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GastroGuide-User: DaueresserGK0712
hat Buschmühle in 76835 Flemlingen bewertet.
vor 2 Jahren
"Every Sunday Bush-Mill, every time a big and fine lunch oder: Wo einst „ The Wizzard“ Helmut „magic“ Kohl seine Staatsgäste verzauberte gibt es jeden Sonntag das „Sonntag`s Menü“ mit ausgezeichnetem Preis-Leistungsverhältnis"

Geschrieben am 18.06.2018 | Aktualisiert am 18.06.2018
Besucht am 03.06.2018 Besuchszeit: Mittagessen 2 Personen Rechnungsbetrag: 84 EUR
Das historische Anwesen der Buschmühle liegt in der Gemarkung der Gemeinde Weyher in der Pfalz am Oberlauf des Modenbaches am Fuße des Blättersberges. Und nicht wie hier angegeben in Flemlingen. 
Ganz ehrlich, seit gut einem Jahr, fast jeden Monat verfolge ich das „Jubiläums Menü“ (im Monats voraus) auf der etwas altbackenen wirkenden Homepage des noblen (laut Google) Restaurants. Und fast jedes Mal verläuft mir da das Wasser im Munde. Neben den einzelnen Gängen, ist der Aperitif, das Wasser und die Weine dabei - keine 0,1 bzw 0,25 Schnapsgläser zu jedem Gang , sondern "all you can drink", das Angebot ist allerdings immer nur am Freitag und Samstag nach vorheriger Reservierung gültig. 

Vorab-Interessierte für den Juli können sich auf: Geeiste Cantaloup- Melone mit Parma-Schinken// Mousse vom Ziegenfrischkäse auf einem Salat von frischem Fenchel und Orangen verfeinert mit Noilly Prat und Creme fraiche // Gebratene Garnele mit gegrillter Zucchini und Salbei-Schaum // Aprikosen-Sorbet mit Barack verfeinert //
Rücken-Steak vom Schwäbisch-Hällischen Landschwein mit frischen Pfifferlingen und Dornfelder-Demi-Glace, glasierte Sommer-Gemüse und Butter-Nudeln oder Hühnchen „Madras" Brust vom Maishähnchen gefüllt mit einer pikanten Farce auf einer fruchtigen Madras-Curry-Sauce, Ananas-Ingwer-Confitt und Mandel-Reis // Hausgemachtes Himbeer-Tiramisu und Mousse von weißer Schokolade zu frischen Beerenund Straciatella-Eis freuen: inkl. Aperitif, Tischweine und Soda-Wasser unter 55 Euro pro Nase, do kanns nidd meckern.

Neben den Jubiläums und Sonntags Menüs gibt es für Jedermann sich gut anhörende ala Card Gerichte (das ist aber dann sehr sehr teuer), vor gut 5 Wochen waren wir das erste Mal hier. Ein guter Freund begleitete mich, ich nahm vom Abend Menü die gefüllten frischen Champignons, das Geburtstagskind die Freifang Black Tiger Garnele, als Hauptgang jeweils ein Rumpsteak, dazu orderte er noch eine Flasche Wein. Mir verschlug es fast der Atem, als die Prima Ballerina aus der Schatulle sprang und wir den Rechnungsbetrag von 254 Euro vor uns hatten. 
Nach dem lehrreichen Mittagessen waren wir dann vor gut drei Wochen zum "Sonntagsmenü" da, wir hatten nicht reserviert,sind spontan Richtung Burrweiler gedüst mit Ziel Buschmühle. Obwohl nicht reserviert, bekamen wir einen netten Platz im Außenbereich, schön im Schatten, im Laufe der nächsten halben Stunde war dann draußen jeder Tisch besetzt. Wir hatten eine samtige Karotten Ingwer Suppe, danach einen Sommersalat mit Krebsfleisch und schwarzen Bohnen, danach mein Bester
Haxe vom Milchlamm
die Haxe vom Lamm, meiner einer das
ENTRECOTE mit Pfeffersauce
Entrecote mit grüner Pfeffersauce und Pommes, als finaler Gang
Dessert Surprise II
„Dessert Surprise“. Durch die Bank war das Essen ausgezeichnet, leider fehlte mir beim Entrecote etwas der Fleischsaft.

Aber wie heißt es so schön ? Aller guten Dinge sind drei ? Vorletzten Sonntag dann mein erster Besuch mit meiner besseren Hälfte, ich wusste was uns erwartet, meine Frau wusste es nicht und war dann vor Ort hin und weg.

Alleine wegen den vieler umher laufenden und freien Tiere – natürlich spazieren die Ziegen, Gänse, Kühe, Pfaue etc nicht durch die Außen Bestuhlung der Gäste, das ist abgetrennt, aber die Gäste der Buschmühle können separat durch die Tier-Anlage spazieren. 

Kurz nochmal zur Herfahrt: Ich kannte nur den Weg von Burrweiler, kommend dieses Mal sind wir über Edenkoben und Weyher gefahren und trotz Update im Navi in unserem Auto, wollte uns die bekannte Stimme einen Kilometer hinter Weyher wieder zurück schicken. Nach 1,5 Kilometer ebenfalls, auch nach zwei Kilometern. Wir fuhren dann daher mit ungutem Gefühl  (gefühlt ans Ende der Welt) bis zur nächsten Kreuzung. Dann endlich das Schild "Richtung Burrweiler" 3 Kilometer, ich wusste ja, dass 2 Kilometer nach Burrweiler rechts die Einfahrt zur Buschmühle  kommt, also musste nach "Adam Riese" jetzt nach knapp einem Kilometer links die Einfahrt kommen. Und ? Die Einfahrt kam, keine Weltveränderung, kein Weltuntergang und kein Vulkanausbruch und keine Verschiebung des Pfälzer Waldes in der schönen Pfalz :-)

Das imposante Anwesen der Buschmühle im Modenbachtal wurde im Jahr 1608 erstmals urkundlich erwähnt. Hans Stephan Hartlieb aus Burrweiler begründete zu dieser Zeit die „Mal- und Ölmühle sowie Hammerschmiede“ am Oberlauf des Modenbach. Im Jahr 1838 errichtete der damalige Eigentümer Jakob Minck aus Annweiler am Trifels neben der alten Mühle das heutige Hauptgebäude der Buschmühle im Stil eines Herrschaftshauses. 


http://buschmuehle.de/panorama/hof2/ 


Auf Bildern innen sind u.a. bekannte Staatsgäste zu sehen, Helmut Kohl war hier oft Stammgast und lud regelmäßig mit Staatsgästen und seinem Kabinett zu deftigen Gerichten, wie dem berühmten Pfälzer Saumagen oder Dampfnudeln, ein. Und heute fühlen wir uns wie Staatsgäste, wie Ehrenmänner, denn schon auf der Treppe werden wir vom Inhaber Herr Kern auffallend freundlich begrüßt. Er erkennt mich und legt noch zwei „Smalltalk Sätze ein“, nichts aufgesetzt, nein, freundlich, sympathisch, herzlich. Er fragt uns drinnen oder draußen, wir folgen erst den Sonnenstrahlen, allerdings ist es heute sehr schwül und meine Frau möchte dann doch rein. 

Der Eingang voll mit Holzvertäfelungen, Herr Kern führt uns durch einen ersten größeren Saal, den Musiksaal
Musik Saal
und erklärt uns, dass man den gerne auch für Feierlichkeiten reservieren lassen kann. Super finde ich in der hinteren Ecke die größeren Leder-Sessel, ich könnte mir gut vorstellen dass hier das ein oder andere Cognac Glas von den Staatsmännern geschwenkt wurde, ging damals dann irgendwann das Licht aus, holten bekanntermaßen die Staatsdamen bei Herrn Strauß gerne mal den kleinen Josef raus :-) - da habe ich doch glatt wieder Lust ein Tape mit Otto einzulegen.

Wir gehen weiter in einen weiteren fein eingedeckten Raum, dieser ist mit Spiegel und viel Glas verziert, festlich eindeckt, auf einer Vertäfelung erkenne ich „Spiegelsaal“ bis wir dann dann zum "Pfauensaal" kommen, wo uns schließlich ein netter eingedeckter Tisch am Kamin angeboten wird. Ein Tisch weiter ein nette Gesellschaft, ich kenne den netten sympathischen Mann auf 13 Uhr , er ist (war) der Inhaber des Sex Shops im Landauer Ostring-Center, Man(n) kennt sich - Die Welt ist manchmal so klein. Steht in Landau das Pavillon noch ?


Wir bekommen die „Sonntag`s Menü“ Karte gereicht. Auswählen kann der Gast meist aus 8 verschiedenen Gerichten so heute „ Rücken vom jungen Pfälzer Wildschwein mit Waldpilzen in Wachholder-Rahm-Sauce Gewürzbirne mit Preiselbeeren gefüllt, Rosenkohl und hausgemachte Spätzle oder Filet „Martigny" Tranchen vom Schweinefilet mit einem Fächer von der Williams-Birne und feiner Käse-Rahm-Sauce, glasiertes Gemüse, hausgemachte Butter-Nudeln
oder Pochiertes Filet vom Zander mit feiner Hummer-Sauce frischem Blattspinat und Basmati-Reis". Dazu wie jeden Sonntag eine Suppe, einen Salat sowie das Dessert „Surprise“ für 30 Euro. 

Während wir unseren Haupt-Gang auswählen und unsere Blicke hinweg der Bilder und Fenster schweifen lassen, „määäht“ und „ kickerieeekiiiiihhhht“ es stereo alle 30 Sekunden. Ist nett, aber irgendwann reicht mir dass dann aber. Ich frage beim „Restaurant-Leiter nach, ob man vielleicht mal eine andere Platte auflegen könnte. Er witzelte und antwortete, "auf dem Hof seien viele weibliche Hühner und der Hahn möchte sie natürlich beeindrucken“. 
Heute fehlt mir insgesamt im Service das Feintuning, am Nachbartisch fragt der hagere Kellner ob es noch was sein kann, 10 Sekunden später fragt der Restaurant-Leiter. Auch kommt er während der Gänge mehrmals an den Tisch und fragt nach ob alles zur vollen Zufriedenheit ist, ob er schon was mitnehmen darf, ob es noch ein Bier sein soll (obwohl ich noch die Hälfte drin habe) und möchte nach dem Salatgang den Teller mitnehmen, obwohl ich ihn sichtbar so hingestellt habe, dass ich den Salat als Begleiter zum Hauptgang genießen möchte.
Was gar nicht geht: Ich bestelle mir dann im Laufe des Mittags ein zweites Bellheimer Hefebierchen, der junge Kellner bringt mir das Glas und langt mit seiner Handinnenfläche an den obigen Glasrand und stellt es mir hin. Als ich ansetzen möchte, rieche ich starken Zigarettenrauch am Glas ...

Die Gäste bekommen, so wie wir auch, einen XL Brotkorb serviert, da bekommt man fast in Somalia eine Kleinfamilie satt (kleiner Scherz). Helles und dunkles Brot, dünn und etwas dicker aufgeschnitten, alles frisch, dazu Zweierlei Zimmer warme Butter. Für den ersten kleinen Hunger genau richtig. Was die Frage aufwirft, warum gibt es kein Snickers in Somalia ? (jetzt reicht es aber)


Wir bekommen die Suppe gereicht. Es ist eine mit Sherry abgebundene Wildschwein-Suppe, mit rustikaler Fleischeinlage. Ich bin kein Wild Fan,gut, dass die Suppe in den bekannten Kantinen-Suppen Tassen serviert wurde (so um die 150-200 ML), mehr hätten wir auch gar nicht geschafft. Die Suppe war lecker, aber auch sehr sättigend und nach umher laufenden Wildschweinen erinnernd, ich musste jedenfalls an den nassen und schweren Wald-Boden denken, als ich die Suppe hinunter löffelte.


Danach kam der XL Sommersalat,
Beilagensalat :-))
 in einem größeren Suppenteller angerichtet. Knackiger grüner Salat frisch mit Essig und Öl angemacht, dazu Feldsalat und jede Menge frischer Kräuter. Auf dem Tellerrand lag noch Gurkensalat, Radieschensalat, Karottensalat sowie ein Amouse Löffel mit Shrimps, Crevetten und schwarzen Böhnchen. Der Löffel schwamm in einem Hummersud, schmeckte ganz fantastisch. Ganz ehrlich, in jedem gutbürgerlichen Restaurant geht der Salat als Hauptspeise für um die 12-15 Euro durch. Das war in sich eine Hauptspeise, für ein „Sonntagsmenü“ fast schon des Guten zu viel.


Wir bekommen unsere Hauptgänge. Meine Frau entscheidet sich für das Kalbsrückensteak mit Sauce Hollandaise 
Kalbsrücken Steak mit Trüffel
und frisch gehobelten Trüffel, dazu gab es aufgespritzte Kroketten und Gemüse. Meiner einer entschied sich für das 280 Gramm Rumpsteak vom argentinischen Angus Rind mit Pommes und sautierten Bohnen, laut Karte wird das Rumpsteak „rosa“ gebraten (war da nicht was mit dem fehlenden Fleischsaft beim Entrecote), war es auch, 

allerdings heute wiederum leicht trocken und stumpfig am Gaumen. Ich fragte nach, der Oberkellner erklärte mir, bei der vielen Anzahl der Gäste, würde man die Rumpsteaks vorab „senior“ braten, dass die dann schön rosa serviert werden können, allerdings hätte ich dem Kellner auch Bescheid geben können, dass wir es „medium haben“ wollen. Schön dass er mich da nochmals daran erinnert hat, den meine Frau und ich haben dem anderen Kellner bei der Bestellung sehr wohl „Kalb und Rind bitte medium saftig“ bestellt. 

Das Kalbssteak war wunderbar rose im Innern, schön saftig, hervorragend gewürzt, leider fiel das Gemüse heute etwas ab, es war zu weich, etwas verkocht. Auch meine sautierten Böhnchen waren leider etwas zu matschig, geschmacklich akzeptabel-gut. Das Fleisch war aber wie auch schon bei unseren vorangegangenen Besuch von allerhöchster Qualität, dass auch das stumpf zu essende Rumpsteaks noch richtig Spaß gemacht hat zu Essen. Ich musste an die argentinischen Weiden denken, an frei umher laufende Angus Rinder, und wünschte mir dass Messi seinen ersten Elfmeter bei der WM in Russland verschießen möge und die Gauchos als Mitfavorit bestenfalls gegen die Teilzeit Fußballer aus Island ein Punkt mitnehmen würden.


Schließlich wurde dann unser Dessert serviert, das Dessert ist in der Buschmühle bisher immer ein Highlight gewesen So auch hier:
Dessert Surprise

Selbst hergestelltes fruchtiges Mangoeis, Vanille-Espuma, Erdbeere-Panna-Cotta, Sahne und frische Früchte. Leider war das Dessert viel zu schnell leer.


Fazit:
Die Buschmühle ist eine gute Empfehlung. Tolles Ambiente, historische Gemäuer, klasse Menü-Angebote - aber auch und  gerade wegen des Defizit beim Service (Hygiene) und den (teilweise) fehlenden Basics bei der Zubereitung der Speisen kein Gourmet-Schuppen mit hohen Preisen und Anspruch auf kreative Sterne Küche. In der Buschmühle bekommt der Gast reichlich und optisch ansprechende Speisen ( ausgesprochene sehr gute Fleisch-, Fisch- und Gemüse Qualität ) serviert, auch wenn es hier und da wegen dem fehlenden Feinschliff beim Essen nicht zur Höchstpunktzahl beim Essen reicht. Dafür aber 5 Sterne bei Preis-Leistung
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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