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GastroGuide-User: DaueresserGK0712
hat Gaststätte Odenwälder in 68199 Mannheim bewertet.
vor 3 Jahren
"Prima gutbürgerliche Küche, seit über 50 Jahren ist der Odenwälder in Familienbesitz oder „ausgezeichnete Mannheimer Traditions-Gaststätte im rustikalen, gemütlichen Ambiente“"
Verifiziert

Geschrieben am 04.12.2017 | Aktualisiert am 04.12.2017
Besucht am 06.11.2017 Besuchszeit: Abendessen 3 Personen Rechnungsbetrag: 85 EUR
Der Vermerk „eigene Schlachtung“ auf dem Eingangsschild lässt Gutes erahnen. Der Odenwälder ist seit 50 Jahren in Familienbesitz, mittlerweile ist die weiterführende Generation hinter den Tresen und in die Küche gezogen. Was einst 1964 von den Eheleuten Heine (Senior) als einfaches, mit viel Bürgernähe, Speiselokal eröffnet wurde. 
Einfach vorbeikommen und kulinarisches, wie frisch panierte Schnitzel und saftige Steaks genießen, geht leider nicht. Das kommt einem Märchen gleich, denn vor gut 4 Monaten war mal wieder eine Gleissperre auf der Linie 1, als ich abends mit der Straßenbahn vorbei gefahren bin (bzw diese stehend auf den Gleisen). Ich raus und in den Odenwälder rein. Alle Plätze und auch alle Biergarten Plätze komplett reserviert. „Da müssen sie schon zwei Wochen vorher reservieren, sonst geht hier nix“ habe ich eine Bedienung im Hinterkopf. Sie empfahl mir aber, die selbst gemachte und in Dosen abgefüllte Gulaschsuppe. Da ich aber keinen Dosenöffner, geschweige denn, eine mobile Küche dabei hatte, verzichtete ich dankend (ich muss mir unbedingt ein "Wenger Giant" kaufen, für Nicht Wenger Kenner: Das Sammlermesser Wenger Giant verfügt über 87 Werkzeuge mit 141 Funktionen inkl einem mobilen Grill/Küche).


Gute 8 Wochen ist es her, dass ich für den benannten Montag einen Tisch reservieren sollte. Ein schwieriges Unterfangen, es war wohl Gänsezeit und auch für diesen Abend wieder kein Tisch frei. Als ich vom voran gegangenen Erlebnis erzählte, lenkte die Dame ein. „Wenn ihnen ein kleiner 4er Tisch ausreicht, könnte ich noch was umorganisieren“ - gesagt getan, wir haben zudem intern umorganisiert und aus unserer vierköpfigen Feierabendtruppe wurde eine nette Trilogie.


An dem Abend angekommen, war der Rollladen um kurz nach 1730 noch herunter gelassen. Wir ahnten zuerst böses. Also nochmal eine Runde um den Block und geschaut, was der Almenhof so zu bieten hat. Der Almenhof hat eine sehr gute Verkehrsanbindung und Nahversorgung mit Geschäften, Ärzten und Kinderbetreuungseinrichtungen. Durch die unmittelbare Nachbarschaft zu Neckarau ist zudem eine Freizeit- und Vereinsstruktur gegeben. Die Nähe zum Rhein und zum Waldpark ermöglicht Erholung und Sport. Dazu gibt es viel Industrie, ein echtes Mischgebiet. Und um kurz vor 1745 Uhr gingen dann die Odenwälder-Rolläden hoch. Drinnen im Gastraum angekommen, 
70er Jahre Charme
kommt dem Gast dieser heimlige Metzgerei „Schlachtgeruch“entgegen. An der Wand viel Holz, beim genaueren Hinsehen, hat es sich wohl um Plastik/Kunststoff heraus gestellt – Holzdekoration., aber dennoch richtig gemütlich. Das ganze Interieur passt zusammen. An der Theke steht ein übergroßer transparenter Kühlschrank mit Fleisch (wenn ich das richtig in Erinnerung habe), verschiedene Wurstsorten bummeln in der Vitrine, daneben baumeln ein paar getrocknete Würste an einer Stange. Die Tische (2er, 4er und 8er) stehen gut verstreut im Raum, dennoch haben die Bedienungen kurze Wege. Uns gefällt der erste Eindruck sehr gut. Die Bedienung spricht uns direkt an, wir sind mitten im ersten Austausch (das erste Mal hier ? Wo kommen wir her ? Schuhgröße?  Welche Vornamen hatten die geschlachteten Tierchen etc)


Sympathisch, ja wir werden freundlich, herzlich und mit einer erfrischenden (pfälzer/odenwälder) Art empfangen und fühlen uns willkommen und angekommen. Es wird (natürlich) zuerst nach dem Durst gefragt, bei den Bierchen gibt es diverse Pils (u.a. Tannenzäpfle). Der Älteste in unserer Dreiergruppe nimmt eine kleine Cola, der Jüngste ein Pils, frisch gezapft. Meiner einer entschied sich für ein frisch gezapftes Hefebierchen. Es schmeckte mir so gut, dass ich bevor ich meinen Rotwein ordern sollte noch ein zweites und ein drittes hinunter spülte. Wir bekommen die glänzenden und neu wirkenden Speisekarte gereicht. Auf der Homepage bekommt man einen gewissen Einblick, was hier primär serviert wird. Frisches Fleisch, teilweise aus der eigenen Schlachtung, steht in der Karte betreffend drin. Für Vegetarier gibt es immerhin frische Kartoffelpuffer mit Apfelmus oder Salat.


Da unser Kollege (fast) immer ziemlich kurz angebunden ist, verzichten wir auf eine Vorspeise. Der selbst hergestellte Leberknödel, hier als Suppe angeboten, wäre da mein Favorit gewesen. Die Preise generell für die Speisen sind vollkommen fair, teilweise sogar günstig. Billig ist mir mittlerweile in der  „Geiz ist Geil“ Gesellschaft als zu negativ behaftet. Aber ein "Original Wiener Schnitzel" vom Kalb mit selbst gemachtem Erdäpfel-Salat für 13,80 findet man in Mannheim kein zweites Mal. Auch die Premium (Angus) Rumpsteaks (gute 280 Gramm) mit Beilage und Salat für unter 20 Euro sollte man Beachtung schenken. Daneben gibt es noch zahlreiche Lenden Gerichte, als Jäger- und Zigeuner-Art (jawoll, im Odenwälder schert man sich einen D**** was man in Berlin verabschiedet). Unsere Bedienung empfiehlt uns den Chefspieß und die Rumpsteaks „aber normal können sie blind alles von der Karte rauf und runter bestellen. Außerdem empfehle ich ihnen heute unser Gans-Menü. Keule von der Gans mit Maronen-Zwetschgen Sauce, inkl. Suppe mit „gansen Knödel“ und Dessert für 25 Euro“. Der Presbyter, links von mir sitzend nahm die Empfehlung der Servicefrau an, er nahm den Chefspieß mit Pommes für knappe 13 Euro ( den genauen Preis habe ich nicht mehr im Kopf). Unser Küken (vom Alter) nahm den Pfälzer Teller (aus der eigenen Schlachtung), ich entschied mich für ein Medium gebratenes Pfeffersteak.


Vor den eigentlichen Hauptspeisen wurde uns ein sehr sehr gut angemachter Beilagensalat serviert. Der bestand aus frisch geraspelten Karotten, Gurke und diversen Blattsalaten. Hervorragend, leicht säuerlich angemacht und auch in der Schüssel vermengt. Im Laufe des frühen Abends wurde das Lokal immer voller, zwei Tische weiter entschieden sich zwei reife Damen für das Gans-Menü und orderten einen dunkelroten Wein, der sah von der Optik aber besser aus, als er dann vom Geschmack war. Ich weiß es nicht mehr, ich glaube blauer Zweigelt. Den nahm ich dann als Begleitung zum Pfeffersteak. War aber vollkommen in Ordnung.


Wein hätte es nämlich nicht gebraucht, das Rumpsteak 
saftiges und zartes Pfeffer- (Rump)Steak
(knappe 18 Euro und gute 250 Gramm) war so saftig und zart, selten ein so gutes Rumpsteak bekommen in Mannheim. Es hätte vielleicht noch einen Tick mehr Ruhezeit haben können, etwas Fleischsaft kam beim Schneiden auf den Teller, aber das ist schon meckern auf hohem Niveau. Die Pfeffersauce schön rahmig, leichter grüner Pfeffergeschmack, herrlich die gut frittierten Kroketten in der Sauce zu tunken. Der Chefspieß 
Chef-Spieß - nicht nur für Chefs
entpuppte sich als eine sehr gute Wahl. Schweinelende-Medaillons umwickelt vom Speck und in diesem angebraten (am Spieß), dazu gab es gegrillte Zwiebel und Paprika. Das Fleisch hatte laut unserem Oberhaupt einen leichten Speck Geschmack und war außerdem schön saftig. Highlight des Abends war aber der „Pfälzer Teller“ (um die 11 Euro) oder hieß er doch Schlachtplatte ?

Die Bratwurst mit ausgefallenem pfeffrig-geräuchertem Geschmack, saftig und knusprig. Der Leberknödel fluffig, zerfiel aber nicht. Gute Portion. Der ausgezeichnete Saumagen schön rustikal buttrig angebraten, alle drei Einzelkomponenten würde ich zu fast jeder Zeit blind verdrücken. Die Bratkartoffeln aus Pellkartoffeln gemacht, mit leichter Bräunung; das Sauerkraut ausgezeichnet abgeschmeckt und nach Riesling erinnernd. Dazu gab es eine schöne ausbalancierte dunkle Sauce. Beim nächsten Mal bestimmt mein Favorit (für die Vorspeise) :-)


Als Nachspeise orderten wir dann nochmal die Karte. "Heiße Liebe", "Alte Liebe". Die Liebe hat viele Gesichter auf dem Almenhof, Viel Liebe und Geduld müssen die Gäste aber mit eigenen Automobil mitbringen. Ein weiteres Gesicht der Odenwälder-Spielregeln. Parkplätze ? Bestimmt irgendwo, aber nur nicht hier und heute. Gegenüber des Lokals ist eine Tankstelle und in der Mitte eine Bundesstraße vierspurige Straße (B36?). Unter den Neckarauer Einwohner auch als „Neckarauer Straße“ bekannt (ein Brüller). Aber drinnen bekommt der Gast von der sehr stark befahrenen Straße überhaupt nichts mit. Wir nahmen dann schließlich jeweils die „Alte Liebe“ -
"alte Liebe" - nicht gemeint ist der ehemalige Anleger im Hafen von Cuxhaven
 drei Kugeln Vanille-Eis, frisch aufgeschlagene Sahne und heiße Schokoladensauce. Der Becher war leider viel zu schnell leer. Dennoch eine runde Sache, welches nach einem Wiederholungsbesuch schreit.


Fazit:
Einfache, bodenständige aber (fast) perfekte gutbürgerliche Küche. Frische regionale Produkte werden fachgerecht in der Küche zubereitet, aus Heidelberg kommen zB von einem spezial Lieferanten die hausgemachten Eierspätzle. Hier und da könnte man wohl mit etwas mehr Salz, noch mehr Geschmack am Fleisch herausholen. 
Karnivoren-Fans und Fleischliebhaber sollten um den Odenwälder keinen allzu großen Bogen machen. Reservierung ist Pflicht (am besten zwei-drei Wochen vorab)  - nicht nur reservieren, sondern ein Besuch ist Pflicht. Zahlreiche Speisen sind aus der eigenen Schlachtung, zb Kammrippchen, Saumagen, Leberknödel oder der Fleischkäse. Mittwochs ist immer Schlachtfest mit Straßenverkauf. Empfehlung !!
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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