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GastroGuide-User: DaueresserGK0712
hat Ristorante Roma in 68163 Mannheim bewertet.
vor 2 Jahren
"Es muss nicht immer Lamm zu Ostern sein, es reicht auch das weltbeste Saltimbocca oder Asino che ha fame, mangia di ogni strame"
Verifiziert

Geschrieben am 02.04.2018 | Aktualisiert am 02.04.2018
Besucht am 01.04.2018 Besuchszeit: Mittagessen 3 Personen Rechnungsbetrag: 112 EUR
Ein bekennender Dauer essender Kritiker hat bereits in einer Vorrezi zum Roma geschrieben: „Anhänger der edlen kulinarisch-italienischen Küche sollten für einen mediterranen Hochgenuss mindestens einmal im halben Jahr auf den Lindenhof, einem der Vorzeige-Viertel in Mannheim fahren, um im Roma zu speisen“ - an diesen Spruch haben wir uns leider nicht gehalten, wir hatten einfach zu viel um die Ohren die letzten Wochen und Monate. Und wenn man etwas mitbringen sollte, wenn man ins Roma gehen möchte, dann ist es Zeit. 
Heute wurde leider bei unserem Besuch an unserem Tisch, als auch am Tisch hinter uns am Fenster und am Tisch neben uns leider mit der Wartezeit und den standardisierten fehlenden Aufmerksamkeiten eines geschulten Serviceteams  dermaßen übertrieben, dass die Gäste am Fenster bereits Scherze auflegten und u.a. ein Uno Kartenspiel herausholten, um die Wartezeit auf die Speisekarten wohlgemerkt zu überbrücken.




Kenner wissen die mindestens vier gängige Küche Italiens zu schätzen. Gestartet wird meist mit >Anti Pasti<, dann kommt der erste Gang ( Primo Patto), danach der zweite Gang (Secondo Piatto) zum Abschluss die Süßspeise (Dolce). Genauso ist es auch im Roma. Wöchentlich wechselt das 4 Gang Menü auf der Homepage, entscheidet man sich für Meerestier, dann bietet das Restaurant meist Risotto oder Pasta mit Fisch an, entscheidet man sich für Carne (Fleisch) gibt es was fleischiges im ersten Gang zu der Pasta. Wir suchen im Vorfeld einen Italiener für das 2018er Osterfest raus, und so stolpere ich über das angebotene Ostermenü. 
Aus der kann man entweder einen, zwei, drei bis hin zu einem kompletten Menü inkl Dessert (4 Gänge) sein Menü selber zusammenstellen. Bisher kannten wir es im Roma so, dass es dazu noch eine reduzierte Auswahl der ala Card Gerichte gab, heute war dem nicht so, aber nach einer reifen Überlegung hat dann doch jeder an unserem Tisch sein Wunsch-Ostermenü gefunden.

Verändert hat sich im Innenraum seit dem letzten Besuch fast nichts. Die Wände sind aus Sandstein, der Rest in gelb sandigen Farben. Die hellen Tischdecken sind geziert mit den gelblichen Stoffservietten, auf jedem Tisch steht ein Wasserglas mit zwei Tulpen. Was uns ein wenig gestört hat: Reservieren die Gäste so wie wir zu dritt, wird der vierte Stuhl weg genommen und  dieser als 5. Stuhl für eine reservierte Fünf-Mann Gruppe an einen Vierer Tisch gepresst. Wir saßen wieder im hinteren Bereich des Restaurants (kommen lediglich die Stammgäste in den helleren vorderen Bereich?), auf knapp 20 qm saßen heute über mehrere Stunden 42 Gäste. Das ist einfach "to much", zudem die Servicekräfte heute bei der riesigen Anzahl von Gästen öfter mal den Überblick verloren haben, aber dazu später mehr.


Wir bekommen unseren DreierTisch zugewiesen, der grenzt genau an die Küche, die lediglich vom Gastraum mit einer Trockenbau-Zwischenwand getrennt ist. Hin und wieder haben wir Küchengeräusche gehört, auch ist uns heute aufgefallen, dass ruhig Eros Ramazotti aus den Lautsprechern hätte singen können. Dem war leider nicht so, wir sitzen an unserem Tisch und schauen uns an. Wir warten ca 15 Minuten bis wir endlich die Osterkarte mit den diversen Speisen bekommen. Das ist einfach zu lang. Mit uns zeitgleich füllte sich der hintere Tisch am Fenster, die ganze Gruppe wartetet ca 45 Minuten, bis sie endlich die Speisekarten bekamen. Unsere weibliche Bedienung die heute im Service war, verlor immer wieder den Überblick. Auch ging sie immer wieder an den Tischen mit Restgeschirr vorbei, wir hatten zb nach gut einer Stunde die Wasserflasche leer aber anstatt nachzufragen ob wir noch eine zweite oder dritte Flasche haben wollen, dachte sich wohl die Dame „ Meglio sdrucciolare coi piedi che non la lingua.“ lieber ein paar unorganisierte Schritte mehr gehen, als einfach, strukturiert und effektiv zu arbeiten.


Meiner Schwiegermutter war nach Salat zum Einstieg, kurze Nachfrage beim Kellner. Nein, heute gibt es kein Salat, lediglich der Salata de Mare, aber da sei lediglich ein Stück Chicoree quasi als Schale dabei. Heute kein Salat und keine Suppe. Als Antipasti gab es heute: Vitello Tonnato // Carpaccio die Filetto (Rinderfilet) // Insalta Frutti di Mare übersetzt ins deutsche mit Insalta Frutti di Mare(!!) komplettiert von Carpaccio di Tonno. Zu trinken nahmen wir wie erwähnt eine Flasche Wasser, meine beiden Begleiterfrauen verzichteten auf die Antipasti, für mich sollte es dann doch Vitello Tonnato sein (Aufpreis von 6 Euro). Bei der Bestellung fragte ich nach einem geeigneten Rotwein für die beiden Hauptgänge, der Kellner empfahl mir einen Montepulciano. Zeitgleich waren die vier etwas ältere Herrschaften am Nachbartisch fertig, sie warteten bis die Teller leergeräumt wurden, auch gab es hin und wieder Handzeichen, das wurde aber alles überhört, so dass ca 45 Minuten die Teller auf dem Tisch herum standen. 

Das Vitello kam dann nach ca 30 Minuten, 

die Kalbfleischscheiben etwas dicker als das was wir gewohnt sind, dafür waren die kalten Scheiben sehr sehr saftig. Ausgezeichnet die Weißwein-Thunfischcreme, als Kontrast gab es frische, saftige etwas groß dimensionierte Kapern. Anti Pasti  - Ausgezeichnet. Ein Gruß aus der Küche gab es leider nicht, so dass meine Begleitfrauen langsam große Augen bekamen, das Hungergefühl machte sich breit. Ich hatte Lust auf Wein, bestellte noch zum Rotwein einen Weißwein. Der kam aber nicht. Also bestellte ich ein Paulaner Hefeweizen, das ging ziemlich flott am hinteren Tisch. Das kam dann auch schon knappe 5 Minuten später, mein erster guter Durstlöscher (das Wasser war zu diesem Zeitpunkt schon aufgebraucht).





Primi Piatti: Kam dann insgesamt nach 90 Minuten. Für die beiden Damen: Tortelloni ricotta e spinaci – selbst gemachte Spinat-Tortellini gefüllt mit Ricotta in einer feinen sämigen Käsesauce:



für mich Tagliatelle Filetto – selbstgemachte Tagliatelle mit Rinderfiletspitzen in einer fruchtigen Sauce.



Die Spinat-Tortellini waren ein Traum. Schön "al dente", hervorragender Nudelgeschmack, die Füllung ein fluffiger Traum, die nicht allzu schwere Sauce ein Träumchen. Meine Tagliatelle hatten ebenfalls sehr guten Biss, die Sauce schön abgeschmeckt, was gar nicht ging: die Rinderfiletspitzen. Die waren komplett futuristisch zubereitet. Heißt ohne Gewürze, ohne Salz und Pfeffer. Wie schade. Ich würzte drei, vier mal nach, aber das half nichts. Die Spitzen waren saftig und weich, leider schmeckten sie total langweilig und machten dieses eigentlich schöne Gericht zu nichte. Also gab ich eine Erinnerung an den Kellner, wo denn mein bestellter Rotwein bliebe, ich bräuchte was zum spülen. Das wurde überhört. Am Nachbartisch übrigens warteten die Herrschaften immer noch auf das Abräumen der Teller …..









Secondo Piatto: Bestellt wurde Bistecc al Pepe – argentin. Gegrilltes Rumpsteak mit Pfeffersauce und Gemüse medium-done. Salmone alla griglia – gegrillte Lachs mit Gemüse, schließlich noch für meiner einer  Saltimbocca alla Romana. Fangen wir mit dem Saltimbocca an. 



Das Weltbeste was ich jemals gegessen habe. Kalbfleisch schön dünn, superb gewürzt, der Parmaschinken und die Salbei Weißweinsauce ein absolutes kulinarisches Träumchen. Ich hatte dazu Rosmarinkartoffeln, da fehlte mir etwas der Rosmaringeschmack, dennoch ein sehr guter Begleiter. Auf den Rotwein wartetet ich übrigens immer noch, also bin ich zum Chef hinter die Theke und habe ihn gebeten, mir endlich meinen Rotwein zu servieren, ich hätte schon mehrere Erinnerungen den Servicekräften mitgeteilt. Er entschuldigte sich, heute liefe alles irgendwie aus dem Ruder im Service.





Der gegrillte Lachs meiner Frau war eine kleine Holzfällerportion, ein Stück hätte vollkommen gereicht, 



sie hatte drei groß dimensionierte Lachsstücke auf dem perfekt vorgeheizten Teller. Der Lachs ein Traum in braun. Außen leicht kross mit Butter/Zitrone Schmor-Aromen, innen perfekt glasig und wunderbar gewürzt. Leider schaffte sie den Teller nicht ganz. Das dazu servierte Gemüse ebenfalls nicht nur optisch,sondern auch kulinarisch ein Aushängeschild. Fenchel in Ringen, Saubohnen, Brechbohnen, Karotte etc. alles perfekt gegart und angenehm gesalzen.





Das Rumpsteak verdiente den Namen Steak zu recht,



 hatte gute 250 Gramm, schön angerichtet. Leider war es nicht wie gewünscht: medium-done sondern medium-rare. Das gab dem tollen Fleischgeschmack aber keinen Abbruch, die Pfeffersoße angenehm nach grünem Pfeffer erinnernd, auch sie hatte das perfekt zubereitete Gemüse. Es musste meiner Schwiegermutter außerordentlich gut geschmeckt haben, denn eigentlich isst sie nur Rumpsteaks wenn sie die Garzustand von leicht rose zu done gehen.


In der Zwischenzeit wurde dann der Montepulciano serviert, wegen des Vergessen der einzelnen Weine bekamen wir jeweils einen Sambucca mit angezündeten Espressobohnen aufs Haus. Bezahlt haben die beiden Damen 29,90 für ihr Menü, ich zahlte 35,90 (inkl. Anti-Pasti). Als Dessert wurde uns heute angeboten: Tiramisu, Panna Cotta, Tartufo oder meine (geliebte) Cassata Siciliana – selbst hergestellte Zabalione- & Schokoladeneis und eine Fülle kandidierter Früchte. Schade, aber wir waren satt und waren es der enormen Wartezeit der Gerichte leid, außerdem stand irgendwann die Luft dermaßen im Restaurant, dass mir etwas schwindelig wurde.

Fazit:

Nessuno nasce maestro - Niemand wird als Meister (im Service) geboren. Das war heute definitiv im selbigen zu wenig. Das Essen,bis auf die Ausnahme mit den vergessenen Gewürzen beim Rinderfilet ausgezeichnet, so dass ich auf ein gemischtes Fazit und 3,5 Sterne im Gesamten komme.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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