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GastroGuide-User: PetraIO
hat Restaurant Spinne in 67433 Neustadt an der Weinstraße bewertet.
vor 9 Monaten
"Mandelblüte ohne Fest, vor dem nicht zu erwartenden „Coronablues“."
Verifiziert

Geschrieben am 28.04.2020 | Aktualisiert am 28.04.2020
Besucht am 14.03.2020 Besuchszeit: Abendessen 2 Personen Rechnungsbetrag: 130 EUR
Seit einigen Jahren wollen wir schon zur Mandelblüte nach Gimmeldingen.

Jährlich sieht man in den Medien die herrlichen Bilder der blühenden Mandelbäume, aber auch die Menschenmassen die sich dieses Naturschauspiel nicht entgehen lassen wollen. Und genau die Menschenmassen hielten uns bisher von dem Ausflug ab. Oder wir verpassten den richtigen Zeitpunkt, vor oder nach dem Mandelblütenfest nach Gimmeldingen zu reisen.

Am 4.3. hörte ich morgens im Radio, das Mandelblütenfest sei wegen der Coronapandemie abgesagt. Ich witterte unsere Chance, die Mandelblüte ohne Menschenmassen zu sehen!

Das Restaurant und Gästehaus Spinne in Gimmeldingen war schnell gefunden und auch die Speisekarte gefiel.
Ich rief gleich an. Die Chefin, Christiana Mix, war gleich am Telefon. Ein Zimmer und ein Tisch für den Abend war noch frei für uns. Sie selbst hatte bei unserem Telefonat noch gar nicht gehört, dass das Mandelblütenfest abgesagt wurde.
Meine Reservierung wurde kurz darauf sehr freundlich per eMail bestätigt.

Christiana Mix und Jörg Friedrich führen das Haus gemeinsam seit über 10 Jahren. Beide waren vorher erfolgreich in der Gastronomie tätig.

Dass sich unsere Welt innerhalb von 10 Tagen durch Corona vollkommen verändert, hätten wir sicherlich alle nicht erwartet. Am Tage der Buchung sah ich alles noch völlig entspannt. Hygieneregeln beachten, Abstand halten. Kurz vor dem Wochenende telefonierte ich nochmals mit Frau Mix. Auf eigene Initiative wurde der Restaurantbereich schon verändert  um mehr Abstand zwischen den Tischen zu gewährleisten.

Am frühen Samstagnachmittag trafen wir in Gimmeldingen ein. Etwas versteckt, aber dadurch sehr ruhig, liegt das wohnliche Sandsteinhaus im Ortsteil Haardt.
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Parkplätze stehen für die Gäste zur Verfügung. Bei voll belegtem Haus und Restaurant könnte es eng werden. Gehbehindertengerecht ist das Haus nicht.

Frau Mix begrüßte uns herzlich und zeigte uns unser hübsches Zimmer. Die zur Verfügung gestellte Leselektüre war perfekt getroffen und sorgte für herzhafte Lacher!
Tolle Begrüßung!
Es blieb noch Zeit vor dem Abendessen für einen Spaziergang durch Gimmeldingen und die angrenzenden Weinberge. Der Ort war noch verschlafener als erwartet. Mit Mühe entdeckten wir ein Gasthaus, um ein Glas Wein zu trinken.

Pünktlich trafen wir zum Abendessen im Restaurant ein.

Frau Mix begrüßte uns nochmals, führte uns zum reservierten Tisch und reichte die Speisekarte sowie die zusätzliche Weinempfehlungen. Frau Mix ist ausgebildete Weinfachfrau, auf ihre Empfehlungen war an diesem Abend Verlass.
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Das Restaurant hielt Wort: Nur jeder 2. Tisch war belegt. Das Ambiente sehr gepflegt, bequeme Bestuhlung, angenehme Beleuchtung, frühlingsfrische Tulpen. Wir fühlten uns ausgesprochen wohl.
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Wir starteten mit 2 Gläsern Riesling Sekt á € 6,50. Dazu gesellte sich ein Schälchen mit kleinen Salzbrezeln.
Und natürlich unserer Flasche Mineralwasser, 0,75 l - € 5,20.

Wenig später wurden 2 Sorten frisches Brot, Salzbutter und eine luftig aufgeschlagene Creme gereicht.
Auftakt
Es folgte Fingerfood.
Fingerfood-Amuse
Eine Seepocke diente als Halter für kleine Crêpes mit Garnelenfüllung
Crepe mit Garnelenmousse
und kleinen, sehr saftigen, Kaninchenkeulen
Kaninchenkeule.

Frau Mix stand immer aufmerksam zur Verfügung und nahm unsere Wünsche zum Wein entgegen. Ich entschied mich für die Empfehlung des trockenen Blanc de Noir – 0,25 l - € 7,00, vom ortsansässigen Weingut Weegmüller.
Mein Mann wählte vom Weingut Christmann in Gimmeldingen den trockenen gelben Muskateller – 0,25 l / € 7,00.

Unsere Vorspeisen wurden nach sehr angenehmer Wartezeit serviert.

Ich war mal mutig. Und entschied mich für eine, für mich sehr ungewöhnliche Speise:
Schweinebauch sous vide gegart- Weisskrautsalat – geschmorte Orangen - € 16,00.
Schweinebauch sous vide gegart
Sehr appetitlich sah die Vorspeise aus. Mein Mann entdeckte auf den Orangen kleine Körner. „Ist das Kümmel?“ fragte er besorgt. Denn er weiß: Kümmel hasse ich. Da ist das Frühstück gelaufen, wenn sich ein Kümmelkorn auf meinem Brötchen verirrt!

Kümmel konnte ich mir bei der Kombination mit Orange beim besten Willen nicht vorstellen. Unbekümmert antwortete ich „Das ist bestimmt Fenchelsaat“. War es nicht…

Das Fleisch butterzart, würzig mariniert /glasiert. Da war ich sehr angetan. Auch der Weiskrautsalat und die Orangen, einfach klasse. Tja, aber der Fenchel entpuppte sich tatsächlich als Kümmel in großzügiger Dimension.

Frau Mix erkündigte sich zwischenzeitlich nach unserer Zufriedenheit. Die Kümmelpräsenz ließ sich leider nicht ändern. Ich war über mich selbst verblüfft, aber ich konnte es essen uns sogar etwas genießen. Der Kümmel war schön weich mitgegart worden und dadurch milder. Bei vielen Gerichten frage ich vorher, ob Kümmel verwendet wird. In dieser Kombination habe ich definitiv nicht mit Kümmel gerechnet und nach meinem Geschmack wäre Fenchelsaat die feinere und stimmigere Wahl gewesen. Der Küche mache ich keinen Vorwurf, das verbuche ich unter „persönlichem Jammern auf hohem Niveau“.

Mein Mann konnte Frau Mix beruhigen. Seine Vorspeise absolut nach seinem (und meinem) Geschmack!
Gamba  gebraten – Papaya – Limonendressing - € 18,00.
Gamba gebraten – Papaya – Limonendressing
3 große Garnelen, saftig und noch leicht glasig gebraten. Dazu der bunte Papayasalat, Frühlingszwiebeln und frischer Koriander nahmen etwas die Süße und gaben frische Akzente. Das Limonendressing passte perfekt.

Zum Hauptgang entschieden wir uns beide für das
Filet vom heimischen Zander – Alb-Leisa-Linsen – Trüffel-Kartoffelpüree  - € 22,00.
Filet vom heimischen Zander – Alb-Leisa-Linsen – Trüffel-Kartoffelpüree
Ein noch leicht winterliches Gericht. Aber ganz nach unserem Geschmack. Zwei großzügige Zanderstücke, saftig und leicht kross auf der Haut gebraten. Beim Kartoffelpüree kam das Eigenaroma der Kartoffel noch gut durch, aber auch Trüffel war vorhanden (leider kein frischer Trüffel obenauf). Die nussigen, kleinen „Alb-Leisa“ waren genau richtig, noch mit ein wenig Biss. Ein leichtes Sahnesößchen rundete das Gericht ab.

Aufmerksam wurde wenig später die Dessertkarte gereicht.
Mein Mann fand das perfekte Angebot:
Espresso Gourmet – € 7,50. Espresso – saftiger Schokobrownie und ein cremiges Vanilleeis mit Kürbiskernöl.
Espresso Gourmet
Eine tolle Kombination.

Ich war zu satt für ein Dessert. Mein Dessert in flüssiger Form stammte aus meiner Heimatstadt: Killepitsch – € 4,00. In der geheimen Rezeptur des 42%igen Kräuterlikörs ist sicherlich auch Kümmel enthalten. Aber in flüssiger Form schmeckte mir Kümmel schon immer.
Killepitsch in bester Gesellschaft
Das war ein sehr schöner Abend.
Blick in die Rheinebene
Und nach einer ruhigen Nacht wurden wir am nächsten Morgen mit einem Frühstück überrascht, dass wirklich keine Wünsche offen ließ.

Eine freundliche Mitarbeiterin servierte alles frisch am Tisch, kein unruhiges Gerenne zum Buffet. Wunderbar. Ich lasse zum Frühstück einfach die Bilder sprechen.

Das war ein toller Ausflug und im Nachhinein sind wir sehr froh, diese persönliche „Corona-Abschlussfahrt“ gemacht zu haben.

Am nächsten Tag waren bei strahlendem Sonnenschein doch sehr viele Besucher unterwegs.
Wir waren früh dran und hatten unsere Mandelblütenwanderung beendet, bis der Andrang der Menschen zu stark wurde.
Die Mandelblüte!
Alles Gute für die „Spinne“, Frau Mix, Herrn Friedrich und dem Team. Inzwischen bietet die Spinne vorbereitete Menüs zum Versand an. Kreative Ideen sind nötig, wir hoffen dennoch, dass sich die Lage bald deutlich entspannt und die Gäste sich wieder gemeinsam und gesellig zum Genießen einfinden.
 
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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