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GastroGuide-User: marcO74
hat Poseidon in 76829 Landau in der Pfalz bewertet.
vor 6 Jahren
"Landauer Traditionsgrieche in heimeligem Kellergewölbe"
Verifiziert

Geschrieben am 23.09.2015 | Aktualisiert am 24.09.2015
Besucht am 19.09.2015
Es gibt nicht wenige, die behaupten, dass es in Landau in der „Greek Avenue“ (= Martin-Luther-Straße) mehr gute griechische Lokale gebe, als das in der gesamten restlichen Südpfalz der Fall ist. Genau genommen sind es zwei Restaurants, die in Sachen Produktqualität und Ambiente tatsächlich herausragen. Das von mir auf GG schon beschriebene „Olympia“ und das unmittelbar gegenüber, mittels Durchgang zu erreichende „Poseidon“. Beides sind geschätzte Landauer Traditionslokale, die schon viele Jahre ihre Gäste anlocken und durch ihre konstant gute Küchenleistung auf ein beachtliches Stammklientel verweisen können. Während das „Olympia“ bei den Speisen (meiner Meinung nach) knapp die Nase vorne hat, kann das „Poseidon“ mit seinem gemütlichen Gewölbekeller punkten.


Gerade nach sportlicher Betätigung am Wochenende, sind wir gerne im „Poseidon“ zu Gast. Schon am Eingang auf dem Weg ins Souterrain-Gewölbe wird man freundlich begrüßt. An warmen Tagen bzw. Abenden sitzt man idyllisch im Innenhof bei deftigen Fleischgerichten vom Grill und genießt bei einem gut gekühlten Weißwein griechischer Provenienz ganz mediterran den Tagesausklang. Da es in letzter Zeit vom Wetter her eher unsicher war, zogen wir es vor, im griechischsten Keller Landaus Platz zu nehmen. Die Ouzos zur Begrüßung lassen nie lange auf sich warten und erleichtern den Einstieg ins „Grill-Fleisch-Geschäft“ ungemein.

Hervorzuheben ist, dass man seit ein paar Monaten zur normalen Speisenkarte noch eine saisonal wechselnde Empfehlungskarte reicht. Sie ergänzt das übliche Angebot mit leckeren Gerichten „außer der Reihe“ und sorgt damit für Abwechslung. Schade, dass solche monatlichen „Specials“ in kaum einem (mir bekannten) griechischen Lokal in der Umgebung (das „Sokrates“ im etwas weiter entfernten Karlsruhe einmal ausgenommen) angeboten werden. Also ließ ich die üblichen Fleisch-Verdächtigen - zuerst einmal - links liegen und orderte vom „Extrablatt“ die Pfifferling Cremesuppe (3,50 Euro) vorneweg und die mit Hackfleisch, Béchamel Sauce sowie Feta- und Manouri-Käse gefüllten und überbackenen Cannelloni (10,90 Euro). Der Weinempfehlung, einem harmlos-süffigen Moschofilero aus Mantinia (Peloponnes) für 5,90 Euro das Viertel, kam ich ebenfalls nach. Mein Kollege zog mit der Tomatencreme (3,30 Euro) zwar suppentechnisch nach, entschied sich aber doch für Altbewährtes, indem er den Gyros mit Zaziki und Tomatenreis (10,50 Euro) bestellte. Wäre unser Hunger an diesem Abend größer gewesen, hätten wir sicherlich – wie schon so oft – die „Rhodos-Platte“ für 2 Personen (mit 4 Lammkoteletts, 2 Suzuki (Hacksteaks), 2 Suflaki (Spieße), jeder Menge Gyros, Tomatenreis, Pommes-frites, Alibi-TK-Gemüse und Zaziki für 32 Euro) in Auftrag gegeben.

Bei der Suppe hatte mein Kollege den besseren Riecher. Seine Tomatencreme war gut abgeschmeckt und hatte eine angenehme Würze. Meiner Tasse „Pfifferling-Püree“ fehlte doch entschieden der Geschmack. Bei einer Cremesuppe sollte man die Verwendung von Sahne in Erwägung ziehen. Da fehlte das Fundament aus Gemüsebrühe oder Fond, das solche Suppen erst mit Leben füllt. Die überbackenen Cannelloni waren dagegen richtig lecker. Eine Art Moussaka mit Nudeln. Wenn ich mich recht erinnere, hatte ich bei meinem ersten Griechenland-Trip im Jahre 1993 sehr oft ein ähnliches Gericht gegessen. Das hieß damals „Pastizio“ und war eine Art Makkaroni-Auflauf. Das hier schmeckte wirklich fein. Der Manouri-Käse gab dem Auflauf ein feines Aroma. Ok, die Portionsgröße war recht überschaubar, weshalb ich eine kleine Gyros-Portion (ganz ohne Fleisch geht’s eben doch nicht…) nachorderte. Definitiv kein Fehler. Denn das Gyros im Poseidon ist allein schon einen Besuch wert. Mein Kollege sah das genauso.

Was mir am Kellergewölbe so gut gefällt, ist die wohl durchdachte Aufteilung und Abtrennung des doch recht großen Gastraumes. Holzbalustraden, massive Sandsteinsäulen ohne Verputz, verglaste Trennwände und vom Boden etwas höher abgesetzte Sitzbereiche gehören zu den räumlichen Gestaltungselementen, die gemütlichkeitsunterstützend wirken und selbst bei großem Andrang keine Bahnhofsatmosphäre entstehen lassen. Die Sitzmöbel und Tische sind in dunklem Holz gehalten. Bei letzteren glänzt die Marmorfurnierplatte in edler Optik. Diverse Statuen, Vasen und Bilder im Greco-Style komplettieren das stimmige Gesamtbild.

Noch ein paar Worte zur Speisenauswahl. Die ist – wie bei vielen griechischen Restaurants – sehr umfangreich. Rund 25 verschiedene kalte und warme Vorspeisen sind gelistet. Von gegrillten Peperoni (4,10 Euro) bis hin zu pikanten Keftedakia (Hackfleischröllchen, 5,90 Euro) in scharfer Tomatensauce ist hier alles vertreten, was man von einem guten Lokal griechischer Prägung erwartet. Neben einigen Salaten werden auch drei verschiedene Gemüseaufläufe angeboten. Hier bleibt man preislich fair unter 10 Euro. Viele Fischgerichte, die auch auf 2-Personen-Platten kombiniert werden können, hat man im Programm. Und dann natürlich die enorme Auswahl an Lamm, Rind, Schwein & Co. Wer da nichts findet, leidet wahrscheinlich unter einer stark ausgeprägten Form von Veganismus. Ein Tipp für Lamm-Fans: die mageren Koteletts aus der Lammkrone mit Pommes, grünen Bohnen und Zaziki (17,90 Euro). Da kommt der Grillfreund voll auf seine Kosten. Auch den Mykonos-Teller (Spieß, Steak, Hacksteak mit Pommes und kalorienreicher Hollandaise, für 11,50 Euro), den ich letzten Samstag dort vertilgte, kann ich vorbehaltlos empfehlen. Das Preis-Leistung-Verhältnis passt hier auf jeden Fall.

Ob man nun das „Olympia“ oder das „Poseidon“ ansteuert ist eigentlich egal. Beide Restaurants sind aus Landau nicht mehr wegzudenken. Und die typisch griechische Gastfreundlichkeit herrscht in beiden Lokalitäten gleichermaßen vor. Schön, dass es solche alteingesessenen Familienbetriebe noch gibt.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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