Zurück zu Taverne Diogenes
GastroGuide-User: Karibiksonne210
hat Taverne Diogenes in 70176 Stuttgart bewertet.
vor 5 Jahren
"so geht griechische Gastfreundschaft im Stuttgarter Westen"
Verifiziert

Geschrieben am 05.06.2015
Besucht am 20.01.2014
Hätte ich nicht Orcagnas gutes Urteil über das "Diogenes" gelesen, wären wir nie hier gelandet. Die vielen Ouzos auf's Haus hat sie sicher ihrem sprühenden charme zu verdanken und daß sich das Restaurant in ihrer Laufweite befindet, darüber kann sie sich glücklich schätzen, denn hier einen Parkplatz (ohne Anwohner zu sein) zu bekommen, ist sehr sehr schwierig.

Die Begrüßung durch den Wirt ist freundlich, den Tisch vor der Theke wollen wir trotzdem nicht. So dürfen wir in das kleine "Separee" gleich hinter dem Eingang Platz nehmen. Das Lokal ist gut beheizt und kuschelig warm. Eine schreckliche Kitschdeko bei der nichts zusammen paßt ist im kompletten Restaurant verteilt und sieht aus wie zusammengetragene Flohmarktartikel. Ein Zigarettenautomat steht hinter uns auf dem Boden, darauf ein Weidenkorb mit wild durcheinander eingestellten bunten Kunstblumen. In dem fischernetz an der Decke sind künstliche Trauben mit Weinblättern eingehängt. Da es kurz nach Weihnachten ist, kommt diese Dekoration auch noch dazu. Zu dem ist alles allt: die Stuhlpolster sind so durchgesessen, daß man schon das Holz darunter spürt, die Fliesen bzw. die Farbe war in den 80ern aktuell und wurden mal von einem "Profi" verlegt. Ich habe noch nie einen so schlecht gefliesten Boden gesehen, er war schmutzig und schon seit einiger Zeit nicht mehr gefegt worden. Die Tische sind sauber und mit Papiertischdecken im rot-grün-karierten Weihnachtssterndesign eingedeckt. Farblich unpassend die Papierservietten mit blauem Aufdruck "ich lerne griechisch".

Davon, daß hier größere Portionen serviert werden, wurde auch schon berichtet und dafür bin ich sehr dankbar. Was mengenmäßig als Vorspeisenplatte aufgetischt wird, würde bei mir unter Hauptgangsportion laufen und so haben wir eine Platte, die für eine Person gerichtet wird, zusammen gegessen. Beide sind wir ein großer Fan der Mezeplatten die verlockend beschrieben war: Auswahl aus unseren kalten und warmen Vorspeisen mit ein paar Überraschungen pro Person 10 Euro. Sehr angenehm  überrascht waren wir über die Vielfältigkeit mit 1 frittierten Garnele die erfreulicherweise auch noch entdarmt war, ein Stück panierte Zucchini, 4 frittierte Sardellen, 2 Stücken tintenfisch, panierter und frittierter Fet, gepreßtes Garnelenfleisch, ein Stück langer grüner gegrillter Paprika, Tomaten, tsatziki und Taramas. Die Zusammenstellung hat für uns sehr gut gepaßt, sehr gut geschmeckt und wir waren sehr zufrieden. Schön wäre gewesen, hätten wir die schwarzen Oliven gefunden, die zwar angekündigt sind und dass sie geschwärzt sind, aber die dann doch nicht auf der Platte waren. (Oton des Wirtes: Die sind nie auf einer Vorspeise). Falls wir trotzdem welche möchten, würde r aber gerne welche bringen. Wir wollten nicht, da die Mezeplatte gegessen war. Dazu verputzten wir in dicke Scheiben aufgeschnittenes frisches Bauernbrot.

Sehr gut gefallen hat mir die klein gehaltene Speisekarte. Eine schöne Auswahl an Vorspeisen, Suppen, Fischgerichten und Fleischgerichten. Für mich braucht es keine 15 Fleischgerichte, die aus bergen von trockenem Gyros, fettigen Hackröllchen oder Fleischspießen bestehen und mit schon durch ihre Phantasienamen wie Saloniki-, Kreta- oder Poseidon-Platte den Appetit verderben. Und endlich mal ein Grieche, der auf die ganzen Schnitzelvariationen inkl. Rostbraten verzichten kann.

Diese erste Überraschung ist gelungen und es fällt nicht schwer, daß wir uns für eine zweite entscheiden. Wir nehmen die "Fischplatte von allem etwas, eine großzügige Portion, die Spezialität der Köchin, lassen Sie sich überraschen (20 Euro). Wiederum sehr vielfältig und schmackhaft mit einer gefüllten (Tomate und Zwiebel) ganzen Dorade, Tintenfisch, 2 frittierte Garnelen, frittierte Sardellen, ein undefinierbarer kleinerer Fisch, frischen Tomatenscheiben und Zwiebel. Die frische Dorade war perfekt gebraten und eine kleinere Ausführung der Oktopusse waren zart. Die Sardellen waren nicht mehr ganz so knusprig wie die der Vorspeise, und von den langen, in Streifen geschnittenen und gegrillten Zucchini hätte ich gerne nochmal so eine Portion gegessen. Mit ihrem leicht öligen Äußeren waren sie wunderbar zubereitet. Der Beilagensalat war hauptsächlich kleingeschnippeltes Grünes und mir viel zu sauer angemacht.

Daß zu allen Fischspezialitäten wahlweise zwei Beilagen serviert werden, haben wir zwar gelesen, bei der Bestellung wurde dies jedoch nicht abgefragt. Mit der Beilage wollten wir dann doch nicht überrascht werden und bestellten die wilden Kartoffeln dazu. Ob die zweite Beilage die gegrillten Zucchini waren oder noch Reis gewesen wäre, kann ich nicht sagen. Die wilden Kartoffeln kamen erstmal auch nicht, sondern wurden vergessen und nur auf Nachfrage wurde noch das Kartoffeltellerchen nachgeliefert.

Die Rechnung kommt dann auf einem "Schmierzettel".

Das Diogenes ist etwas besonderes und nicht mit den sonstigen Hellas-Palästen vergleichbar. Es ist wohltuend zu wissen, daß die Wirtin mit viel Herzblut in der Küche steht und solche Überraschungen zaubert. Auch wer auf große Portionen und ein passendes Preisleistungsverhältnis Wert legt, wird hier zufrieden sein. Obwohl wir nur einmal mit dem sehr gut gekühlten Ouzo versorgt wurden, wäre auch eine Nachfrage nach einem zweiten (und sicherlich kostenlosen) erfolgreich gewesen. Ich weiß nicht, vor wievielen Jahren ich den in einem Restaurant zum letzten Mal gekühlt serviert bekommen habe. Hier war es mal wieder so. Auch der öfters fröhlich auf seine griechische Folkloremusik pfeifende Wirt ist sehr (gast)freundlich eingestellt.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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