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GastroGuide-User: Hanseat1957
hat Trastevere in 83684 Tegernsee bewertet.
vor 2 Jahren
"Der bessere Italiener mit einem überforderten Kellner"
Verifiziert

Geschrieben am 03.08.2017
Besucht am 01.08.2017 Besuchszeit: Abendessen 2 Personen Rechnungsbetrag: 64 EUR
Allgemein:

Nach der ordentlichen Pizzaerfahrung war der dritte Abend wieder einem Italiener gewidmet, den wir in guter Erinnerung aus 2001 hatten; laut Homepage existiert er schon über 30 Jahre. Er bespielt das gutbürgerliche Publikum, aber auch der bajuwarische Stenz und einheimische SUV-Fahrer findet sich ein. So ähnlich der Mix auf unserem kühlen Teil der Terrasse am heißesten Tag der letzten Wochen mit 33 Grad.

Wir hatten Pech, dass diese Terrasse beherrscht wurde von einem für das Wetter und die Laufarbeit zu übergewichtigen italienischen Kellner, der auch vielfach das „Signora“ erklingen ließ. Nach einer noch zu schildernden Situation hatte ich schon begonnen, den Verriss zu schreiben, doch wie schon die Wehrbeschwerdeordnung lehrt: Erst eine Nacht drüber schlafen und dann mit Abstand urteilen.

Die Homepage http://www.trastevere-tegernsee.de ist leider sehr dürftig. Die Karte ohne Preise und Getränke. Aber die kleine Bildergalerie zeigt sehr schön den zum Haus und zum Ort passenden Einrichtungsstil.

Die Küche bietet, im Vergleich zur Pizzeria Da Francesco gehobene italienische Kulinarik mit Schwerpunkten bei Fleisch (Rind, Kalb, Kalbsleber) und Fisch (Scampi, Seezunge, Seeteufel) und verdient getestet zu werden.

Das Preis-Leistungsverhältnis sehe ich auch im Trastevere noch im Viersternebereich, Ort und Lage gebührend berücksichtigend.

Service:

Unreserviert konnten wir uns auf der Terrasse im Gebäudeschatten einen Tisch auswählen und auch die erste Kontaktaufnahme zum Kellner mit Begrüßung, Kartenreichen und Getränkebestellung klappte. Der Wunsch, eine Karte für eine spätere Weinauswahl behalten zu dürfen, wurde schon eher harsch abgelehnt.

Eine ihm bekannte Familie wurde schon bei Annäherung laut begrüßt und an ihren von ihm vorgesehenen Tisch geleitet. Vorbeigehende Signora wurden auch einladend angegrüßt. Geradezu überschwänglich wurde es, als ein Pärchen Italiener zum oben beschriebenen SUV-Boliden mit Frau und Kindern am Nachbartisch stieß. Man konnte den Eindruck gewinnen, dass sich sehr gute Freunde verbal herzen.

Aber trotz vieler Worte, Gesten und leuchtenden Augen klappte die Basisarbeit auch am Nachbartisch nicht.

Für die Orderaufnahme hatte er einen klassischen Block mit Stift am Mann. Vier Gerichte, vier Notizen und im Normalfall ist alles paletti. Aber eine Vergewisserungsschleife am Tisch nach kurzem Verschwinden im Restaurant ließ eine Ungewissheit. Ich hatte als Hauptspeise Costata alla Pizzaiola aufgegeben. „Costata“ konnte ich beim Wiederholen am Tisch noch heraushören … Also ein Gang zur Aushangkarte neben der Restauranttür und die Idee, den Kellner kurz abzufangen und auf das gewünschte Gericht zu zeigen, um Aussprachemissverständnisse zu vermeiden. Ich hatte bei Annäherung gerade den Mund geöffnet, da entgegnete mir ein „Da musst Du warten, ich habe jetzt keine Zeit für Dich!“ Ich war baff! Wenn er kurz darauf an den Tisch gekommen wäre, um nach meinem Anliegen zu fragen, hätte ich ihm das vielleicht noch nachgesehen, aber Fehlanzeige. Meine ständige Begleiterin meinte, ich müsse nun reingehen, um meine Bestellung klarzustellen. Ich hatte aber keine Lust auf eine verbale Eskalation mit diesem Kellner.

Am Nachbartisch mit den italienischen Landsleuten bekam er die Bestellungen auch nicht in den Griff. Fünf Leute mit elf Wünschen. Alles notiert und nach wenigen Minuten auch nebenan die Vergewisserungsschleife und danach lief es immer noch nicht rund mit den Speisen.

Der italienische Landsmann fragte zudem dreimal nach einem Kindersitz ohne Antwort und machte sich dann sichtlich sauer auf die Eigensuche.

Unseren zweiten Getränkewunsch ließ ich durch meine Begleiterin ausrufen, weil der Wunsch einer Signora, so meine Vermutung, besser zieht als der Ruf eines ungeduldigen männlichen Nordeuropäers (aus Sicht eines stolzen Römers). Er fand Gehör.

Simbas Beobachtung, dass Stamm- und Gelegenheitsgäste unterschiedlich behandelt werden in Restaurants mit vielen Touristen, traf auch hier zu. Aber hier gesellten sich noch Unaufmerksamkeit und Unkonzentriertheit hinzu, unter denen auch die Amici litten. Hitze hin, Hitze her: Die Orders muss ein erfahrener Kellner eindeutig notieren können.

Auf dem Bon am Ende auch noch ein völlig fremdes drittes Hauptgericht. Diese Fehlbuchung führte der Kellner auf den Stress zurück, den ihm seine vielleicht sechs besetzten Tische bereiteten.

Für die schlechteste Serviceleistung seit Gedenken inklusive Unverschämtheit gibt es nur 1,5 Punkte.

Für die Halbe Helles vom Tegernsee sind die ortsüblichen 3,40 € fällig. 0,5l SP sind mit 3,50 € leicht teurer. Die gerade mal sechs offenen Weine liegen zwischen 4,10 und 4,90 € für 0,2 l.

Spendiert bekommt man im Trastevere nichts.

Essen:

Aus der Küche wird zur Begrüßung ein viergeteiltes heißes, rundes Pizzabrot gereicht, knusprig und mit einem Knoblauchöl bestrichen. Meine ständige Begleiterin fand das gut, ich freue mich eher über ein gutes Ciabatta oder Pizzabrötchen. Zur eigentlichen Vorspeise gab es dann kein Brot mehr.

Mein Vitello Tonnato (11,50 €) war ganz klassisch und sorgfältig auf den Teller gebracht worden. Wie immer, hätte ich mir etwas mehr von der Thunfischsoße gewünscht. Ein Ring größerer Kapern für das Auge und den Gaumen. Die Portionsgröße fand ich passabel. Das galt auch für das Carpaccio mit dünnen Parmesanscheiben und Rucola gegenüber. Erfrischend kalt das Rind von guter Qualität. Eine Pfeffermühle wurde uns gebracht, ungefragt, will ich der Fairness halber festhalten.

Also ein guter Auftakt.

Von der Wochenkarte wählte meine ständige Begleiterin dann Cannelloni mit Kalbfleischfüllung und Steinpilzsoße, überbacken (9,70 €) und ich Costata alla Pizzaiola, also Rinderlende mit Tomate, Oliven, Kapern und Sardellen (so um die 17 €). Statt dieser Aromatenbombe gab es die Schlichtvariante gegrillt mit einer Kräuterbutter, die ihre gelbe Farbe Curry verdankte.

Das Grillstück war medium plus gegart, es war auch kein erwünschter Garzustand erfragt worden. Die Fleischqualität überzeugte und Richtung 300 Gramm mögen es auch gewesen sein. Soweit die Habenseite. Der Beilagensalat war mir zu essiglastig angemacht worden und bestand nur aus Blattsalaten, die gerne kleiner geschnitten hätten sein dürfen. Die auf einem separaten Teller servierte Kartoffel- und Gemüsebeilage wirkte wie aus der TK-Tüte.

Als Tellergericht gelungen fand ich die Cannelloni, die unter einer dicken Schicht aus Pilzsoße und geschmolzenem Käse serviert wurden. Auch wenn es nur drei Röllchen waren, stopfte das Gericht gut. Meine Begleiterin hatte sich eine auf eine schöne Käsekruste gefreut und war enttäuscht. Die Füllung konnte geschmacklich gegen die mächtige Soße nicht erfolgreich ankämpfen und so dienten die Cannelloni als Soßenträger.

Das Essen möchte ich in toto mit 3,5 Sternen bewerten. Für vier Sterne fand ich meine Rinderlende mit den Beilagen zu schlicht.

Ambiente:

Das Trastevere liegt in der Rosenstraße, einer sehr schönen Nebenstraße mit einigen pittoresken alten Häusern im typischen Stil. An der Fassade ist noch „Tegernseer Hof“ zu lesen. Der Einrichtungsstil wird dem gerecht. Helle Holztäfelungen und Holzstühle, stoffbezogene Bänke mit Blumenmustern, Tischdecken und weiße Stoffservierten bilden ein Landhausinterieur, das zum Haus passt. Die großformatigen Bilder auf einer Wandtäfelung hätte ich weggelassen.

Beim Gang durch das Lokal empfunden und mit der Erinnerung übereinstimmend sitzt man großzügig.
Auf den beiden Terrassen nimmt man Platz auf bequemen Stühlen an großen Biergartentischen, die von einer pflegeleichten Tischdecke bedeckt sind. Eine Terrasse ist bedacht und hat Abendsonne.

Die Toiletten teilt sich das Trastevere mit dem Ludwig-Thoma-Saal. Man gelangt durch einen Ausgang ins Foyer dieses kleinen Theaters und findet die großzügigen und sauberen Toiletten dort ohne weiten Weg vor.

Sauberkeit:

Drinnen sehr gepflegt, draußen zünftig.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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