaki-Sauce und gekochtem Reis wurde so zur Japan Sesam Duck aber das sollte meiner grundsätzlichen Zufriedenheit mit dem Gebotenen keinen Abbruch tun.

"Japan Sesam Duck"
 
Das Fleisch lag nicht auf oder in der Sauce und war auch nach dem Warmhalten im Ofen noch gesteigert knusprig. Was viele gar nicht realisiert haben ist, dass das Fleisch bei den Asia-Knusper-Enten Gerichten nicht automatisch von der Entenbrust stammt, wenn es nicht so deklariert wird.
 
In den allermeisten Fällen handelt es sich um entbeintes Keulenfleisch, das sich m.E. teilweise auch besser zum Liefern eignet, da es saftiger bleibt.
 
Und das tat es, es war nicht im Ansatz trocken, schön zart und wie erwähnt noch mehr als hinreichend knusprig – „duckycrispylicious!“ würde der verehrte Kenji López-Alt vielleicht urteilen.
 
In der leicht süßlichen, gelungenen Teriyaki befand sich neben einer generösen Menge weißen Sesams, der auch gut durchschmeckte, noch bissfest gegarte Gemüse: Broccoli, Blumenkohl, Champignons, Zwiebeln, Paprika und grüne Bohnen.
 
Das war im Rahmen eines solchen Angebotes zu diesem Preis völlig OK und ließ sich mit Appetit verspeisen, das geht in diesem Genre doch erheblich schlechter!
 
Seitdem „gebratene Udon Nudeln“ vor einiger Zeit mal ein von mir entdecktes Tagesrezept auf einer der einschlägigen Rezeptseiten war, liebt meine bessere Hälfte diese Variante sehr.

Gebratene Udon mit Rindfleisch
 
Wir hatten sie mit frischen Nudeln aus dem Asia Laden (grrrrr…..ich habe mich gerade zum 20. Mal bei Asia vertippt und „Asis“ geschrieben, sollte mir das einmal unentdeckt durchgehen ist es nur Flüchtigkeit und kein flacher Witz….) zubereitet, die noch erheblich dicker sind als die hier abgelichteten.
 
Die Mitesserin war sehr angetan, das Fleisch war zart, die Sauce und das Gemüse ähnelte sehr meinem Gericht bzw. war exakt deckungsgleich, da es sich natürlich auch um ein Gericht aus der Japan Ecke der Karte handelte.
 
Würde auch sie jederzeit wieder bestellen wenn es zu einer Wiederholung kommt soll ich ausrichten, dem komme ich hiermit natürlich untertänigst nach.
 
 
 
| Dessert |
 
Tirami… (kleiner Scherz…)
Gebackene Banane – 3,00€
Gebackene Ananas – 3,00€
 
Die beiden einzigen Optionen bei den Desserts: die in Tempura ausgebackenen Früchte mit Honig, zumindest ohne erstere wäre kein Asia Buffet komplett möchte man meinen.

Gebackene Banane & Ananas
 
Rein kulinarisch gesehen sicher Kindergeburtstag vom Feinsten aber der kann ja auch gut gefallen, zumal wenn die Dinge frisch zubereitet werden und nicht schon seit 90 Minuten auf einem Buffet rumlungern.
 
Natürlich hatten sie etwas gelitten im Ofen, war aber immer noch knusprig und weit entfernt von Pamp, vielleicht auch, weil man es mit dem Honig etwas sparsam meinte.
 
War aber kein Beinbruch, wir haben immer ein paar schöne Honige da – Deinen, lieber Carsten,  wollte ich heute aber nicht opfern bzw. neu anbrechen – und somit verhalf etwas regionaler Bio Waldhonig aus eigenem Bestand zum nötigen Glanz obenauf.
 
Dass die Ananas nicht unbedingt erlesene Flugware sein konnte dürfte auf der Hand liegen, aber meine Güte, das Ganze schmeckte so wie es sollte, kam aus frischem Fett ohne jeden Fehlton: so infantil, so lecker, Punkt.
 
 
 
Die Vorspeisen und das Dessert schafften wir an diesem Abend, von den Hauptgerichten blieb noch etwas übrig. Ich war angesichts der Witterung zufrieden mit meiner Wahl, denn die eigentlich anvisierte deftige Brauhausküche wäre an diesem Abend etwas für die ganz Hartgesottenen gewesen, die sich auch in den Tropen bei 34 Grad in der Regenzeit Grünkohl mit Mettwurst in den Schädel schaufeln könnten – und dazu gehöre ich leider nicht.
 
 
 
Fazit
 
Für das, was wir bezahlt haben und angesichts dessen, was ich mit solchen kleinen Asia Restaurants schon erleben musste, war das aller Ehren wert in punkto dessen, was man darstellen will und ich erwartet habe. Grundsolide vier Sterne für die Küche und gelungenes, im Besten Wortsinne „preiswertes“ Essen mit Luft nach oben in Details.
 
Den Service sehe ich wie immer wenn Freundlichkeit am Telefon und bei der – pünktlichen bzw. in diesem Falle schnellen – Lieferung vorherrscht, sowie die Speisen gut und sicher heiß geliefert werden bei fünf Sternen.
 
Das Preis-Leistungs-Verhältnis sehe ich ebenfalls bei guten vier Sternen, das passte alles.
 
Bei der Gesamtwertung komme ich im Kontext der Solinger Asia Lieferdienste ebenfalls auf gute vier Sterne und damit ist Asia HG für meine Begriffe der beste unter ihnen, denn der Rest hätte teilweise mit zwei Sternen leben müssen, je nachdem wo man was bestellt.
 
Daher eine Empfehlung, und dennoch bleibt in Sachen Asien immer der neidische Blick nach Köln und Düsseldorf, wenn man denn neugierig ist und weiß, dass der Kontinent weitaus mehr zu bieten hat, als das, was man in Solingen auf den einschlägigen Karten findet…  
 
 
 
 
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
keine Wertung
Essen
Ambiente
keine Wertung
Preis/Leistung


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NoTeaForMe und 19 andere finden diese Bewertung gut geschrieben.