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GastroGuide-User: Carlo Attraversando
hat Al Howara in 42103 Wuppertal bewertet.
vor 5 Jahren
"Prinz von Theben!"

Geschrieben am 09.02.2015
Besucht am 28.03.2014
Erst mal kurz und knapp:

Besuch im Al Howara, libanesisches Restaurant, Bembergstrasse 20
42103 Wuppertal, website - www.alhowara.de , gut aufgemacht, Parkplätze ab 19:00 Uhr auf dem Parkplatz einer benachbarten Firma, aber auch gut mit Bus und Schwebebahn zu erreichen, Ziel-Stationen „Hauptbahnhof, bzw. Döppersberg“. Das Al Howara bietet einen großen Gastraum mit weiteren Nebenräumen. Die Speisekarte ist klar gegliedert und gut zu überblicken, der Service agiert zügig, unaufdringlich und mit Sinn für Humor. Er beherrscht alle Rituale der freundlichen Begrüßung und Begleitung des Gastes. Die Küche verarbeitet frische Materialien. Besonders beeindruckend sind nach meiner Meinung die diversen Vorspeisen. Die Qualität der Ergebnisse bezeichne ich als gut. Die Räume, außer den Toiletten, sind orientalisch ausgestaltet. Die Preise halte ich für moderat. Geöffnet, täglich ab 18:00 Uhr. Jeden Donnerstag gibt es besondere Darbietungen wie z.B Bauchtanz etc. 
Zu empfehlen für jeden, der die orientalisch, arabisch ausgerichtete Küche mag.

Auch bei gutem Wetter verlaufen Wochen oft so, dass man am Wochenende gern raus möchte. Bei uns begann das Wochenende in dieser Form Freitagabend. Nach ein paar Telefonaten waren Freunde mit gleicher Seelenlage gefunden. Wir einigten uns auf das Al Howara. 

In der ersten Zeit kam ein Besuch im Al Howara dem Eintauchen in das Reich des Prinzen von Theben gleich oder von Aladins Wunderlampe. Inzwischen sind wir akklimatisiert, wir haben uns an das besondere Design dieses Restaurants gewöhnt. Wir kennen uns. Und abgesehen von der Ausgestaltung des Gastraumes geht es hier recht modern zu. Das gilt für die jungen Damen und Herren des Service, für den technischen Stand der Küche und die gesamte Art der Kommunikation. An diesem Freitagabend fällt mir auf, dass die Gruppe der Gäste von 20 bis 30 deutlich stärker vertreten ist als die Jahrgänge darüber hinaus.

Die Getränke sind zügig bestellt, 2x Bier, 1x Rotwein plus Wasser und 1x Prosecco. Das bleibt dann auch so die Aufteilung für den Abend, d.h. der Anfang setzt sich bei mir nur als l‘acqua pura fort, dafür habe ich das Steuer in der Hand und darf die Heimfahrt gestalten.

Eigentlich singe ich ja gern ein Loblied auf die Faulheit so wie Heinrich Böll in seiner „Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral“, aber heute übertreibe ich in dieser Hinsicht und werde dadurch etwas an Genuss einbüßen. Das ist natürlich fast tragisch:
Wir bestellen die Speisen. Der gedankliche und zugleich sensorische Austausch mit der Speisekarte wird zu einer Auseinandersetzung zwischen Mögen, bezogen auf Vielfalt, und Können, bezogen auf Menge. Erinnerungen werden wach, die mahnen. Da war doch beim letzten Besuch nach den reichhaltigen Vorspeisen der Verzehr des Hauptganges ein ernsthafter Kampf, der nur mit Hilfe alkoholischen Beistands und diverser Tassen vom köstlichen Mokka annähernd ausgewogen ausgetragen werden konnte. Oh ja, oh ja, die Alarmglocken schrillen. Ich stürze mich jetzt ins Gegenteil und bestelle nur einen Hauptgang, keine Vorspeise. Ich wähle den Grillteller alle anderen an unserem Tisch. Die Portion ist wirklich groß. Auf dem Teller dominiert der Basmati Reis, schön locker und aromatisch, zwischen dem Reis und dem Gurkensalat lagert eine gut bemessene Menge an Lamm- und Hühnerfleisch vom Grill so wie eine „Stange“ Lammhack. Dazu gibt es drei Saucen.
Bei Lamm und Huhn bevorzuge ich den aufgeschlagenen Knoblauch und die minzige  Joghurtsauce mit einem Hauch Knoblauch. Das Lammhack braucht die kräftige Chilisauce. Am Tisch verbreitet sich die Gemächlichkeit gesättigter Organismen auf dem Hintergrund kulinarischer Zufriedenheit. Nein, kein Dessert! Die Zunge ist willig. Der Magen macht schlapp! Trinken? Ja! Schnaps, Bier, Rotwein, leider nicht für mich, aber Mokka!
Und doch spüre ich, dass mein Al Howara-Erlebnis nicht vollendet ist. Bis zu Aladin und dem Prinzen von Theben komme ich in meinem Genuss nur, wenn ich auch Vorspeisen esse, Kreationen, die in unserer eigenen Küche nicht vorkommen, die nach Minze und  Sesam duften, die in Aromen gründen, die in mir die Zauberwelt einer Else Lasker-Schüler aufsteigen lassen und ihren Abschluss im Kardamon des Mokkas finden.
Aber - selber schuld! Ich hätte ja der Verführung der Speisekarte erliegen können. 
Doch zum Schluss kommt doch noch das besondere Erlebnis. Il conto per favore - ja, wir zahlen, aber das Bezahlen vollzieht sich in einer Szene, die aus einer gelungenen Komödie hätte stammen können, wir reimen, wir trinken, wir philosophieren und die kassierende Dame ist eine vorzügliche Mitspielerin.          
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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