Zurück zu karlbacher restaurant | christian rubert
GastroGuide-User: DaueresserGK0712
hat karlbacher restaurant | christian rubert in 67229 Großkarlbach bewertet.
vor 3 Jahren
"Anspruchsvolle, mediterran-französische Gourmetküche, interpretiert von Spitzenkoch Christian Rubert !! Wann kommt der erste Stern ?"
Verifiziert

Geschrieben am 29.04.2017 | Aktualisiert am 29.04.2017
Vielleicht mag man den bekannten Michelin Stern auch gar nicht, könnte man sonst seinen Gästen derart ambitionierte französische Küche so dermaßen "günstig" anbieten ?? Schlägt man die zauberhafte Speisekarte auf, steht ein Satz auf der kleinen DIN5 Seite „Willkommen in unserem französisch angehauchten Restaurant, in dem wir versuchen Genuss-Philosophien in besonderer Art und Weise umzusetzen“. Hört sich gut an, auch, dass die Speisekarte im Karlbacher saisonbedingt alle sechs Wochen wechselt, das ganze rundet ein angebotenes Mittagsmenü inkl. Wein, Petit Four, Amouse Bouche und Kaffee für 32 Euro ab. Ich zeige im Büro das angebotene Mittagsmenü herum. „Zu abgehoben“ und „kann man das überhaupt essen ?“ die Kommentare, gut meine Arbeitskollegen geben sich meist mit Schnitzel mit Pommes und Bratwurst mit Kartoffelbrei aus der Kantine zufrieden. 


Das wohl schönste Fachwerkhaus im Ort gehört seit Jahren dem Ehepaar Ruppert, die hier auch wohnen. Steht man vorne an der Ecke wirkt das pompöse Fachwerkhaus mit hübschem Erker, erbaut im 17. Jahrhundert, imposant. Imposant auch, dass es in Großkarlbach traditionelle Feste gibt. Dazu zählen das über die Region hinaus ausstrahlende Kändelgassenfest am letzten Juliwochenende, die Kerwe im September und der Weihnachtsmarkt. 

Ein richtiges Fest war auch unser heutiges 3 Gang Mittagessen. Insgesamt sind wir jetzt zum dritten Mal hier und zum dritten Mal sitzen wir woanders. Heute im Art „Weinkeller“, neben uns ein großer Tisch schön eingedeckt, eine Baden-Württemberger Gruppe sollte eine Stunde später noch kommen. Beim ersten Besuch saßen wir im atrium-technisch gestalteten Innenhof, heute war es noch dafür eine Spur zu frisch, dennoch waren einige Tische eingedeckt. Eingedeckt war auch unser schöner zweier Tisch direkt an einem Spiegel. In Greifweite eine Schüssel mit diversen Weißweinen. Wir werden nach einem Aperitif gefragt, von dem etwas schüchtern wirkenden Kellner, allerdings ist er Franzose und einfach so. Sympathisch, aufmerksam und freundlich ohne aufdringlich zu wirken. Fragt man ihn nach passenden Weinen leuchten seine Augen. Er kennt den Weinkeller auswendig, kennt die einzelnen Jahrgänge und wie viel Sonnenstunden die einzelnen Weinhänge der diversen Weine in den jeweiligen Jahren abbekommen haben. Ein Profi eben, ich frage nach passenden Weinen zu den einzelnen ausgesuchten Gängen, ich könne ihm da vertrauen, er fragt nur ob ich lieblich-halbtrocken, trocken fruchtig, spritzig-süffig oder souverän ausgebaut bevorzuge.

Er erklärt man habe Weine von bekannten Winzern wie Siegrist, Muggler, Kuhn, Schneider, Klein, Bassermann Jordan, Knipser oder Christmann vorrätig. Gerne macht er mir auch geschlossene Flaschen auf, sofern ich den Wunsch danach habe. Mehr geht einfach nicht.

Wir bestellen unsere Menüs. Auswählen kann man von der Mittagskarte, drei Vorspeisen, drei Hauptgänge, drei Nachspeisen zusätzlich alternativ eine kleine Käseauswahl. Zusätzlich kann man heute noch einen lauwarmen Oktupussalat zur Vorspeise sowie einen lauwarmen Spargelsalat mit Crevetten, Oktopus und Freifang Jakobsmuschel wählen, der kleine Aufpreis von 6 Euro pro Gang fällt hier fast nicht ins Gewicht. Zum Mittagsmenü gibt es ein Wein 0,15 inklusive. Unser Kellner empfiehlt uns einen Cuvee von Muggler einen Weißburgunder-Chardonnay. Den nehmen wir auch zuerst. Das dazu gereichte Wasser (Peterstaler medium) ist optimal (leicht gekühlt) temperiert. 


Wir bekommen einen Brotkorb mit dreierlei Brot hingestellt. 

Dazu gibt es eine aufgeschlagene leicht gesalzene Butter sowie eine Dattel-Creme. Besonders das Brot mit der gold gelbenen Farbe hat es mir angetan,es schmeckte nach leicht nach Parmesan und leckerem Öl. Aber auch das Körnerbrot, sowie das frisch auf gebackene Weißbrot schmeckten ausgezeichnet. Brot wurde immer wieder aufgefüllt, so dass wir, geschuldet auch, dass ich als Abschluss Käse gewählt habe, während unserer knappen 2,5 stündigen Aufenthaltszeit immer was zu knabbern hatte. Besonderes Lob nochmal an den Service, weiter so.


Als Gruß aus der Küche /Amouse Bouche wurde uns eine aufgerollte Scheibe geräucherte Ente serviert. 
Das Federvieh saß in einem saftigen Karottenstampf, dazu gab es noch weißer Tomaten/Orangen Schaum. Klasse !! Der erste Schluck des Weißburgunder-Chardonnay ging runter wie Öl, wir freuten uns auf den ersten Gang. Meine Frau bekam ihr Süppchen:


Eine Spargelschaumsuppe, mit einem Speck-Flan (Brot) als Einlage. 
Spargelschaumsuppe mit Einlage
Dazu gab es noch gerösteter Speck als Crunch. Die Spargelsuppe hatte eine ausgezeichnete leichte Säure und hob den Spargelgeschamck hervor, war ausgezeichnet abgebunden und abgeschmeckt, hier musste man nichts nachwürzen, auch hatte sie eine perfekte Temperatur und eine perfekte Konsistenz.


Mich lachten die Dreierlei-Lachs-Variation mit Avocado, Melone und Granatapfel am meisten an. Ich entschied mich dafür. Ich bin nicht der Fischexperte, aber jeder der drei Lachsarten/Sorten hatte einen anderen Geschmack. 
3erlei Lachs mit Melone, Granatapfel und Avocado
Die milde Avocado und auch die fruchtige Melonenstückchen harmonierten da perfekt dazu. In der Mitte das Highlight. Eine Art Blini, das war so ein französischer Biskuit, locker fluffig und fast schon cremig, eingewickelt mit Lachs und Kresse. Hammer. Der Koch beindruckte mich mit dem ersten Gang dermaßen unheimlich, so viel diverse Geschmäcker und ein perfektes Gesamtbild mir aufzutischen.

Danach wurde wieder Brot und Butter aufgetischt, der Kellner kam mit 2 geschlossen Flaschen Rotwein. Einer war von Kuhn und einer von Muggler. Er empfahl mir zu den Rinderschmorbäckchen den Muggler Merlot, ein 2014er Jahrgang, der 2013er Jahrgang wäre wohl zu dominant zum Rind, hätte er aber auch da. 

Ich nahm die Empfehlung an. Der erste Schluck erinnerte mich an einen Kirschbaum, richtig fruchtig und dennoch edel am Gaumen (zu diesem Zeitpunt hatte ich etwas Angst, dass dieser Wein allein um die 15 Euro kostete, denn er wurde großzüig, fast schon ein Viertel eingeschenkt). Dazu servierte man mir in einem modernen Teller die geschmorten Rinderbäckchen, 
Geschmorte Rinderbäckchen in Rotweinjus
auf einem geschmorten Gemüsepüree und einer edlen Rotweinjus. In einer separaten Tasse servierte man mir selbst hergestellte Bandnudeln, diese wurden leicht in Butter und wenigen Kräutern geschwenkt. Die Rinderbäcken zerfielen auf der Zunge, aber ich hatte mir so kleine halbrunde Bäckchen vorgestellt, es waren dann am Ende glattgezogene Scheibchen mit einer Dicke von ca 1- 2 cm. Dennoch waren sie innen noch leicht rosa (wie geht das ?). Schmeckte mir ganz ausgezeichnet.


Ausgezeichnet auch der Hauptgang meiner Frau. Große Seeteufel Medaillons, 
Seeteufel
auf einem Artischocken-Ragout mit einem Parmesanpüree (separat) serviert. Der Seeteufel wunderbar aromatisch, glasig und auch groß portioniert. Da lag bestimmt 200-250 Gramm Seeteufel auf dem Teller. Das Gemüse dazu perfekt, auch das Parmesan-Püree schmeckte ganz fantastisch.


Wieder kam der Kellner an den Tisch und fragte nach, ob er mir einen Knipser Spätburgunder aufmachen könnte, Jahrgang 2013, er würde dem gereiften Mönchshof-Käse und dem französischen Ziegenkäse genug Platz zur Aroma Entfaltung geben, zu diesem Zeitpunkt fast schon gut angeheitert sagte ich zu. Wieder wurden fast 0,2 Knipser Rotwein eingeschenkt. 
Käse und Süßes
Auf einem edlen Holzbrett kamen dann diverse Käsesorten, dazu gab es Früchtebrot sowie nochmal ein Korb voll mit Weißbrot. Als Käsebegleitung gab es einmal eine Art Pflaumenmarmelade sowie Quitten-Ingwer Marmelade. Egal welche Kombination, mir hat alles wunderbar geschmeckt.


Meine Frau bekam zeitgleich ihre französische Dessertvariation serviert.

Eine Art Granatsplitter, dazu eine Tarte mit einer Art Creme-Brülee Füllung, noch ein kleines Stück Küchen mit einer Aprikosenfüllung sowie einer Art halbgefrorenes Nusseis mit einer Art Souffle in einem separaten Gefäß. Alle Dessert hatten unterschiedliche Temperaturen und Garzustände. Fluffig, cremig etc.


Zum Abschluß servierte man uns noch jeweils 2 starke Espresso sowie Petit Four. An einem Holzstäbchen frisch auf gebackener Kuchen, das ganze eingelegt in lauwarmer Vanillesauce.


Fazit:
Erleichterung als ich die Piratenschatzkammer bekam, in der lag die Rechnung. Für die Weinreise wurden mir 2x 4,50 extra berechnet, dazu zwei Mal das Mittagsmenü inkl. Amouse/Bouche und Petit Four, so dass wir zu zweit keine 80 Euro als Gesamtbetrag hatten. Ich hatte schon mit Kosten für ein großes Playmobil Piratenschiff gerechnet, was wir auch ohne zu Zögern bezahlt hätten, denn das ganze was wir heute erlebt haben müsste eigentlich schon dreistellig kosten. Das war es definitiv wert, so viel zahlen wir im Marlys oder im Dobler auch immer und das ganze hier im Karlbacher war auf gleichem hohen Niveau. Dementsprechend hoch war das Trinkgeld. Wir kommen wieder !!


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