Zurück zu Delphi
GastroGuide-User: Nolux
hat Delphi in 53474 Bad Neuenahr-Ahrweiler bewertet.
vor 5 Jahren
"Der wohl beste Grieche seit Jahren, ausgerechnet da wo es nicht zu erwarten war..."
Verifiziert

Geschrieben am 23.06.2015
Besucht am 19.06.2015
Delphi Ahrweiler
 
Kurzurlaub an der Ahr, dem Rotweinparadies. Wir kamen freitags gegen 20:00 Uhr im Hotel in Bad Neuenahr an. Schnell einchecken, dann Essen! Das Hotelrestaurant sollte mir den folgenden Abend vermiesen. Aber wo geht’s dann hin? Klar. Zum ahrtypischen Griechen… Der angehende Schwiegervater und Mann mit dem Geldbeutel wollte ja schon seit Wochen mit uns zum Griechen. Ausgerechnet an dem Wochenende sollte es nun soweit sein. Also mit dem Auto vom Hotel nach Ahrweiler. Vor den historischen Stadtmauern des alten Stadtkerns von Ahrweiler kostenlos geparkt und dann erst mal zwanzig Minuten kreuz und quer zwischen uralten Fachwerkhäusern und neumodischen Hässlichkeit umher geirrt um das vorab ausgewählte Lokal zu finden. Letztendlich mussten drei junge Musikanten herhalten und uns den Weg weisen…
Vor dem Restaurant, einem schmalen, alten Häuschen mit aufgemaltem Fachwerk, stehen ein paar Tische und Stühle. An diesem verregneten Wochenende aber wohl weniger besucht. Zwei Tafeln links und rechts der Tür preisen Tagesangebote an. Gleich ins Auge fiel mir die gegrillte Dorade…
Wir treten ein. Im Lokal alles ebenerdig, helles Holz und weiße Wände laden ein. Üblicher Kitsch ist hier Mangelware. Da mal ein hübsches Bild, da ein Rundbogen, ein bisschen blau und Grünzeug. Figuren habe ich gar keine gesehen. Eine dezente, einladende Einrichtung.
Allzu viel war nicht los. Wohl nur Ahrweilerer. In den Weinstuben auf dem Weg hierher hatte ich deutlich mehr Gäste gesehen. Sollte ich mir deswegen Sorgen machen? Abwarten! Ca. zehn Gäste waren da. Platz wäre für bestimmt siebzig.
Kaum drin, werden wir sehr freundlich begrüßt von einer Dame mit rheinländischem Dialekt. Nanu, keine Griechen? Doch, der Chef ist auch unterwegs und aus der Küche hört man auch mal fremdländische Töne (Wobei Kölner Dialekt ja auch schon unter fremdländisch fällt  :-) )
Wir dürfen uns einen Tisch aussuchen, selbst jene, auf denen ein „reserviert“- Schild steht… Wir nehmen den Sechsertisch im hintersten rechten Eck. Direkter Blick in die Küche, die Schanktheke im Rücken. Die Karten werden sofort geliefert, die Kerze entzündet und wir dürfen in Ruhe gucken. Auf dem Tisch sind schon Besteck und gute Papierservietten, ebenso Salz- und PfefferMÜHLE! Ansonsten nix auf den hellen Tischdecken. Die Stühle gut gepolstert und bequem!
Neben der Standartkarte gab es noch einen Einleger mit ein paar gesonderten Gerichten wir Wolfsbarsch, Dorade und Lammkarree. Hab mir aber nicht alles gemerkt. Die normale Karte überraschenderweise nicht so groß wie erwartet. (Einzusehen im http://www.delphi-ahrweiler.de/index.php/speisekarte)
Zwar immer noch zu viel aber für solche Lokalitäten doch eher reduziert.
Natürlich reichlich Vorspeisen und Salate,  Gerichte vom Grill (Schwein, Lamm, Rind) und die beliebten Grillteller, aber NUR elf Stück. Dazu drei Stück die es nur für zwei, bzw. vier Personen gibt. Dazu fünf Ofengerichte, ein paar Nudeln und etwas Fisch. Diesen hatte ich bei einem Griechen noch nie gegessen… Bis heute…
Angetan war ich auch von der Weinkarte. Neben den obligatorischen griechischen Gewächsen auch ein paar gute von der Ahr. Außer den beiden großen Genossenschaften auch Weine vom Weingut Burggarten aus Heppingen. Wenn schon nicht regionale Küche, dann suche ich wenigstens den Wein aus. Ich entschied mich dann für den Spätburgunder Gutswein <Vulkangestein> 2013. Dazu eine Flasche Wasser. Beides wurde recht flott nach der Bestellung serviert. Zuerst der Wein. Der Chef ließ es sich nicht nehmen mir die Flasche persönlich zu präsentieren und dann mit einem Hausfrauenöffner zu entkorken. Voller Stolz steckte er dann einen Ausgießer mittels weißem Tuch in den (Flaschen-)Hals, welcher auch noch dazu diente beim ausgießen den Wein mit Luft zu versorgen. Das tat dem Wein auch sehr gut. Hatte er doch noch spürbare Tannine, welche sich mit der Zeit aber schnell verflüchtigten. Der Wein an sich toll. Kirscharomen gepaart mit Johannisbeeren und leichtem Holz. Und dazu eine angenehme Länge. Gute Wahl! Das Wasser wurde ebenfalls erst am Tisch geöffnet und jedem eingegossen.
Noch vor den Hauptspeisen wurde uns natürlich ein Ouzo spendiert. Nicht zu kalt, nicht zu warm. Genau richtig. Nur war ich der weiblichen Servicekraft wohl zu langsam. Beim Servieren der Vorspeisen wollte sie mir das Gläschen schon entwenden, doch geistesgegenwärtig konnte ich sie doch noch davon abbringen…
Der Schwiegervater wählte Oktopussalat, ich wählte die Variante vom Tintenfisch. Die Damen sahen zu…
 
 
Kalamria (Tintenfischsalat)
 
Sah gut aus, roch gut, schmeckte gut. Um die zwanzig weich gegarte Ringe der Tintenfischtuben wurden fein mariniert in einer Essig-Öl-Marinade, dazwischen Paprika und Staudensellerie in feinen Würfeln. Rohe rote Zwiebeln brachten Würze , dazu eine eingelegte Peperoni, etwas Tomate und Gurke und eine wohlschmeckende Olive. Schönes Gericht, schmeckte ordentlich. 3,5* Dazu servierte man uns trockenes Weißbrot, welches ich aber nicht anrührte. Der Salat meines Nebenmanns schmeckte fast identisch. Nur der Biss des „Fleisches“ war ein anderer. Auch hat der Pulpo an sich einen feineren Geschmack.
 
Beim Abräumen wurde freundlich nach der Zufriedenheit gefragt. Das benutzte Besteck wurde durch neues ersetzt. Dann kamen auch schon die
 
 
Beilagensalate
 
Bei Anblick dachte ich schon „wie erwartet…“ Eisberg, eine Peperoni, aber auch Radicchio und Rucola. Darunter leider dieser Mix aus Möhren und Kraut aus der Großpackung. Ebenso das zartrosa Dressing. Salz und Pfeffer fehlten gänzlich, da konnten wir uns dank der Mühlen aber helfen.
Das geht besser, war aber auch nicht anders zu erwarten. 2,5*
 
Mengenmäßig war das aber schon ordentlich. Das war ja auch kein kleiner Teller der da reichlich belegt war. Leider etwas lieblos umgesetzt. Dass die Küche aber doch etwas kann, zeigten die Hauptgänge.
 
 
Kalamaria mit Folienkartoffeln und Zaziki
 
Acht oder neun frittierte Ringe, schön im Biss, Für mich leider nicht knusprig genug. Geschmacklich aber ordentlich. Dazu eine dicke Kartoffel mit dicker Schale in der Alufolie. Obendrauf zwei Esslöffel Zaziki. Gute drei Sterne 3,5*
 
 
Gegrillte Dorade mit Folienkartoffel und Zaziki
 
Das Gericht lachte mich schon an der Eingangstür an. Mein erster Fisch bei einem Griechen. Diesmal riskierte ich es und wurde nicht enttäuscht. Leider nur hier auch die Kartoffel mit der dicken Schale. Da sollte man doch auf neue Kartoffeln setzen, das macht mehr Spaß. Das Zaziki war cremig, hatte eine feine Knobinote und ein paar Blättchen Petersilie. Mir persönlich fehlte die Gurke, geschmeckt hat es aber trotzdem. Das eigentliche Highlight war der Fisch. Lecker. Vorbildlich gegart, noch richtig saftig, feines weißes Fleisch. Ich liebe Dorade! Die war perfekt. Im Bauch ein paar Stängel Petersilie, hatte der Fisch auch ausreichend Salz gesehen. Sogar die Bauch- und Rückenflossen waren zuvor entfernt worden, und beim Lösen der Filets mit dem Fischmesser blieb kaum eine Gräte im Fleisch. Purer Genuss. Selbst die Haut auf der Oberseite war knusprig und schmeckte sehr würzig. Nur die Untere ließ ich zurück, war sie doch etwas durchgeweicht durchs liegen. Ich war echt überrascht einen so tollen Fisch hier zu kriegen. 4,5*
 
Die Schwiegereltern hatten einmal Lammkeule mit dicken Bohnen und Reis, welches sehr aromatisch schmeckte, das Lamm butterzart und die Bohnen waren ebenfalls ein Gedicht. Dann gab es noch einen Chronis-Teller: 1 Lammkotelett, 1 Steak, 1 Suzuki, Leber, Gyros,  Zaziki,  Reis. Das Fleisch durchweg saftig und gut gegrillt, der Reis sehr fruchtig und „feucht“, reichlich und sehr schmackhaft.
Ein Dessert wollte danach niemand mehr.  Aber ein Espresso wurde zweimal gewünscht. Dieser kam dann auch schnell mit einer kleinen Tafel Bio-Schokolade, die ich mir dann einverleibte. Nach der Bezahlung, wir waren die letzten Gäste im Restaurant, wurden wir beim Gehen noch freundlich verabschiedet.


Fazit:
 
Wäre das Delphi jetzt in Mainz, würde ich hier auf jeden Fall öfter hin gehen. In Ahrweiler selbst würde ich es nur, wenn ich länger als ein Wochenende dort wäre. Dafür stehe ich doch zu sehr auf die regionalen Spezialitäten.
Das Essen bekommt gute 4* von mir. Abstriche beim Salat, aber das andere hat gefallen und überzeugt.
Der Service war sehr freundlich, auch fix und immer um unser Wohl besorgt. Teller wurden aber dann mal quer über den Tisch gereicht, dem Gast in die Hand, ebenso das Besteck. Gute 3,5*
Ambiente fand ich sehr ansprechend. Nicht zu aufdringlich, zu Wohlfühlen. 4,5*
An der Sauberkeit kann ich groß auch nichts bemängeln. Toiletten waren mehr als in Ordnung, sogar warmes Wasser kam aus dem Hahn. Dazu Papierservietten zum Abtrocknen. Der Gastraum auch ohne Fehl und Tadel. 4,5*
PLV ist,
auch wenn ich nicht alle Preise mitbekam (die Dorade kostete 17,50€, war aber jeden Cent wert), sehr, sehr gut! Selten so gut bei einem Griechen gespeist!
Ich kann das Restaurant empfehlen.
 
 
3,5 – wenn es sich ergibt, gerne wieder!
 
(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder - nach "Küchenreise")
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


kgsbus und 21 andere finden diese Bewertung hilfreich.

Shaneymac und 21 andere finden diese Bewertung gut geschrieben.