Zurück zu Gaststätte Dionysos
GastroGuide-User: Hanseat1957
hat Gaststätte Dionysos in 28777 Bremen bewertet.
vor 1 Jahr
"Solide griechische Grundversorgung im nördlichsten Zipfel Bremens"
Verifiziert

Geschrieben am 14.05.2018 | Aktualisiert am 14.05.2018
Besucht am 11.05.2018 Besuchszeit: Abendessen 2 Personen Rechnungsbetrag: 63 EUR
Allgemein:

Der Brückenfreitag nach Christi Himmelfahrt versprach Wetterbedingungen, die eine Radtour zumutbar erscheinen ließen. Das ist sozusagen die notwendige Bedingung, um meine ständige Begleiterin überhaupt auf zwei Räder zu bekommen. Eine Griecheneinkehr mit unbeschwerter Bahnrückfahrt waren dann hinreichend, um jeglichen Widerstand argumentationslos zu machen.

Im nördlichsten Bremer Stadtteil Rekum steht das monströseste Bauwerk Bremens, der U-Bootbunker Valentin. Ein Gigant des nationalsozialistischen Rüstungsbaus, der jedoch nie in Funktion kam.

Aber ein beliebtes Ausflugsziel, liegt er doch direkt an der Weser mit einer kleinen Bucht samt Sandstrand. Die Stichstraße vom Deich längs aber am Bunker führt zur Hauptstraße und an der Ecke dann unser Ziel. Die Gaststätte weist eine verwirrende Namensvielfalt auf. Immer mitgeführt wird „Rekumer Hof“, wohl der historische Name. Am Gebäude das griechische „Dionysos“ und auf der Visitenkarte „Pella im Rekumer Hof“. Da es sich um einen Griechen handelt, spreche ich von „Dionysos“.

Die Homepage http://rekumer-hof.dyndns.ws/cms1/ besagt, dass es das Restaurant seit dem 01.05.1985 gibt und von Vater und Sohn Chatzogloubetrieben wird.

Als wir ausgehungert schon kurz nach halb sechs am frühen Abend unser Ziel in Augenschein nahmen, wirkte es wenig einladend. Der Gartenteil, in dem wir unsere Fahrräder in einem Fahrradständer sicher abstellen konnten, führt auf eine Terrasse, die (noch) nicht für den Freiluftbetrieb hergerichtet schien. Die Auszüge aus der Speisekarte links und rechts vom Eingang an der Straßenfront stark wellig und verblichen und der Blick in den Saalanbau links zeigte ein stark prohibitives „Ambiente“.

Um Punkt 18 Uhr wurde uns und anderen, bereits wartenden Gästen dann die Tür aufgeschlossen und wir traten in ein ordentliches Restaurant ein und drei deutsche Damen in sauberem Schwarz gewandet machten sofort einen aufgeschlossenen und freundlichen Eindruck. Wenn wir hinzuaddieren, dass man sich im Dionysos bei einigen Preisen die Augen reibt (Tränen für den Wirt) und wir schmackhaft und wohl gesättigt zum Bahnhof Farge geradelt sind, so ist das Dionysos ein lohnendes Ziel, um einen Ausflug in den äußersten Bremer Norden oder das direkt angrenzende dörfliche Neunkirchen abzuschließen.

Das Publikum, dass sich am „Buffet-Freitag“ für 14,90 € die Proteine nach harter Landarbeit auf die Teller schaufelte, waren Stammgäste aus dem Umfeld, die etliche Tische besetzten.

Das Preis-Leistungsverhältnis belohne ich gerne mit 4,5 Sternen.

Service:

Auf Nummer sicher gehend, hatte ich am Freitag um 14 Uhr im Dionysos angerufen, um einen Tisch zu reservieren. Eine freundliche Frauenstimme wies auf den Buffetabend hin, betonte aber sogleich, dass wir auch gerne à la Carte essen könnten. Die junge Frau zur Stimme war eine der beiden erlebten Kellnerinnen. Unsere etwas ältere, auf ihr Aussehen bedachte Bedienung war zurückhaltender, aber auch angenehm. Etwas stämmiger die Dame am Zapfhahn. Dieses Dreigestirn hatte alles gut im Griff und die Getränke kamen flott auf den Tisch. Da außer uns nur noch ein weiterer Tisch à la Carte aß, hielt sich das Servieren der Speisen auch in Grenzen. Uns wurde angeboten, doch erst einmal das Buffet in Augenschein zu nehmen, um zu entscheiden, ob es konveniere (wurde nicht ganz so ausgedrückt). Am zunächst unbesetzten Nachbartisch, den wir wegen der nicht brennenden Deckenhängeleuchte verschmähten, wurde dann von der Jüngeren beherzt mit Socken auf der Bank der Knoten im Kabel gelöst und die Birne festgeschraubt und es war die Standardilluminierung hergestellt. Auf dem iPhone erschien ein WLAN des Dionysos und nach einem Touch wurde ein Passwort erbeten. Da staunte die junge blonde Kellnerin und wollte erst den Chef fragen, wies dann aber auf Probleme hin und schlug abschließend schlagfertig vor, dass wir doch nun jeden Freitag kommen könnten und dann werde es schon irgendwann funktionieren! Nicht auf den Mund gefallen, was mir ja gut gefällt.

Dafür gebe ich immer einen Bonusstern und wir landen bei vier für den Service.

Nun zu den Getränkepreisen und liebe Wirte im übrigen Bremen aufgepasst: 0,75 l Wasser 4,50 €, Krombacher 0,3 notieren bei 2,60 €, die offenen roten und weißen Standardweine 0,2 l liegen zwischen 3,30 und 3,80 €; mein Malamatina in der 0,25 l Originalminiflasche steht mit 3,50 € auf dem Bon. Der Ouzo 2 cl hat einen Kornpreis, nämlich 1,30 €! Leider war mein Malamatina nicht annähernd ausreichend gekühlt.

Für die Stimmung gibt es am Anfang und am Ende einen Ouzo aufs Haus.

Essen:

Auf der Homepage sieht man die unbepreiste Speisekarte und eine ungeahnte Vorspeisenvielfalt tut sich auf, sodann die Grillklassiker und eine italienische Rubrik. Die Karte hatten wir studiert, bevor uns bedeutet wurde, dass nun das Buffet in einem Nebenraum zur Besichtigung bereitstünde. Zuerst meine ständige Begleiterin, ohne Kommentar nach der Rückkehr, sondern mit der Aufforderung, dass ich mir selbst einen Eindruck machen solle.
Die Hauptgerichte in den üblichen Buffetbehältern waren frisch und heiß und erfüllten den kleinen Raum mit einem Geruchsmix, der nicht an griechische Grillschwaden erinnerte und gut 30 Grad erzeugte.

Als Vorspeisenabteilung entdeckte ich nur eine Salatbar und im Heißbereich u. a. Gyros aus Hähnchenfleisch und Grillleber vom Schwein, beides für mich Ausschlusskandidaten. Wir waren uns also einig und aus der Karte wurden gewählt: Auberginensalat 3,90 €, Tirokafteri (geriebener Schafskäse) 5,00 €, Gigantes 10,90 € mit Schafskäse als Vorspeisen und sodann die Bauernspieße („Horiatiko Souflaki“) 10,50 € und das gefüllte Bifteki 9,90 €; einen Tsatsiki für 3,30 € zur geschmacklichen Abrundung orderte ich nach, als ich keinen Klacks desselben auf den Tellern mit den Hauptspeisen entdecken konnte.

Aus der Küche ein Tellerchen mit einer Kugel Kräuterbutter und vier frische, warme Pizzabrötchen. Nett und für einen Griechen untypisch großzügig.

Der Auberginensalat war mit Joghurt angemacht und gelungen, wenn auch nur zaghaft geknobt, was auch für das Tsatsiki gilt, das aber erfrischend mit Dillnote daherkam. Sehr gut die Schafskäsecreme, mit einem kräftigen Feta zubereitet. Die Gigantes waren von der Portionsgröße her als Hauptgericht gedacht und mit einer großen Scheibe milden Schafskäses belegt. Für meinen Geschmack mit Möhren zu gemüsig und die Bohnen von der eher kleinen Sorte.

Als Zwischengang dann ein Krautsalat, der farblich leicht eingegilbt war. Wir vermuteten Kurkuma, denn die farbgebende Beigabe war geschmacksneutral. Schlicht und erfrischend.

Meine ständige Begleiterin ist ja spezialisiert auf die Souvlakivariante „Bauernspieß“, der mit würfeligen Stücken bestückt wird, die meist saftiger sind als die dünnen Scheibchen, die für das Standardsouvlaki aufgespießt werden. Die Erwartung wurde auch hier nicht enttäuscht und die drei Spieße wurden fast geschafft. Für mich hätten sie etwas kräftiger gewürzt sein dürfen. Der Reis etwas überkocht und lieblos die Zwiebel drübergestreut.

Mein Bifteki gemisto von der „Formgebung“ und Oberflächenstruktur her sehr rustikal und etwas krümelig im Anschnitt! Aber kross gegrillt und sehr gut gewürzt mit einer klaren Kreuzkümmelnote. Im Gehackten ein kräftiger Schafskäse. In meinem Bifteki-Gemisto-Ranking ein vorderer Tabellenplatz.

Beide Hauptspeisen also schmackhaft, gut portioniert und für 10 € im Mittel sehr gastfreundlich bepreist.

Sichere 3,5 Sterne für das Essen.

Ambiente:

Schon eingangs gesagt: Von außen macht das Dionysos nichts her und im Saal möchte ich auch meine Trauerfeier, also in absentia nicht begangen wissen.

Das Restaurant hingegen wartet mit drei Bereichen plus großzügiger Terrasse auf. Die Tische sind teils in Nischen mit Sitzbänken platziert und ausreichend dimensioniert. Ach ansonsten herrscht kein Platzmangel.

Für die Einrichtungsfolklore sorgen Pseudomauerwerk, ein Wandgemälde und Säulendeko in den Durchlässen. Zwei Grotten waren wohl mal als Indoorteiche im Betrieb.

Griechenmusi drang nur aus der Ferne an unser Ohr; da müssen die Lautsprecher wohl in einem anderen Bereich platziert gewesen sein.

Auf der Terrasse kann man gut sitzen und wird von zwei Seiten von Bauernhöfen dörflich benachbart.
Eine kleine Ehrenrettung für den Saalbetrieb: Es gibt sehr großzügige Toiletten für das Restaurant und den Saal, die einen frischen und modernen Eindruck machen.

Sauberkeit:

Es gab nichts zu monieren. Auch das Mobiliar gut gepflegt.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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marcO74 und 16 andere finden diese Bewertung gut geschrieben.