Zurück zu Walsumer Brauhaus Urfels
GastroGuide-User: Minitar
hat Walsumer Brauhaus Urfels in 47167 Duisburg bewertet.
vor 4 Jahren
"Hier steppt der Bär!"
Verifiziert

Geschrieben am 23.10.2015
Besucht am 21.10.2015
Brauhäuser kenne ich als Süddeutsche noch am ehesten aus dem bayrischen Raum. Umso erstaunter war ich, hier in Duisburg, ganz unweit des beeindruckenden Walsumer Kraftwerkes (geradezu im Schatten desselben) ein sehr zünftiges, urwüchsiges, bestens besuchtes Brauhaus zu finden. Meine hiesigen Verwandten schwören darauf, kommen gerne für Familienfeiern und kleine Festlichkeiten hier her, zumal es über einen abgetrennten, etwas ruhigeren Nebenraum verfügt, wo man ganz unter sich ist. Ansonsten ist im großzügigen Hauptraum, dessen „Seitenarme“ über halbe Etagen abgehen, ziemlich viel Remmidemmi und ein Mordsbetrieb angesagt. Das Lokal ist extrem beliebt, was man schon am proppevollen Parkplatz auf der Strassenseite gegenüber ablesen konnte. Trotz des beachtlichen Alkoholangebotes scheinen hier alle Besucher mit dem Auto zu kommen (allerdings weiss ich gar nicht, ob man auch mit Öffis anreisen könnte). Auf dem Weg zum Lokal, das übrigens über einen sehr schön und geschmackvoll gestalteten Aussenbereich verfügt, wo man bei schönem Wetter bestimmt stimmungsvoll draussen essen und trinken kann, kommt man übrigens an der hiesigen Sinalco-Fabrik vorbei. Wieder was Neues entdeckt!
 
Wir waren an einem normalen Wochentag abends gegen 19 Uhr zu Gast. Da wir nicht reserviert hatten, standen wir anfänglich etwas verloren herum, denn das Lokal war voll bis oben, sogar ein ausgehöhltes Weinfass war besetzt. Das Brauhaus ist ziemlich zünftig eingerichtet, mit auf alt und rustikal getrimmten Holzmöbeln, steinernem Fussboden, glänzend poliertem Messingbraukesseln, etwas schmiedeeisernem Schmuck und herrlichen Accessoires. Hier sind übrigens handgebraute naturtrübe Bierspezialitäten angesagt! Die kann man in Riesensyphons abfüllen lassen und so auch nach Hause schleppen. Ich empfehle allerdings eher die Konsumierung vor Ort.
 
Es ist eine Riesenarmada von Servicekräften in feschen Dirndln oder karierten Hemden unterwegs, überaus flink und geschäftig und ständig herumwuselnd. Bald wurden wir entdeckt und vorsichtshalber an die Theke verfrachtet, wo wir auf einen frei werdenden Tisch warten sollten. Nicht unbedingt gemütlich, aber ein guter Aussichtsposten fürs Erste. Die für uns zuständige Servicedame war recht resolut und hatte einen forschen Umgangston, sie agierte jedoch absolut zuverlässig! Nach kurzer Wartezeit hatten wir einen Tisch, allerdings nur einen halbhohen mit Barhockern. Trotzdem nett! Der Tisch verfügte über eine rundum durchlaufende Kuhle, offenbar, damit dort das verschüttete Bier ablaufen konnte….
 
Das Studium der Speisekarte erforderte geraume Zeit: hier überzeugt ein grosses Angebot an Fisch (zur Zeit vor allem Muscheln, was hier gefühlt jeder Zweite bestellte), überaus deftige Fleischgerichten, sehr gerne mit Bratkartoffeln als Beilage, diverse Salatangebote, etliche Vor- und Zwischengerichte (davon erzählen wir später mehr), Gerichte für Kids und natürlich Nachspeisen.
 
Wir machten den Fehler und bestellten jeweils eine Suppe vorneweg. Das sättigte bereits erheblich. Noch nie zuvor goutiert hatte ich eine Senfrahmsuppe, in die ich mich jedoch sofort verliebte: sehr cremig, sehr scharf, herrlich garniert mit gestiftelter Roter Beete und Eierachteln. Auch geschmacklich eine herrliche Überraschung und farblich ein Hingucker. Wurde in einem grossen tiefen Teller mit Graubrot serviert. Für 3,90 Euro recht günstig. Der Hammer war allerdings die Gulaschsuppe für 4,90 Euro, die in einem Topf mit Deckel auf den Tisch kam. Ziemlich sämig und gut gewürzt und vollkommen sättigend. Danach trat ein etwas desorientierter Service-Azubi auf, der uns mit einem verspäteten Gruss aus der Küche verwöhnte, das war ein Brotkorb mit zwei Schnitten Graubrot und ein gut gefüllter Tiegel mit deftigem Schmalz. Jetzt wären wir richtig satt gewesen, aber es kam ja noch mehr…. Den als Vorspeise deklarierten gebackenen Camembert für 6,90 Euro hatte ich vorsorglich schon ohne Brot und Butter geordert. Es waren jedoch zwei Stück, mit reichlich Salat und Birne und frittierter Petersilie. Hübsch angerichet und sehr sättigend. Vollkommen passen mussten wir bei der üppigen Vesperplatte für 9 Euro mit diversen Wurstsorten und Käse und Gewürzgurken und noch mal einem Schüsselchen voll Schmalz. Alle Speisen waren deftig, aber nicht übermässig fett, sehr schön dekoriert und  liebevoll angerichtet. Bedient wurde professionell und mit Schmackes. Allerdings gab es nach der Suppe eine längere Wartezeit mit Leerlauf, da schien in der Küche einiges zu stocken. Naja, dann trinkt man eben um so mehr… Nach Aussagen meiner Begleiterin sind die Biere hier sehr würzig und haben einen ganz eigenen Charakter. Mir persönlich half ein regionaler Willi aus Eigenproduktion  für 2,90 Euro über die Völlerei hinweg, allerdings schmeckte der enttäuschend flach und geschmacksneutral.
 
Da wir nicht alles aufessen konnte, wurden uns auf Wunsch die Reste eingepackt in eine Styroporform, übrigens komplett mit Senf und Brot. Als wir später am Abend das Lokal verliessen, war es immer noch rappelvoll. Immer wieder treten hier Musikgruppen und Bands auf, es gibt auch Brunchangebote und Weihnachtsfeiern und besondere Aktionen. Dafür sollte man aber unbedingt Plätze reservieren.  Das werden wir auch beim nächsten Besuch tun, denn wir waren rundum glücklich hier.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung