Zurück zu Reinhardts im Gasthaus Alte Nikolaischule
GastroGuide-User: Lavandula
hat Reinhardts im Gasthaus Alte Nikolaischule in 04109 Leipzig bewertet.
vor 2 Jahren
"Gut speisen in der historischen Schulstube von Leipzigs ältester Stadtschule."
Verifiziert

Geschrieben am 29.12.2017
Besucht am 05.12.2017 Besuchszeit: Abendessen 2 Personen Rechnungsbetrag: 32 EUR
Auch für das zweite Abendessen in Leipzig war uns nach einem historischen Ambiente. Nach der Besichtigung der Nikolaikirche am Nachmittag entdeckten wir gegenüber „Die Alte Nikolaischule“ mit einem Gasthaus. Dieses Mal waren wir schlauer, wir gingen schon am Nachmittag ins Restaurant, um für den Abend zwei Plätze zu reservieren. Wir konnten noch einen der beiden letzten freien Tische bekommen.

Das Gasthaus liegt am Nikolaikirchhof gegenüber der Nikolaikirche. Das Haus wurde vor mehr als 500 Jahren errichtet, als erste städtische Bürgerschule Leipzigs, in der Gottfried Wilhelm Leibniz, Johann Gottfried Seume oder Richard Wagner den Unterrichtsstoff paukten.
Am Ende der DDR-Zeit war das kulturgeschichtlich hochbedeutsame Bauwerk zur Ruine verkommen. Von 1991-1994 wurde das Gebäude mit knapp 14 Mill. € denkmalgerecht saniert, renoviert und restauriert, mit dem Ziel, die Originalsubstanz weitgehend zu bewahren und erhaltene Details der Ausstattung zu restaurieren.

Durch einen großen Torbogen gelangt man vom Nikolaikirchhof  in einen kleinen Innenbereich.

Rechts davon gibt es ein Café mit Front-Cooking-Station und links vom Eingang führt eine kleine Treppe in den eigentlichen Gastraum mit seinen etwa 90 Plätzen.
Als wir den Gastraum betraten, war dieser schon gut besetzt. Wir gingen durch bis zum rückwärtigen Raum, in dem sich auch die Getränkeausgabetheke mit dem Reservierungsbuch befindet. Man fand uns darin und wir konnten an unserem schon bekannten Tisch Platz nehmen.

Und da saßen wir nun in dem ehemaligen Auditorium, der eigentlichen Schulstube. Einige Male habe ich gedacht, wenn diese Wände erzählen könnten …

Wir schauten uns um. Schlichte Holztische und -stühle mit lederbezogenen Sitzflächen dominieren den Raum, teilweise recht eng gestellt. Bei der Sanierung wurden an den Wänden oberhalb der Bogen-Pfeilegliederung lateinische Inschriften von 1597 entdeckt und freigelegt.

Der junge Servicemann begrüßte uns freundlich am Tisch, überreichte die Speisekarten und fragte nach sofort nach Getränkewünschen. Das störte uns nicht weiter, da wir eigentlich immer das gleiche bestellen: Ein Pils oder wie hier auch ein alkoholfreies Weizenbier, dieses Mal zum Preis von 4,10 € für mich und eine kleine Flasche Mineralwasser (2,40 €) für meine Freundin.
Der Service insgesamt gefiel uns gut, freundlich, hilfsbereit, zuvorkommend und immer da, wenn etwas gebraucht wurde. Das blieb auch so im Verlauf des frühen Abends, als sich das Lokal füllte.

Die Speisekarte las sich gut, sie umfasst kleinere und größere Gerichte zu annehmbaren Preisen; dies gilt auch für die Getränke. Zudem gibt es eine Tageskarte mit nochmals 3 Angeboten. Die Küche wartet mit klassischen Gerichten ohne Schnickschnack auf und ein vielversprechendes Repertoire an sächsischen Spezialitäten. Es wird großer Wert auf regionale Produkte gelegt, deren Erzeuger im hinteren Teil der Karte aufgeführt sind.

Da ich ziemlich durchgefroren war, wählte ich als Vorspeise eine Soljanka (2,95 €), sehr heiß sollte sie sein. „Kriegen wir hin!“, versprach der Kellner.

Und sehr heiß kam sie dann kurze Zeit später zu mir, genau richtig säuerlich-scharf, mit viel Einlage. Vor allem der Fleischanteil war recht hoch und dadurch wurde aus der Suppe eher ein Eintopf und ziemlich sättigend.

Mein Hauptgericht war „Gebackenes Fischfilet in der Kartoffelkruste an deftigen Bratkartoffeln und Remouladensauce“  zu 9,45 €.

Die Karoffelkruste war gut gewürzt und richtig knackig, der Seelachs darin butterzart, ganz leicht glasig auf den Punkt gegart. Die hausgemachte Remoulade schmeckte tatsächlich wie hausgemacht, leicht, locker und sehr würzig, genau richtig. Die „deftigen“ Bratkartoffeln waren mir allerdings nicht deftig genug. Dazu gehören für mich Speck, der hier fehlte, und viel mehr Zwiebeln, die hier kaum sichtbar waren. Außerdem waren sie ein bisschen blass aus der Pfanne auf den Teller geraten und ich musste sie doch deutlich mit Salz und Pfeffer geschmacklich „verbessern“.

Meine Freundin hatte sich für ein „Hausgemachtes Braumeisterschnitzel mit Schinken und Käse gefüllt, an Bohnengemüse und deftigen Bratkartoffeln“ für 13,70 € entschieden.

Auch hier die Panade schön krustig, das Fleisch von guter Qualität, gut gewürzt und nicht trocken, kein Kampf mit langen Käsefäden. Die deftigen Bratkartoffeln waren für meine Freundin in dieser Form ohne Speck völlig in Ordnung, sie hat nur wenig nachgesalzen. Dafür waren die grünen Bohnen nicht ganz nach ihrem Geschmack, zwar nicht geschmacklos, aber nur lauwarm.

Insgesamt eine solide Küche, die Wert auf gute regionale Produkte legt. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist für ein Restaurant inmitten eines touristischen Zentrums absolut in Ordnung.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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