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GastroGuide-User: Gaston
Gaston hat Löwengrube by Amadeus Kura in 79098 Freiburg im Breisgau bewertet.
vor 5 Stunden
"Löwengenuss satt statt Glühweinstress"

Geschrieben am 05.04.2026 | Aktualisiert am 05.04.2026
Besucht am 05.12.2025 Besuchszeit: Abendessen 2 Personen Rechnungsbetrag: 240 EUR
Auf unserer Entdeckungstour durch die Freiburger Innenstadt suchten wir nach einer Gastronomie, die nicht nur sättigt, sondern begeistert. Der Weihnachtsmarkt mit Glühwein, heißen Maronen und Bratwurst lockte zwar die Masse, doch uns stand der Sinn an diesem Abend nach feinerer Küche – wir wollten nicht nur essen, sondern genießen. Die ersten beiden Kandidaten? Enttäuschend auf den ersten Blick. Also entschieden wir uns für den „umgekehrten Weg“: nicht von unten nach oben, nicht von Rostbratwurst zum Flammkuchen, sondern gleich gezielt ins Gourmet-Revier südlich des Münsters.
Wolfshöhle oder …? Da kam uns die Löwengrube in den Sinn, unweit davon in der Konviktstraße – unsere Erwartung: etwas legerer und preislich zugänglicher als die besternte Wolfshöhle. Telefonisch blitzschnell reserviert – und schon standen wir im Portal zu einem kulinarischen Abenteuer
(unser Erstbesuch).

Ambiente:
Die Löwengrube kombiniert die charmante Patina einer alten Weinstube mit modernem, gemütlichem Flair. Holzvertäfelungen, elegante Tischdekorationen und dezente Beleuchtung schaffen eine warme, einladende Stimmung – perfekt für ein entspanntes Gourmet-Erlebnis abseits des Weihnachtsmarkttrubels und Glühweinarien.
 
Kulinarische Philosophie:
Chef de Cuisine und Inhaber Amadeus Kura liebt regionale, saisonale Zutaten und interpretiert sie kreativ, modern und manchmal mit einem kleinen Augenzwinkern. Die kleine, feine Speisekarte wechselt regelmäßig und ist ein Fest für alle, die klassische Gerichte in überraschend neuer Gestalt genießen wollen.

Startschuss:
Eine Focaccia vom „Brotbruder“ (ebenfalls aus Freiburg südlich der Dreisam) – schlicht, mit vollem Sauerteigaroma, einer dezenten Kräuternote und etwas nativem Olivenöl.
Ein Auftakt, der sagt: „Die einfachsten Genüsse sind manchmal die außergewöhnlichsten.“

Wein:
Wir entschieden uns heute für eine einzige, aber ausgesuchte Flasche. Die Weinkarte ist sorgfältig kuratiert,
legt den Fokus auf Baden und Pfalz, Bioweine und seltene Kleinproduzenten – ein Fest für Weinliebhaber.
Der Sommelier war sachlich-streng, aber kompetent. Gemeinsam landeten wir bei: Bernhard Huber, Malterdinger Chardonnay 2022. Elegant, klar, ein kräftiger Begleiter, der nie zu laut ist, aber durch das Holzfass bereits Charakter entwickelt hat.

Vorspeise:
Poschiertes Ei, Topinambur, Pilz, Soja – luftig, cremig, feines Pilzaroma, das sich wie eine Wolke um das perfekt gegarte Ei legt. Jeder Bissen eine kleine Textur- und Aromarevolution – ein Auftakt, der das Genießer-Herz höherschlagen lässt.

Hauptgang 1:
Rochenflügel mit Aztec Gold, Kapern und Miesmuscheln – außen herrlich angebräunt, innen glasig, leicht angewärmter Kern. Goldgelbe Kartoffeln schwimmen in einem buttrigen Fisch-Muschelfond, während die ausgelösten Miesmuscheln den edlen Fischflügel krönen. Jeder Bissen: wie eine Mini-Reise in die Bretagne.

Hauptgang 2:
Hirschkalb, Rosenkohl, Gnocchi, Birne – rosa, leicht geröstet, zart und perfekt gegart (Sous-Vide?). Die Gnocchi in Törtchenform mit Maronen, Rosenkohlblätter angebraten, marinierte Birnenstücke kunstvoll wieder zu einer Birne geformt – alles auf einer feinen Wildfondreduktion. Ein Gericht, das nicht nur die Augen, sondern auch den Gaumen verwöhnt.

Käse:
Auswahl Waltmann, Apfelsenf, Früchtebrot – ein kleines Weihnachtsmärchen auf dem Teller. Maître Affineur Waltmann aus Erlangen liefert eine Auswahl vom Feinsten: optimale Reife, intensives Aroma, dazu die jahreszeitlich passende Beilage – süß, würzig, festlich zugleich.

Dessert:
Apfel, Zimt, Karamell – Apfel-Zimt-Sorbet mit Crunch auf Apfel-Karamell-Kreation. Leicht, frisch, aber mit dem süß-würzigen Kick, der sofort ein Lächeln auf die Lippen zaubert.

Espresso:
Mit gebrannten Mandeln – ein letzter Augenzwinkerer an den Weihnachtsmarkt.

Fazit:
Die Löwengrube ist ein Refugium für alle, die Genuss ernst nehmen – aber auch lockere, unkomplizierte Leichtigkeit schätzen. Chef Amadeus Kura zaubert Gerichte, die auf der einen Seite weltbürgerlich und experimentierfreudig sind, auf der anderen Seite farm-to-table: saisonale, regionale Produkte, kreativ kombiniert. Zeitgemäß, leicht und überraschend – nie langweilig, nie konventionell.
Wein, Service, Ambiente – alles passt stimmig zusammen. Sicherlich nicht nur zur Adventszeit eine Fluchtburg für Genießer. Die relativ hohe Zahl von Sternerestaurants in Freiburg ist sicher ein Ansporn für die Küche, unsere Erwartungen hat sie voll und ganz erfüllt – in einem angenehmen Rahmen mit ebenso angenehmem Preis-Leistungs-Verhältnis. Wir waren begeistert.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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