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GastroGuide-User: Hanseat1957
hat Gaststätte Lesumer Hof in 28717 Bremen bewertet.
vor 4 Jahren
"Traditionelle Schank- und Speisewirtschaft mit schmackhafter Hausmannskost"

Geschrieben am 24.01.2015
Besucht am 02.01.2015
Zeche: 73,80 €

Allgemein:

Der Lesumer Hof ist eine alteingesessene Schank- und Speisewirtschaft am Rande des Lesumer Ortskerns. Hier ist die Zeit stehen geblieben.

Viele in Lesum und Umgebung kennen den Lesumer Hof vielleicht von Trauer- und Familienfeierlichkeiten, die im Saal stattfinden oder vom Partyservice her, der z. B. ein sehr schmackhaftes Spanferkel zu bieten hat. Eine Kegelbahn wird auch noch betrieben.

Seit wohl zwei oder drei Jahren kehren wir ab und an im Lesumer Hof ein, um "à la carte" zu essen und freuen uns über dieses Kleinod einer traditionellen Gastwirtschaft mit schmackhafter Hausmannskost jedes Mal wieder. Da ich den Lesumer Hof auch schon im Juli 2013 in RK beschrieben habe, ist er (bei fast 900 Aufrufen) eigentlich kein Geheimtipp mehr.

Der Restaurantbetrieb findet rund um die Theke an vier Tischen statt, die bei unseren Besuchen an Freitagen oder Samstagen meist besetzt waren, so dass sich zumindest am Wochenende eine Reservierung empfiehlt. Zudem einige ältere Männer als Stammgäste an der Theke beim Abendschnack über Fußball, Bekannte und Politik.
Das Interieur ist klassisch kneipenmäßig, dominiert durch den Tresen und den Regalen dahinter und bestimmt seit Jahrzehnten unverändert. Trotzdem will ich nicht von Erneuerungsbedarf sprechen, ganz im Gegenteil: Solche Refugien guter Schank- und Speisewirtschaftstradition sollten als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannt werden!
Das Publikum besteht aus Stammgästen, überwiegend im fortgeschrittenen Alter. Aber auch einige jüngere Gesichter waren zu beobachten und ich war - glaube ich - der einzige Gast, der kurz einmal ein Smartphone in der Hand hatte!

Zeit sollte für den Gast im Lesumer Hof keine Rolle spielen, denn es kann schon etwas dauern, bis Getränke und Speisen ihren Weg auf den Tisch finden. Insbesondere, wenn im Saal eine geschlossene Gesellschaft beköstigt werden will oder Kegler die Aufmerksamkeit der Bedienerinnen mit in Beschlag nehmen. Aber auch ansonsten erlebt man eine Atmosphäre der "Entschleunigung" und wenn man einmal in sie eingetaucht ist oder sich ihr nur ergeben hat, regt es einen nicht mehr auf, wenn man auf sein Pils eine Viertelstunde wartet.

Das Preis-Leistungs-Verhältnis für die Speisen ist unschlagbar und mit der Höchstbewertung von fünf RK-Sternen zu belohnen.

Service:

Im Service haben wir bislang nur Frauen erlebt. Am besuchten Freitagabend war der große Saal zwar unbenutzt, aber ansonsten herrschte praktisch Volllastbetrieb. Im Kneipenraum alle vier Tische besetzt, im kleinen Saal in etwa derselbe Besetzungsgrad und eine kleinere Keglergruppe saß im Vorraum der Kegelbahn. Zwei Frauen arbeiteten die Gästewünsche ohne Eile ab. Aber wir üben uns ja mittlerweile in Demut (sie oben). Wenn eine Runde Steinhäger wegen Vergesslichkeit ausbleibt, muss halt nachgefragt werden. Auch das Apfelmus zum Knipp bedurfte doppelter Erinnerung. Um die Wartezeit bis zu den Suppen zu verkürzen wurde quasi als erster Gang der traditionelle Bohnensalat gereicht. Dann die Suppen und die Hauptspeisen nach nicht mehr allzu langen Wartezeiten.

Für den entschleunigten Service nur drei Sterne für die Pflicht und leider ist kein Bonusstern für bemerkenswerten Charme oder Humor zu vergeben.

Zu den Getränkepreisen: Ein Haake Beck Pils 0,3 l wird mit 2,50 € berechnet. Eine Flasche 0,7 l Wasser steht mit 4,00 € auf der Karte; ein eiskalter Steinhäger mit 1,60 €. Die sehr kleine Weinauswahl kommt für das Viertel auf 3,50 € (weiß) resp. 4.00 € (rot).
 
Essen:

Die knappe Karte bietet deftige Hausmannskost, die den Namen verdient, denn fast alles wird selbst zubereitet und einiges kann man sogar in Dosen mitnehmen; in einer Vitrine im Eingangsbereich ist das Angebot ausgestellt. Der Wirtsmann ist gelernter Fleischer, wie man einer gerahmten Urkunde entnehmen kann.

Auf der Homepage (http://www.lesumerhof.de/) kann man die Karte einsehen.
Es werden klassische Suppen geboten wie Gulaschsuppe, Mockturtle oder Hühnersuppe. Die Hauptgänge werden von den meisten Gästen mit Bratkartoffeln gegessen. Es gibt Knipp, Bratwurst, Frikadelle, Schnitzel, Roastbeef, Sülze und Sauerfleisch. Labskaus und Bauernfrühstück vervollständigen das deftige Ensemble. Auch kalt mit Brot gibt es ein klassisches Angebot wie die Schlachteplatte für zwei. Vom Haus gibt es immer einen Bohnensalat aus grünen Buschbohnen und Zwiebeln, der etwas süßlich angemacht ist, aber erfrischend schmeckt.
Wir aßen zweimal die Mockturtle und je eine Hühnersuppe und eine Gulaschsuppe. Alle Suppen überzeugten geschmacklich und wiesen reichlich Einlage auf und füllten eine große Suppentasse. Für Suppen werden 3,30 € fällig.

Die Bratkartoffeln zu den Hauptspeisen kommen auch in einer extra Schüssel und waren mit Speck und Zwiebeln traditionell rustikal gebraten und leicht fettig.

Wir  hatten zweimal für 7,00 € Sülze mit Remoulade, einmal auf Wünsch gemischt Sülze und Sauerfleisch zum selben Preis und einmal für 6,50 € das Knipp. Pro Portion drei Scheiben Sülze. Die Sülze mit mageren und fetten Bestandteilen mit festem Aspik und gut im Geschmack. Auch mein Sauerfleisch überzeugte. Die Remoulade wie schon beim letzten Besuch in einer Leichtvariante, eher wie ein Dressing mit Dill und etwas zu flüssig. Das Knipp kross angebraten und geschmacklich typisch, aber ohne besonderen Pfiff; nicht fettig.

Die nachgefragte Pfeffermühle gibt es leider nicht, aber uns wurde ein Schälchen mit geschrotetem schwarzen Pfeffer gebracht.

Für 40,70 € haben wir zu viert vier Suppen und vier deftige Bratkartoffelgerichte auf den Tisch bekommen. Wie ich schon im Juli 2013 schrieb: "Für ca. 10 € bekommt man im Lesumer Hof eine kräftige Suppe und ein deftiges Bratkartoffelgericht! Das dürfte im Bremer Norden einmalig sein und wir hoffen, dass die Wirtin Frau Niebank und ihr Mann noch lange durchhalten und nichts verändern."

Die Bewertung sehe ich bei knappen vier Sternen.

Ambiente:

Hierzu bitte die Fotos von der Theke und einem Tisch mit Sitzbänken betrachten. Das ist Nostalgie pur und setzt einen erhaltenswerten Kontrapunkt zum Einheitslook vieler neu eröffneter oder relaunchter Restaurants oder den wlanigen, loungigen Versammlungsorten der Latte-Macchiato-Generation. Die Einrichtung bildet ein altdeutsches Kneipenwohnzimmer, das denkmalschutzwürdig ist.

Sauberkeit:

Trotz des Alters in den Trocken- und Feuchträumen keine über Gebrauchsspuren hinausgehenden Mängel.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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