Zurück zu Canaletto
GastroGuide-User: Bärchen
hat Canaletto in 01097 Dresden bewertet.
vor 6 Jahren
"Kochkunstwettstreit auf höchstem Niveau"
Verifiziert

Geschrieben am 05.03.2015 | Aktualisiert am 05.03.2015
Besucht am 04.03.2015
Nun tobt er wieder in Sachsen, der Wettstreit um das beste Menü.
Die Kochsternstunden 2015 sind ausgerufen, 29 Restaurants kämpfen um die Gunst der ( Laien-) Kritiker. Wer schlau ist, nutzt die Zeit, da die Köche ihr Bestes geben und die Menüs zu fairen Preisen ihresgleichen suchen.
Mit dabei auch das Canaletto, Sieger 2013, da liegt die Messlatte natürlich hoch.
Immerhin handelt es sich um das Gourmetrestaurant des Hotels Westin Bellevue Dresden. Das Bellevue, ein Haus mit Dresdner Tradition, lag in der Innenstadt und ging im Feuersturm des 13. Februar 1945 unter. Der Standort wechselte sogar die Elbseite und 1985 konnte das neue Bellevue internationale Gäste empfangen. Nun gehört es zu Westin und setzt damit Standards in Dresden.
Das Restaurant selbst, benannt nach Bernardo Bellotto, genannt Canaletto, glänzt mit barockem, aber nicht allzu angestaubtem, eher leicht modern erscheinendem Flair. Ein eher langgestreckter Saal, die Tische ausgerichtet auf die breiten Fensterfronten, mit herrlichem Blick auf die unverwechselbare, weltberühmte Altstadtsilhouette, den "Balkon Europas". Ähnlich dem Panorama Canalettos überschaut man die Frauenkirche, die Hofkirche, die Semperoper..... Das Herz geht dem Gast auf, noch unterstützt durch die sehr gut passende klassische Musik, die dezent eingespielt wird.
Aber zurück zum Wesentlichen. Ein netter Empfang, wir werden zu unserem Tisch geführt, fein eingedeckt, bequeme Polsterstühle, die Kerze wird entzündet und die Karte dargeboten. Aber wir sind ja festgelegt, das KSS Menü soll es sein ( Kochsternstunden, der offizielle Titel ).
Leider müssen wir auf die Weinbegleitung verzichten, da die Motorkutschen auf die Heimreise warten.
Ein nettes Team begleitet uns durch den Abend, fragt vielfach nach unserem Begehr, ob denn auch alles Recht ist.... Mann nimmt den Gast ernst und möchte ihn verwöhnen. Doch, das kommt auch so an.
So starten wir schon mit lauwarmem Brot, dazu hellgrün glänzendes Olivenöl, Meersalz und Kirschbutter.
Und vor dem Beginn eine verspielt raffinierte Grüßerei aus der Küche, mit Rauch versetzte Petrischalen, darin eine Komposition aus Gänseleber, Frischkäse und Pumpernickel. Daneben eine Essenz aus Gemüse ( tut mir leid, vergessen, ich hätte aber Rote Bete und Rotkraut herausgeschmeckt? Der Koch mag mir verzeihen ) Ich war zu sehr vom tollen Rauchgeschmack abgelenkt.
Dann kam aber schon die Vorspeise: marinierte Jakobsmuschel mit Pancetta-Hummer-Spaghetti, Kaviar. Fein angerichtet, nicht zu verspielt, wurde aus den Zutaten der Geschmack herausgekitzelt. Es versteht sich von selbst, dass die Spaghetti ebenso perfekt waren, ein Genuss rundum.
Der Zwischengang klang nicht spektakulär. Hühnersuppe, Dim Sum, Ingwer, Pilze. Art der Interpretation, optischer Eindruck und Zubereitung adelten dann aber das Gericht. Eine perfekte, geschmacklich herausragende Suppe, darin eingelegt asiatische (?) Pilze, knackig zart, die Dim Sum traditionell im Bastkörbchen gegart, entpuppten sich als Genuß. Hier kam eine herrlich scharfe Ingwernote zum Tragen. Für mich war der Zwischengang in der Rückschau das Highlight, eben weil so überraschend-unerwartet lecker.
Optisch und von den Zutaten glänzte natürlich der Hauptgang, Crepinette vom Linumer Kalb, Flusskrebs Ravioli, Erbsenmousseline, Morchel, Schwarzwurzel, Karotte. Natürlich auch hier perfekte, raffinierte Zubereitung, praktisch wurden die Zutaten unverfälscht als Gaumenschmaus dargeboten. Wobei ich Kalb gerade in so einem Wettbewerb für gewagt halte, da es ja eher mit wenig Eigengeschmack daherkommt. Aber in der Zusammenstellung war es ein echter Höhepunkt.
Förmlich leicht einschwebend kann man nun das Dessert betrachten. Über geeister Mousse von Schokolade mit Bergpfeffer, Birne und Frischkäse schwebte ein Hauch von Zuckerwatte, schon daran erinnernd, dass dies nun der Punkt aufs "i", der letzte Gang ist. Und so genossen wir auch dieses und ließen mit den letzten Bissen Frieden in unsere Geschmacksnerven einkehren, wohl wissend, dass wir großer Küchenkunst fröhnen durften.
Und? Habe ich etwas vergessen? Oh ja, das erfrischende Zitronensorbet vor dem Hauptgang und, genau, den Preis. All diese schönen Dinge erkauft man sich mit 43,00€.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


Obacht! und 9 andere finden diese Bewertung hilfreich.

Kaus und 9 andere finden diese Bewertung gut geschrieben.