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GastroGuide-User: Karibiksonne210
hat Restaurant Wilder Mann in 72574 Bad Urach bewertet.
vor 2 Jahren
"Bad Urach - Stadt der Badegäste und Touristen"
Verifiziert

Geschrieben am 07.05.2017 | Aktualisiert am 07.05.2017
Besucht am 03.05.2017 Besuchszeit: Mittagessen 3 Personen
Schon einige sehr gute Bewertungen haben mich dazu bewegt, den "Wilden Mann" auf meine To-Do-Liste zu setzen.Selbst im Michelin ist er gelistet, die mal schrieben: besonderen Wert legt Chef Michael Bischoff auf guten Fisch- nichts liegt da näher als das "gebratene Steinbeißerfilet mit Pernodsauce und frischen Erbsen" oder "Jakobsmuscheln auf lauwarmem mediterranen Kartoffelsalat" zu probieren.

Am heutigen Tag können wir das auf der Speisekarte nicht finden, dafür vier Menüs, die in 3 oder 4 Gängen ausgewählt werden können. Ein geringfügiger Austausch der einzelnen Gänge wäre möglich gewesen. Wem ein Menü zuviel ist,der kann auch einzelne Gänge daraus bestellen und das dann zu einem Preis der hinter jeder Speise ausgewiesen ist. Interessantes wie eine Kokos-Zitronengrassuppe mit Gemüsestreifen (6,50 Euro), diese gibts auch noch wertiger im Angebot mit gebratenen Riesengarnelen (10,50 Euro). Dafür einfallslos und schnell aufgezählt ist das vegetarische Angebot mit Stangenspargel, dazu neue Kartoffeln oder Kräutercrepe und Sauce Hollandaise. Wahlweise wird dieser mit San Daniele Schinken, gebratenem Meeräschenfilet (25 Euro) oder gegrilltem Kalbsfilet (30 Euro) serviert. Auch Klassiker wie Wiener Schnitzel und Bratkartoffeln (14,50 Euro) oder geschmorte Ochsenbäckchen mit buntem Wurzelgemüse und handgeschabten Spätzle (19 Euro) sind zu haben.

Gleich zu Beginn gibts frisches aufgeschnittenes Baguette mit Speckbutter und Kräuterquark, das alles viel zu viel Salz enthällt. Kurz darauf grüßt die Küche mit einem Spargelcremesüppchen. Hätte ich s nicht gewußt, wäre ich komplett daneben gewesen, denn es schmeckte wie aufgeschäumte Milch, sahnig-fad mit kaum nennenswertem Spargelgeschmack.Die Spargelsaison hat noch nicht wirklich begonnen, und daß die weißen Stängel dann noch nicht intensiv schmecken, damit ist zu rechnen. Dazu gab es ein Lachscrepes, aufgespießt und dekorativ über das Glas gelegt.

Meine als Vorspeise bestellten Jakobsmuscheln mit gebratener Blutwurst, die abwechselnd geschichtet auf "Himmel und Erd" (14 Euro) lagen, waren gelungen, obgleich ich die Portion für eine Vorspeise mächtig fand. Auch das viele Kartoffelstampf hätte für mich nicht sein müssen, die Äpfel bzw. das Apfelmus war nicht unter das Stampf gerührt, sondern die gegarten Apfelspalten lagen dekorativ darauf. Himmel und Erd wurde von Frau Service ohne lange nachzudenken neu interpretiert: "mit Erd seien die Kartoffeln gemeint und die Blutwurst für den Himmel, aber fragen sie bitte nicht warum Blutwurst, das weiß ich nicht". und weg war sie ...

Die beiden Servicedamen, eine davon von drieben, machten ihren Job, nicht mehr und nicht weniger. Zügig und routiniert, jedoch ohne Charme, Freundlichkeit und Lächeln, emotionslos und abgestumpft - der to-do-Plan wird an unserem Tisch abgearbeitet, runtergeleiert wird, dass das Meeräschenfilet aus ist, gleichzeitig und zackig wird die Kerze angezündet und die Getränkebestellung aufgenommen.

Ja die Kerze brauchts hier drinnen. Obwohl draußen freundlichster Frühlingstag ist, ist es im Gastraum, auch dank dunkler Holzbalken an der Decke und den altbackenen terracottafarbenen Bodenfliesen, recht düster. Einerseits werden dann weiße Stofftischdecken aufgelegt, die dann mit einem dunkelroten Tischläufer wieder abgedeckt werden. Vielleicht soll sich die Farbe nur in der Arbeitskleidung der beiden Servicefrauen wiederholen: strenge dunkelrote Blusen mit einer Krawatte.

Auch gut gemeint ist die Portion des Hauptganges mit einem Karree vom Stotz-Lamm auf weißem Bohnenpuree, Pancetta-Buschbohnen und Birnen-Kartoffel-Gratin (28 Euro): drei Stücke hervorragendes Fleisch vom Schäfer Stotz aus Münsingen, nicht müffelnd sonder sehr schmackhaft und zart, dazu ein Nierle. Mal was anderes fand ich die Kombination von Birnen im Gratin. Die oberste Schicht war wieder sehr salzig (ich vermute der Käse). Das Auge isst mit und ich habe alles besonders dekorativ angerichtet empfunden. Die Fleischqualität war auf jedenfall sehr hochwertig.

Verziehen sei das zwischen dem Hauptgang und Dessert bestellte Rotweinschorle, das dann zu spät, und erst vor unserem Bezahlen-wollen kam. Es ging dann zurück.

Das Lokal war an diesem Mittag bis auf den letzten Platz gefüllt, in der Überzahl mit Familien, bei denen Oma und Opa zum Mtagessen eingeladen haben. Vermutet hätte ich noch Touristen und Badegäste, von denen es in der Stadt nur so wuselte, aber die scheinen sich anderweitig zu versorgen. Uns wird es nicht mehr dorthin ziehen: das Essen löste keine Begeisterungsstürme aus. Das Ambiente ist rustikal duster. Die Bedienungen sind wie auch die Raumtemperatur, kühl. Zu den Toiletten gehts eine Etage tiefer durch ein Treppenhaus. Beim Gang dorthin hätte ich eine warme Jacke gut gebrauchen können.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


Jens und 7 andere finden diese Bewertung hilfreich.

kgsbus und 7 andere finden diese Bewertung gut geschrieben.