Kölner Weinkeller
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GastroGuide-User: kgsbus
hat Kölner Weinkeller in 50933 Köln bewertet.
vor 1 Jahr
"Süßes kann auch unterhaltsam sein"

Geschrieben am 23.06.2019
Sebastian Bordthäuser und YouDinner besuchten einmal mehr den Kölner Weinkeller und veranstalten dort eine Weinprobe.
An diesem Samstagnachmittag führte der Sommelier in mehreren Flights durch die Geschmacksvielfalt von fruchtigen Weinen und prickelnden Tropfen – auf jeden Fall alle süß.

Das schreckte mich überhaupt nicht ab, sondern machte mich neugierig; denn ich bin grundsätzlich für alle Weinarten offen. Zu Käse oder Dessert bevorzuge ich sogar solche Tropfen.
 
Ambiente
 
Die Schatzkammer im Kölner Weinkeller ist ein herrlicher Ort für Weinproben. Man sitzt am gedeckten Tisch umgeben von Weinregalen und harrt der Dinge, die da kommen.
 
Die verkosteten Getränke und Speisen 
 
Fünf Durchgänge standen auf dem Programm. Dazu gab es noch Kuchen und Pralinen aus dem Cafe „Törtchen Törtchen“, Brot von „Balkhausen“ und etwas Käse von „Wingenfeld“. Petit Fours, Kuchen, Pralinen und Schokolade sollten die Weine auf die Probe stellen; Brot, Käse und Wurst zum Neutralisieren oder als Kontrast dienen.
 
Zuerst gab es einen Sommer-Aperitif aus DOW´s Extra Dry White Port, Thomas Henry Tonic Water und Eis. Sehr erfrischend und spritzig.

Trockene weiße Ports gibt es kaum noch in Weinhandlungen, weil sie zu selten gekauft werden. Aber im Internet wird man schon noch fündig. Auch der Kölner Weinkeller hat noch einige Marken vorrätig.
Aber auch dem „Sherry“ geht es in der Gastronomie nicht mehr so gut. Das Interesse hat nachgelassen und die „Reste“ werden einfach falsch aufbewahrt. So erzählte Catharina Boll, dass in ihrer Ausbildung die Flasche Fino im Regal offen ungekühlt herumstand und nicht leer wurde – und natürlich auch nach kurzer Zeit kaum noch genießbar war.

Port und Sherry werden fast nur noch in der Küche zum Saucenansatz verwendet – dabei bieten sie in ihrer Vielfalt (von trocken bis süß) so viele weitere Möglichkeiten.
 
Dann folgte die "fruchtig"e Runde:

Wein wird an der Mosel schon seit langer Zeit angebaut; vielleicht schon bei den Kelten aber sich seit den Römern, die dort auch die Stadt Trier gründeten. Nach den Römern fiel der Weinbau in die Hände der Klöster. Sie setzten dann auch voll auf Riesling. Und der Wein bekam Weltruf. Damals wurde grundsätzlich durchgegoren und die Weine daher recht trocken. In besonders warmen Jahren gab es auch gelegentlich süße Produkte durch Edelfäule.
Über die Bedeutung von „trocken“ bei deutschem Wein, und besonders bei Riesling, gibt es eine große Spannbreite. Es ist üblich geworden, unterschiedslos einen Wein als trocken zu bezeichnen, ob er nun unter einem Gramm Restzucker enthält oder aber mehr als das Fünfzehnfache davon. Diese Verwirrung hat auch der Gesetzgeber zu verantworten.
Ein süßer Wein (nach dem deutschen Weingesetz: halbtrocken, d.h. bis zu 18 Gramm Restzucker) wird  nicht etwa als solcher bezeichnet, sondern als „feinherb“. Man beschreibt sogar einen Riesling Kabinett mit fast 20 Gramm als „geschmacklich trocken“. Und ein Wein mit knapp unter 4 Gramm Zucker wird als „knochentrocken“ beschrieben.

Heute war aber „süß“ auf dem Programm.

2017 Bruderberg - Riesling Kabinett - von Schubert Maximin Grünhaus – Mosel
8% - fruchtsüß – Frucht und Mineralik wirken ausgeglichen. Gut gekühlt eine angenehme Sache. Passt sicher gut beim Essen zu Geflügel, hell gebraten, scharf.
Sebastian Bordthäuser bemerkte zu Riesling Kabinett: "Warum werden heute Alkopops so gerne getrunken? - Es gibt doch Riesling! Kühl und halbtrocken - auf jeden Fall vorzuziehen."

2017 Ürziger Würzgarten - Riesling Spätlese Goldene Kapsel - Markus Molitor - Mosel
7,5% - edelsüß – hier waren die Aromen stärker vertreten und er wirkte daher pikant. An der Mittelmosel kommen die Schieferböden besonders zum Tragen. Beim Essen passt er wohl ebenfalls zu Geflügel und scharfen Gerichten.

Sebastian Bordthäuser stufte den Jahrgang als sehr gelungen ein. Er könne auch noch einige Jahre gelagert werden. Den gelobten 2018 hingegen sollte man jung trinken.

Die nächste Runde lief unter dem Namen: Besonders
2010 Vin Santo del Chianti Classico - Badia a Coltibuono – Toscana
15,0% Rebsorten: Trebbiano, Malvasia - 7 Jahre in Barrique- und Eichenholzbarriquefässern - Rosinenwein – die Trauben werden in gut belüfteten Räumen langsam getrocknet.

2015 Carmes de Rieussec - Château Rieussec – Bordeaux
Zweitwein des Gutes – Cuvée aus 87% Sémillon, 7% Sauvignon Blanc; 6% Muscadelle – 13,5% - handgelesene edelfaule Trauben in mehreren Durchgängen geerntet.

Moscatel Superior "Emilín" - Emilio Lustau – Jerez
17,0% - nur aus Moscatel (Muskateller) - edelsüß – gedörrte Trauben: auf Bastmatten in der Sonne liegend werden sie hergerichtet. Kein oxidativer Ausbau. Nur 3 Prozent der Rebfläche des Gebiets werden mit dieser Rebe bepflanzt. Somit ist der Wein eine Besonderheit für Sherry.

Alle drei Weine haben mächtige Süße. Sie entstehen aber recht unterschiedlich: Rosinen, edelfaul, gedörrt. Auch die weitere Verarbeitung geschieht jeweils speziell.
Sie haben dadurch im direkten Vergleich recht unterschiedliche Nuancen im Mund.
Ich war von allen dreien recht angetan. Heute hat mir die Art des Vin Santo besonders zugesagt, aber auch der Sherry hatte etwas. Dagegen fiel der Sauternes für mich etwas ab.
Solche Zuckerbomben sind natürlich lange lagerbar.
Sicher passen sie zu Nachspeisen, bestimmten Käsesorten und auch zu einigen Lebergerichten.

Die weitere Runde lief unter „Gesprittet“:

Malmsey 10 years Madeira - Blandy´s – Madeira
Rebsorte: 100 Prozent Malmsey (Malvasia) - 19,0% - Nach der Temperatur kontrollieren Vergärung und der Unterbrechung mittels Reinalkohol wird der Madeira für durchschnittlich 10 Jahre im französischen Eichenfass gelagert. Die Fässer werden unter dem Dach aufbewahrt, der Zucker wird dadurch quasi gekocht. Säuregehalt: ca. 6,5 g/l – Restzucker: ca. 95,0 g/l – rich.

Für Sebastian Bordthäuser ist dieser Likörwein nicht nur für Desserts ein angenehmer Begleiter, sondern auch für Burger, Pulled pork oder Ente mit Honig. Eben für alles, was Salz, Fett und Süße hat.

Graham's 10 Years old Tawny - Grahams – Douro
Port: Touriga Nacional, Touriga Francesa, Tinta Barroca, Tinta Amarela, Tempranillo und Tinta Çao. Dieser Likörwein hat 20% - gereifter Port in 600-Liter-Fässern - 108 g/l Zucker

Beide Weine zeigten Karamell-Noten, erinnern an Nüsse und Rosinen.

Den Abschluss bildete „Prickelnd“

2018 Brachetto d´Acqui - Braida di Giacomo Bologna - Piemont
5,5 % - Restzucker: ca. 120 g/l – Gesamtsäure: ca. 8,0 g/l- Rebsorte: Brachetto – der Schaumwein sollte jung getrunken werden. Im Glas zeigt sich eine rötliche Farbe, ein feiner Schaum und eine prickelnde Perlage mit fruchtigen Noten.
Der Wein passt zu Gebäck und Schokolade.

Wer es mit den süßen Weinen nicht so hält, kann natürlich auch auf gereifte Jahrgangschampagner zurückgreifen; denn eigentlich lässt sich Champagner mit allen Gängen gut kombinieren.

Fazit
 
5 – unbedingt wieder. Diese Weinproben im Kölner Weinkeller werden stets von außergewöhnlichen Sommeliers geleitet, die TeilnehmerInnen sind alle Weinliebhaber. Ich höre und schmecke Neues. Auch der Ort ist einfach stilvoll.
Speziell Sebastian Bordthäuser zeigt neben seinen Fachkenntnissen auch noch Fähigkeiten als Sprachkünstler und großartiger Gastgeber: Informationen und Anekdoten sprudeln nur so aus ihm heraus.
 
(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 22.06.2019 – 1 Person – nachmittags von 13 bis 15.30 Uhr

Meine Genießer-Erlebnisse stehen auch bei http://kgsbus.beepworld.de/archiv.htm


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