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GastroGuide-User: NoTeaForMe
hat Brasserie Le Grand im Steigenberger Grandhotel Handelshof in 04109 Leipzig bewertet.
vor 5 Monaten
"Heiligabend-Menü 2019: Klang häufig besser als es schmeckte, auch wenn es keineswegs schlecht war."

Geschrieben am 08.06.2020 | Aktualisiert am 08.06.2020
Besucht am 24.12.2019 Besuchszeit: Abendessen 2 Personen Rechnungsbetrag: 215 EUR
 
An solch einem Feiertag wie dem Heiligabend sollen Genuss und Qualität in der familiären Gemeinsamkeit definitiv über jeglichem Geiz stehen.
Dabei ist verständlicherweise gerade an diesem Tag die Restaurantauswahl häufig sehr begrenzt: so auch in Leipzig.
Unter den geöffneten Restaurants steckten wir unsere Hoffnungen in das Hausrestaurant des Steigenberger Hotels „Brasserie Le Grand“, welches auch ein Heiligabend-Menü auf Reservierung anbot.
 
Das Restaurant war zu diesem Anlass nicht überbordend aber trotzdem dezent geschmückt und gewährte auch mit dem bequemen Sitzmöbiliar eine angenehme Atmosphäre.
Auch wenn die Tische schon recht eng standen war die Lautstärke stets angenehm und private Unterhaltungen ohne Störung gut möglich.
Innenansicht.
Das Serviceteam agierte durchweg freundlich und aufmerksam. Positiv war zu Beginn des Menüs auch das Tempo, mit dem die Gänge des Menüs serviert wurden (nicht zu schnell oder langsam), nur vor dem Hauptgang fühlte man sich angesichts der langen Pause etwas vergessen.
 
Nun aber zum wichtigsten Teil: dem kulinarischen Eindruck, den das Küchenteam mit seinen Kreationen hinterlassen konnte.
 
Die Annoncierung der 6 Gänge rief mit Komponentenreichtum und hochwertigen Zutaten auf jeden Fall eine Erwartung von Kreativität und vor allem Qualitätsbewusstsein hervor.
 
Zunächst wurde als Tischgedeck eine Gänserilette mit einer Auswahl an verschiedenen Gebäcken aufgetischt.
Die Rilette war recht mild aber trotzdem gut abgeschmeckt, nur etwas saftiger hätte sie sein können. Leider waren die dazu angebotenen Gebäcke (Kümmel- und Schinkenbrötchen sowie Oliven-Parmesan-Stange) jeweils kalt und nicht mehr wirklich frisch. Das war etwas schade.
Gänserilette zum Brot.
Als Amuse Bouche kam eine kleine Frühlingsrolle mit Gans und Teriyaki-Mayonnaise auf den Tisch. Die Frühlingsrolle war noch knusprig und die Füllung schön warm. Die Mayonnaise überzeugte mit feiner Säure und auch leichter Süße vom Teriyaki.
Amuse Bouche: Frühlingsrolle mit Gans und Teriyaki-Mayonnaise
Der offizielle Auftakt mit einem wahren Füllhorn aus dem Meer legte ebenfalls einen guten und hoffnungsreichen Start hin.
Eine glasige und schön geröstete Jakobsmuschel mit Forellenkaviar reihte sich neben einen ebenso sehr frischen Kaisergranat mit passender Meerrettichschärfe ein.
Die kleinen Vongole waren überraschend aromatisch und beim Garnelentatar waren Schärfe und Säure von eingearbeiteten Kimchi ebenfalls sehr gut dosiert.
Zu guter Letzt war der feine Thunfisch wie bei einem Tataki leicht angegart und in ein Noriblatt gehüllt, welches ein weiteres iodiges Aroma hinzulieferte.
Fruits de Mer: Thunfisch im Noriblatt | Gebratene Jakobsmuschel | Kaisergranat | Garnelen-Kimchi-Ceviche | pochierte Vongole (Venusmuschel) | Kaffir-Limetten-Creme | schwarze Sesamhippe
Geerdeter sollte es mit einer getrüffelten Maronensuppe weitergehen, zu der sich eine Ballontine vom Hirschrücken gesellte.
Obwohl die Suppe schön sämig und auch die Roulade saftig und zart war, dominierte eine für uns wirklich zu starke Süße diesen Gang allzu sehr.
Auch ein Trüffelaroma war nicht wahrnehmbar.
Da konnte das Niveau vom ersten Gang leider nicht gehalten werden.
Hirschrücken-Ballotine vor dem Angießen der Suppe
Getrüffelte Maronensuppe | Hirschrücken-Ballotine
Beim Ravioli mit Entenleberfüllung war die Balance aus deren Herzhaftigkeit im Verhältnis zur süßen Portweinzwiebel zwar wieder besser getroffen und auch die Morcheln hatten angenehmen Biss und Aroma, allerdings war der Ravioli-Teig für mein Empfinden doch zu dick und der Ziegenkäse-Macaron wiederum einfach nur indifferent süß.
Hier bitte ich die schlechtere Qualität des Bildes demütig zu entschuldigen. :(
Foie Gras Ravioli | Ragout von der Morchel | Portwein-Feigen-Ziegenkäse-Macaron
Ein Gin-Tonic-Sorbet mit Kumquat-Zitronengras-Kaviar sorgte anschließend für eine gelungene Erfrischung vor dem Hauptgang.
Dabei war vor allem die leichte Bitternote der Kumquats positiv überraschend, während von
Zitronengras eher nichts zu spüren war.
Gin-Tonic-Sorbet | Kumquat-Zitronengras-Kaviar
Aus der Wahlmöglichkeit zwischen Fisch und Fleisch entschied ich mich für letztere Option, welche sich ganz dem veredelten „Luma“-Rind widmete.
Beim sous-vide gegarten Rinderfilet war der Gargrad optimal getroffen und auch das Bäckchen war sehr zart geschmort.
Geschmacklich überzeugen konnten auch die Sauce und der Lack des Bäckchens.
Das Roastbeef war hingegen recht trocken und das Pastinaken-Püree leider erneut sehr süß.
Die Rübenvariation konnte mit Biss handwerklich hingegen wieder überzeugen.
Dreierlei von Luma-Beef: Filet sous-vide | gebratenes Roastbeef | geschmorte Backe | Pastinaken-Püree | Mini Wintergemüse | Vanille-Portwein-Jus
Meine Begleitung wählte die zweite Alternative des Wellington von Lachs und Seezunge mit Kamtschatka-Krabben-Duxelles und Petersilienpürree.
Mit dem Gargrad der Fische war auch sie zufrieden, der Blätterteig war hingegen leider durchgeweicht und nicht mehr knusprig.
Wellington vom Lachs und der Seezunge | Kamtschatka-Krabben-Duxelles | Petersilien-Kartoffelpüree | Wintergemüse
Für mich persönlich war das alles an Genuss genug, sodass für mich persönlich dasgegen das Dessert entschied.
Diese sollte das Menü, wie schon die Gänge zuvor, vielschichtig und abwechslungsreich mit Eis von Tonkabohnen, einer weißen Schokoladencreme, der französischen „Bouche de
Noel“-Roulade und dem italienischen Florentiner-Gebäck abschließen.
Meine Begleitung wollte auf dieses süße Finale hingegen nicht verzichten und
berichtete, dass es ihr ohne Abstriche sehr gefiel .
Bouche de Noel | karamellisierte weiße Schokoladen-Mousse | dehydrierte Rotweinbirne | Florentiner | Tonkabohnen-Eis
Summa Summarum lässt sich über das gebotene Menü also sagen, dass die Qualität der Grundprodukte dem Anspruch durchaus gerecht werden konnten.
Schade war hingegen, dass durch eine oft zu starke Süße und anderen für mich handwerklichen Ungereimtheiten deren Aroma häufig nicht ausgereizt werden konnte.
Auch wenn sich an Service und Ambiente im Ganzen nichts groß aussetzen lässt, empfanden ich das gesamte Preis-Leistungs-Verhältnis (95€ pro Person exklusive Getränke) dann doch als nicht voll erfüllt.
 
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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